Ardez

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Ardez
Wappen von Ardez
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Bezirk: Innw
Kreis: Sur Tasna
BFS-Nr.: 3741i1f3f4
Postleitzahl: 7546
Koordinaten: 810857 / 18413646.77510.21467Koordinaten: 46° 46′ 30″ N, 10° 12′ 0″ O; CH1903: 810857 / 184136
Höhe: 1'467 m ü. M.
Fläche: 61.39 km²
Einwohner: 426 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 7 Einw. pro km²
Ardez

Ardez

Karte
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Ardez ( [ɐrˈdɛts]?/i; veraltet dt. Steinsberg) ist eine politische Gemeinde im Kreis Sur Tasna, Bezirk Inn des Schweizer Kantons Graubünden. Auf den 1. Januar 2015 wird Ardez mit den fünf Gemeinden Ftan, Guarda, Scuol, Sent und Tarasp fusionieren und die flächenmässig grösste Gemeinde der Schweiz bilden. Mit etwa 4'700 Einwohnern wird sie zugleich die grösste bündnerromanische Gemeinde überhaupt sein[2].

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Geteilt von Silber (Weiss) und Schwarz, in Silber ein halber schwarzer, rot bewehrter Steinbock, in Schwarz ein silbernes Tatzenkreuz

Wappenbild nach einem Siegel des 19. Jahrhunderts.

Geographie[Bearbeiten]

Ardez liegt auf der linken Talseite des Unterengadin über dem Inn. Zu Ardez gehören die Fraktionen Sur En (rechte Talseite) und Bos-cha (zwischen Ardez und Guarda). Das Gemeindegebiet erstreckt sich von der österreichischen Grenze im Norden (Gemsspitze, Hintere Jamspitze) bis zur Nationalparkgrenze im Süden (Piz Sampuoir und der höchste Punkte der Gemeinde: Piz Plavna Dadaint, 3166 m). Dazu gehören die südlich des Inn gelegenen Seitentäler Val Nuna und Val Sampuoir und auf der nördlichen Talseite die Val Tasna. Die Nachbargemeinden sind (östlich beginnend, im Uhrzeigersinn) Ftan, Tarasp, Zernez, Lavin, Guarda und das österreichische Galtür. Der Ardezer Boden reichte noch um 1900 bis ins Montafon (Vorarlberg) und ins Paznauntal (Tirol).

Geologie[Bearbeiten]

Die Ardezer Landschaft liegt eingebettet zwischen den Kristallinmassen der Silvretta und den Unterengadiner Dolomiten. Hier grenzen Kristallin- und Kalk-/ Schiefergebiete aneinander. Die hügelige Terrasse östlich der Burg Steinsberg besteht vorwiegend aus Tasna-Altkristallin. Darüber liegt Triasdolomit und der Liasgesteine der Burg Steinsberg. Westlich des Dorfes sind Sandkalke des Neokom von jüngeren Kreideniveaus (Weg nach Bos-cha) überlagert.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerungsentwicklung verlief ziemlich stabil. 1780 waren es 531 Einwohner, im Jahr 1900 612. Einen Höhepunkt gab es 1910 infolge des Bahnbaus mit 1005 Einwohnern und einen Tiefstand 1980 mit 383 Einwohnern.

Sprachen[Bearbeiten]

Die bündnerromanische Mundart Vallader ist bis heute die Sprache einer grossen Bevölkerungsmehrheit geblieben. Sie wird auch von der Gemeinde und der Schule unterstützt. Daher gaben 1990 85 % und 2000 gar 89 % der Einwohnerschaft an, Romanisch zu verstehen. Bis 1900 war die Gemeinde sogar fast einsprachig (1880 94 %, 1900 94 %). Dieser Anteil sank zwar seither, doch bis 1980 nur unwesentlich (1941 84 %, 1980 83 %). Seit den 1980er-Jahren ist der Anteil der Deutschsprachigen deutlich gestiegen.

Sprachen in Ardez
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 50 13,05 % 78 19,85 % 81 20,20 %
Rätoromanisch 316 82,51 % 288 73,28 % 296 73,82 %
Italienisch 17 4,44 % 26 6,62 % 12 2,99 %
Einwohner 383 100 % 393 100 % 401 100 %

Religionen und Konfessionen[Bearbeiten]

Die Ardezer Bürger traten 1538 zur protestantischen Lehre über.

Herkunft und Nationalität[Bearbeiten]

Von den Ende 2005 431 Bewohnern waren 394 (= 91.42 %) Schweizer Staatsangehörige.

Geschichte[Bearbeiten]

Prähistorische Funde gab es bei Bos-cha (Schalensteine) und bei Chanoua (Keramik der Fritzens-Sanzeno-Kultur)[3]. Suotchastè war gemäss den Ausgrabungen von der späten Bronzezeit (Laugen-Melaun-Kultur, 13. bis 6.  Jahrhundert v. Chr.) bis in die jüngere Eisenzeit (Fritzens-Sanzeno, 5. bis 1. Jahrhundert v. Chr.) besiedelt. Ortsnamen und ein der Fritzens-Sanzeno-Kultur zuzuordnender Schriftfund[4] legen es nahe, die Urheber entsprechender Artefakte als Räter im Sinne antiker Quellen anzusehen. 15 v. Chr. wurden sie von den Stiefsöhnen Drusus und Tiberius des Kaisers Augustus unterworfen und im 1. Jahrhundert n. Chr. der römischen Provinz Raetia eingegliedert. Hiervon zeugen auch römische Fundgegenstände in Ardez.

Ardez wird um das Jahr 900 erstmals im karolingischen Urbar erwähnt. Der Bau der Burg Steinsberg fällt vermutlich in die Zeit Karls des Grossen. Die Herren de Ardetz lebten nachweislich von 1161–1310. 1209 erwarb der Churer Bischof Reinher von Torre die Burg. Steinsberg wurde zunächst Kirchenkastell (Luziusstein; Kirche St. Luzi auf dem Burghügel) und ab dem 12. Jh. Feudalsitz. Zum Schutz von Rechte und Freiheiten gründete die Bevölkerung 1367 den Gotteshausbund in Zernez. Im Rahmen des Schwabenkrieges zerstörten die Österreicher 1499 das Dorf Ardez und die Burg.

Der Übertritt zur Reformation erfolgte 1538. Zur alten Pfarrei Ardez gehörten mit Tauf- und Begräbnisrecht neben Ardez auch Guarda, Lavin, Susch sowie Galtür. Die Einwohner von Galtür begruben ihre Toten im Friedhof von Ardez. Im Winter – wenn der Futschölpass nicht begehbar war – vergruben sie die Toten im Schnee und brachten sie im Frühling nach Ardez.

Im 16. Jahrhundert wurde die Fahne des Unterengadins in Ardez aufbewahrt. Die Gemeinden besassen ein hohes Mass an Souveränität. Wenn die Herren (Magnaten) sich zuviel Macht anmassten, griffen die Bauern in den Gemeinden zu Waffe und Fahne ("Fähnlilupf") um dafür zu schauen, dass ein Gerichtsverfahren wieder für gerechte Verhältnisse sorgte.

1622 wurde das protestantische Ardez durch den katholisch-österreichischen Feldherr Alois Baldiron dem Erdboden gleichgemacht. 1652 kauften sich die Ardezer von Österreich los. Seit 1854 ist Ardez eine politische Gemeinde.

Ardez wurde 1975 als Pilotgemeinde des Europäischen Jahres für Denkmalpflege zusammen mit Corippo, Murten und Martigny als Musterdorf mit beispielhafter Restaurierung der typischen Engadinerhäuser ("Réalisation Exemplaire") ausgewählt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Dorf von Westen her gesehen

In der Tradition der Übernamen der Engadiner Dörfer heissen die Ardezer la bescha, zu deutsch: "die Schafe".

Am ersten Samstag des Januars wird jeweils das Fest Babania gefeiert.

  • Evangelische Kirche, 1576–1577 erbaut, Vorgängerbau im 12. Jh. erstmals erwähnt
  • Reformierte Filialkirche[5]
  • Seit 1622 fast unverändertes Dorfbild mit vielen Engadiner Häusern: Haus Könz[6], Wohnhaus Jacob Simon Könz[7], Wohnhaus Swizer[8], Wohnhaus mit Fassadenmalerei[9]
  • Tuor Vonzun (La Praschun)[10]
  • Ruine der Burg Steinsberg
  • Plantaturm (im südlichen Dorfteil), zuletzt Kreisgefängnis und Hirtenunterkunft
  • Ehemaliges Von-Planta-Haus, jetzt Sitz der Stiftung Not Vital [11]
  • Foura Chagnoula, eine Höhle, die ehemals als Tierfriedhof diente.
  • Ruine des Passantenhauses und Postgebäudes Chanoua am alten Verkehrsweg nach Ftan. Es wird erstmals im 9. Jahrhundert im karolingischen Urbar als fiskalische Taberne/Taverne bei Ardezis an der damaligen Verbindungsstrasse Via imperiala Como – Tirol erwähnt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Im 16. Jahrhundert hatten die Ardezer ein Verteilungssystem für ihre Alpwirtschaft entwickelt. Gruppen von benachbarten Häusern teilten eine Alp. Alle sieben Jahre wurde die Anzahl Alpstösse pro Quartier angepasst, um eine Überweidung zu verhindern. Alle 28 Jahre wurden die Alpen unter den Quartieren neu verteilt.

Heute ist die Landwirtschaft mit zwei Bio-Höfen vertreten; Der Dienstleistungssektor mit einem Architekturbüro, zwei Hotels/Restaurants und einer Anzahl Ferienwohnungen. Ardez ist Ausgangsort vieler Wanderungen in die Umgebung. Die nächstgelegenen Skigebiete sind in Ftan und auf Motta Naluns in Scuol, das ca. 10 Kilometer von Ardez entfernt ist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jon Claglüna: Ardez. Gemeindechronik. 4. erweiterte Auflage. Selbstverlag, Chesa Solena / Pontresina 1985.
  • Bericht zur Réalisation exemplaire Ardez. 1975–1985. Stiftung Pro Ardez, 1986.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ardez – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. http://www.suedostschweiz.ch/politik/sechsmal-ja-zur-fusion-scuol
  3. Lage der Ruina Chanoua: 46° 46′ 52″ N, 10° 12′ 51″ O46.78118888888910.214063888889
  4. Siehe: Stefan Schumacher: Die rätischen Inschriften. Geschichte und heutiger Stand der Forschung (= Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft. Sonderheft 121 = Archaeolingua. 2). 2. erweiterte Auflage. Innsbrucker Gesellschaft zur Pflege der Geisteswissenschaften, Innsbruck 2004, ISBN 3-85124-155-X, S. 13 u. a.
  5. Reformierte Filialkirche
  6. Haus Könz
  7. Wohnhaus Jacob Simon Könz
  8. Wohnhaus Swizer
  9. Wohnhaus mit Fassadenmalerei
  10. Tuor Vonzun (La Praschun)
  11. Beschrieb und Bilder auf der Website des Architekten Duri Vital. Abgerufen am 2. August 2011.