Arenigium

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System Serie Stufe ≈ Alter (mya)
höher höher höher jünger
Ordovizium Oberordovizium Hirnantium 445,2–443,4
Katium 453–445,2
Sandbium 458,4–453
Mittelordovizium Darriwilium 467,3–458,4
Dapingium 470–467,3
Unterordovizium Floium 477,7–470
Tremadocium 485,4–477,7
tiefer tiefer tiefer älter

Das Arenigium, auch verkürzt zu Arenig (engl. Arenig oder Arenigian) ist in der Erdgeschichte ein chronostratigraphischer Zeitabschnitt des Ordovizium bis zum untersten Mittelordovizium. Der Begriff konnte sich im internationalen Gebrauch nicht durchsetzen und entspricht heute den globalen chronostratigraphischen Stufen des Floium, Dapingium und dem untersten Darriwilium. Das Arenigium wurde zuletzt meist als Zeitabschnitt im hierarchischen Rang einer Serie benutzt[1]. Das Arenigium folgt auf das Tremadocium (regionale Serie und globale Stufe) und wird von der regionalen Serie (oder Stufe) des Llanvirnium gefolgt.

Namensgebung und Geschichte[Bearbeiten]

Der Begriff Arenig als Zeitabschnitt der Erdgeschichte geht auf Adam Sedgwick zurück, der ihn zuerst allerdings in einem lithostratigraphischen Sinn gebrauchte. 1845 werden die "Porphyries of Arenig" erwähnt[2], 1852 ist von den "Arenig slates and porphyry" die Rede[3], und in seiner "Synopsis" ist der betreffende Profil- und Zeitabschnitt als "Arenig porphyry" bezeichnet[4]. In allen drei Werken ist kein eindeutiger Hinweis auf die Einführung eines Zeitabschnittes zu finden, die Begriffe bezeichnen eine lithostratigraphische Einheit. Typlokalität dieser Einheit ist Arenig Fawr in Snowdonia (Nordwales). Henry Hicks und John William Salter waren die ersten Autoren, die eine "Arenig Group" ausschieden, auch sie fassten den Begriff als Gesteinseinheit auf. Sie unterteilten die Einheit zuerst in drei Untereinheiten[5][6][7], 1881 beschränkte Henry Hicks das Arenig auf die unteren zwei Teile, weil die Fauna des oberen Teils gegenüber den zwei unteren Teilen stark differierte[8]. Später wurde der obere Teil des "Tremadoc" im Sinne von Hicks in das Arenig transferiert. Mindestens seit der Arbeit von Thomas McKenny Hughes 1887 ist auch der Terminus Arenig Series in Gebrauch[9]. Seit dieser Zeit wird der Begriff auch als Zeitbegriff verwendet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte Gertrude Lilian Elles in mehreren Arbeiten eine Graptolithen-Stratigraphie des Arenig[10][11]. Vier Zonen sind allgemein anerkannt, eine fünfte, weltweit korrelierbare Graptolithen-Zone, die Tetragraptus approximatus-Zone wurde an der Basis eingeschoben, obwohl sie in Wales bisher gar nicht nachgewiesen ist.

Für Südwales unterteilten Richard Fortey und Robert Owens die Arenig Series in drei (regionale) Stufen: Moridunian, Whitlandian und Fennian. Diese drei Stufen (und die Arenig-Serie) umfassen sieben Trilobiten-Zonen:

  • Fennian (abyfrons-, rushtoni- und levigena-Zonen)
  • Whitlandian (radix- und gibbsi-Zone)
  • Moridunian (selwynii- und rhyakos-Zone) (wobei die Basis der Moridunian-Stufe und der Arenig-Serie nicht definiert war)

1995 definierten Richard Fortey und Robert Owens schließlich die Basis von Arenig-Serie und Moridunian-Stufe mit der Basis der Tetragraptus approximatus-Zone (obwohl diese Zone in Wales gar nicht nachgewiesen ist!). Das Ende der Arenig-Serie (und der Beginn der Llanvirn-Serie) definierten die Autoren mit der Basis der Didymograptus artus-Zone. Damit fällt der Beginn der Arenig-Serie mit dem Beginn der globalen Floium-Stufe zusammen. Der Beginn der regionalen Llanvirn-Serie wird von diesen Autoren mit der Basis der Didymograptus artus-Zone (früher D. bifidus) festgelegt.

Korrelation und absolute Alterswerte[Bearbeiten]

Im Zuge der Neudefinition der einzelnen Zeitabschnitte der Erdgeschichte wurde das Arenigium (Stufe oder Serie) durch die globalen Stufen des Floium (2004), Dapingium (2007) und des unteren Darriwilium (1997) ersetzt. Dabei entsprechen die regionalen Stufen des Moridunian und Whitlandian dem Floium, das Fennian ist äquivalent zum Dapingium und dem unteren Darriwilium. In der Übersicht und mit absoluten Alterswerten korreliert:[12]

  • Arenigium (477,7±1,4 bis 465,3 ma)
    • Fennian (470,0±1,4 bis 465,3 ma)
    • Whitlandian (473,2 bis 470,0±1,4)
    • Moridunian (477,7±1,4 bis 473,2 ma)

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • S. M. Bergström, A. Löfgren und J. Maletz: The GSSP of the Second (Upper) Stage of the Lower Ordovician Series: Diabasbrottet at Hunneberg, Province of Västergötland, Southwestern Sweden. Episodes, 27(4): 265-272, Beijing 2004 ISSN 0705-3797
  • Stig M. Bergström, Stanley C. Finney, Chen Xu, Daniel Goldman und Stephen A. Leslie: Three new Ordovician global stage names. Lethaia, 39: 287-288, Oslo 2006 ISSN 0024-1164.
  • Fortey, Richard A. & Robert M. Owens 1987: The Arenig Series in South Wales. Bulletin of the British Museum natural History, Geology, 41(3): 69-307, London ISSN 0007-1471
  • Fortey, Richard A., D. A. T. Harper, J. K. Ingham, A.W. Owen & A.W. A. Rushton 1995: A revision of Ordovician series and stages from the historical type area. Geological Magazine, 132: 15-30. ISSN 0016-7568
  • Gradstein, Felix M., Jim G Ogg, Mark Schmitz & Gabi Ogg 2012: The Geologic Time Scale 2012 2-Volume Set, Band 2. (S.501) Online (in Teilen) bei Google Books

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fortey et al. (1995: S.15ff.)
  2. Sedgwick, Adam 1845: On the older Palaeozoic (Protozoic) rocks of Wales. Quarterly Journal of the Geological Society of London, 1: 5-20, London. Online bei archive.org (S.8)
  3. Sedgwick, Adam 1852: On the classification and nomenclature of the Lower Palaeozoic rocks of England and Wales. Quarterly Journal of the Geological Society of London, 8: 136-168, London. Online bei Biodiversity Heritage Library (S.147)
  4. Sedgwick, Adam & Frederick McCoy 1851-1855: A synopsis of the classification of the British Palæozoic rocks; With a systematic description of the British Palæozoic fossils in the Geological museum of the University of Cambridge. 2 Bände (661 S.) und ein Tafelband, London, J. W. Parker and Son. Internet Archive (S.XCV)
  5. Hicks, Henry & John William Salter 1867: Second report on the "Menevian Group" and the other formations at St. David's, Pembrokeshire. Report of the British Association for the Advancement of Science, 1866: 182-186, Nottingham.
  6. Hicks, Henry 1873: On the Tremadoc rocks in the neighbourhood of St. David's, South Wales, and their fossil contents. Quarterly Journal of the Geological Society of London, 29: 39-52, London Online by Biodiversity Heritage Library
  7. Hicks, Henry 1875: On the succession of the ancient rocks in the vicinity of St. David's, Pembrokeshire, with special reference to those of the Arenig and Llandeilo groups, and their fossil contents. Quarterly Journal of the Geological Society of London, 31: 167-308, London Online bei Biodiversity Heritage Library
  8. Hicks, Henry 1881: The classification of the Eozoic and Palaeozoic rocks of the British Isles. The Popular Science Review, new series, 5(17): 290-308, London.
  9. Hughes, T. M'Kenny 1887: Notes on some Sections in the Arenig Series of North Wales and the Lake District. Report of the fifty-sixth meeting of the British Association for the Advancement of Science, held in Birmingham in September 1886. S.663, London, John Murray. Online by archive.org
  10. Elles, Gertrude Lilian 1904: Some graptolite zones in the Arenig rocks of Wales. Geological Magazine, 5.Serie, 1: 199-211, London.
  11. Elles, Gertrude Lilian 1940: The stratigraphy and faunal succession in the Ordovician rocks of the Builth-Llandrindod Inlier, Radnorshire. Quarterly Journal of the Geological Society of London, 95: 383-445, London.
  12. Die absoluten Werte der regionalen Stufen wurden mit Hilfe des Time Scale Creator 6.0 (Oktober 2012) ermittelt.

Weblinks[Bearbeiten]