Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD

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Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD (AB)
Gründung Mai 1973
Gründungs­ort München
Mitglieder­zahl geschätzte 300 (1984)[1]
Das Logo des Arbeiterbund

Der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD (AB) ist eine kommunistische Organisation in Westdeutschland (schwerpunktmäßig Bayern), hervorgegangen 1973 aus „Arbeiter-Basisgruppen“ in München.

Entstehung[Bearbeiten]

Der AB orientierte sich zunächst an der maoistischen Lesart des Marxismus-Leninismus und betrachtete die Volksrepublik China als Zentrum des Sozialismus, die Sowjetunion als „sozialimperialistisch“, die DKP als „sozialdemokratisch“ und die Deutschen als von Imperialisten und Sozialimperialisten unterdrücktes Volk.

An der Spitze des AB standen und stehen bis heute die aus dem Münchener SDS stammenden Intellektuellen Helge Sommerrock und Thomas Schmitz-Bender; Aufnahmekriterium für Mitglieder ist jedoch Zugehörigkeit zur Industriearbeiterschaft, anderenfalls eine Bürgschaft von zwei Industriearbeitern für proletarische Gesinnung. Charakteristikum des AB war stets eine an Stilelemente der Arbeiterbewegungs-Kultur der späten 1920er Jahre (Schalmeienkapellen, kabarettistische Aktionen, Brecht-Theater) anknüpfende Agitations- und Propagandatätigkeit. Der AB konnte punktuell Einfluss in Gewerkschaften erlangen.

Während gegen Ende der 1970er Jahre die meisten maoistischen Gruppen (z. B. KB, KPD (AO), später auch der KBW) sich in Richtung Alternativbewegungen und Ökologie orientierten und beim Aufbau der Grünen mitwirkten, lehnte der AB, auf eine großindustrialistische Sozialismuskonzeption auf der Grundlage wissenschaftlich-technischen Fortschritts fixiert, dies als „kleinbürgerliche“ Tendenz ab. Auch nach 1986 (Reaktorkatastrophe von Tschernobyl) tritt der AB entschieden für die Nutzung der Kernenergie ein[2], was ihm u.a. seitens anderer linker Gruppen den Spottnamen „Arbeiterbund für den Wiederaufbau von Atomkraftwerken“ eintrug.

Haltung zur Sowjetunion[Bearbeiten]

Nach 1980 nahm der AB, obwohl weiterhin die „revisionistische“ Entwicklung nach dem Tode Stalins kritisierend, eine zunehmend freundlichere Haltung zur Sowjetunion und zur DDR ein. Der Zusammenbruch der DDR und des „sozialistischen Lagers“ 1989/90 wurde als „Niederlage der Arbeiterbewegung“ bewertet, die eine Orientierungskrise im AB auslöste. Zunächst setzte eine Diskussion um eine Erneuerung des Programms von 1974 ein; die Mehrheit des Zentralkomitees um Sommerrock und Schmitz-Bender gelangte dann jedoch zu der Einschätzung, die Situation der Niederlage sei nicht günstig für die Formulierung eines neuen Programms. Auch das weitere Erscheinen der Kommunistischen Arbeiterzeitung (KAZ) als Agitprop-Organ sei nicht sinnvoll.

Es folgte die Spaltung des AB in die „KAZ-Fraktion“, die alleine weiterhin die Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ), mit nunmehr stärker analytischem und propagandistischem Konzept herausgab, und die „Zug-Fraktion“, die sich auf theatralische Aktionen wie die Inszenierung von Brechts Anachronistischem Zug (unter Mitarbeit der Brecht-Tochter Hanne Hiob) konzentrierte und sich für den Fortbestand der DDR einsetzte. Während die KAZ-Fraktion nunmehr eine Zusammenarbeit mit der DKP anstrebte, vertrat die Zug-Fraktion die Auffassung, im strukturell weiterhin geteilten Deutschland sollten Kommunisten sich in Westdeutschland im AB organisieren, im Gebiet der alten DDR dagegen in der Kommunistischen Plattform der PDS, mit der der AB einige gemeinsame „Arbeiter-Meetings“ durchführte.

Obwohl der Zug-AB gesamtdeutsche Organisationen ablehnt, förderte er doch den Eintritt seiner Jugendorganisation „Initiative zur Vereinigung der revolutionären Jugend“ in die Freie Deutsche Jugend (FDJ), die in Westdeutschland dem AB nahesteht.

Die KAZ-Fraktion verließ 1996 den AB und existiert als Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) weiter. Einige ihrer Mitglieder sind zugleich in die DKP eingetreten. Die Mitgliederzahl des nur noch aus der Zug-Fraktion bestehenden AB wird auf etwas über 100 geschätzt, die der Gruppe KAZ auf einige Dutzend.

Gegenwart[Bearbeiten]

Übereinstimmend vertreten AB und Gruppe KAZ die Auffassung, im Sinne der Imperialismustheorie von Lenin sei seit 1990 eine Verschärfung der zuvor durch die Systemauseinandersetzung der Nachkriegszeit gebremsten Konkurrenz zwischen den imperialistischen Mächten im Gange, in der der deutsche Imperialismus zum Herausforderer der USA werde. Gemäß Karl Liebknechts Devise müsse der Kampf in erster Linie gegen den „Hauptfeind im eigenen Land“ geführt werden. 2003 unterstützte der AB als einzige traditionelle kommunistische Organisation (neben einigen autonomen Gruppen) in Deutschland nicht die Proteste gegen den Irak-Krieg, weil er die Nichtbeteiligung Deutschlands als Ausdruck des wachsenden Selbstbewusstseins des deutschen Imperialismus gegenüber den USA wertete und Opposition gegen einen US-Krieg nur dem deutschen Imperialismus nütze. Der AB lehnt Antiamerikanismus und Antizionismus ab und wendet sich scharf gegen jeden Antisemitismus.

Der AB hat sich nie an Wahlen beteiligt, sondern stets zur Wahl von „Sozialdemokraten“ – mit unterschiedlichem Schwerpunkt SPD, DKP (als einzige K-Gruppe in den 1970er Jahren) und PDS – aufgerufen. Bei der Bundestagswahl 2002 empfahl der AB die Stimmabgabe für die SPD im Westen und für die PDS im Osten.

Mit dem AB verbunden ist ein „Verein zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung“, der seit 1987 die Zeitschrift Streitbarer Materialismus als Theorieorgan herausgibt.

Weblinks[Bearbeiten]

Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ)-Links

Arbeiterbund-Links

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.zeit.de/1984/08/zeitmosaik
  2. http://www.arbeiterbund-fuer-den-wiederaufbau-der-kpd.de/atomenergie.html