Archaeamphora longicervia

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Archaeamphora longicervia
Archaeamphora longicervia (Künstlerische Rekonstruktion)

Archaeamphora longicervia (Künstlerische Rekonstruktion)

Zeitliches Auftreten
Mesophytikum
125 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Schlauchpflanzengewächse (Sarraceniaceae)
Gattung: Archaeamphora
Art: Archaeamphora longicervia
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Archaeamphora
Hongqi Li
Wissenschaftlicher Name der Art
Archaeamphora longicervia
Hongqi Li

Archaeamphora longicervia ist eine ausgestorbene Pflanzenart aus der Familie der Schlauchpflanzengewächse (Sarraceniaceae) und derzeit der einzige bekannte Vertreter der Gattung Archaeamphora. A. longicervia lebte vor rund 125 Millionen Jahren und ist damit die älteste bekannte fleischfressende Pflanzenart und eine der ältesten bekannten Arten der Bedecktsamer überhaupt. Sie wurde 2005 von Hongqi Li anhand mehrerer 1998 bzw. 2001 in China entdeckter Fossilien beschrieben. Der Name der Gattung bedeutet so viel wie „Urtümlicher Krug“, „longicervia“ bedeutet so viel wie „langhalsig“ und verweist auf die Gestalt des Blattabschnittes zwischen Peristom und Ausbauchung.

Beschreibung[Bearbeiten]

Es handelte sich um eine krautige Pflanze, die rund 50 Millimeter hoch war. Entlang des längsgerieften, mindestens 21 Millimeter langen und 1,2 Millimeter dicken Stängels standen spiralig angeordnet sowohl drei- bis fünfnervige Phyllodien wie auch gestielte und 30 bis 40 Millimeter lange, leicht aufwärts gebogene, schlauchförmige Blätter, die zur Mitte hin stark ausgebaucht waren und sich nach oben wieder leicht verjüngten.

Der nach außen weisende (abaxiale) Blattteil ging am Peristom, der Öffnung des Schlauches, über in ein Operculum, einen deckelförmigen, rundlichen Blattfortsatz am oberen Ende des Schlauches, der zur Mitte hin rundlich eingeschnitten war und an seinem äußersten Punkt spitz zulief. Ebenfalls abaxial verlief vertikal eine deutlich verdickte Mittelrippe, adaxial (also zum Zentrum der Pflanze weisend) verlief parallel zur Mittelrippe ein Flügel. Flügel, Ausbauchung und Operculum waren netzartig geädert. Im unteren Bereich der Schläuche konnten bei den Fossilien bis zu ein Millimeter hohe Ablagerungen festgestellt werden, wie sie auch bei rezenten Karnivorenarten mit Fallgrubenfallen als Ergebnis der Karnivorie auftreten.

In den Schläuchen wie auch entlang der äußeren Nervatur konnten verschiedene Arten von Drüsen festgestellt werden, die so aufgebaut waren wie bei rezenten Karnivorenarten. Zum einen konnten sitzende Drüsen festgestellt werden, ähnlich jenen, die im Inneren von Fallgrubenfallen wachsige Substanzen ausschieden, damit das Innere der Falle Beutetieren keinen Halt bot. Ebenso fanden sich Drüsenhaare, die denen glichen, die bei rezenten Karnivoren Verdauungsenzyme absonderten.

In unmittelbarer Nähe zweier fossiler A. longicervia wurden ovale, 0,9 Millimeter breite und 1,25 Millimeter lange Samen gefunden. Ihre Oberfläche war warzenförmig, an den Rändern befand sich ein Flügel. Fossilien von Blüten, Früchten oder Wurzeln wurden bisher nicht gefunden.

Verbreitung und Funde[Bearbeiten]

Alle Funde der Gattung stammen aus der Yixian-Formation, dem ältesten Teil der Jehol-Gruppe im heutigen Nordostchina. Insgesamt wurden bisher neun Exemplare von Archaeamphora longicervia gefunden, inklusive des Holotyps CBO0220 und des Paratypen CBO0754.

Inwieweit Archaeamphora longicervia an der zunehmenden Expansion der Jehol-Biota über große Teile des heutigen Asiens teilnahm, lässt sich derzeit nicht sagen.

Habitat[Bearbeiten]

Archaeamphora longicervia lebte unter subtropisch-temperierten, feuchten Bedingungen in einer von Seen geprägten, ansonsten aber ariden bis semi-ariden [1] Landschaft. Die Böden waren sandig und enthielten Vulkanasche aufgrund zahlreicher aktiver Vulkane im Umland [2], die Seen waren durch die hohe vulkanische Aktivität stark mineralhaltig. Die mittlere Temperatur lag zu dieser Zeit rund 15 °C über der heutigen, ebenso war der CO2-Gehalt der Atmosphäre deutlich höher [3].

Die Flora der Region war geprägt von Koniferen, Moosen, Bärlappen, Schachtelhalmen, Farnen, Bennettitales, Czekanowskiales, Ginkgoales sowie Gnetales. Andere Bedecktsamer wie Archaefructus waren selten und klein.

Rote Schlauchpflanze (Sarracenia purpurea)

Systematik[Bearbeiten]

Ein Nachweis von Oleanan (eine Substanz, die sich nur in Bedecktsamern findet) erlaubt es, Archaeamphora longicervia als Bedecktsamer einzustufen. Die große morphologische Ähnlichkeit der Schläuche, des Drüsenapparates und der Samen mit den rezenten Schlauchpflanzengewächsen (insbesondere mit der Roten Schlauchpflanze sowie den Sumpfkrügen) lässt eine Eingliederung bei den Schlauchpflanzengewächsen zu.

Weitere Funde ähnlicher, aber morphologisch verschiedener Pflanzen in der Formation erlauben den Schluss, dass die Gattung zu diesem Zeitpunkt bereits in unterschiedliche Arten aufgespalten war und somit eine längere evolutionäre Vorgeschichte hatte. Aufgrund ihrer weit fortgeschrittenen Entwicklung und unter Verweis auf weitere Forschungsergebnisse [4] hält Hongqi Li es daher für möglich, dass die ersten Bedecktsamer nicht erst im Mesophytikum, sondern bereits vor 280 Millionen Jahren im Paläophytikum auftraten.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Barrett, Paul M. & Hilton, Jason M.: The Jehol Biota (Lower Cretaceous, China): new discoveries and future prospects., 2006, in: Integrative Zoology 1 (1), p. 15-17, (Online-Version)
  2. Jing-Jing Tan & Dong Ren: Ovatucupes: A New Cupedid Genus (Coleoptera: Archostemata: Cupedidae) From The Jehol Biota (Late Jurassic) Of Western Liaoning, China, in: Entomological News, Vol. 117, Number 2, 2006, (Online-Version; PDF; 242 kB)
  3. Zhou Zhonghe: Evolutionary radiation of the Jehol Biota: chronological and ecological perspectives, in: Geological Journal Vol. 41, 2006, p. 384
  4. Sanderson M.J., J.L. Thorne, N. Wikstrom & K. Bremer: Molecular evidence on plant divergence times., 2004, Am. J. Bot., 91, 656-1665
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Dieser Artikel wurde am 11. März 2007 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.