Arbeitskreis für moderne Sozialgeschichte

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Der Arbeitskreis für moderne Sozialgeschichte ist eine geschichtswissenschaftliche Forschungseinrichtung, die heute als Verein organisiert ist und sich die Auseinandersetzung mit Fragen der modernen Sozialgeschichte in Deutschland und Europa, besonders der Strukturwandlungen der Gesellschaft seit dem 18. Jahrhundert, zum Ziel gesetzt hat.

Der Arbeitskreis wurde 1957 von Werner Conze in Heidelberg gegründet und stützte sich auf dessen Konzept von Sozialgeschichte als Strukturgeschichte. Er war anfangs angebunden an das in Heidelberg neu gegründete Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Zunächst waren nur wenige etablierte Historiker wie Otto Brunner und Theodor Schieder beteiligt, Nachwuchshistoriker wie Reinhart Koselleck, Wolfgang Köllmann, Wolfram Fischer und Wolfgang Zorn stießen bald hinzu. Ab 1962 veröffentlichte der Arbeitskreis Forschungsergebnisse in der Reihe Industrielle Welt.[1]

Der Arbeitskreis bemüht sich um interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Kultur-, Religions-, Rechts- und Verfassungsgeschichte sowie Soziologie und Volkskunde. Dazu veranstaltet er regelmäßige Tagungen, derzeit je eine Frühjahrs- und Herbsttagung im Institut für soziale Bewegungen in Bochum. Gegenwärtiger Vereinssitz ist Berlin, dort ist der 1. Vorsitzende, Andreas Eckert, tätig. Der 2. Vorsitzende ist Joachim Rückert.[2]

Der Arbeitskreis gilt einerseits als „innovatives Minderheitenphänomen“[3] in der deutschen Geschichtswissenschaft der Nachkriegszeit, andererseits als wichtiger Faktor zur Entwicklung sozialgeschichtlicher Ansätze, die sich seit den 1960er Jahren etablierten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Engelhardt: Konzepte der „Sozialgeschichte“ im Arbeitskreis für moderne Sozialgeschichte. Ein Rückblick. Klartext-Verlag, Essen 2007, ISBN 978-3-89861-908-0.
  • Werner Conze: Die Gründung des Arbeitskreises für moderne Sozialgeschichte. In: Hamburger Jahrbuch für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik 24, 1979, S. 23–32.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Homepage des Arbeitskreises für moderne Sozialgeschichte auf ruhr-uni-bochum.de.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jin-Sung Chun: Das Bild der Moderne in der Nachkriegszeit. Die westdeutsche „Strukturgeschichte“ im Spannungsfeld von Modernitätskritik und wissenschaftlicher Innovation 1948–1962. Oldenbourg, München 2000, ISBN 978-3-486-56484-6, S. 145.
  2. Kontakt. Arbeitskreis für Moderne Sozialgeschichte e.V. In: ruhr-uni-bochum.de, abgerufen am 6. Juli 2012.
  3. Jürgen Kocka: Werner Conze und die Sozialgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 37, 1986, S. 595–602, hier S. 596.