Archimedisches Axiom

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das sogenannte archimedische Axiom ist nach dem antiken Mathematiker Archimedes benannt, es ist aber älter und wurde schon von Eudoxos von Knidos in seiner Größenlehre formuliert.[1] In moderner Präzisierung lautet es folgendermaßen:

Zu je zwei Größen y>x>0 existiert eine natürliche Zahl n\in \mathbb{N} mit nx>y.

Geometrisch lässt sich das Axiom derart interpretieren: Hat man zwei Strecken auf einer Geraden, so kann man die größere von beiden übertreffen, wenn man die kleinere nur oft genug abträgt.

Eine (an)geordnete Gruppe oder ein (an)geordneter Körper, in welchem das Archimedische Axiom gilt, heißt archimedisch (an)geordnet.

Für den Körper \mathbb{R} der reellen Zahlen wird es manchmal axiomatisch eingeführt. Man kann allerdings mit den Axiomen eines geordneten Körpers und dem Supremumsaxiom (Jede nach oben beschränkte Teilmenge des Körpers besitzt ein Supremum) beweisen, dass die reellen Zahlen archimedisch geordnet sind.

zur geometrischen Interpretation

Beweis aus dem Supremumsaxiom für einen geordneten Körper[Bearbeiten]

Es sei x>0.

Behauptung: Für jedes y>x gibt es eine natürliche Zahl n, so dass nx>y gilt.

Gegenannahme: Es gibt ein y>x, so dass nx\leq y für alle natürlichen Zahlen n.

Aus der Gegenannahme folgt, dass y für alle natürlichen Zahlen n eine obere Schranke für nx ist. Mit dem Supremumsaxiom folgt daraus die Existenz einer kleinsten oberen Schranke y_0. Gilt aber nx\leq y_0 für alle natürlichen Zahlen n, so gilt auch \left(n+1\right)x\leq y_0 und somit auch nx\leq y_0-x für alle natürliche Zahlen n. Dann ist aber auch y_0 - x eine obere Schranke für nx . Wegen y_0 - x < y_0 , ist also y_0 keine kleinste obere Schranke, was im Widerspruch zur Definition von y_0 steht. Somit muss die Gegenannahme falsch sein und die Behauptung ist bewiesen.

Folgerungen aus dem archimedischen Axiom[Bearbeiten]

Zu jeder Zahl x\in\mathbb{R} gibt es n_1,n_2\in\mathbb{N}, so dass n_1>x und -n_2<x. Daraus folgt: Zu jedem x\in\mathbb{R} gibt es eine eindeutig bestimmte Zahl n\in\mathbb{Z} mit

n\leq x < n+1.

Dabei wird n mit \lfloor x\rfloor oder \operatorname{floor}(x) bezeichnet. Ebenso existiert eine eindeutig bestimmte Zahl m\in\mathbb{Z} mit

m-1 < x \leq m

welche mit \lceil x\rceil oder \operatorname{ceil}(x) bezeichnet wird. Damit gilt auch: für alle \varepsilon>0 existiert ein n \in \mathbb{N} mit n>1/\varepsilon und daher umgekehrt 1/n<\varepsilon. In der Analysis ist dieser Zusammenhang nützlich, um beispielsweise die Konvergenz oder Divergenz von Folgen nachzuweisen.

Weiterhin folgt aus dem archimedischen Axiom, dass es für zwei reelle Zahlen a,b\in\mathbb{R}, a < b immer eine rationale Zahl q\in\mathbb{Q} mit a < q < b gibt und dass die Menge der natürlichen Zahlen im Körper \mathbb{R} nicht nach oben beschränkt ist.

Satz von Hölder[Bearbeiten]

Jede archimedisch geordnete Gruppe G ist kommutativ und isomorph zu einer additiv geordneten Untergruppe von \R.[2]

Dabei ist für ein  e \in G mit e > 0 und additiv geschriebener Gruppenverknüpfung die Abbildung

 x \mapsto r = \sup\, \left\{ \frac {z}{n} |z \in \Z, n \in \N, z \cdot e < n \cdot x \right\}

ein Isomorphismus von G in eine additive geordnete Untergruppe von \R, wobei n \cdot x = \underbrace {x+x+...+x}_{n-mal} für  x \in G und  n \in N und  z\cdot e = -z \cdot (-e) für  z \in Z und  z < 0.[3]

Das Element e kann dabei als Einheit verwendet werden, mit dem jedes Gruppenelement x "gemessen" werden kann. Das bedeutet: Für jedes Element x der Gruppe existiert ein r so, dass  x = r \cdot e ( r \in \R).

Beispiel: Die Intervalle in der Musiktheorie bilden eine archimedisch geordnete kommutative Gruppe und können alle mit der Einheit Oktave oder Cent gemessen werden. Siehe: Tonstruktur (mathematische Beschreibung).

Klassifizierung: Entweder ist eine archimedisch geordnete Gruppe G von der Form G = {0} oder G = {..., −3a, −2a, −a, 0, a, 2a, 3a, ...} (isomorph zu der additiven Gruppe der ganzen Zahlen) oder es gibt kein kleinstes Element, was im Folgenden präzisiert wird.

Zu jedem Element a>0 gibt es ein b mit 0 < 2b < a. (Gibt es nämlich kein minimales positives a, dann gibt es zu jedem a > 0 sicher ein c mit 0 < c < a. Falls 2c < a kann man b = c wählen. Falls 2c = a gibt es ein b mit 0 < 2b < 2c =a und falls 2c > a gilt für b = a − c die Ungleichung 0 < 2b = 2a − 2c < 2a − a = a.)

Nichtarchimedisch angeordnete Körper[Bearbeiten]

Ein Beispiel für einen angeordneten Körper, in dem das Axiom des Archimedes nicht gilt, ist der in der Nichtstandardanalysis studierte Körper der hyperreellen Zahlen.

Ein einfacheres Beispiel besteht aus den rationalen Funktionen R(x) über dem rationalen (oder dem reellen) Zahlenkörper, die so geordnet werden, dass x größer ist als alle Zahlen (das geht auf eindeutige Weise).

Historisches[Bearbeiten]

Euklid gibt in den Elementen in Buch 3 Proposition 16[4][5] ein explizites Beispiel für Größen, die das archimedische Axiom nicht erfüllen, sogenannte hornförmige Winkel, die von sich berührenden gekrümmten Kurven gebildet werden, in Euklids Beispiel von einem Kreis und seiner Tangente. Sie tauchen nur an dieser Stelle in den Elementen auf.

Weblinks[Bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. überliefert in: Euklid, Elemente V, Definition 4: Dass sie ein Verhältnis zueinander haben, sagt man von Größen, die vervielfältigt einander übertreffen.
  2. Otto Hölder Die Axiome der Quantität und die Lehre vom Mass, Ber. Verh. Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften Leipzig, Math. Phys. Klasse, Band 53, 1901, S. 1-64
  3. Alexander Gennadjewitsch Kurosch Vorlesungen über Allgemeine Algebra. Harri Deutsch, Zürich 1964.
  4. Euklid, Buch 3, Proposition 16, bei David Joyce
  5. Felix Klein Elementarmathematik vom Höheren Standpunkt, Springer Verlag, Band 2, S. 221f