Apotheker ohne Grenzen

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Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V.
Logo
Gründung 2000
Sitz München
Aktionsraum weltweit
Schwerpunkt pharmazeutisch-medizinische Hilfe
Methode Aufklärung, Einsatz, Hilfe
Angestellte weltweit in vielen Projekten
Website www.apotheker-ohne-grenzen.de

Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V. wurde ursprünglich als nationale Vertretung von Pharmaciens Sans Frontières im Jahre 2000 gegründet. Innerhalb von 12 Jahren sind die Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V. (AoG) mit über 1100 Mitgliedern nicht nur die größte Sektion der Bewegung geworden, sondern haben sich auch als fester Bestandteil im Orchester der medizinischen Hilfsorganisationen etabliert. Der Verein arbeitet weltweit und setzt sich sowohl im Bereich der langfristigen Entwicklungskooperation als auch der kurzfristigen humanitären Hilfe für Menschen in Not ein.

AoG – das sind pharmazeutische Spezialisten, die Ärzteteams den Rücken freihalten, Personal im Umgang mit Medikamenten schulen, Logistikwege für Medikamente von gesicherter Qualität etablieren und weltweit ihr pharmazeutisches Knowhow einbringen. Zurzeit sind die Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V. in Argentinien, Haiti, Mexiko, Republik Moldau, Nepal, Tansania und in Kenia / Ostafrika tätig.

Ursprung[Bearbeiten]

Apotheker ohne Grenzen ist die deutsche Übersetzung des Namens der Hilfsorganisation Pharmaciens sans frontières, die 1985[1] in Frankreich nach dem Vorbild der Ärzte ohne Grenzen gegründet wurde. Nachdem in mehreren anderen Ländern das Vorbild aus Frankreich befolgt wurde und nationale Organisation gegründet wurden, wurde der Dachverband Pharmaciens sans frontières Comité International (PSFCI) installiert, der nicht nur die Operationen der Nationalverbände koordiniert, sondern auch eigentätig Projekte durchführt. Alle Partnerorganisationen haben sich verpflichtet, die internationale Charta[2] der PSF-Gruppezu respektieren.

Ziele[Bearbeiten]

Ziel aller Aktivitäten der Apotheker ohne Grenzen ist die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern. Dabei orientieren sie sich am konkreten Bedarf ihrer lokalen Projektpartner. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit:

  • Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit
AoG stellt hochwertige pharmazeutische Versorgung in der Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit sicher. Dabei orientieren sie sich immer am konkreten Bedarf vor Ort und arbeiten eng mit lokalen Projektpartnern zusammen.
  • Arzneimittel
Sie unterstützen Gesundheitsstationen mit Arzneimitteln geprüfter Qualität entsprechend den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation zu essenziellen Arzneimitteln (Essential Drug List[3]).
  • Schulungen (Aus- und Weiterbildung)
In den Projektländern fördert AoG die Ausbildung pharmazeutischen Personals und organisieren Schulungen, beispielsweise zu Hygiene oder zur Organisation eines Medikamentenlagers. In Deutschland führt AoG regelmäßige Schulungen für interessierte Mitglieder durch, in denen potenzielle Einsatzkräfte in die Grundlagen der humanitären Arbeit für Pharmazeuten eingeführt werden. Außerdem führen sie pharmazeutische Schulungen für Partnerorganisationen durch.
  • Öffentlichkeitsarbeit/Aufklärung
AoG engagiert sich gegen Arzneimittelfälschungen (z. B. im Projekt IMPACT[4] der WHO) und informiert über eine gute Arzneimittelspendenpraxis.

Chronik[Bearbeiten]

Ihren pharmazeutischen Sachverstand für Menschen in Not einzusetzen war das Ziel der 37 Apothekerinnen und Apotheker, die im Jahr 2000 den Verein Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V. ins Leben riefen. Den Impuls zur Vereinsgründung gab ein in Mexiko tätiger deutscher Apotheker.

2001 betreuten die Apotheker ohne Grenzen die Hilfsapotheke im Kloster Barticesti in Rumänien. Der Blick auf die Erfahrungen der französischen Partner und engagierter Kollegen weltweit half, die nächsten Projekte starten zu können: Die Patientenversorgung in Mexiko, den Bau eines Gesundheitszentrums in Argentinien oder den Ankauf von Arzneimitteln für Tansania als langfristige Projekte, deren Intention die Verbesserung von Strukturen in der Gesundheitsversorgung ist.

Der erste Notfalleinsatz der Apotheker ohne Grenzen galt den Opfern des Erdbebens in Indien 2001. Nach dem Tsunami im Dezember 2004 wechselten sich zahlreiche Teams mit ehrenamtlich arbeitenden Pharmazeuten an den Küsten Sri Lankas ab. Maßnahmen zum Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur des Landes folgten.

Pharmazeutisches Knowhow ist dabei nicht nur für die Versorgung der Patienten mit Medikamenten gefragt, sondern leider oft auch für die Entsorgung von Arzneimittelspendenmüll. 2006 mussten beispielsweise nach dem Erdbeben in Indonesien 50 Tonnen unbrauchbare Medikamente fachgerecht entsorgt werden; 2008 wurden in Myanmar bereits abgelaufene Arzneimittel entsorgt.

Seit 2007 unterstützt die Geschäftsstelle die Arbeit des Vorstands und der Projektkoordinatoren. AoG engagiert sich in langfristigen Projekten und blickt auf vielfältige Erfahrungen in der Nothilfe zurück. Notfalleinsätze fanden unter anderem in Haiti (2010), Kenia (2008, 2011), Pakistan (2005) und Sri Lanka (2004) statt.[5]

Langfristige Projekte[Bearbeiten]

Argentinien[Bearbeiten]

„Cartoneros“ in Argentinien

Die Hilfe der Apotheker ohne Grenzen in Argentinien ist vielseitig: In verschiedenen Orten und Projekten stehen die Versorgung mit Arzneimitteln, der Bau funktionsfähiger Apotheken in Gesundheitszentren, Zahnhygieneprojekte für Kinder sowie Schulungen und Ausbildung im Gesundheitsbereich auf dem Programm. Ende Februar 2008 wurde das Gesundheitssystem der Provinz Buenos Aires vom Gouverneur als „administrativer Notfall“ eingestuft, es läuft Gefahr zu kollabieren. Die Kindersterblichkeit ist 2007 wieder gestiegen, viele Schwangerschaften werden nicht oder zu spät kontrolliert, es gibt viele Frühgeburten und untergewichtige Kinder. Die Wirtschaftskrise von 2002 hatte Argentinien radikal verändert. Der einst reichste Staat Lateinamerikas war plötzlich bankrott. Viele Bürger der Mittelschicht fanden sich plötzlich ohne Erspartes und ohne Arbeit wieder. Die Zahl der Krankenversicherten hat stark abgenommen. „Schwarze Jobs“ bieten keinen Versicherungsschutz. Für Arztbesuche und Medikamente fehlen vor allem Familien mit Kindern die finanziellen Mittel. Die wirtschaftliche Erholung erreichte die ärmeren Schichten nicht.

Im Viertel „General San Martin“ in der Provinz Buenos Aires leben ein Drittel der 14-Jährigen unter der Armutsgrenze. Fast die Hälfte der Bevölkerung hat nicht mehr als sieben Jahre die Schule besucht. Mehr als zwei Drittel haben keine Krankenversicherung.

Trinkwasseranschlüsse sind improvisiert. Probleme mit der Abwasser- und Müllentsorgung sind an der Tagesordnung. AIDS- und Tuberkulosefälle nehmen zu. Drogenhandel und -konsum haben den gesamten Distrikt unsicher gemacht.

Haiti[Bearbeiten]

Die Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V. engagieren sich mit verschiedenen Hilfsprojekten seit 2008 in Haiti. Der Fokus aller Bemühungen liegt darin, den Bedürftigsten einen Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung und essenziellen Arzneimitteln zu schaffen. Nach Nothilfeeinsätzen 2008 (Hurrikan) und 2010 (Erdbeben) sowie einer Cholera-Intervention (2010–2011) engagiert sich AoG langfristig im Ausbau eines Gesundheitszentrums in der Stadt Léogâne, südwestlich der Hauptstadt Port-au-Prince.

Im Gesundheitszentrum von Léogâne und der integrierten Apotheke geht es mit großen Schritten voran. AoG Mitarbeiter sind mehrmals im Jahr vor Ort, schulen die lokalen Mitarbeiter und helfen die Medikamentenlagerung, -bestellung, und auch die Patientenbetreuung noch weiter zu verbessern. Haiti ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich ein Nothilfeeinsatz in langfristiges Engagement wandeln kann. Aus einem humanitären Einsatz direkt nach dem verheerenden Erdbeben wurde ein Entwicklungsprojekt mit dem Ziel, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung dauerhaft zu verbessern. Haiti zeigt aber auch, wie wichtig der ehrenamtliche Einsatz bei Apotheker ohne Grenzen weiterhin ist. Bis zum Jahresende 2011 wurde in über 400 Arbeitstagen mehr als 5000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit geleistet. 2012 wurde unter Leitung des deutschen AoG-Partners, dem Missionsärztlichen Institut in Würzburg, ein Ausbau des Gesundheitszentrums geplant. Auch die Apotheke wird umgebaut und vergrößert werden, um den steigenden Anforderungen und Patientenzahlen zu entsprechen.

„Clinical Outreach Programm“ Kenia: Einige Gegenden sind ohne Flugzeug nur schwer zu erreichen.

Kenia[Bearbeiten]

Es gibt zwar eine staatliche Gesundheitsversorgung, leider ist diese in vielen Teilen des Landes nur unzureichend. Es fehlt an Medikamenten, Materialien und Personal. Private Kliniken und Ärzte können sich die wenigsten Menschen leisten. Ein weiteres Problem sind auch Arzneimittelfälschungen.

AoG reagierte im Frühsommer 2011 auf die sich zuspitzende Hungersnot am Horn von Afrika und entsandte in Kooperation mit Landsaid e.V. Apotheker in einen Einsatz in Kenia. Neue Kontakte vor Ort wurden genutzt, um nun ein langfristiges Projekt in der Region aufzubauen. AoG hat seit 2012 die Kooperation mit der Partnerorganisation AMREF Flying Doctors vertieft und Medikamente, medizinisches Gerät und auch personelle Unterstützung im Zentrallager in Nairobi, dem Dreh- und Angelpunkt für die Flüge der Flying Doctors, zur Verfügung gestellt sowie deren pharmazeutisches Knowhow bedarfsgerecht verbessert.

Mexiko[Bearbeiten]

Auch in Mexiko legt AoG großen Wert auf die Betreuung und Weiterbildung von lokalen Gesundheitsbeauftragten. In mehreren Regionen werden halbjährlich Schulungen durchgeführt und die sogenannten „Promotores de Salud“ mit essentiellen Basismedikamenten ausgerüstet, um die indigene Bevölkerung angemessen versorgen zu können. Die abgeschiedene Lage vieler indigener Gemeinden in den Bergen zieht zahlreiche Hindernisse für die Gesundheitsversorgung nach sich: Transportwege und Straßen sind in einem schlechten Zustand. Manche Orte sind nur zu Fuß erreichbar. Die Kommunikation ist schwierig, das Telefonnetz instabil.

Die Bodenerosion beschränkt den Anbau von Mais, Bohnen und Paprika auf den Eigenbedarf der Menschen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Politisch werden die Gemeinden in den Bergen vernachlässigt.

Auf Grund von Infektionskrankheiten und mangelnder Hygiene ist die Kindersterblichkeit unter den Indios doppelt so hoch wie in der restlichen Bevölkerung. Die Lebenserwartung liegt ebenfalls deutlich unter dem Landesschnitt.

Ein Großteil der indigenen Bevölkerung lebt in ärmsten Verhältnissen: Medikamente und medizinische Betreuung können sich diese Menschen nicht leisten, die staatliche Versorgung in den ländlichen Gebieten ist unzureichend, die Wege zum nächsten Gesundheitszentrum mit medizinischem Fachpersonal sind weit und beschwerlich.

Moldau[Bearbeiten]

Bereits seit 2003 engagieren sich die Apotheker ohne Grenzen im ärmsten Land Europas. Einen Schwerpunkt ihrer Projekte in der Republik Moldau bildet die medizinische Versorgung von Neugeborenen und Kleinkindern. Fünf Entbindungsstationen auf dem Land sowie in der Hauptstadt Chisinau erhalten von den Apothekern ohne Grenzen das im Land bis heute nicht verfügbare Vitamin K. Zudem konnte mit medizinischen Geräten gezielt die Ausstattung verbessert werden.

Neben den Neugeborenen-Stationen unterstützt AoG eine PTA-Schule in der Hauptstadt mit Lehrmaterial, Geräten und Reagenzien. In einem weiteren Programm erhalten Kinder mit Diabetes von den Apothekern ohne Grenzen Glukosemessstreifen zur Selbstkontrolle.

Die Apotheker ohne Grenzen kooperieren mit der moldawischen Organisation Ajutor Copiilor, „ Hilfe für Kinder“, und der französischen Organisation Pédiatres du Monde.

Auch wenn die verfügbaren Einkommen in Moldawien in den letzten Jahren gestiegen sind, reichen diese meist nicht aus, um die Lebenskosten zu decken. Das durchschnittliche Einkommen beträgt ca. 100€, Rentner erhalten nur ca. 20€ pro Monat. Das staatliche Gesundheitssystem ist unterfinanziert. Die meisten Apotheken in den größeren Gemeinden auf dem Land haben geschlossen. Die Preise für Medikamente und medizinische Betreuung sind in unerschwingliche Höhen geschossen. Unterernährung, fehlende Schutzimpfungen und mangelnde medizinische Versorgung führen zu Krankheiten wie Tuberkulose und Haut-, Herz- und Kreislaufkrankheiten.

Die Behandlung von Kindern bis zu fünf Jahren ist kostenlos, doch das staatliche Budget reicht nicht aus, um auch nur die Grundversorgung zu garantieren.

Nepal[Bearbeiten]

Das Projektgebiet der Apotheker ohne Grenzen liegt im Baglung-Distrikt, 300 km westlich der Hauptstadt Kathmandu in einer Mittelgebirgsregion. Dort leben ca. 28.000 Menschen. Ihre Lebenssituation ist durch große Armut geprägt. Die Gesundheitsversorgung ist auf niedrigstem Niveau, nur ca. 25 % des Arzneimittelbedarfs werden gedeckt. Die Health Worker in den Gesundheitsposten sind oft unzureichend ausgebildet. Die hygienischen Bedingungen und die Lagerung der Medikamente liegen weit unter internationalen Standards.

Die Apotheker ohne Grenzen starteten Anfang 2009 ihre Projektarbeit in der Region. In fünf Dörfern werden die Primary Health Centres oder Sub Health Posts mit Arzneimitteln und Verbrauchsmaterial unterstützt. Sie werden beim Großhandel in der Hauptstadt Kathmandu bestellt.

Ihre lokale Partnerorganisation in Nepal ist die Social Welfare Association of Nepal (SWAN). Mit dem District Hospital in Baglung arbeiten sie ebenfalls zusammen. Die Menschen in Baglung haben nahezu kein Bewusstsein für Gesundheitsfragen. Workshops sollen das Interesse an der Verbesserung ihrer gesundheitlichen Situation wecken.

Mehrmals jährlich werden sich deutsche Apotheker im Projektgebiet mit der Verbesserung des Warenbestands, der Lagerung und den hygienischen Bedingungen befassen. Dabei werden die Health Worker geschult und die weitere Arbeit mit den Vertretern von SWAN besprochen.

Die Projektkoordinatoren werden weitere Sub Health Posts im Baglung-Distrikt zur Ausdehnung der Projektarbeit evaluieren. Ebenso wird der Bedarf an Arzneimitteln und Verbrauchsmaterial immer wieder neu angepasst. Sie werden die Health Worker schulen und die weitere Arbeit mit den Vertretern von SWAN besprechen. Die Projektkoordinatoren werden weitere Sub Health Posts im Baglung-Distrikt zur Ausdehnung der Projektarbeit evaluieren.

Tansania[Bearbeiten]

In Tansania unterstützen die Apotheker ohne Grenzen den Arzneimittelbezug einer Krankenstation in Hanga. In ihrem Einzugsgebiet leben über 20.000 Menschen.

In der Rangliste des Human Development Index steht Tansania zur Zeit auf Platz 152 von 179. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch, die Lebenserwartung liegt bei durchschnittlich 46 Jahren. Im Süden des Landes leben die Menschen auf dem Land von Rinderzucht, Ackerbau und Kleinviehhaltung.

Die Erträge reichen für die eigene Ernährung, nicht aber für den Weiterverkauf. Finanzielle Mittel für Medikamente und Gesundheitsversorgung fehlen den meisten.

Finanzielle Unterstützung allein reicht für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung jedoch nicht aus. Pharmazeutischer Sachverstand ist zur Lösung eines immer stärker zunehmenden Problems gefragt: Wie fast überall in Afrika sind auch die Menschen und das medizinische Personal in Hanga mit Arzneimittelfälschungen konfrontiert.

Die WHO schätzt, dass in Afrika jedes zweite bis dritte Medikament gefälscht ist. Durch die Unterstützung der Apotheker ohne Grenzen ist es möglich, den Arzneimittelbedarf in der Hauptstadt Dar es Salaam bei der Niederlassung des Deutschen Medikamenten-Hilfswerks Action Medeor zu bestellen. So können die Patienten mit sicheren Arzneimitteln behandelt werden.

Arzneimittelspenden[Bearbeiten]

Spendenmüll vermeiden - Informationsarbeit für eine gute Arzneimittelspendenpraxis

In den so genannten Entwicklungsländern haben 50% aller Menschen keinen Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln. Die Apotheker ohne Grenzen haben es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, weltweit Arznei- und Verbandmittel zur Verfügung zu stellen. In Deutschland sind alle Arzneimittel in der Regel verfügbar, es gibt sogar einen Überschuss an nicht benötigten Arzneimitteln. Mehrere Gründe sprechen dennoch gegen das Spenden von Altarzneimitteln.

Argumente gegen Medikamentenrecycling

  • Bedarfsgerechte Arzneimittel
Der Bedarf in den Ländern, in denen Not herrscht, ist ein ganz anderer als der in Deutschland. Es werden zum Beispiel Malariamedikamente und Mittel gegen Tuberkulose benötigt. Die Behandlung von chronischen Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck muss auch in armen Ländern langfristig durch die regelmäßige Versorgung mit den gleichen Wirkstoffen sichergestellt werden. Dies kann durch unregelmäßige Arzneimittelspenden nicht erreicht werden. So kann es vorkommen, dass 80-90% der gespendeten Arzneimittel nicht dem Bedarf entsprechen und aufwändig entsorgt werden müssen.
  • Bezeichnung und Beipackzettel
Arzneimittel müssen in einer Sprache beschriftet sein, die dem Gesundheitspersonal im Empfängerland geläufig ist. Hierzu gehört vor allem auch der internationale Freiname. Die Handelsnamen sind irreführend, da sie nur im Herstellerland gängig sind.
  • Gleichbleibende Zusammensetzung
Eine Vielzahl von verschiedenen Stärken eines Arzneistoffes, wie sie bei einer Sammlung von Arzneimitteln auftreten, stiften Verwirrung beim lokalen Personal in Gesundheitsstationen, da eine Umrechnung oft schwierig ist.
Ein Wirkstoff sollte möglichst in einer Stärke und Darreichungsform gespendet werden. Zäpfchen sind zum Beispiel in vielen Ländern unbekannt und wegen der klimatischen Verhältnisse oft vollkommen ungeeignet.
  • Mindesthaltbarkeit
Die Mindesthaltbarkeit muss mindestens ein Jahr betragen. Das Sortieren einer Spende nach Haltbarkeiten ist sehr zeitaufwändig und das Vernichten der verfallenen Ware ebenso.
  • Qualitätsnachweis
Die Qualität der Ware muss gewährleistet sein. Die Arzneimittel müssen aus einer zuverlässigen Quelle stammen und allen Qualitätsanforderungen entsprechen.
  • Arbeitsaufwand
Das Sammeln, Sortieren und auch Vernichten von Altarzneimitteln führt zu einem hohen personellen und damit auch finanziellen Aufwand. Der Kauf von Arzneimitteln in Großpackungen (sogenannter Bulkware) ist im Vergleich dazu wesentlich günstiger.
  • Fehlende Abstimmung mit Empfängerländern
Die Bedürfnisse des Empfängerlandes müssen bekannt sein und auch berücksichtigt werden. So traf beim Einsatz der Apotheker ohne Grenzen Deutschland in Indien ein Mitarbeiter vor Ort auf eine größere Spende von Säuglingsnahrung unbekannter Herkunft. Diese gutgemeinte Spende kann aber dazu führen, dass die Mütter das Stillen Ihrer Säuglinge einstellen und nach Aufbrauchen der Vorräte ohne Nahrung für ihre Kinder sind.
  • Kombinationsmittel
Kombinationsmittel wie zum Beispiel Grippetabletten sind unabhängig von jeglicher pharmakologischer Bewertung als Spende ungeeignet. Die richtige Anwendung ist hier allein aus sprachlichen Gründen sehr fraglich.

Spenden ohne Arzneimittelspendenmüll ist möglich
Es ergibt sich eine Vielzahl von Problemen mit Arzneimittelsammlungen. Aber natürlich bedeutet dies nicht, dass AoG auf Arzneimittelspenden verzichten muss. Man sollte nur richtig spenden, denn es gibt Lösungen für diese Probleme:

  • WHO Guideline, Nationale AM Listen
Es gibt seit 1977 eine WHO-Liste "Unentbehrlicher Arzneimittel", aus der die gewünschten Arzneimittel ausgewählt werden können. Sie enthält etwa 300 Wirkstoffe in verschiedenen Darreichungsformen und reicht aus, um 90% der durch Arzneimittel beeinflussbaren Krankheiten zu behandeln. So sind z.B. nur fünf Analgetika inklusive der Opioide aufgeführt. Angelehnt an diese Liste werden von Gesundheitsfachleuten in vielen Ländern entsprechende nationale Arzneimittellisten erstellt.
  • Großpackungen
Der Einsatz von Großpackungen beziehungsweise Bulkware ist sehr preisgünstig und die Qualität ist von den Anbietern geprüft und garantiert. 1.000 Tabletten Paracetamol à 500 mg kosten nur etwa 11€.
  • Förderung der inländischen Produktion
In vielen Ländern gibt es eine gute Arzneimittelherstellung. Nach Möglichkeit sollten Arzneimittel im Empfängerland erworben werden. Dies ist meistens nicht nur preisgünstiger, sondern stärkt auch die Wirtschaft im Land.
  • Emergency Health Kits
Bei Notfalleinsätzen haben sich sogenannte Emergency Health Kits bewährt. Solch ein Notfallsortiment aller wichtigen Arzneimittel für Katastropheneinsätze ist bereits fertig verpackt und preisgünstig. Bei verschiedenen Einsätzen der Apotheker ohne Grenzen Deutschland kommen solche Emergency Health Kits zum Einsatz. Weltweit sind Mediziner mit den Kits vertraut. Mit einem Kit können bis zu 10.000 Menschen über drei Monate medizinisch mit dem Nötigsten versorgt werden.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Ehrenpreis für Zahnhygieneprojekt der Apotheker ohne Grenzen in Argentinien (2009)
Das Zahnhygieneprojekt der Apotheker ohne Grenzen Deutschland e. V. in Villa Zagala in der Provinz Buenos Aires hat auf dem Jahreskongress der Allgemeinmediziner 2009 in Las Grutas, Rio Negro, in Argentinien den ersten Preis für die beste interdisziplinäre Arbeit gewonnen.
  • Erster Preis für AoG beim argentinischen Apothekerkongress (2011)
Auf dem argentinischen Apothekerkongress wurde der AoG-Projektkoordinatorin für Argentinien, Dr. Carina Vetye-Maler, sowie den lokalen Mitarbeitern in der Kategorie „Professionelle pharmazeutische Arbeit“ der erste Preis verliehen.
  • Erster Preis für AoG beim südamerikanischen Apothekerkongress FeFaS (2012)
Die Arbeit „Einhaltung der oralen Arzneimitteltherapie bei Diabetikern Typ II eines Armenviertels in An- bzw. Abwesenheit von Apothekern im Gesundheitsteam“ erhielt im Bereich „Atención Farmacéutica“, in dem 34 Poster vorgestellt wurden, erneut den ersten Preis.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pharmaciens sans frontièrs CI: historique (abgerufen am 5. September 2013)
  2. Internationale Charta der PSF-Gruppe
  3. Essential Drug List
  4. Projekt IMPACT
  5. Notfalleinsätze der Apotheker ohne Grenzen