Archer Daniels Midland

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Archer-Daniels-Midland Company
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN US0394831020
Gründung 1902 in Minneapolis, Minnesota
Sitz Decatur Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Leitung Patricia Woertz (CEO, Chairman und President)[1]
Mitarbeiter über 30.000 (Fiskaljahr 2011)
Umsatz 80,676 Milliarden USD (Fiskaljahr 2011)[2]
Branche Agrar- und Ernährungswirtschaft
Website www.adm.com
Ölmühle in Hamburg

Die Archer Daniels Midland Company (ADM) mit Sitz in Decatur, Illinois betreibt mehr als 270 Produktionsstätten weltweit, in denen Getreide und Ölsaaten zu verschiedenen Produkten verarbeitet werden, die in Lebensmitteln, Getränken, Industrieprodukten und Futtermitteln weltweit eingesetzt werden.

ADM ist einer der größten Verarbeiter von Sojaschrot, Sojaöl, Palmöl, Ethanol, Fructosesirup und Backmehlen. Europazentrale ist Rolle in der Nähe von Genf.

Das Unternehmen betreibt in Deutschland Ölmühlen in Hamburg-Heimfeld (Noblee & Thoerl GmbH), Mainz (Soya Mainz) Kleve (Ölwerke Spyck) und Straubing (Ölsaatenverarbeitung). Darüber hinaus gibt es in Deutschland Biodieselwerke der ADM in Hamburg, Leer und Mainz. 2009 übernahm ADM die Schokinag in Mannheim.[3]

ADM bietet auch Dienstleistungen im Lagern und Transport von landwirtschaftlichen Produkten an.

Zu den Geschäftsbereichen der Firma zählen: ADM Kakao, ADM Corn Processing, ADM Food Additives, ADM Lecithin, ADM Milling, ADM Monoglycerides, ADM Vitamin E, ADM Protein Specialties, ADM Food Oils.

Im Jahr 2008 belegte Archer Daniels Midland den zweiten Platz im Toxic 100 Index.

Geschichte[Bearbeiten]

1902 gründeten George A. Archer und John W. Daniels ein Unternehmen, das sich mit dem Pressen von Leinöl beschäftigte. 1923 übernahm die Archer-Daniels Linseed Company die Midland Linseed Products Company und nannte sich in Archer Daniels Midland Company um. In jedem Jahrzehnt seit seiner Gründung hat ADM mindestens einen weiteren Geschäftsbereich zu seiner agrarindustriellen Palette ergänzt: Mahlen, Bearbeitung, Spezialitätsfutter, Spezialitätslebensmittelzutaten, Kakao, Ernährung und mehr.

1993 geriet ADM in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass es zu illegalen Preisabsprachen beim Vertrieb von Lysin gekommen war. In den anschließenden Gerichtsverhandlungen wurden mehrere Mitglieder von ADM schuldig gesprochen, dem Konzern wurde eine Geldstrafe von 100 Millionen USD auferlegt.[4]

Im September 1999 kündigte Marty Andreas an, dass aufgrund von Druck aus der europäischen Agrarindustrie, ADM den Bereich der gentechnisch veränderten Produkte von den nicht-gentechnisch veränderten Produkten trennen würde, um ihren Kunden eine Wahlfreiheit zu ermöglichen. Bis dahin hatte die Firma die Quellen der Produkte nicht angegeben.

2001 wurde Paul B. Mulhollem Präsident von ADM. Er ist in die Geschichte eingegangen, weil unter seiner Führung ADM die erste US-Firma wurde, die einen Vertrag mit Kuba abschloss, seit der Verabschiedung eines Handelsembargos vierzig Jahre davor.

Im Mai 2006 wurde Patricia Woertz Vorstandsvorsitzende von ADM. Im Februar 2007 wurde Woertz ebenfalls zur Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. ADM, lange Zeit als Lebensmittelfirma bekannt, verlagert seine Ressourcen in jüngerer Zeit zunehmend in den Bereich der Kraftstoffproduktion. Laut Foodprocessing.com, eine Fachzeitschrift des Lebensmittelhandels, hat ADM seine Kapitalausgaben 2007 fast verdoppelt, auf geschätzte 1,12 Milliarden US-Dollar. Der gesamte Anstieg geht in den Bereich der Bioenergie, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Ethanol und Biodiesel.[5]

Am 6. Juni 2014 gab ADM die Komplettübernahme (Übernahme der restlichen 20 % Anteile) an dem Agrarhändler Toepfer International für 83 Mill. US-Dollar bekannt. [6]

Am 7. Juli 2014 gab ADM die Übernahme des Lebensmittelzutatenherstellers WILD Flavors GmbH bis Jahresende zu einem Preis von 2,3 Milliarden Euro bekannt.[7]

Kritik[Bearbeiten]

Die Schokoladenindustrie, darunter auch ADM[8], unterzeichnete im September 2001 das sogenannte Harkin-Engel-Protokoll. Dieses Protokoll beinhaltet Maßnahmen, die bis 2005 zur Beendigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit bzw. -sklaverei in der Kakaoindustrie führen sollten.[9] Eine Reportage der ARD kam 2010 zu dem Schluss, dass große Firmen wie Mars Inc., aber auch ADM oder Nestlé nach wie vor Kindersklaverei „zumindest dulden.“[10] Eine Evaluation der Tulane-Universität stellte 2011 fest, dass von den sechs im Harkin-Engel-Protokoll genannten Maßnahmen keine einzige vollständig umgesetzt wurde.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ADM: Leadership
  2. Geschäftsbericht Fiskaljahr 2011, S. 21 (PDF; 2,8 MB)
  3. Mannheimer Morgen 26. Februar 2010
  4. Hunter-Gault, Charlayne (October 15, 1996): ADM: WHO'S NEXT?
  5. Fusaro, Dave. „ADM’s big bet on fuel“. Foodprocessing.com. Retrieved on June 6, 2007.
  6. ADM Completes Acquisition of Remaining Stake of Toepfer International, abgerufen am 6. August 2014
  7. ADM Expands Food-Ingredient Offering with Acquisition of WILD Flavors, Pressemitteilung von ADM, 7. Juli 2014
  8. Schmutzige Schokolade. Reportage/Dokumentation von Miki Mistrati im Auftrag des NDR, 43:23 Minuten, deutsche Erstausstrahlung am 6. Oktober 2010 in Das Erste, abrufbar unter http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=8577084, Stelle: 5:25
  9. http://www.cocoainitiative.org/en/reports/harkin-engel-protocol
  10. Schmutzige Schokolade. Reportage/Dokumentation von Miki Mistrati im Auftrag des NDR, 43:23 Minuten, deutsche Erstausstrahlung am 6. Oktober 2010 in Das Erste, abrufbar unter http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=8577084, Stelle: 40:02-41:30
  11. http://www.cocoainitiative.org/images/stories/pdf/Documents_and_Reports/Tulane/Tulane_-_2011_-_Final_Report.pdf