Apple Lisa

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Lisa 2 (1984) mit einem geöffneten Arbeitsfenster und Maus, am unteren Bildschirmrand halbverdeckt einige der Desktop-Symbole wie „Disk“ und „Papierkorb“.

Der Apple Lisa (auch nur „Lisa“ oder „The Lisa“ genannt) von 1983 war einer der ersten Personal Computer, der über eine Maus und ein Betriebssystem mit graphischer Benutzeroberfläche verfügte. Wegen des hohen Preises von rund 10.000 US-Dollar verkaufte sich der Rechner schlecht, und Apple stellte die Produktion bereits 1984 wieder ein. In der Computergeschichte gilt Lisa als Vorbereitung des deutlich preisgünstigeren, aber technisch ähnlichen Apple Macintosh im Jahr 1984. Mittelfristig wurde der „Mac“ dann zum großen Erfolg für den kalifornischen Computerkonzern.

Bedeutung[Bearbeiten]

Der zwei Jahre zuvor erschienene IBM PC wurde noch über die althergebrachte Kommandozeile bedient.
Apple Lisa (oben: Festplatte)

Bis Anfang der 1980er Jahre wurden Computer üblicherweise per Tastatur über eine Kommandozeile bedient. Lisa war – neben dem kaum bekannten Xerox Star von 1981 – der erste kommerzielle Computer, der eine graphische Benutzeroberfläche mit Schreibtischcharakter und Mausbedienung bot. Steve Jobs, der Lisa als Nachfolger des beliebten Apple II entwickeln ließ, hatte die Inspiration dazu bei einem Besuch des Xerox PARC 1979 bekommen, als er den Forschungsrechner Xerox Alto von 1974 sah. Lisa stand in Konkurrenz zum kurz zuvor erschienenen PC von IBM. Zwar bot Microsoft ab 1985 mit der Einführung von Microsoft Windows eine prinzipiell vergleichbare graphische Benutzeroberfläche für IBM-PC-kompatible Computer an – diese galt jedoch in den ersten Jahren als wenig ausgereift und erst mit der Version 3.0 ab etwa 1990 allmählich als ernst zu nehmende Konkurrenz zu Apples Produkten.

Die New York Times schrieb am 19. Januar 1983, unmittelbar vor Erscheinen des Computers:

„Statt Befehle einzutippen, zeigt man auf Bilder auf dem Bildschirm, indem man ein von Hand geführtes Gerät, genannt Maus, auf der Oberfläche des Schreibtischs, nah beim Computer herumschiebt. Während die Maus sich bewegt, bewegt sich der Cursor – das ist der Pfeil, der auf bestimmte Stellen am Bildschirm zeigt – entsprechend.“

The New York Times: Andrew Pollack: Apple's Lisa Makes a Debut. 19. Januar 1983. Aus dem Englischen übersetzt

Die Londoner Sunday Times schrieb am 25. Januar 1983:

„Heute sehen wir uns die beiden großen Veröffentlichungen der letzten Woche genauer an – das europäische Debüt des IBM Personal Computers und die Premiere von Apples Lisa. International gesehen war Lisa das weitaus spannendere Ereignis: Ein neuer Computer, auf den die beiden überstrapazierten Werbesprüche ‚bedienerfreundlich‘ und ‚revolutionär‘ tatsächlich zutreffen.“

The Sunday Times: Clive Cookson: Friendly Lisa steals the limeligh. 25. Januar 1983. Aus dem Englischen übersetzt

Dass Lisa einen Meilenstein in der Computertechnik darstellte, wird auch anhand eines sehr positiv geschriebenen Erfahrungsberichts eines Computerredakteurs von 1983 deutlich:[1]

„Das eigentliche Kennzeichen der Lisa ist die ‚Maus‘. Dieses kleine Handgerät, durch eine dünne Schnur mit dem Computer verbunden, ist Lisas ‚Mensch/Maschine-Schnittstelle‘. Mit der Rollkugel und der Taste ermöglicht die Maus die ‚intuitive‘ Bedienungsführung. Durch Rollen auf der Tischplatte wird der Cursor auf dem Bildschirm geführt, ein Befehlswort oder ein Symbol ‚angeklickt‘, und schon hat man Lisa einen Befehl erteilt, ohne daß man die Tastatur berührt hätte oder komplizierte Kommandosprachen beherrschen müßte.“

Namensherkunft[Bearbeiten]

Während in den mitgelieferten Originaldokumenten des Lisa OS lediglich von „The Lisa“ die Rede war, wurde von Apple offiziell behauptet, dass es sich bei Lisa um ein Akronym für Local Integrated Software Architecture handle, also „lokale integrierte Softwarearchitektur“. Da Steve Jobs’ erste Tochter, welche 1978 geboren wurde, den Namen Lisa Jobs erhielt, geht man im Allgemeinen auch davon aus, dass der Name eine persönliche Bedeutung hat und es sich ergo um ein Backronym handelt.

Hardware[Bearbeiten]

Lisa 2 / Macintosh XL
Ein original Apple Lisa auf der Apple Convention, Boston, Frühjahr 1983

Als Prozessor kam der Motorola 68000 (inkl. MMU) mit 5 MHz und 16-Bit-Datenbus zum Einsatz. 512 kB RAM waren auf die Hauptplatine aufgelötet, während der Nutzer den Rechner auf maximal 1 MB RAM aufrüsten konnte.

Der Lisa verfügte über zwei 5¼-Zoll-Diskettenlaufwerke mit jeweils 871 kB Kapazität. Eine externe Festplatte mit einer Maximalgröße von 10 MB konnte nachgerüstet werden.

Schon 1984 erschien mit dem Lisa 2 ein überarbeitetes Modell, bei dem unter anderen die beiden 5¼-Zoll-Diskettenlaufwerke durch ein einzelnes, moderneres 3,5-Zoll-Laufwerk ersetzt worden waren.

Software[Bearbeiten]

Darstellung der graphischen Benutzeroberfläche des Apple Lisa (graphisch nachgestellt, kein echter Screenshot).

Als Betriebssystem wurde Lisa OS verwendet, alternativ auch Xenix.

Die graphische Benutzeroberfläche wurde Lisa Shell genannt und hatte große Symbole, die einen Schreibtisch darstellten, was in den folgenden Jahren – mit einiger Verzögerung bei anderen Herstellern – zum heute noch üblichen Industriestandard wurde.

Sechs Büroanwendungen wurden mitgeliefert: LisaCalc, LisaGraph, LisaDraw, LisaWrite, LisaProject und LisaList. LisaTerminal kostete 850 DM extra. Als zusätzliche Programmiersprachen gab es BASIC, COBOL und Pascal.

Wirtschaftlicher Misserfolg[Bearbeiten]

Apple Lisa war mit einem Preis von 9995 US-Dollar sehr teuer (in Deutschland etwa 30.000 DM in Österreich 200.000 Schilling, nach heutiger Kaufkraft ca. 26.000 Euro) und verkaufte sich trotz der guten Ausstattung und des damals hochinnovativen Konzepts schlecht. Um sie zumindest von der Steuer abschreiben zu können, wurden 2700 unverkäufliche Apple Lisa 1989 auf einer Müllhalde im US-Bundesstaat Utah einfach vergraben.[2] Der Nachfolger Lisa 2 (1984) wurde Anfang 1985 (nach Einführung des auch „Schuhkarton“ genannten kleinen Macintosh) umbenannt in Macintosh XL. In Österreich gab es zu dieser Zeit nur wenige Händler, bei denen man Lisa kaufen konnte.

Populärkultur[Bearbeiten]

In der Simpsons-Episode 497 (Freundschaftsanfrage von Lisa, im Original: The D’Oh-cial Network. Staffel 23, Episode 11) ist Lisa Simpson in einer Aufnahme zu sehen, wie sie auf einem alten Lisa der Marke „Mapple“ – Persiflage des Elektronikherstellers Apple – arbeitet.

Literatur[Bearbeiten]

  • W. Owen Linzmayer: Apple – streng vertraulich. Midas, Zürich 2000, ISBN 3-907100-12-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Apple Lisa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Fischer: Erste Erfahrungen mit LISA. 65xx Micro Mag, Nr. 33, Oktober 1983, archiviert bei Computer History Online
  2. Torsten Beyer: Vom Aussterben der Vielfalt. iX, 1/1999