Archiv

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Dieser Artikel behandelt den Aufbewahrungsort von Archivgut.
Eingang zu den „Archivkammern“ im Palast Assurbanipals
Zeichnung eines Archivschranks, 16. Jahrhundert

Ein Archiv (lat. archivum ‚Aktenschrank‘; aus altgr. ἀρχεῖον archeíon ‚Amtsgebäude‘) ist eine Institution oder Organisationseinheit, in der Archivgut zeitlich unbegrenzt aufbewahrt, benutzbar gemacht und erhalten wird (Archivierung). Mit dem Begriff können auch Gebäude oder Räumlichkeiten gemeint sein, in denen ein Archiv oder Archivgut untergebracht ist (Magazin).

Archive gibt es weltweit und in nahezu allen Kulturen und Lebensbereichen. Archive erscheinen sowohl in öffentlicher (z. B. Staaten, Kommunen) als auch privater Trägerschaft (z. B. Unternehmen, Vereine, Familien). Die meisten öffentlichen Archive arbeiten aufgrund von Archivgesetzen, die die Archivierung und die damit verbundenen Arbeitsfelder als öffentliche Pflichtaufgabe deklarieren. Zusammen mit anderen Gedächtnisinstitutionen wie Bibliotheken, Dokumentationsstellen oder Museen bilden Archive das kulturelle und rechtlich-administrative Gedächtnis eines Staates, einer Kommune oder einer Region. Die Erhaltung und Benutzbarmachung der Informationen stellt vor allem die Archive vor immer größere Herausforderungen, insbesondere da immer mehr Unterlagen nur noch digital existieren (digitale Archivierung).

Archivgut[Bearbeiten]

Die in den Archiven archivierte Information und die dazugehörigen Informationsträger werden unter dem Begriff Archivgut zusammengefasst. Eine einzelne Archivguteinheit wird auch Archivale genannt (neutrum, Plural Archivalien).

Archivgut ist derjenige Teil von Unterlagen, der von unterlagenführenden Stellen wie beispielsweise Behörden, Unternehmen, Vereinen, Familien oder Privatpersonen aus verschiedenen Gründen nicht mehr behalten wurde und von einem bestimmten Archiv als unbefristet aufzubewahren bewertet wurde (Archivische Bewertung). Diese Art von Unterlagen haben oft die Eigenschaft, dass sie die Aufgaben (sowohl Pflichtaufgaben als auch freiwillige Aufgaben) und die Tätigkeiten der jeweiligen unterlagenführenden Stelle dokumentieren (beispielsweise Bankenaufsicht des Bundesfinanzministeriums, Wasserversorgung einer Gemeinde, Produktdesign im Autounternehmen, Weltraumflug einer Luftfahrtbehörde, wissenschaftliche Daten eines Forschungsinstituts, Jahresversammlung eines Vereins, Tagebuch oder Briefwechsel einer Privatperson).

Den vorarchivischen Umgang mit Unterlagen regelt das Records Management der unterlagenführenden Stelle, ein Berufszweig, der seit Jahrzehnten stark unter Entprofessionalisierung leidet. Der Zustand des Archivguts hängt sehr stark vom Zustand des Records Managements ab. Archive können nachlässig geführte Unterlagen oft nicht mehr authentisch benutzbar machen.

Die Informationen der Unterlagen können dabei beliebige Träger und Formierungen aufweisen, beispielsweise papiergebundene oder elektronische Sachakten, Datenbanken oder andere digitale Systeme, Einzeldokumente, Karten, Fotos, Filme oder Tonaufnahmen.

Unterlagenführende Stellen bieten ihre Unterlagen obligatorisch oder freiwillig - je nach rechtlichem Hintergrund - einem bestimmten Archiv an, wenn die Unterlagen ein bestimmtes Alter erreicht haben oder zur Aufgabenerfüllung nicht mehr benötigt werden. Archive entscheiden dann, ob die Unterlagen archiviert oder vernichtet werden. Den noch nicht Archiven angebotenen Teil von Unterlagen bezeichnet man auch als Registraturgut, insbesondere in Behörden und Unternehmen. Zwischen Archivgut und Registraturgut bestehen signifikante rechtliche und inhaltliche Unterschiede. Dennoch gibt es auch bedeutende Abhängigkeiten und Gemeinsamkeiten, die durch das Modell des Lebenszyklus von Unterlagen verdeutlicht werden.

Die während der inhaltlichen Erschließung der Informationen des Archivgutes entstehenden Hilfsmittel wie Findbücher werden für Benutzungen und für die Auswertung genutzt. Abschließend erschlossenes Archivgut wird heute häufig im Rahmen von Findbüchern im Internet der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Archivgut besteht oft aus Unikaten und hat als Primärquelle einen herausragenden Stellenwert im Rahmen der Geschichtswissenschaften sowie der historischen Forschungen.

Erweiterung des Archivbegriffs[Bearbeiten]

Oft steht Archiv einfach für einen Ort, an dem nicht mehr Aktuelles vorgehalten wird, beispielsweise haben viele Websites einen entsprechenden Archivbereich. Bei Archiv handelt es sich nicht um einen fest definierten oder gar geschützten Begriff. Ganz unterschiedliche Einrichtungen dürfen sich Archiv nennen, obwohl es vielfach näher läge, sie als Altregistraturen, Bibliotheken, Museen oder Dokumentationsstellen zu bezeichnen.

Die sogenannte Archivierung im IT-Bereich führt zur Verwässerung des eigentlichen Archivbegriffs. So sprechen viele Unternehmen, die digitale Registratursysteme anbieten oder verwenden, von Archivierung, wenn es um die Speicherung von Daten im System geht (elektronische Archivierung). Andere Gedächtnisorganisationen wie Bibliotheken sprechen von Langzeitarchivierung, wenn die dauerhafte Erhaltung ihrer digitalen Informationen gemeint ist (digitales Archiv). Die Verwendung des Begriffs Archiv in der IT-Branche ist technisch zu verstehen. So werden etwa Systeme zur elektronischen Archivierung oder für die Datensicherung (siehe etwa das Tar-Dateiformat) als Archive bezeichnet, obwohl sich heutzutage die Zugriffszeiten aus Sicht der menschlichen Arbeit kaum noch von denen im laufenden System der Datenträger unterscheiden. Im 20. Jahrhundert war es üblich, Daten aus der elektronischen Archivierung in abgeschlossenen Panzerschränken aufzubewahren.

In der postmodernen Kulturwissenschaft wird Archiv im Anschluss an Michel Foucault als Oberbegriff für Informations- und Wissensspeicher wie z. B. Bibliotheken gebraucht.

Archivarten und Archivträger[Bearbeiten]

Bei den Archiven in Deutschland und den deutschsprachigen Nachbarländern fällt eine starke Fragmentierung und verschiedenartige Ausrichtung der einzelnen Institutionen auf, die sich wie folgt strukturieren lassen: Die wichtigsten Träger von Archiven sind öffentliche und halböffentliche Institutionen. Daneben werden Archive aber auch von großen Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen unterhalten. Vom Archivträger hängt auch die Überlieferungsbildung der einzelnen Archive ab.[1]

Zu den Archiven der öffentlichen Hand zählen allgemein gesamtstaatliche Archive, Landesarchive, Kommunalarchive, Kammerarchive sowie Schul- und Universitätsarchive. Diese Archive erfüllen einen gesetzlichen Auftrag.[2] Zu den Archiven von Institutionen und Vereinigungen gehören Archive von Religionsgemeinschaften (auf der Ebene von Ländern, Klöstern und Pfarren und nach Konfessionen getrennt), Vereinsarchive, Parteiarchive, Gewerkschafts- und Arbeitgeberverbandsarchive, Innungsarchive und weitere.

Im Bereich der privaten Archive finden sich etwa Unternehmensarchive und Archive von privaten Personen bzw. Familien, die meist nicht für Außenstehende zugänglich sind. Auch im Titel von Fachzeitschriften wird der Begriff Archiv verwendet: Beispielsweise das Archiv für Medizingeschichte Sudhoffs Archiv oder das auch durch seine monographischen Beihefte renommierte "Archiv für Musikwissenschaft".[3]

Hinzu kommen die Archive in Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen.[4] Als Beispiel für das Archiv eines großen Zeitungsverlages eignet sich das der Süddeutschen Zeitung. „Die Süddeutsche Zeitung (SZ) verfügt seit ihrer Gründung 1945 über ein Pressearchiv, das die Texte der eigenen Redakteure und zahlreicher nationaler und internationaler Publikationen dokumentiert und auf Anfrage für Recherchezwecke bereitstellt. […] Die technische Weiterentwicklung ab Mitte der 90er Jahre diente zwei Zielen: (1) dem vollständigen Wechsel von der Papierablage zur digitalen Speicherung und (2) dem Wandel von einer verlagsinternen Dokumentations- und Auskunftsstelle zu einem auch auf dem Markt vertretenen Informationsdienstleister“, fasst Markus Schek die Entwicklungen zusammen.[5] Hier wird deutlich, dass Archive also durchaus einen gewissen Verständniswandel erleben können, indem sie nicht nur unternehmensintern Informationen liefern, sondern auch extern auftreten. Gerade im Hinblick auf Zeitungsverlage ist hier in den nächsten Jahren vermehrt mit derartigen Schritten zu rechnen, um bisher ungenutzte Archivinhalte aus den Kellern der Verlage auf die eigene Website zu holen. Dort können sie aktuelle Berichte um eine historische Komponente anreichen oder sogar direkt monetarisiert werden.

Bestandserhaltung[Bearbeiten]

Tape Library (Innenansicht)

Da Archive das ihnen anvertraute Kulturgut (ebenso wie die anderen Kulturgut verwahrenden Institutionen Bibliotheken, Museen und Denkmalämter) dauerhaft oder zumindest für längere Zeit sichern sollen, stellt sich das Problem der Bestandserhaltung. Auf diesem Feld kooperieren Archive, Bibliotheken und Museen, die sonst weitgehend getrennte fachliche Wege gehen, am meisten. Die Erhaltung etwa eines Tonbands sollte in jeder Institution nach den gleichen fachlichen Maßstäben, wie er auch dem Selbstverständnis des Restauratoren-Berufs zugrunde liegt, erfolgen.

Besondere Probleme wirft die Langzeitarchivierung von digitalen Informationen auf, da die Haltbarkeit der derzeit üblichen Datenträger sehr begrenzt ist. Beispielsweise sind bereits heute Teile der Daten des Apollo-Programmes nicht mehr lesbar, weil die Computer, Betriebssysteme und Programme von damals nicht mehr verfügbar sind oder die Daten nicht auf neuere Systeme übernommen wurden.

Ein weiteres Problem ist die Archivierung von Papierdokumenten, die nicht holzfrei sind oder schädliche Zusatzstoffe wie Leim und Pigmente enthalten. Während Dokumente auf altem Hanfpapier sehr dauerhaft über Jahrhunderte lagerfähig sind, zerfallen europäische Dokumente aus dem 19. Jahrhundert oft durch Säurefraß. Die Restaurierung ist oft nur noch durch Massenentsäuerung und nachträgliche Stabilisierungsverfahren, wie beispielsweise durch das Papierspaltverfahren möglich.[6][7]

Erschließung[Bearbeiten]

Die Erschließung (die Ordnung und Verzeichnung des Archivguts) erfolgt in Facharchiven heute nach dem Provenienzprinzip, während im 19. Jahrhundert das Pertinenzprinzip weit verbreitet war, das die Unterlagen ohne Rücksicht auf ihren Entstehungszusammenhang und ihre Herkunft (Provenienz) nach Sachbegriffen (Pertinenzen) organisierte. Ein aus dem Zusammenhang gerissenes Schriftstück hat erheblich geringere Aussagekraft als ein Schriftstück, das in seinem Kontext belassen wurde.

Ausgehend vom angloamerikanischen Raum arbeiten Archive an gemeinsamen Standards wie Encoded Archival Context und Encoded Archival Description. Da sich in den USA Archive und Bibliotheken weit näher stehen als im deutschsprachigen Raum, kommt es durch die Kooperation auf dem Gebiet der Standardisierung zu einer verstärkten Zusammenarbeit von Archiven und Bibliotheken.

Allerdings hat es sich nicht bewährt, bibliographische Formate auf archivische Bedürfnisse anzupassen. Der Internationale Archivrat (ICA/CIA)[8] verabschiedete im Jahr 2000 ISAD(G) als Anwendungsstandard zur Verzeichnung von Archivgut (General International Standard Archival Description), bzw. 2004 ISAAR(CPF) (International Standard Archival Authority Record for Corporate Bodies, Persons, and Families).

Damit wird der Eigenständigkeit archivischer Arbeitsmethoden Rechnung getragen. Der Individualisierung von Einzelstücken wird entgegengewirkt und der im Provenienzprinzip artikulierten Bedeutung der Entstehungszusammenhänge und Ursprungszwecke Rechnung getragen. Durch die Vereinheitlichung wird eine Verbesserung der Arbeitsmethoden erreicht, die sich an der Praxis orientiert und die damit zur Grundlage für die Entwicklung nationaler Standards wird.

Angestrebt wird, dass in Zukunft der Benutzer nach einheitlichen Standards weltweit in vernetzten Archivdatenbanken in den Findmitteln der Archive recherchieren kann.

Benutzung[Bearbeiten]

Vor allem die Entwicklung des Datenschutzes war der Motor für die Archivgesetzgebung.[9] In den öffentlichen Archiven weltweit spielt der Respekt vor sensiblen personenbezogenen Daten eine große Rolle. Beispielsweise können Personalakten in der Regel erst einige Zeit nach dem Tod des Betreffenden in die Benutzung gegeben werden (in Deutschland 10 bis 30 Jahre). Ist der Todeszeitpunkt nicht bekannt, wird eine Frist ab der Geburt (i. d. R. 90 bis 100 Jahre) festgelegt.

Mit dem Aufkommen der Informationsfreiheitsgesetze spielen die früher dominierenden Befürchtungen, Benutzer könnten durch verfrühte Einsicht in Behördenakten der Verwaltung schaden, eine immer geringere Rolle. Für die Unterlagen des Bundes und der Länder gilt in Deutschland eine Regelsperrfrist von 30 Jahren nach Entstehung.

Nutzer[Bearbeiten]

Die Benutzung der Bestände eines öffentlichen Archivs für die Auswertung zu persönlichen, rechtlichen oder wissenschaftlichen Zwecken ist für jeden nach Genehmigung eines dafür gestellten Benutzerantrags möglich. Auch eine schriftliche Anfrage gilt im rechtlichen Sinn als Benutzung. Als ursprünglicher Registraturbildner ist die das Archiv unterhaltende Verwaltung häufig die Hauptnutzerin des amtlichen Archivguts, um den laufenden Verwaltungsbetrieb zu ermöglichen und in Rechtsfragen Sicherheit zu erlangen.

Die Geschichtswissenschaften rechnen die Aktenkunde und Diplomatik zu ihren Hilfswissenschaften. Die Nutzung und Sichtung von öffentlichen und privaten Archiven zwecks Recherche, Sicherung und Auswertung von Quellen gehört zu den grundlegenden beruflichen Aufgaben des Historikers und seiner Mitarbeiter und Assistenten. Neben hauptberuflichen Historikern (die nicht nur bei Hochschulen, sondern auch bei Archiven und vergleichbaren Einrichtungen selbst angestellt sein können) gehören auch freie Autoren, Publizisten und Amateurforscher (etwa Heimatforscher) zu den regelmäßigen Nutzern öffentlicher und gelegentlich auch privater Archive, wenn sie sich mit historischen Themen befassen. Des Weiteren werden Archive auch von Journalisten regelmäßig genutzt, um Quellenrecherche zu betreiben.

Ein Archivbenutzer betreibt Ahnenforschung in Standesamtsbüchern

Durch die zahlreichen Personenstandsregister, Kirchenbücher und archivierten Einwohnermeldekarteien sind kommunale Archive eine beliebte Anlaufstelle für Genealogen bzw. Privatpersonen die Informationen über ihre Vorfahren suchen. Auch zur Klärung von Erbstreitigkeiten wenden sich mit der Erbenermittlung beauftragte Rechtsanwälte oder Unternehmen an Archive, um beglaubigte Urkunden oder andere Dokumente zur Rechtssicherung ihrer Klienten zu erhalten.

Im Rahmen der Archivpädagogik können sich Schulklassen zum Beispiel für den Geschichtsunterricht die freie Zugänglichkeit der Archive zu Nutze machen und werden vom Archivpersonal fachlich unterstützt. Zu der Zeit wenn die Schüler der Gymnasien ihre Facharbeiten schreiben, bemerken die Archive außerdem jährlich eine Anhäufung von Anfragen durch Schüler, die in den Beständen originale Quellen suchen.

Archivgesetze[Bearbeiten]

In Deutschland bestehen verschiedene Gesetze auf Bundes- oder Landesebene, die die Zugänglichkeit von Archivgut regeln und die Aufgaben von Archiven formulieren. Auf kommunaler Ebene werden entsprechende Regelungen im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung in Satzungen formuliert. Gegenstand der Archivgesetze in Bezug auf die Archivbenutzung ist die Abwägung von Wissenschafts- und Informationsfreiheit einerseits und den Schutzrechten betroffener Personen andererseits. Hierzu werden Schutzfristen und andere Nutzungseinschränkungen zum Schutz des Archivguts formuliert. Die Einhaltung des geltenden Archivgesetzes verpflichtet die Archive zum Beispiel dazu, die Benutzung zu verweigern, wenn Grund zu der Annahme besteht, dass das Wohl der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder gefährdet würde, oder der Erhaltungszustand der Archivale eine Nutzung nicht zulässt.[10]

Sicherheit[Bearbeiten]

Das Einatmen von Staub oder Schimmel kann zu schweren Atemwegserkrankungen und allergischen Reaktionen führen. Da es sich nicht vollständig vermeiden lässt, dass Staub und Schimmelsporen das Archivgut befallen, ist es bei der Benutzung zwingend erforderlich, sich ausreichend zu schützen. Die konventionelle Maßnahme ist eine persönliche Schutzausrüstung, bestehend aus Mundschutz, Handschuhen und Schutzkittel, wobei sich in den meisten Fällen auf Handschuhe beschränkt wird.

Da Archivgut einmalig ist, muss es vor Beschädigungen durch unsachgemäße Nutzung und zu hoher Beanspruchung geschützt werden. Bei vorsätzlicher Beschädigung der Archivalien kann dem Benutzer die erteilte Benutzungsgenehmigung entzogen werden. Um Vandalismus vorzubeugen wird die Benutzung nur in - von Fachpersonal beaufsichtigten - Lesesälen gestattet. Fotografien und Kopien werden in der Regel ebenfalls untersagt, da die starke Beleuchtung zu erhöhter Beanspruchung des Materials führt. Vom Benutzer zu tragende Handschuhe sind nicht nur zum Schutz des Benutzers gedacht. Durch die Berührung mit der Haut wird Schweiß auf das Papier der Unterlagen übertragen. Da dies zur Schädigung des Papiers führen kann, sind Handschuhe unerlässlich. Häufig wird ausschließlich die Verwendung eines Bleistifts zur Fertigung von Notizen genehmigt, da bei der Nutzung von Kugelschreibern die Gefahr besteht, die Archivalien dauerhaft zu verunreinigen. Viele Archive fertigen zudem Schutzverfilmungen an, um eine Mikrofilmbenutzung zu ermöglichen. So werden die Originale geschützt, da sie nicht vom Benutzer verwendet werden, während der Inhalt ihnen dennoch zugänglich gemacht werden kann.

Literatur zur Archivbenutzung[Bearbeiten]

  • Norbert Reimann (Hrsg.), Praktische Archivkunde, ein Leitfaden für Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste Fachrichtung Archiv, Münster 2004
  • Angelika Menne-Haritz, Schlüsselbegriffe der Archivterminologie, Lehrmaterialien für das Fach Archivwissenschaft, 2., überarb. Aufl., Marburg 1999

Virtuelle Archive, Google Books[Bearbeiten]

Im Internet gibt es zahlreiche Archivportale. Sie bieten gebündelte Information über Archive und/oder die Möglichkeit, in den Beständen mehrerer Archive gleichzeitig zu recherchieren. Je nachdem welche und wie viele Archive von dort erreichbar sind gibt es thematisch engere und weitere (universellere) Webportale.

Das Wirken von Google Books - es begann 2004 - hat vieles angestoßen. Zu dieser Zeit gab es nur vereinzelte Pilotprojekte zur Digitalisierung von Findemitteln und Archivgut, um beides im Internet zur Benutzung bereitzustellen. Der Gedanke von Open Access für Archivgut war damals noch kaum verbreitet. Google verkündete 2004 das Ziel, bis 2015 15 Millionen Bücher (entspricht 4,5 Milliarden Seiten) gescannt zu haben. Google kooperiert auch mit dem gemeinnützigen Projekt Internet Archive. Google Books traf wegen seines Ansatzes - Start der Digitalisierungen in großem Stil, ohne vorher die Urheberrechtssituation der kopierten Werke grundsätzlich zu klären bzw. vertraglich zu regeln - auf teilweise erheblichen Widerstand, der auch in Rechtsstreitigkeiten mündete. Google versuchte, dies im Rahmen eines groß angelegten pauschalen Vertrags mit Rechteinhabern zu begegnen, dem Google Book Settlement, das selbst zum Gegenstand breiter Diskussion und von Gerichtsverfahren wurde.

Google kooperiert mit zahlreichen besonders großen und alten Bibliotheken (siehe hier), darunter vielen Universitätsbibliotheken:

Weiter sinkende Digitalisierungskosten begünstigen den Prozess.

Die Digitalisierung von analogem Archivgut – abseits der Findemittel – wird ebenfalls befürwortet und - meist in individuellen Einzelprojekten - vorangetrieben. Dabei entstehende Digitalisate werden - sofort oder nach einer gewissen Zeit - zur Nutzung im WWW bereitgestellt.

Wenn Museen so viele Exponate online stellen, dass daraus ein musealer Gesamteindruck entsteht, nennt man dies Digitales Museum (Beispiele hier).

Archivorganisationen und Berufsbild[Bearbeiten]

Deutsche Sonderbriefmarke zum Internationalen Archivkongress, gestaltet von Elisabeth von Janota-Bzowski, 1984

Dem fachlichen Austausch dienen die Berufsverbände der Archivarinnen und Archivare (in Deutschland: VdA, in der Schweiz VSA, in Österreich VÖA) und Zusammenschlüsse von Archiven sowie archivische Fachzeitschriften (in Deutschland ist an erster Stelle Der Archivar und die Archivalische Zeitschrift zu nennen, in der Schweiz Arbido, in Österreich Scrinium). Erst in neuester Zeit nutzen Archivare verstärkt das Internet zum Informationsaustausch (Websites, Mailinglisten).

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Archivwesen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Archivwesen
  • Monasterium.net ist das größte virtuelle Archiv - über 200.000 Stück - für historische europäische Urkunden. Ein Konsortium von über 60 Institutionen aus zehn Staaten stellt die Scans den Forschern und der Öffentlichkeit zur Verfügung

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Archiv – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Archiv – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikisource: Archivwesen – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Archive Auf: Geschichte Online, Universität Wien, 2004.
  2. Aufstellung der Archivgesetze auf den Internetseiten der Archivschule Marburg.
  3. Vgl. zum allgemeinen Sprachgebrauch von Archiv: Martin Burkhardt: 2. Was ist ein Archiv?. In: Gebrauchsanleitung für Archive. Auf: historicum.net, 2006. Abgerufen am 25. Dezember 2009.
  4. Vgl. Martin Burkhardt: 3. Die verschiedenen Archivarten und -träger in Deutschland. In: Gebrauchsanleitung für Archive. Auf: historicum.net, 2006. Abgerufen am 25. Dezember 2009.
  5. Markus Schek: Automatische Klassifizierung und Visualisierung im Archiv der Süddeutschen Zeitung. In: MedienWirtschaft 1/2005, S. 20–24.
  6. Günter Engelhardt, Klaus Granich, Klaus Ritter: Das Leimen von Papier. Leipzig (Fachbuchverlag) 1972, S. 12-14
  7. Otto Wurz: Papierherstellung nach neuzeitlichen Erkenntnissen. Graz, Wien (Verlag Ulrich Moser) 1951, S. 46-65
  8. ICArchives : Page d'accueil : Accueil
  9. Vgl. Archivgesetze und weitere Gesetze. In: Archivschule Marburg.
  10. Archivgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen § 6 - Nutzung
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJens Redmer: The Bavarian State Library becomes largest non-English library partner. In: Inside Google Book Search. 6. März 2007, abgerufen am 11. März 2007.
  12. http://staatsbibliothek-berlin.de/die-staatsbibliothek/publikationen-der-staatsbibibliothek/bibliotheksmagazin/
  13. Google digitalisiert Stadtbibliothek Lyon, derstandard.at, 13. Juli 2008
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAPA: Google digitalisiert Nationalbibliothek. In: Inside Google Book Search. 16. Juni 2010, abgerufen am 17. Juni 2010.
  15. Johannes Grützmacher: Rezension zu: Ridener, John: From Polders to Postmodernism. A Concise History of Archival Theory. Duluth 2009. In: H-Soz-u-Kult, 23. Dezember 2009.