Arbeitsstab Schutzaufgaben in Krisengebieten

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Der Arbeitsstab Schutzaufgaben in Krisengebieten (ASSIK) der Bundespolizei hat die Aufgabe, für die Sicherheit des deutschen Botschafters und weiterer Schutzpersonen in Krisengebieten zu sorgen. Seit Januar 2009 schützt ASSIK-Personal auch den deutschen Botschafter in Kabul.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Schutz deutscher Auslandsvertretungen gehört zu den Aufgaben der Bundespolizei. Neben dem Hausordnungs- und Objektschutzdienst (HOD) und dem Einsatz der Sicherheitsbeamten, die das Botschaftspersonal im Rahmen der Krisenvorsorge beraten, zählt hierzu der Personenschutz in Krisengebieten. Diesen übernahm bisher vor allem die GSG 9 der Bundespolizei. Zusätzlich leistet das Bundeskriminalamt (BKA) begleitenden Personenschutz im Ausland.

Das Bundesministerium des Innern beauftragte im April 2008 die Bundespolizei, den Personen- und Objektschutz in Krisengebieten unter der Devise „Schutz aus einer Hand“ neu zu organisieren, da eine dauerhafte Bindung von GSG 9-Personal hierfür nicht zweckmäßig erschien.

Aufbauarbeit[Bearbeiten]

Im April 2008 begann eine kleine Projektgruppe die Aufbauarbeit. Es entstanden Konzepte für Organisation, Personalauswahl, Ausbildung und Einsätze. Ab September wurde im Bundespolizeipräsidium an die Abteilung 4 (Internationale Angelegenheiten/Europäische Zusammenarbeit) der „Aufbaustab Schutzaufgaben in Krisengebieten“ angegliedert, der daraufhin in „Arbeitsstab Schutzaufgaben in Krisengebieten“ (ASSIK) umbenannt wurde. Inzwischen ist aus dem ASSIK das neue Referat 44 des Bundespolizeipräsidiums geworden. Nach einer Umbenennung in "Schutz in Krisengebieten" (SIK) heißt es nun "Personenschutzkommando Ausland".

Im Oktober 2008 erfolgte die erste Verwendungsfortbildung für die Kräfte, die ab Januar 2009 in der afghanischen Hauptstadt Kabul eingesetzt wurden. Inzwischen fanden weitere Lehrgänge statt. Die GSG 9 der Bundespolizei leistete und leistet erhebliche Unterstützung bei der Ausbildung sowie mit Ausrüstung und Infrastruktur.

Auswahl und Ausbildung[Bearbeiten]

Für ASSIK bewerben können sich Beamte der Bundespolizei, die einschließlich des Vorbereitungsdienstes mindestens acht Jahre Diensterfahrung haben und auslandsverwendungsfähig und –willig sind. Weiterhin müssen sie ein Eignungsauswahlverfahren bestehen. Bei erfolgreichem Abschluss erfolgt eine zehn Wochen lange Verwendungsfortbildung. Diese umfasst Taktik im In- und Ausland, Fahr- und Sicherheitstraining, Schießfortbildung, unmittelbaren Personenschutz sowie eine spezielle Erste-Hilfe-Ausbildung, orientiert an den Grundsätzen der „Tactical Combat Casualty Care“.

Einsatz[Bearbeiten]

Die ASSIK-Beamten im Einsatz sind an die Organisation des Auswärtigen Amtes angebunden. Die Unterbringung erfolgt in kleinen Appartements mit Selbstversorgung.

Zum Aufgabenspektrum im Einsatz gehören neben der Koordination der Einsätze aus der Einsatzzentrale der Botschaft Erkundungs-, Vorkommando- und Einsatzfahrten sowie die Wartung des Gerätes oder die Fortführung des Alarm- und Evakuierungsplanes.

Ein Einsatz dauert drei Monate, anschließend ist eine sechsmonatige Verwendung in Deutschland vorgesehen, an die sich wiederum ein drei Monate langer Einsatz anschließt. Die Aufenthalte in Deutschland werden zum Austausch aktueller Informationen mit den in der Ausbildung und in der Einsatzvorbereitung befindlichen Kräfte genutzt.

Führungs- und Einsatzmittel[Bearbeiten]

Zu den Führungs- und Einsatzmitteln gehören geschützte Fahrzeuge (Mercedes-Benz G 280 CDI B6, zukünftig auch der ATF Dingo).

Die persönliche Ausstattung umfasst unter anderem ballistische Schutzwesten (Grundschutz Schutzklasse 1+, durch Einschübe auf 4+ erweiterbar), das HK G36C, die Pistole HK P30 V2 BPol, Schutzhelme, Erste-Hilfe-Ausrüstung sowie spezielle Funkgeräte.

Erfahrungen und Ausblick[Bearbeiten]

Die ersten Erfahrungen aus den Einsätzen werden positiv bewertet. Gemäß dem Konzept „Schutz aus einer Hand“ werden zahlreiche Synergieeffekte genutzt.

Die Führung des ASSIK – nun als Referat 44 festes Führungsorgan im Bundespolizeipräsidium – wird nun einen festen Organisations- und Dienstpostenplan schaffen. Darüber hinaus bildet die Personalgewinnung einen Schwerpunkt ihrer Arbeit, denn weitere Aufträge zeichnen sich bereits ab. So übernimmt der ASSIK im Januar 2010 von der GSG 9 auch den Schutz des deutschen Botschafters in Bagdad.

Literatur[Bearbeiten]

Jan-Phillipp Weisswange: ASSIK. Der Arbeitsstab Schutzaufgaben der Bundespolizei. In: Strategie & Technik. Jg. 52, Nr. 5, Mai 2009, ISSN 1860-5311, S. 73–74.