Aquadag

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Aquadag ist eine Kurzbezeichnung für Aqua deflocculated acheson graphite.

Oszilloskop-Röhre mit deutlich sichtbarer Aquadag-Schicht

Aquadag ist eine wässrige Suspension von kolloidalem Graphit in gelartigen Flüssigkeiten und wurde von der Firma Acheson Industries, einer Tochterfirma der Imperial Chemical Industries (ICI), heute Henkel, hergestellt. Espe gibt als Inhaltsstoffe[1] Agar, Wasser, Graphitpulver und Ammoniak[2] an, die in einer Kugelmühle vermischt werden. Er wird z. B. in der Vakuumtechnik verwendet, wenn elektrisch leitende, temperaturunempfindliche Beläge mit geringer Neigung zur Sekundärelektronenemission benötigt werden.

Verwendung[Bearbeiten]

Aquadag wird bei der Herstellung von Kathodenstrahlröhren auf die Innenfläche eines Teils des rückwärtigen Glaskolbens aufgetragen, um elektrisch leitfähige Schichten zu erhalten, welche Streuelektronen aufnehmen und externe elektrische Felder abschirmen sollen. Während des Ausheizens der fertig montierten Röhren zerfallen die organischen Bestandteile und werden mit der Vakuumpumpe abgesaugt, während auf dem Glaskolben eine reine, gut haftende und schwach leitende Graphitschicht zurückbleibt.

Oft wird, vor allem bei Fernsehbildröhren, zusätzlich auf die rückwärtige Außenseite der Kathodenstrahlröhre eine zweite Schicht aus Aquadag aufgetragen - während die innere Schicht leitfähig mit der Hochspannungs-Anode verbunden ist, liegt die äußere Schicht wie die Kathode auf Erdniveau. So können die beiden Schichten wie ein sehr hochspannungsfester Plattenkondensator wirken, welcher die Hochspannung glättet und somit Unregelmäßigkeiten im Hochspannungsausstoß des Zeilentransformators ausgleicht. Ein gewöhnlicher Kondensator gleicher Kapazität und Spannungsfestigkeit wäre ein übergroßes Bauteil, welches Kosten und Ausmaße des Empfängers empfindlich erhöhen würde.

Ebenfalls erhielten frühe Elektronenröhren im Bereich des eigentlichen Röhrensystems einen innenseitigen Belag aus Aquadag, um unerwünschte Effekte durch aus dem Glaskolben ausgeschlagene Sekundärelektronen zu unterbinden. Aquadag fand auch bei der Herstellung von Magischen Augen Verwendung. Zwischen Leuchtanode und Leuchtschicht aufgebracht, wird die Ableitung von Elektronen erleichtert und damit deren Leuchtkraft erhöht.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Nach Philips-Unterlagen.
  2. Gegen Bakterienbefall.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Werner Espe: Werkstoffkunde der Hochvakuumtechnik. 1: Metalle und metallisch leitende Werkstoffe, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1957.
  •  Rudolf Goldammer: Der Fernseh-Empfänger. 3 Auflage. Franzis-Verlag, München 1958.