Arbeit (Philosophie)

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Die Arbeit als philosophische Kategorie erfasst alle Prozesse der bewussten schöpferischen Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur und der Gesellschaft. Sinngeber dieser Prozesse sind die selbstbestimmt und eigenverantwortlich handelnden Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Anschauungen im Rahmen der aktuellen Naturgegebenheiten und gesellschaftlichen Arbeitsbedingungen.

Wortgeschichte[Bearbeiten]

„Die Genese des Wortes (lat. arvum: Ackerland)“[1] leitet sich vom Bearbeiten des Ackerlandes her. Im Alt- und Mittelhochdeutschen überwiegt die Wortbedeutung „Mühsal“, „Strapaze“, „Plage“ (vgl. Psalm 90).

Der vorphilosophische Sprachgebrauch hatte drei Bedeutungen:

  1. Arbeit als Mühsal,
  2. Arbeit als Tätigkeit zur Sicherung des Lebensunterhaltes und Verbesserungen der Lebensbedingungen und
  3. Arbeit als Resultat dieser Anstrengungen: als Leistung, Werk. [2].

Im heutigen Sprachgebrauch meint Arbeit im anthropologischen und philosophischen Sinn die „Tätigkeit des Menschen in Abhängigkeit von Natur und natürlicher Bedürftigkeit zum Zweck der Lebensunterhaltung und -verbesserung.“[3].

Zweck und Ziel der Arbeit[Bearbeiten]

Menschen suchen mittels Arbeit unterschiedliche, auch divergierende Ziele zu erreichen. Auf der Abstraktionsebene der Kategorie Arbeit wird deutlich, dass der Mensch in allen Gesellschaftssystemen - unter Aufhebung systemimmanenter Widersprüche - stets folgende übergeordnete Ziele verfolgt:

Arbeit als Gegenstand philosophischer Theorien[Bearbeiten]

Wer sich mit dem Begriff „Arbeit“ vom philosophischen Standpunkt aus beschäftigt, stößt auf ein Dilemma: Obwohl die „Arbeit“ in ihrer Formenvielfalt eine Konstante des menschlichen Daseins ist, gibt es nur wenig namhafte Philosophen, die sie aus der Ökonomie, Ethik oder Theologie herausgehoben haben. Platon sah für seine „bewusste schöpferische Auseinandersetzung mit der Natur und der Gesellschaft“ nicht die physisch-handwerkliche Tätigkeit, sondern die geistig-kontemplative Muße als Grundbedingung. Von der Antike bis ins Mittelalter galt: Nur wer sich alltäglichen Mühen und Arbeitszwängen entzieht, hat Zeit, seinen Bedürfnissen zu frönen, und den Kopf frei für neue Erkenntnisse und kreatives Handeln. Diese Auffassung ist heute noch unter dem Aspekt nachvollziehbar, dass unter Zwang die hinreichende Kreativität und der Bedürfnisbezug der Arbeit verloren gehen.

Aristoteles kommt mit einer Kategorie im Sinne von „Tun oder Bewirken“ der Arbeit recht nah, wobei sich diese Kategorie aber auf die Natur insgesamt bezieht. Überwiegend wird Arbeit jedoch im Zusammenhang mit oder sogar als Synonym für Tätigkeit oder „Tat“, Produktion, „nützliches Handeln“, Beruf, Erwerbstätigkeit, „Dienst für die Gemeinschaft“ usw. partiell abgehandelt (vgl. Arbeitssoziologie).

Im Mittelalter und während der Reformation wurden in Europa meist theologische Debatten über die Arbeit geführt (vgl.Benedikt von Nursia, Johannes Calvin, Martin Luther). Deutsche Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts definierten die Arbeit moralphilosophisch und erklärten sie zur sittlichen Pflicht und Existenzbedingung des menschlichen Daseins (vgl. Immanuel Kant, Johann Gottfried Herder, Georg Wilhelm Friedrich Hegel oder Johann Gottlieb Fichte). Gleichzeitig kamen zunehmend ökonomische und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge ins Blickfeld (vgl. David Hume, Adam Smith, David Ricardo, Charles Fourier, Henri de Saint-Simon).

Karl Marx und Friedrich Engels stützten ihre Gesellschaftsanalyse und Kritik der politischen Ökonomie mit einer entwickelten Arbeitsphilosophie ab. „Der Anspruch von Marx, Hegel vom Kopf auf die Füße stellen zu wollen, trifft genau diesen Aspekt: An die Stelle des göttlichen Absoluten bei Hegel tritt bei Marx das materiell-ökonomische Absolute des Produktionsprozesses bzw. der Arbeit als die alles begründende Wirklichkeit.“[4] In einem Aufsatz über den „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“ schreibt Friedrich Engels: „Die Arbeit ist die Quelle allen Reichtums, sagen die politischen Ökonomen. Sie ist dies - neben der Natur, die ihr den Stoff liefert, den sie in Reichtum verwandelt. Aber sie ist noch unendlich mehr als dies. Sie ist die erste Grundbedingung alles menschlichen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, daß wir in gewissem Sinn sagen müssen: Sie hat den Menschen selbst geschaffen.“[5] Wie Hegel definieren Marx und Engels den Freiheitsbegriff als „Einsicht in die Notwendigkeit“ und heben damit den aus freiem Willen handelnden Menschen, dem die Arbeit ein notwendiges Lebensbedürfnis ist, aus der Masse jener heraus, die unter Zwang als Vasallen, Hörige oder gar Sklaven ausgebeutet werden. In Auseinandersetzung damit sind im 19. und 20. Jahrhundert zahlreiche Philosopheme zur Arbeit entwickelt worden (vgl. Ernst Bloch, Max Weber).

Friedrich Nietzsche nahm 1882 in seinem aphoristischen Werk Die fröhliche Wissenschaft ironischen Bezug auf die Debatte des 19. Jahrhunderts über selbst- und fremdbestimmte Arbeit:

„Die Arbeit bekommt immer mehr alles gute Gewissen auf ihre Seite: Der Hang zur Freude nennt sich bereits „Bedürfniss der Erholung“ und fängt an, sich vor sich selber zu schämen. „Man ist es seiner Gesundheit schuldig“ — so redet man, wenn man auf einer Landpartie ertappt wird. Ja, es könnte bald so weit kommen, dass man einem Hange zur vita contemplativa (das heißt zum Spazierengehen mit Gedanken und Freunden) nicht ohne Selbstverachtung und schlechtes Gewissen nachgäbe.“

Friedrich Nietzsche

Hannah Arendt sieht die Arbeit nicht in Verbindung mit dem Freiheitsbegriff, sondern als Zwang zur Erhaltung des Lebens, dem der Mensch von der Geburt bis zum Tod ständig unterliegt. In ihrem Werk „Vita activa oder vom tätigen Leben“ unterscheidet Hannah Arendt drei Tätigkeiten: arbeiten, herstellen und handeln. Ohne Geräte und Werkzeuge, die der Mensch herstellt, „um die Arbeit zu erleichtern und die Arbeitszeit zu verkürzen, könnte auch menschliches Leben nichts sein als Mühe und Arbeit.“[6] Das „Animal laborans“ ist dasjenige Wesen, das nur arbeitet. Für das animal laborans ist es „wie ein Wunder, daß es als Mensch auch und zugleich ein Wesen ist, das eine Welt kennt und bewohnt; vom Standpunkt des Homo fabers ist es wie ein Wunder, wie eine Offenbarung eines Göttlichen, daß es in dieser von ihm hergestellten Welt so etwas wie Sinn geben soll.“[7]

Für Arendt stellen das Handeln und Sprechen die „höchsten und menschlichsten Tätigkeiten der Vita activa“[8] dar. Unter dem Arbeitsbegriff subsumiert sie die individuellen Tätigkeiten, die unmittelbar zur Herstellung materieller Güter notwendig sind und die durch das interaktive, kommunikative Handeln der Menschen dominiert und gesellschaftlich vermittelt werden. Durch die begriffliche Reduktion der Arbeit auf Tätigkeiten vereinzelter Individuen, weitgehend abstrahiert von der gesellschaftlich notwendigen Organisation und Kommunikation in Produktionsprozessen, wird unwillkürlich die Entfremdung der Arbeit unter kapitalistischen Produktionsbedingungen aufgedeckt. Dazu schreibt Arendt: „(In) ihrem letzten Stadium verwandelt sich die Arbeitsgesellschaft in eine Gesellschaft von Jobholdern, und diese verlangt von denen, die ihr zugehören, kaum mehr als ein automatisches Funktionieren, als sei das Leben des Einzelnen bereits völlig untergetaucht in den Strom des Lebensprozesses, der die Gattung beherrscht, und als bestehe die einzige aktive, individuelle Entscheidung nur noch darin, sich selbst gleichsam loszulassen, seine Individualität aufzugeben, bzw. die Empfindungen zu betäuben, welche noch die Mühe und Not des Lebens registrieren, um dann völlig „beruhigt“ desto besser und reibungsloser „funktionieren“ zu können.“[9]

Jürgen Habermas kommt im Anschluss an seine Hegel-Interpretation 1968[10] auf die offene Frage zum Verhältnis von Arbeit und Interaktion. Auch er beantwortet diese Frage später in seinem Hauptwerk „Theorie des kommunikativen Handelns“ zugunsten des „Kommunikationsparadigmas“. Die fragwürdige Trennung von „Arbeit und Interaktion“ bzw. „Produktion und Kommunikation“ und die a priori Setzung der Kommunikationsbeziehungen löst nur scheinbar ein philosophisches Henne-Ei-Problem: Sprechen Menschen in Arbeits- bzw. Handlungssystemen miteinander, weil sie gemeinsam arbeiten, oder arbeiten sie gemeinsam, weil sie miteinander sprechen wollen?

Heute sehen Systemtheoretiker „menschliche Arbeit“ unter dem - einer philosophischen Kategorie - adäquaten Aspekt, nämlich als abstrakten Begriff für die von Menschen bewusst ausgeführten Interaktionen und Handlungen in sozialen und soziotechnischen Systemen, welcher Art auch immer diese Arbeitssysteme sein mögen. Der soziologische Systembegriff geht auf Talcott Parsons zurück, der in Handlungen (Arbeitsprozessen) die konstitutiven Elemente sozialer Systeme erkannte. Abweichend davon sah Niklas Luhmann in den Kommunikationsbeziehungen die bestimmenden Elemente und hob diese aus den Handlungen hervor. Mit dieser Auffassung ist Luhmann in der Tendenz idealistisch und leugnet die Tatsache, dass Kommunikationsprozesse als Teil übergeordneter Arbeitsprozesse zwar notwendige, aber keine hinreichenden Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung sozialer Systeme sind.

Historischer Aspekt[Bearbeiten]

Menschen setzen die Produktivkräfte ihrer Gesellschaftssysteme in „Arbeitsprozessen“ frei. Sie gestalten diese Prozesse arbeitsteilig nach den Regeln und Gesetzen der Systeme, in denen sie jeweils leben und zusammenarbeiten. Dabei bewegen sie sich in Systemstrukturen, in denen sie die Aneignung und Nutzung der Arbeits-Ressourcen und die Verteilung der Arbeits-Resultate – je nach Kultur oder Staatsform – geordnet haben. Diese Strukturen überformen Zweck und Ziel der Arbeit ökonomisch, ethisch und politisch. Die Arbeit erfährt dadurch eine historische Ausprägung. Die Marxsche Geschichtsphilosophie misst der vorherrschenden Produktionsweise, das heißt der Ökonomie die prägende Rolle zu. Max Weber geht von der Annahme aus, dass der historische Prozess durch das Zusammenwirken von Herrschaft, Kultur und Ökonomie geprägt wird, wobei der Einfluss epochenspezifisch unterschiedlich stark sein kann. Tendenziell sieht Weber Herrschaft als die dominierende anthropologische Universale[11]. Ungeachtet dieser und anderer philosophischer Anschauungen durchdringt und verbindet die Arbeit alle Dimensionen des gesellschaftlichen Lebens und nimmt dabei ihre epochengemäße, historische Form an.

Gemeinschaften der Jäger und Sammler[Bearbeiten]

Hauptartikel: Horde (Wildbeuter)

Ursprünglich entwickelten sich die Arbeits- und Handlungssysteme der neuzeitlichen Menschen innerhalb der Hordengesellschaft. Mit der allmählichen Aneignung der Natur begann der Übergang zum abstrakten Denken in Wechselwirkung mit der sich gleichzeitig herausbildenden Sprache:

„Arbeit zuerst, nach und dann mit ihr die Sprache - das sind die beiden wesentlichen Antriebe, unter deren Einfluß das Gehirn eines Affen in das bei aller Ähnlichkeit weit größere und vollkommnetere eines Menschen allmählich übergegangen ist. Mit der Fortbildung des Gehirns ging Hand in Hand die Fortbildung seiner nächsten Werkzeuge, der Sinnesorgane ...“

Friedrich Engels: Dialektik der Natur

Bis zum ausgehenden Jungpaläolithikum hatten diese nomadisierenden Jäger- und Sammlergemeinschaften im Zeitraum von ca. 100.000 Jahren mit Ausnahme der Antarktis alle Kontinente besiedelt (siehe Ausbreitung des Menschen). Neben der Anpassungsleistung an die Lebens- und Arbeitsbedingungen in unterschiedlichen Klimazonen entdeckten und verfeinerten die Menschen während dieser Jahrtausende ihre Methoden zur Ausbeutung der Natur und zur Durchsetzung gemeinschaftlicher Interessen gegen innere und äußere Feinde im Rahmen der Okkupationswirtschaft. Das betraf nicht nur die organisierte Vorbereitung und Durchführung gemeinschaftlicher Unternehmungen, sondern auch die Herstellung und Nutzung verbesserter oder neuartiger Werkzeuge, Jagd- und Kampfwaffen, Kleidung, Vorrats- und Transportbehältnisse oder die Errichtung befestigter Lagerplätze und Behausungen. Im Neolithikum begannen die Jäger- und Sammlergemeinschaften sich durch Domestizierung nützlicher Tiere und Pflanzen und Herden-begleitende Viehwirtschaft nach und nach auf agrikulturelle Produktionsmethoden umzustellen. Mit zunehmender Differenzierung der Arbeitsprozesse entwickelten sich neue kulturbildende Arbeitsfelder und Traditionen. Die Phänotypen der natürlichen Evolution, die vor allem äußere Merkmale der Menschen variierten, wie z. B. Hautfarbe oder Körperbau, wurden überlagert von kulturellen Variationen der sich herausbildenden Stämme und Völker. Grundlegend war dabei die Entwicklung der Sprachen, die den inneren Zusammenhalt der Gemeinschaften durch Rituale, Kunst und sonstige kommunikative Handlungen und Interaktionen verstärkten, wie zum Beispiel

  • Initiations- und Machtrituale, Bestattungskulte,
  • Freundschafts-, Versöhnungs-, Heiratszeremonien,
  • Heilungs-, Schadens- oder Verdammungszauber,
  • künstlerische Ausdrucksformen, Tanz, Musik, Ornamentik, Bilder, Skulpturen etc.,
  • Erzählungen von Abstammungs-, Jagd-, Kampf- und Überlebensmythen.

In den Stammesgemeinschaften und späteren Hochkulturen entwickelten sich metaphysische Vorstellungen, auf deren Grundlage das Schamanen- und Priestertum religiöse Kulte in die schöpferische Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur und der Gesellschaft einführte.

Agrargesellschaft[Bearbeiten]

Hauptartikel: Neolithische Revolution

Im Zuge der agrikulturellen Revolution entwickelten sich die Arbeits- und Handlungssysteme der Bauern- und Hirtenvölker. Die Okkupationswirtschaft verlor an Bedeutung und die Menschen wurden zu Produzenten ihrer Nahrungsmittel. Infolge der zunehmend ortsfesten Produktion entstanden Dorfgemeinschaften. Neue Methoden der Bodenbewirtschaftung und Viehhaltung führten zu Nahrungsmittelüberschüssen, sodass spezialisierte Arbeiter beschäftigt und ernährt werden konnten. Diese erzeugten Waren und Dienstleistungen, die nicht für den sofortigen Verbrauch bestimmt waren. Neben handwerklichen Bereichen in der Nahrungsmittelveredlung, der Holz- und Steinbearbeitung, der Metallgewinnung, der Textil-, Keramik-, Werkzeug- und Waffenherstellung, etc. entstanden sekundäre Arbeitssysteme, wie die des Handels (Transport, Lagerung und Warentausch), der Kommunikation (Schreib-, Botendienste), der Gefahrenabwehr (Militär- und Polizeidienste), der Bildung und Kultur, der Organisation, Administration und Herrschaft. Die Zentralisierung der Handels-, Kultur-, Schutz- und Administrationsfunktionen führte zur Urbanisierung und Herausbildung der Politik. Mit fortschreitender Arbeitsteilung entwickelten sich Ständegesellschaften und mit der Konzentration der Schutz- und Herrschaftsfunktionen Staatsformen, die das soziale Leben bis in die Gegenwart bestimmen. Die agrikulturelle Revolution änderte die Arbeits- und Lebensweise der Menschen radikal. „Es brauchte Tausende von Jahren, bis die neuen Techniken und Wertesysteme dieser Revolution alle Teile des Erdballs durchdrungen hatten. Tatsächlich vollzieht sich diese Revolution in einem gewissen Maß heute noch: In einigen Teilen der Welt gibt es immer noch nomadische Jäger-und-Sammler-Kulturen.“[12]

Industriegesellschaft[Bearbeiten]

Hauptartikel: Industrielle Revolution

Bis zur Renaissance waren in Europa die agrikulturellen und handwerklichen Produktionsmethoden, wie sie sich im Verlauf des Mittelalters entfaltet hatten, ökonomisch vorherrschend. Ausgehend von Norditalien, England und Frankreich begann im 17. Jahrhundert die Zergliederung und Verfeinerung handwerklicher Tätigkeiten in Manufakturen. In der Landwirtschaft entwickelten sich auf Basis feudalen Großgrundbesitzes neue, arbeitsteiligere Produktionsmethoden. Die Lohnarbeit wurde zur bestimmenden Lebensgrundlage der Manufaktur- und Landarbeiter und deren Familien. Nach der agrikulturellen Revolution kam es im späten 18. Jahrhundert zu einer zweiten Welle gravierender soziotechnischer Durchbrüche. Erfindungen, wie der mechanische Webstuhl, die Dampfmaschine oder das Puddelverfahren zur Stahlherstellung lösten in Europa die industrielle Revolution aus. Sie ist bis ins späte 19. Jahrhundert hauptsächlich gekennzeichnet durch:

  1. den Ersatz tierischer Kraft durch unbelebte (insbesondere Wasser- und Dampfkraft);
  2. den Ersatz menschlicher Fertigkeit und Kraft durch Maschinen;
  3. die Erfindung und Einführung neuer Methoden zur Ur- und Umformung von Materie (Eisen, Stahl, industrielle Chemikalien);
  4. die Organisierung von Arbeit in großen, zentral mit Kraft versorgten Fabriken, was die unmittelbare Kontrolle der Produktionsprozesse und eine effizientere Arbeitsteilung erlaubte.[13]

Wirtschaftshistoriker bezeichnen diese Periode der Industrialisierung auch als die erste industrielle Revolution. Technischen Neuerungen im späten 19. Jahrhundert, wie der Verbrennungsmotor, das Automobil, Erdölprodukte, Elektrotechnik, Telegrafie, Fernsprechtechnik, Fotografie, Farben- und Düngemittelchemie u. a.m., leiteten die zweite industrielle Revolution ein. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts sorgten betriebswirtschaftliche Innovationen, für die hier stellvertretend F. W. Taylor und Henry Ford stehen, u. a. für arbeitsorganisatorische Entwicklungen, die in den Fabriken zu zeit- und ablaufoptimierten Arbeitsbereichen führten. Es entstanden dabei aber auch viele Arbeitsplätze, an denen in monotoner Abfolge immer wieder die gleichen, einfachen, geisttötenden Handgriffe zu erledigen waren.

Mitte des 20. Jahrhunderts begann die dritte industrielle Revolution mit weiteren Innovationen, wie Mechanisierung der Landwirtschaft, Leichtmetall- und Kunststofftechnik, Elektronik, Computertechnik, Internet, Nanotechnik, Atomphysik, Weltraumforschung, etc.. Wegen steigender Lohnkosten begann im Zuge der fortschreitenden Automatisierung und CIM-Technologien der allmähliche Abbau jener Arbeitsplätze, die vom Fordismus bzw. Taylorismus geprägt nur einfachste, mental anforderungsarme Tätigkeiten beinhalten.

„Welche Terminologie man auch immer benutzt, es ist offensichtlich, dass das Tempo historischer Veränderungen zunimmt. Während die agrikulturelle Revolution Tausende von Jahren benötigte, um sich über den Erdball auszubreiten, brauchten die industriellen Revolutionen nur wenige Jahrhunderte oder Jahrzehnte, um ähnliche Veränderungen zu bewirken.“[14]

Gegenwart und Zukunft[Bearbeiten]

Heute existieren weltweit vielfältige Formen der ursprünglichen Okkupationswirtschaft, der agrikulturellen Subsistenzwirtschaft und der entwickelten, industriellen Marktwirtschaft nebeneinander. Dabei beschleunigt sich die gesellschaftliche Arbeitsteilung rasant weiter, was an der fortschreitenden Auffächerung spezialisierter und kombinierter Wissenschaftsdisziplinen und qualifizierter Ausbildungsberufe ohne statistischen Aufwand zu beobachten ist. Mit den daraus entstandenen kulturellen und technischen Entwicklungen ist es den Menschen bisher nicht nur gelungen, sich in der Natur zu behaupten, sondern die Produktivkräfte durch überschießendes Wachstum dermaßen zu stärken, dass daraus ernste Gefahr für den weiteren Bestand der Menschheit droht. Dieser historische Aspekt der Arbeit rückt seit Mitte des 20. Jahrhunderts nach und nach ins Bewusstsein jener Menschen, die die ökologischen Grenzen des Wachstums erforschen und einhalten wollen.

Eine besondere historische Dimension erhält die Arbeit durch den Entwicklungsstand der Technik. Der Mensch setzt in Arbeitsprozessen – je nach Können und Vermögen – außer seiner Arbeitskraft die leistungsstärksten, neuesten Arbeitsmittel ein, um die Qualität und Produktivität seiner Arbeit sicherzustellen oder zu steigern. Je technisierter und vernetzter die Arbeitsmittel in soziotechnischen Systemen jedoch sind, umso weniger menschliche Arbeitskraft wird in den Arbeitsprozessen anteilig benötigt. Daraus erwachsen Situationen, in denen Menschen in Arbeitssystemen freigesetzt werden oder möglicherweise von der Teilnahme an bestimmten Arbeitsprozessen sozial ausgegrenzt sind. Soweit es sich dabei um einkommensorientierte Erwerbsarbeit handelt, wird das unter dem Begriff Arbeitslosigkeit subsumiert. Oft liegen Freisetzungsgründe ursächlich im Verhalten oder Können betroffener Personen. Durch individuelle Anstrengungen (Arbeit) können Betroffene solche Freisetzungen bzw. Ausgrenzungen überwinden oder umgehen, wenn sie in bestimmten Arbeitssystemen, zum Beispiel in Betrieben, Vereinen, Familien, Parteien, Glaubensgemeinschaften usw., mitwirken wollen. Objektiv gesehen sind bewusst handelnde Menschen im Sinne der „Kategorie Arbeit“ auch in Lebenssituationen der sogenannten „Arbeitslosigkeit“ nicht arbeitslos.

Unter marktwirtschaftlichen Bedingungen gibt es jedoch auch strukturelle Gründe für Arbeitslosigkeit, zum Beispiel durch Substitutionskonkurrenz, Produktivitätssteigerungen oder infolge zunehmender Automatisierung. Die Entwicklung oder Instandhaltung komplexer technischer Systeme bietet zwar gut ausgebildeten, qualifizierten Arbeitskräften gegebenenfalls neue Arbeitsperspektiven. Diese reichen aber zur Kompensation der entfallenen Erwerbsarbeit nicht aus. In höherentwickelten Industriestaaten hat die Produktivität Ende des 20. Jahrhunderts einen Stand erreicht, der es erlaubt mehr als ein Drittel der Staatsbevölkerung sozial von der einkommensorientierten Erwerbsarbeit auszugrenzen. Die Beseitigung dieses Zustands wird als eine der Hauptaufgaben verantwortungsvoller Staatsführungen angesehen. Hannah Arendt formulierte schon 1958 folgende These:

„Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein?“

Hannah Arendt: Vita activa oder vom tätigen Leben

In unserer Gesellschaft stehen noch viele offene Aufgaben im sozialen und kulturellen Bereich deutlich wahrnehmbar zur Bearbeitung an. Durch die Entwicklung neuer und verbesserter Finanzierungsmodelle kann hier zum Beispiel auf sozialstaatlicher Grundlage vermehrt Erwerbsarbeit generiert werden, die zusätzlichen Beschäftigten ein leistungsförderndes, sozial ausgewogenes Arbeitseinkommen bietet und ihnen neue Räume für die notwendige soziale Anerkennung eröffnet.

Im Industriezeitalter haben die Menschen Organisationsformen entwickelt, um die Aneignung und Nutzung der Arbeits-Ressourcen und die Verteilung der Arbeits-Resultate durch institutionalisierte Arbeitskämpfe sozial gerechter und volkswirtschaftlich effektiver zu gestalten. Aus der Geschichte der Arbeitskämpfe kann abgeleitet werden, dass die Einführung neuer Arbeitszeitmodelle zur Reduzierung und gleichzeitigen Flexibilisierung der Arbeitszeit probate Wege zur mittelfristigen Umverteilung der Erwerbsarbeit und Überwindung der Massen-Arbeitslosigkeit sind. Außerdem gilt es noch brachliegende oder neue Felder der Erwerbsarbeit für die Gesellschaft zu erschließen, zum Beispiel im Erziehungs- und Bildungswesen, in Wissenschaft und Forschung, in der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft, bei der Entwicklung und weltweiten Einführung umweltschonender Technologien. Denkbar wären aber auch verstärkte Bemühungen zur Eroberung des Weltraums, um gegebenenfalls extraterrestrische Ressourcen zu erkunden und zu nutzen.

Trotz alle dem gilt auch für die „Kategorie Arbeit“ das, was zum Beispiel Karl Popper in „Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde“ intendierte, als er sich für die Demokratie einsetzte: Der selbstbestimmt und eigenverantwortlich handelnde Mensch ist eine allgemeingültige Grundbedingung für die „bewusste schöpferische Auseinandersetzung mit der Natur und der Gesellschaft“. Sklaven, Zwangsarbeiter oder im Kadavergehorsam verhaftete Soldaten nehmen im Rahmen eng gesetzter Aufträge oder Befehle die Rolle fremdbestimmter Arbeitsmittel und Waffen ein, die ihren Macht- und Befehlshabern mit Körperkraft und Intelligenz nützliche Dienste erweisen. Gemäß der „Kategorie Arbeit“ sahen die Römer in ihren Sklaven keine Menschen, sondern sprechende Werkzeuge. Die Hypothese, der Mensch könne sich irgendwann von der Arbeit befreien, also bewusst und selbstbestimmt leben ohne zu arbeiten, widerspricht jeder Logik und muss im Popperschen Sinne als hinreichend falsifiziert gesehen werden.

Von Karl Marx eingeführte Arbeitsaspekte und -begriffe[Bearbeiten]

Karl Marx und Friedrich Engels analysierten die Arbeit unter philosophischen, entwicklungsgeschichtlichen, ökonomischen und sozialen Aspekten. Eine ausführliche Darstellung des Arbeitsprozesses findet sich in Das Kapital Band I; Fünftes Kapitel; Arbeitsprozess und Verwertungsprozess. Unter 1. Arbeitsprozess heißt es da einleitend:

„Die Arbeit ist zunächst ein Prozeß zwischen Mensch und Natur, ein Prozeß, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eignes Leben brauchbaren Form anzueignen. Indem er durch diese Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigne Natur. Er entwickelt die in ihr schlummernden Potenzen und unterwirft das Spiel ihrer Kräfte seiner eignen Botmäßigkeit“.[15]

Einige Arbeitsaspekte und -begriffe, die Karl Marx in den Schriften Zur Kritik der politischen Ökonomie und in seinem Hauptwerk Das Kapital näher beschrieben hat, sind ebenfalls von allgemeinerer Bedeutung und bis heute Gegenstand philosophischer, sozialwissenschaftlicher und politischer Diskurse.

Konkrete Arbeit[Bearbeiten]

Arbeitende Menschen führen immer konkrete Tätigkeiten aus und leisten damit in der Regel zweckmäßige, zielgerichtete konkrete Arbeit. (Karl Marx nennt diese „konkret-nützliche Arbeit“.) Entsprechend den Fähigkeiten, Qualifikationen bzw. Fertigkeiten und Bedürfnissen des Einzelnen und seiner individuellen Lebenssituation ist konkrete Arbeit nach Form und Inhalt unendlich vielfältig. Auch unter dem Aspekt der individuellen Zweckmäßigkeit und Zielsetzung bestimmt der arbeitende Mensch, welche konkrete Arbeit durch ihn zu leisten ist. Konkrete Arbeit erfordert vom arbeitenden Menschen den Einsatz seiner Arbeitskraft – das bedeutet stets ein gewisses Quantum an „lebendiger“ Arbeit – sowie die Bereitstellung und Nutzung „vergegenständlichter“ Arbeit in Form notwendiger Produktionsmittel. Durch den Gebrauch und die Verarbeitung der Produktionsmittel entstehen ihm dabei in der warenproduzierenden Gesellschaft Kosten; dafür gehören ihm die Ergebnisse (Produkte) seiner konkreten Arbeit. Als Eigentümer des Arbeitsergebnisses verfügt er – je nach Grad der Zielerreichung – über einen Gebrauchswert, der sich individuell aus seiner persönlichen Bedürfnislage und seiner ideellen Wertschätzung für das Produkt ergibt, unabhängig vom Aufwand oder irgendwelchen anlegbaren Marktpreisen. Über die konkret-nützliche Arbeit schreibt Marx:

Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben, zu vermitteln.[16]

Siehe auch: Abstrakte Arbeit

Abstrakte Arbeit[Bearbeiten]

Hauptartikel: Abstrakte Arbeit

Der von Marx postulierte „Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit“ beruht auf der Tatsache, dass der mittels konkreter Arbeit (s. o.) geschaffene Gebrauchswert einer Ware zwar die Grundvoraussetzung für deren Vermarktbarkeit darstellt, damit aber noch keine Aussage über die Höhe des Tauschwerts vorliegt. Der materialistischen Weltsicht zufolge entspringt jedoch auch der Tauschwert einer Ware primär der dafür aufgewendeten Arbeit. Aus diesem Grund führte Marx den Begriff der abstrakten Arbeit ein. Über den Doppelcharakter von Arbeit schreibt er:

Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert.[17]

Alle Arbeit ist andererseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besonderer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.[18]

Ausgehend von der abstrakten Arbeit, die selbst den Charakter des Tauschwertes in sich trägt, entwickelte Marx die von Adam Smith begründete Arbeitswerttheorie, die unter Volkswirten heute jedoch als weitgehend widerlegt gilt. Allerdings spielt die abstrakte Arbeit bei der Arbeitswertbestimmung (im Rahmen von Lohn- und Gehaltstarifverträgen und den darin festgelegten Bewertungskriterien) mit Bezug auf das Genfer Schema auch heute noch eine grundlegende Rolle.

Lebendige und vergegenständlichte Arbeit[Bearbeiten]

Die Tätigkeit des Menschen in laufenden Arbeitsprozessen bezeichnete Karl Marx als „lebendige Arbeit“, wogegen er unter dem Begriff „vergegenständlichte Arbeit“ im weitesten Sinne alle Gebrauchswerte subsumiert, die Menschen hergestellt haben. Die „vergegenständlichte Arbeit“, das heißt die Produkte der Arbeit verbraucht oder verzehrt der Mensch entweder als Konsumgüter, oder er verwendet sie in Arbeitsprozessen als Produktionsmittel. Im Gegensatz zur „lebendigen Arbeit“ stellt die in den Produktionsmitteln „vergegenständlichte Arbeit“ ein ruhendes Arbeitskraft- und Informations-Potential und dar, das der Mensch mehr oder weniger zweckmäßig in Arbeitsprozessen nutzt und damit aktiviert. Die besondere Bedeutung der Produktions- und Arbeitsmittel für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft erkannte Karl Marx in der Tatsache, dass sie Kondensatoren und Akkumulatoren für zurückliegende Arbeitsleistungen sind, die die Menschen in späteren Arbeitsprozessen mit erhöhter Produktivität durch „lebendige Arbeit“ wieder freisetzen können.

Entfremdete Arbeit[Bearbeiten]

Hauptartikel: Entfremdung, Entfremdete Arbeit

Der Arbeitsbegriff im marxschen Sinne verweist nicht nur bloß auf das erwerbsmäßige Handeln, als das es im kapitalistischen Verwertungsprozess erscheint, sondern umfasst in seiner anthropologischen Dimension alle für das menschliche Dasein nützlichen Tätigkeitsformen innerhalb der gesellschaftlichen Produktionsprozesse. Entfremdete Arbeit bedeutet, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse, die die Menschen in der Produktion ihres Lebens eingehen, obwohl von den Menschen selbst geschaffen, ihnen als eine fremde Macht gegenübertreten, über die nicht mehr sie selbst verfügen, sondern vielmehr die Verhältnisse über sie. Erst wenn die Menschen die Produktion ihres gesellschaftlichen Lebens bewusst, rational und ohne Klassenantagonismen gestalten, wird ihre gesellschaftliche Tätigkeit zu einer Macht, die die allseitige menschliche Entfaltung befördert, anstatt sie zu hemmen.

Ob die marxschen Entfremdungskonzepte vor allem die Theorien des jungen Marx widerspiegeln, oder ob die Idee der Entfremdung und seiner Aufhebung das ganze marxsche Werk über eine bedeutende Rolle spielte, ist umstritten. Die bekannteste Fassung des Entfremdungskonzept wurde in den ökonomisch-philosophischen Manuskripten von 1844 dargelegt, welche erstmals 1932 veröffentlicht wurden (wie auch Die deutsche Ideologie, welche ebenfalls zentrale Überlegungen von Marx und Engels zur Thematik beinhaltet) und infolge eine Reihe von Debatten und Arbeiten über die Rolle der Entfremdung bei Marx nach sich zogen, welche einen zentralen Punkt der (inner)marxistischen Auseinandersetzung in den folgenden Jahrzehnten bildeten.

Die Entfremdung der Arbeit unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen zwingt Lohnarbeiter u. a. ihre Arbeitskraft an die Eigentümer der Produktionsmittel zu verkaufen. Der Tauschwert der Ware Arbeitskraft ist der Arbeitslohn, also Geld. Lohnarbeiter interessiert deshalb die Werthaltigkeit ihrer Arbeitsergebnisse, die sich in der Qualität, in den Kosten und in den Preisen der hergestellten Waren und Dienstleistungen manifestiert, hauptsächlich unter Aspekten der Lohnsicherheit und Arbeitsplatzerhaltung. Eine durchaus vergleichbare Interessenlage findet sich auf Seiten der angestellten Manager, die mit sehr hohen Einkommen nichts anderes als "entfremdete (geistige) Arbeit" leisten und i. d. R. nur bereit sind Verantwortung für die ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen ihrer Entscheidungen zu übernehmen, wenn sie der ordnungspolitische Rahmen staatlicher Gesetze mit entsprechenden Strafverfolgungsmaßnahmen dazu zwingt.

Arbeit als Menschenrecht[Bearbeiten]

Hauptartikel: Recht auf Arbeit

Die fortschreitende Automatisierung der Arbeitsprozesse führt in den hochentwickelten Industriestaaten zu einem anhaltenden Verfall der Arbeitskraft-Nachfrage. In der Tendenz bewirken die Marktgesetze, dass durch Automatisierung die Quantität der „entfremdeten Arbeit“ bzw. Lohnarbeit abnimmt, die Arbeitslosigkeit steigt und die Reallöhne auf Seiten der Arbeitnehmer sinken. Im Rahmen der Sozialen Marktwirtschaft ist es daher eine der wichtigsten Aufgaben des Staates die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen mittels wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischer Maßnahmen so zu gestalten, dass daraus keine gesellschaftsgefährdenden Strukturkrisen auf dem Arbeitsmarkt entstehen. „Aber Arbeit hat auch personale Bedeutung, da sie zur Selbstverwirklichung und zur sozialen Integration beiträgt. Die Würde der Person fordert insofern Subjektstellung und Humanisierung der Arbeit. Aus dem Stellenwert der Arbeit in der Selbstverwirklichung der Person ergibt sich das Recht auf Arbeit als Menschenrechtsmaterie.“[19]

In der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ ist das Recht auf Arbeit im Artikel 23 erklärt.

  1. Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.
  2. Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
  3. Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.
  4. Jeder hat das Recht, zum Schutze seiner Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.

In der sächsischen Verfassung ist das Recht auf Arbeit im Artikel 7 Menschenwürdiges Dasein als Staatsziel ebenfalls verankert.

  1. Das Land erkennt das Recht eines jeden Menschen auf ein menschenwürdiges Dasein, insbesondere auf Arbeit, auf angemessenen Wohnraum, auf angemessenen Lebensunterhalt, auf soziale Sicherung und auf Bildung, als Staatsziel an.
  2. Das Land bekennt sich zur Verpflichtung der Gemeinschaft, alte und behinderte Menschen zu unterstützen und auf die Gleichwertigkeit ihrer Lebensbedingungen hinzuwirken.

Das Recht auf Arbeit beinhaltet nicht das Recht auf einen Arbeitsplatz.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wiktionary: Arbeit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Otfried Höffe, Lexikon der Ethik, Verlag C. H. Beck, München 1992(4), ISBN 3-406-36666-X, Seite 16
  2. So Otfried Höffe, Lexikon der Ethik, Verlag C. H. Beck, München 1992(4), ISBN 3-406-36666-X, Seite 15
  3. Otfried Höffe, Lexikon der Ethik, Verlag C. H. Beck, München 1992(4), ISBN 3-406-36666-X, Seite 15
  4. Arno Anzenbacher: Einführung in die Philosophie. Verlag Herder GmbH Freiburg, 2002, S. 170
  5. Marx/Engels - Werke, Dietz Verlag, Berlin 1962, Bd. 20, Dialektik der Natur, S. 444
  6. Vita activa oder Vom tätigen Leben. München, 2002, S. 211
  7. Vita activa, S. 301
  8. Vita activa, S. 212
  9. Vita activa, S. 401
  10. Jürgen Habermas: Arbeit und Interaktion. Bemerkungen zu Hegels Jenenser „Philosophie“, in Technik und Wissenschaft als „Ideologie“.
  11. Hans-Ulrich Wehler:Die neue Umverteilung, soziale Ungleichheit in Deutschland. Verlag C.H.Beck, München 2013, S. 31, ISBN 978 3 406 64386 6
  12. Baden Eunson: Betriebspsychologie, Teil A, 1. Arbeit: Zukunft und Vergangenheit. McGraw-Hill Book Company GmbH, Hamburg 1990, S. 5, ISBN 3-89028-227-X
  13. ebd., S. 6f
  14. ebd., S. 7
  15. Karl Marx: Das Kapital, Dietz Verlag, Berlin 1972, Bd. 1, S. 192
  16. ebd, S. 57
  17. ebd., S. 61.
  18. ebd.
  19. Einführung in die Philosophie. Verlag Herder GmbH Freiburg, 2002, S. 288

Literatur[Bearbeiten]

  • Arno Anzenbacher: Einführung in die Philosophie. Herder, Freiburg 2002, ISBN 978-3-451-27851-8
  • Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München 2002, ISBN 978-3-492-23623-2
  • Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen: Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution. Verlag C.H. Beck 1980, ISBN 3-406-47645-7
  • Dirk Baecker (Hrsg.): Archäologie der Arbeit. Kadmos, Berlin 2002.
  • Alexander Barzel: Der Begriff "Arbeit" in der Philosophie der Gegenwart. Lang, Frankfurt 1973, ISBN 3-261-00824-5
  • Norbert Blüm: Ehrliche Arbeit. Ein Angriff auf den Finanzkapitalismus und seine Raffgier. Gütersloher Verlagshaus, 2011, ISBN 978-3-579-06746-9
  • Heinz-J. Bontrup: Arbeit, Kapital und Staat. Plädoyer für eine demokratische Wirtschaft. 2. Auflage. PapyRossa-Verlag, Köln 2005, ISBN 3-89438-326-7
  • Axel Braig & Ulrich Renz: Die Kunst weniger zu arbeiten. Fischer, Frankfurt 2003.
  • Manfred Brocker: Arbeit und Eigentum. Der Paradigmenwechsel in der neuzeitlichen Eigentumstheorie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992.
  • Peter Damerow (Hrsg.): Arbeit und Philosophie. Symposium über Philosophische Probleme des Arbeitsbegriffs. Germinal, Bochum 1983, ISBN 3-88663-504-X
  • Thomas Donaldson & Patricia Werhane: Ethical Issues in Business: A Philosophical Approach. Prentice Hall, Upper Saddle River (NJ) 2002
  • Arne Eggebrecht, Jens Flemming, Gert Meyer, Achatz v. Müller, Alfred Oppolzer, Akoš Paulinyi & Helmuth Schneider: Geschichte der Arbeit. Vom Alten Ägypten bis zur Gegenwart. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1980, ISBN 3-462-01382-3.
  • Friedrich Engels: Dialektik der Natur (darin enthalten Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen)
  • Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. Nach eigener Anschauung und authentischen Quellen. Dietz-Verlag, Stuttgart 1892 (Neu herausgegeben von Walter Kumpmann bei DTV, München 1987, ISBN 3-423-06012-3)
  • Manfred Füllsack: Arbeit. UTB, 2009, ISBN 978-3-8252-3235-1
  • F. Giese: Philosophie der Arbeit. Handbuch der Arbeitswissenschaft. Bd. X. Halle 1932
  • Wulf D. Hund: Stichwort Arbeit: Vom Banausentum zum travail attractif. Distel Verlag, Heilbronn 1990, ISBN 3-923208-21-9
  • Jürgen Habermas: Arbeit und Interaktion in Technik und Wissenschaft als „Ideologie“, Frankfurt am Main 1968, ISBN 3-518-10287-7
  • Wieland Jäger & Kurt Röttgers (Hrsg.): Sinn von Arbeit. Soziologische und wirtschaftsphilosophische Betrachtungen. VS Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15375-9
  • Angelika Krebs: Arbeit und Liebe. Die philosophischen Grundlagen sozialer Gerechtigkeit. Suhrkamp, Frankfurt 2002
  • Ernst Lohoff, Norbert Trenkle, Karl-Heinz Lewed, Maria Wölflingseder (Hrsg.): Dead Men Working. Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs. 2004. ISBN 3-89771-427-2
  • H. Luczak & W. Volpert (Hrsg.): Handbuch Arbeitswissenschaft. Stuttgart 1997.
  • Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie
    • Band I: Der Produktionsprocess des Kapitals. Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1867
    • Band II: Der Cirkulationsprocess des Kapitals. (Herausgegeben von Friedrich Engels), Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1885
    • Band III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion, Kapitel I bis XXVIII. (Herausgegeben von Friedrich Engels), Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1894
  • Jürgen Moltmann (Hrsg.): Recht auf Arbeit - Sinn der Arbeit
  • Severin Müller: Phänomenologie und philosophische Theorie der Arbeit. Verlag Karl Alber, Freiburg/München
  • Oswald Neuberger: Arbeit. Begriff, Gestaltung, Motivation, Zufriedenheit. Enke, Stuttgart 1985, ISBN 978-3-432-94871-3
  • Talcott Parsons: Das System moderner Gesellschaften. 6. Auflage. Juventa, 2003, ISBN 3-7799-0710-0
  • Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde.
    • Band I: Der Zauber Platons. Francke Verlag, Bern 1957
    • Band II: Falsche Propheten - Hegel, Marx und die Folgen. Francke Verlag, Bern 1958
  • Jörg Reitzig: Gesellschaftsvertrag, Gerechtigkeit, Arbeit. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2005, ISBN 3-89691-611-4
  • Peter Ruben: Dialektik und Arbeit der Philosophie. Köln 1978, ISBN 3-7609-0375-4.
  • Holger Schatz: Arbeit als Herrschaft. Die Krise des Leistungsprinzips und seine neoliberale Rekonstruktion. 2004, ISBN 3-89771-429-9
  • Max Scheler: Erkenntnis und Arbeit. Eine Studie über Wert und Grenzen des pragmatischen Motivs in der Erkenntnis der Welt. Klostermann, Frankfurt 1977
  • Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen
  • Eberhard Straub: Vom Nichtstun. Leben in einer Welt ohne Arbeit. wjs-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-937989-02-1
  • Hans Uske: Das Fest der Faulenzer. Die öffentliche Entsorgung der Arbeitslosigkeit., Duisburg, ISBN 3-927388-47-5
  • Dieter Wolf: »Tausch« und »Arbeit« als Kategorien, mit denen Hegel die bürgerliche Gesellschaft begreift. In: Hegels Theorie der bürgerlichen Gesellschaft. Teil 2. Hamburg 1980, ISBN 3-87975-182-X Teil 2 (online)

Weblinks[Bearbeiten]