Arbeitskraft

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Dieser Artikel behandelt den Begriff der „Arbeitsteilung“ in der marxistischen Theorie; für „Arbeitskräfte“ als Arbeitende in einem Unternehmen siehe: Arbeitnehmer.

Der Ausdruck Arbeitskraft bezeichnet die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit eines Menschen. Er kann sowohl individuell (als Möglichkeit, tätig zu sein) als auch auf die gesamte Arbeitsleistung einer Person (z. B. als Arbeiter) bezogen werden. Die Arbeitskraft spielt in Form einer Ware eine bedeutende Rolle in der marxistischen Theorie.

Abseits der marxistischen Theorie wird als Einheit zur Messung der Arbeitskraft häufig die Personenstunde (früher: Mannstunde) verwendet.

Definition[Bearbeiten]

Marx versteht unter Arbeitskraft oder Arbeitsvermögen die „physischen und geistigen Fähigkeiten, die in der Leiblichkeit, der lebendigen Persönlichkeit eines Menschen existieren und die er in Bewegung setzt, sooft er Gebrauchswerte irgendeiner Art produziert.“[1]

Arbeitskraft in der Kritik der politischen Ökonomie[Bearbeiten]

Marx schreibt sich den Verdienst zu im Gegensatz zur klassischen Nationalökonomie zwischen Arbeit und „Arbeitskraft“ zu unterscheiden. Die Lohnarbeiter verkaufen ihre Arbeitskraft als Ware. Der Wert dieser Ware bestimmt sich gemäß Arbeitswertlehre als die Arbeitszeit, die notwendig ist, um die Arbeitskraft der Arbeiter zu erhalten. Marx erklärt dann den Mehrwert damit, dass die Lohnarbeiter länger arbeiten als zur Reproduktion ihrer eigenen Arbeitskraft notwendig ist, also unbezahlte Mehrarbeit leisten. Der durch diese unbezahlte Mehrarbeit geschaffene Wert ist der Mehrwert, der bei den Kapitalisten verbleibt. Für Marx ist der Mehrwert also die Differenz zwischen dem Wert der Ware Arbeitskraft einerseits und dem während ihrer Verausgabung, also während der Gesamtarbeitszeit, geschaffenen Wert, dem Neuwert, andererseits.[2][3]

Theoriegeschichtliches[Bearbeiten]

Marx entwickelte das Konzept der Arbeitskraft erstmals in den Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie von 1857. Wie Engels später bezüglich früherer Schriften anmerkt, „erscheinen Ausdrücke und ganze Sätze vom Standpunkt der späteren Schriften aus schief und selbst unrichtig ...“[4] , weshalb er bspw. zur Wiederveröffentlichung von Marxens Lohnarbeit und Kapital Änderungen vornimmt, die sich „alle um einen Punkt“ drehen: „Nach dem Original verkauft der Arbeiter für den Arbeitslohn dem Kapitalisten seine Arbeit, nach dem jetzigen Text seine Arbeitskraft.“[5] Engels arbeitet die Genese des Begriffs anhand der Entwicklung der klassischen politischen Ökonomie heraus: „Sobald ... die Ökonomen [die] Wertbestimmung durch die Arbeit anwandten auf die Ware 'Arbeit', gerieten sie von einem Widerspruch in den andern. Wie wird der Wert der 'Arbeit' bestimmt? Durch die in ihr steckende notwendige Arbeit. ... Die klassische Ökonomie versuchte es also mit einer andern Wendung; sie sagte: Der Wert einer Ware ist gleich ihren Produktionskosten. Aber was sind die Produktionskosten der Arbeit? Um diese Frage zu beantworten, müssen die Ökonomen der Logik ein bißchen Gewalt antun. Statt der Produktionskosten der Arbeit selbst, die leider nicht zu ermitteln sind, untersuchen sie nun, was die Produktionskosten des Arbeiters sind. ... Was die Ökonomen als die Produktionskosten 'der Arbeit' angesehen hatten, waren die Produktionskosten ... des lebendigen Arbeiters selbst. Und was dieser dem Kapitalisten verkaufte, war nicht seine Arbeit ... (die doch erst geschehen sein müßte), sondern er stellt dem Kapitalisten ... seine Arbeitskraft gegen eine bestimmte Zahlung zur Verfügung: Er vermietet resp. verkauft seine Arbeitskraft. ... Die Schwierigkeit, an der die besten Ökonomen scheiterten, solange sie vom Wert der 'Arbeit' ausgingen, verschwindet, sobald wir statt dessen vom Wert der 'Arbeitskraft' ausgehn. Die Arbeitskraft ist eine Ware in unsrer heutigen kapitalistischen Gesellschaft, eine Ware wie jede andere, aber doch eine ganz besondre Ware. Sie hat nämlich die besondre Eigenschaft, wertschaffende Kraft, Quelle von Wert zu sein, und zwar, bei geeigneter Behandlung, Quelle von mehr Wert, als sie selbst besitzt.“[6]

Marx ermöglicht diese neue Fassung der Problematik unter anderem, die Kategorie der Mehrarbeit zu entwickeln und seine Mehrwerttheorie zu entfalten. Die Wichtigkeit der Unterscheidung zwischen Arbeit und Arbeitskraft macht Marx im Kapital unter anderem dann deutlich, wenn er festhält, dass die „Arbeitskraft, die in der Persönlichkeit des Arbeiters existiert, ... von ihrer Funktion, der Arbeit, ebenso verschieden ist, wie eine Maschine von ihren Operationen.“[7] Über die Probleme der klassischen politischen Ökonomie bei der Bestimmung des Werts der Arbeit äußert er sich beispielsweise folgenderweise: „Wodurch wäre also der Wert z.B. eines zwölfstündigen Arbeitstages bestimmt? Durch die in einem Arbeitstag von 12 Stunden enthaltnen 12 Arbeitsstunden, was eine abgeschmackte Tautologie ist.“[8] Wie Engels beschreibt auch Marx die Problematik der klassischen politischen Ökonomie: „Beschäftigt mit dem Unterschied zwischen den Marktpreisen der Arbeit und ihrem sog. Wert, ... entdeckte man niemals, daß der Gang der Analyse nicht nur von den Marktpreisen der Arbeit zu ihrem vermeintlichen Wert, sondern dahin geführt hatte, diesen Wert der Arbeit selbst wieder aufzulösen in den Wert der Arbeitskraft. Die Bewußtlosigkeit über dies Resultat ihrer eignen Analyse ... verwickelte ... die klassische politische Ökonomie in unauflösbare Wirren und Widersprüche“[9]

In Anschluss an Althusser könnte argumentiert werden, Marx und Engels nehmen eine Art symptomale Lektüre[10] der klassischen politischen Ökonomie vor, das heißt sie arbeiten die ungestellten Fragen und damit verbundenen Problematiken heraus, auf die die Klassiker jedoch implizit schon eine Antwort gaben,[11] nämlich dass der von ihnen so bezeichnete Wert der Arbeit eigentlich den Wert der Arbeitskraft darstellt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Arbeitskraft – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Marx: Das Kapital I, MEW 23, S. 181.
  2. Vgl. Michael Heinrich, Die Wissenschaft vom Wert. 3. korr. Auflage, Münster 2003, S. 259ff.
  3. Zur Arbeitskraft bei Marx vgl. z.B. Emmanuel Farjoun and Moshe Machover, Laws of Chaos; A Probabilistic Approach to Political Economy, London: Verso, 1983. Free verso books. Dort S. 88ff. „2. Labour-power - the Essential Commodity of Capitalism“
  4. Friedrich Engels: Einleitung zu Lohnarbeit und Kapital, MEW 6, S. 593.
  5. Friedrich Engels: Einleitung zu Lohnarbeit und Kapital, MEW 6, S. 594.
  6. Friedrich Engels: Einleitung zu Lohnarbeit und Kapital, MEW 6, S. 595.598.
  7. Karl Marx: Das Kapital I, MEW 23, S. 561.
  8. Karl Marx: Das Kapital I, MEW 23, S. 557.
  9. Karl Marx: Das Kapital I, MEW 23, S. 561.
  10. „Eine symptomale Lektüre hat die Rekonstruktion der »Problematik« eines Textes zum Ziel, d.h. des theoretisch-analytischen Bezugsrahmens, in dem bestimmte Begriffe, Konzepte, Theorien etc. funktionieren.“ Vgl. Louis Althusser: Für Marx, Frankfurt/M. 1968
  11. „Man trifft in Texten immer wieder auf symptomatische Mängel in Form von Leerstellen und Widersprüchen. Symptomatisch sind sie, weil sie auf ein zu Grunde liegendes theoretisches Problem verweisen. Althussers Paradebeispiel hierfür sind Antworten auf nicht gestellte Fragen...“; Lars Bretthauer, Alexander Gallas, John Kannankulam, Ingo Stützle: Einleitung. in: dieselben (Hg.): Poulantzas lesen.