Arbeiterolympiade

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Anstecknadel: 1. Internationale Arbeiter-Olympiade, Frankfurt 1925[1]

Internationale Arbeiterolympiaden waren Großveranstaltungen der Arbeitersportbewegung in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Organisiert wurden sie von der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Internationale (SASI).

Austragungsorte[Bearbeiten]

Veranstaltungen dieser Art fanden 1925 in Frankfurt am Main im Waldstadion und 1931 in Wien im Praterstadion statt. Im Jahr 1936 war eine „Volksolympiade“ in Barcelona als direkte Gegenveranstaltung zu den olympischen Spielen in Berlin gedacht. Die Veranstaltung musste aber kurz nach der Eröffnung wegen des Beginns des spanischen Bürgerkriegs abgebrochen werden. Stattdessen fand 1937 in Antwerpen eine weitere Arbeiterolympiade statt. Die für 1943 in Helsinki geplante vierte Arbeiterolympiade musste wegen des Zweiten Weltkriegs abgesagt werden.

Neben den Sommerspielen gab es jeweils auch Winterspiele. Im Jahr 1925 fanden sie in Schreiberhau im Riesengebirge statt. Die Winterspiele 1931 wurden in Mürzzuschlag und in Semmering in Österreich ausgetragen, die Winterspiele 1937 im tschechischen Janské Lázně.

Zielsetzung[Bearbeiten]

Bereits 1912 hatten sich Arbeitersportvereine auf internationaler Ebene zusammengeschlossen. Allerdings fanden ihre Wettkämpfe kaum Beachtung. Dies änderte sich mit den Arbeiterolympiaden. Den von Pierre de Coubertin neu belebten olympischen Spielen warfen die Arbeitersportler vor, vorwiegend dem Wettkampf der Nationen zu dienen und so „Krieg mit sportlichen Mitteln“ zu führen. Dagegen sollten die Arbeiterolympiaden die geistig-körperliche Erneuerung der Arbeiterschaft demonstrieren. Die Arbeiterolympiaden wurden ihrerseits von den kommunistischen Spartakiaden konkurrenziert.

Ablauf der Spiele[Bearbeiten]

Frankfurt 1925[Bearbeiten]

An der Frankfurter Arbeiterolympiade vom 24. bis 28. Juli 1925 nahmen 3000 aktive Sportler aus zwölf Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz, Danzig, Tschechoslowakei-Prag, Tschechoslowakei-Aussig, Polen, Lettland, Finnland, England, Frankreich und Belgien) teil, die ohne Fahnen oder andere nationale Abzeichen unter den Klängen der Internationalen in das neue Waldstadion einmarschierten. Der Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität, mit über 300.000 Mitgliedern der größte Arbeitersportverein der Weimarer Republik hatte wesentlichen Anteil an der Organisation der Veranstaltung.[2] Neben den Wettkämpfen in Fußball, Wassersport oder Turnen gehörte zu der Arbeiterolympiade ein „Tag der Massen“, bei dem sich Vertreter der verschiedenen Gruppen des Arbeitersports präsentierten. Auch Massenfreiübungen gehörten dazu. Insgesamt waren wohl 100.000 Arbeitersportler beteiligt. Insgesamt 450.000 Zuschauer wohnten dieser Veranstaltung bei.

Wien 1931[Bearbeiten]

An den Wiener Spielen von 1931, die stark von einer klassenkämpferischer Allegorik und Masseninszenierungen geprägt war, nahmen 25.000 Sportler teil. Sie fanden im neu gebauten Praterstadion und dem Stadionbad statt. Wettkämpfe gab es in 117 Disziplinen.

Begonnen wurden die Spiele mit einem "Fest der Kinder", an dem sich rund 30.000 Kinder und Jugendliche beteiligten. Bei der Eröffnungszeremonie im Praterstadion marschierten die teilweise über Tausend Personen zählenden Landesdelegationen einzeln ein. Auch das bereits seit mehreren Jahren faschistisch beherrschte Italien wurde aufgerufen, obwohl es keine Delegation entsandt hatte. Daraufhin wurden im Gedenken an die unterdrückte italienische Arbeiterbewegung alle Fahnen gesenkt.

Nebst den sportlichen Wettkämpfen gab es auch kulturelle Veranstaltungen. Deren Höhepunkt stellte ein Massenfestspiel mit 3.000 Athletinnen und Athleten dar, das die Entwicklung der Arbeiterbewegung und den Zusammenbruch des Kapitalismus erzählte. Am Ende dieser Aufführung krachte ein in der Mitte des Stadions aufgestellter Kapitalistenkopf in sich zusammen. Das Spiel wurde mit dem Absingen der Internationale beendet.

Den Schlusspunkt der Arbeiterolympiade bildete ein Lichtfest am Abend des 25. Juli, für das die Oper, das Parlament und das Rathaus an der Ringstrasse mit Tausenden von Glühbirnen beleuchtet wurden. Der Aufmarsch von nicht weniger als 100'000 Festteilnehmern mit Fackeln unter dem Motto "Für Weltabrüstung und allgemeinen Frieden" dauerte volle fünf Stunden.

Wie schon von der ersten Arbeiterolympiade wurde auch von den Wiener Spielen ein Film produziert, den die Mitgliedsverbände der Sozialistischen Arbeitersport-Internationale zu Propagandazwecken benutzen konnten. Friedrich Adler, Generalsekretär der Sozialistischen Internationale, bezeichnete die Spiele als "internationale Heerschau, die mächtiger ist als alles, was bisher der Arbeiterklasse gelungen".

Antwerpen 1937[Bearbeiten]

Die Spiele 1937 waren nicht zuletzt wegen der Zerschlagung der deutschen und österreichischen Arbeiterbewegung nur halb so groß, wie die vorangegangenen Veranstaltungen. Im Zeichen der Volksfront–Strategie nahmen erstmals auch Athleten aus der Sowjetunion teil. Auch deutsche und italienische Emigrantenmannschaften waren dabei. Die grössten Sympathien genoss die spanische Delegation, deren Mitglieder als aktive Kämpfer gegen den Faschismus in Belgien begeistert begrüsst wurden. Bei ihrer Ankunft wartete im Antwerpener Bahnhof eine grosse Menschenmenge, die in "¡no pasarán!"–Rufe ausbrach, als die Athleten hinter der rot–gelb–violetten Fahne der Spanischen Republik mit erhobenen Fäusten dem Zug entstiegen. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Gegen Krieg und Diktatur, für Arbeit, Freiheit und Demokratie". Die sowjetischen Sportler zeigten in den meisten Disziplinen herausragende Resultate, stellten drei Weltrekorde und einen Europarekord auf und gewannen auch das Fussballturnier überlegen. Allerdings war man von Seiten der sozialdemokratischen Arbeitersportler skeptisch, ob die sowjetischen Athleten noch als Amateure betrachtet werden könnten und zeigte sich befremdet, als für das Fussballendspiel extra noch zwei neue Spieler aus der Sowjetunion eingeflogen wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Julius Braunthal: Festschrift zur 2. Arbeiter-Olympiade. 1931.
  • Hans Joachim Teichler, Gerhard Hauk (Hrsg.): Illustrierte Geschichte des Arbeitersports. Dietz, Berlin/ Bonn 1987, ISBN 3-8012-0127-9.
  • Matthias Marschik: „...im Stadion dieses Jahrhunderts“: Die 2. Arbeiterolympiade in Wien 1931. In: Christian Koller unter Mitarb. von Janina Gruhner (Hg.): Sport als städtisches Ereignis (Stadt in der Geschichte, Band 33), Thorbecke Verlag, Ostfildern 2008, S. 189-210.
  • Christian Koller : „Mächtiger als alles, was bisher der Arbeiterklasse gelungen“: Die Arbeiterolympiade von 1931 im „Roten Wien“, in: Rote Revue 83/2 (2006). S. 41-45.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pinsmuseum: Pins / Anstecknadeln: »Arbeiter-Olympiade«
  2. Gerhard Beier: Arbeiterbewegung in Hessen. 1984, ISBN 3-458-14213-4, S. 271-275.