Argali

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Argali
Karaganda-Argalis im Karkaraly-Nationalpark, Kasachstan

Karaganda-Argalis im Karkaraly-Nationalpark, Kasachstan

Systematik
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Schafe (Ovis)
Art: Argali
Wissenschaftlicher Name
Ovis ammon
(Linnaeus, 1758)

Das Argali oder Riesenwildschaf (Ovis ammon) ist eine Art der Schafe und deren größter wildlebender Vertreter.

Beschreibung[Bearbeiten]

Argali-Präparat im Nationalmuseum der Naturwissenschaften in Tokyo, Japan

Die Böcke der nordöstlichen Formen erreichen eine Schulterhöhe von 135 cm und ein Gewicht von bis zu 216 kg. Die südwestlichen Vertreter sind in der Regel etwas kleiner.

Die Fellfarbe der Argalis variiert. Im Winterfell ist die Grundfarbe braun, wobei dunkelbraune, rotbraune und beigefarbene Tönungen vorkommen. Im Sommerfell verstärken sich die Rottöne des Fells. Ein schwarzer Streifen, der sich vom Hals zur Mitte des Rückens zieht, ist ebenfalls nur im Sommer sichtbar. Die Bauchseite ist gelblich oder grauweiß. Zwischen dem hellen Bauch und den dunkleren Flanken verläuft ein schwarzer oder brauner Streifen, der aber nicht immer sichtbar und manchmal unterbrochen ist. Gesäß und Schwanz sind weiß. Weiße Zeichnungen auf dem Rücken kommen bei zwei der Unterarten vor (Altai-Argali, Gobi-Argali). Auch der Hals und die Schnauzenspitze können weißlich sein. Die Beine sind auf der Außenseite braun wie Flanken und Rücken, manchmal auch etwas dunkler; die Innenseite der Beine ist weißlich. Weibliche Argalis gleichen in der Regel farblich den Böcken, sind aber im Schnitt etwas heller.

Die Hörner sind länger und schwerer als die aller anderen Wildschafe. Ihre Farbe ist gelbbraun. Bei den Böcken des Pamir-Argali können sie 164 cm lang werden; bei anderen Unterarten liegt die mittlere Hornlänge bei 110 bis 120 cm. An der Basis haben die Hörner einen Umfang von etwa 40 cm. Sie vollführen in einer Spirale bis zu zwei volle Umdrehungen und weisen dann zur Seite. Die Spannweite beträgt im Schnitt 75 cm, beim Pamir-Argali bis zu 130 cm. Zusammen mit dem Schädel wiegen die Hörner bis 22 kg. Die Oberfläche der Hörner ist geriffelt, die Farbe ist graugelb. Durch die Kämpfe zwischen den Böcken findet man oft Tiere mit beschädigten oder abgebrochenen Hornspitzen. Auch die Weibchen haben beim Argali Hörner, die aber viel kürzer als die der Böcke sind (Länge 30 bis 45 cm). Diese sind wesentlich dünner und eher säbelförmig.

Argalis rennen nach Art der Hausschafe und können dabei Geschwindigkeiten von 50 km/h (Böcke) bzw. 60 km/h (Weibchen) erreichen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet der Argalis

Das Verbreitungsgebiet des Argali umfasst etliche Gebirgsketten Zentralasiens und reicht vom Altai-Gebirge und Südsibirien über die Mongolei, Tibet und das Tianshan-Gebiet bis nach Nepal und ins Pamirgebirge.

Fossilfunde aus dem Pleistozän zeigen, dass das Argali einst auch im Kaukasus und im Iran verbreitet war.

Argalis leben in Höhen zwischen 300 und 5750 m. Sie bevorzugen sanfte Steigungen, nur Weibchen mit Lämmern suchen zum Schutz vor Feinden auch schroffe Hänge auf. Böcke sind kältetoleranter als Weibchen und steigen früher im Jahr in große Höhen auf. Für gewöhnlich meiden Argalis bewaldete Gebiete. Wo aber Viehhaltung und Jagd die Argalis verdrängt haben, haben sie sich in artfremde Lebensräume zurückgezogen und sind nun Waldtiere, so etwa in Teilen Kasachstans.

Sozialverhalten[Bearbeiten]

Argalis sind Herdentiere. Böcke und Weibchen leben in getrennten Herden. Die geschlechtsreifen Böcke bilden außerhalb der Brunft Verbände von 2 bis 27 Tieren, wobei der Durchschnitt der Herdengröße bei vier (Tianshan) bzw. acht (Altai) liegt. Manche Männchen leben auch als Einzelgänger.

Die anderen Herden werden von Weibchen, Jungtieren und noch nicht geschlechtsreifen Böcken gebildet. Diese Herden sind größer, umfassen zwei bis 90 Tiere, und im Altai manchmal bis zu 200 Individuen. Dominant sind in diesen Herden nicht die Weibchen, sondern die jungen Böcke.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Zur Brunftzeit lösen sich die Herden der Böcke auf, und deren Mitglieder suchen die Weibchenherden auf. Dann nimmt jede Weibchenherde einen oder mehrere (maximal sechs) Böcke auf. Die Brunft findet im Winter statt. In der Mongolei dauert sie von September bis Oktober, im Altai von November bis Dezember, in Tibet von Dezember bis Januar.

In der ersten Woche der Brunft kommt es zu Kämpfen, in denen die Böcke eine Hierarchie bestimmen. Dabei stoßen sie heftig mit den Hörnern zusammen, was 400 bis 800 m weit zu hören ist. Häufig haben die Kämpfe beschädigte Hörner oder verletzte Schnauzen zur Folge. Nach dem Ende der Kämpfe tolerieren auch mehrere Böcke innerhalb einer Herde einander, dulden aber keine zu große Annäherung. Die Böcke beschnüffeln nun die Genitalien der Weibchen und vollziehen endlich die Kopulation. Nach dem Ende der Brunft bleiben die Böcke noch ein bis zwei Monate in der Weibchenherde, ehe sie wieder eigene Wege gehen.

Die Tragzeit beträgt 160 bis 165 Tage. In klimatisch freundlichen Lagen werden die ersten Lämmer im März und April geboren, in Hochgebirgslagen nicht vor Mai/Juni. Für gewöhnlich wird ein einziges Jungtier geboren, aber Zwillingsgeburten kommen vor. Beim Altai-, Pamir- und Tibet-Argali sind Zwillinge seltene Ausnahmen; am häufigsten sind sie beim Tianshan-Argali, wo 33 % der Weibchen Zwillinge zur Welt bringen und einmal sogar Drillinge beobachtet wurden. Generell sind Zwillingsgeburten in unwirtlichen Regionen viel seltener als in tieferen Höhenlagen.

Die Jungtiere haben ein graugelbes Fell, der Kopf hebt sich davon dunkelbraun ab. Bei der Geburt wiegen sie etwa 3 kg. Im Alter von 15 bis 20 Tagen setzt das Wachstum der Hörner ein. Gleichzeitig bildet sich das Milchgebiss, das erst im Alter von zwei Jahren durch das bleibende Gebiss ersetzt wird. Solange Jungtiere gesäugt werden, separieren sich die Muttertiere von den Herden und suchen schrofferes Gelände auf. Im Alter von ein bis zwei Monaten grasen Jungtiere und werden nicht mehr gesäugt.

In freier Wildbahn werden Argalis bis zu 13 Jahre alt, erreichen aber meistens nur ein Alter von vier bis fünf Jahren.

Nahrung[Bearbeiten]

Die Nahrung sind hauptsächlich Seggen und Süßgräser, daneben auch Kräuter. In tieferen Höhenlagen werden auch Blätter von Sträuchern gefressen. Der Tagesbedarf an Nahrung beträgt 16 bis 18 kg.

Feinde[Bearbeiten]

Der wichtigste natürliche Feind des Argalis ist der Wolf. Je nach Region sind 3 bis 73 % aller Todesfälle unter Argalis auf Wölfe zurückzuführen. Weitere Tiere, die Argalis jagen, sind Schneeleopard, Vielfraß, Luchs und Braunbär. Lämmer haben eine größere Zahl von Fressfeinden, so auch den Rotfuchs und den Steinadler. Weibchen versuchen, ihre Lämmer gegen solche Feinde zu verteidigen, die ihnen nicht selbst gefährlich werden können.

Auch harte Winter können Argalis schwer zusetzen. In extrem kalten und schneereichen Jahren können ganze Populationen zusammenbrechen. So starben 1996 in Tibet die Hälfte aller Argalis durch einen harten Winter.

Unterarten[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet der Argali-Unterarten
Schädel eines Marco-Polo-Argali

Grubb (2005) unterscheidet neun Unterarten des Argali:[1]

  • Pamir-Argali, Katschkar oder Marco-Polo-Schaf (Ovis ammon polii Blyth, 1841): Pamir (beispielsweise Taxkorgan-Reservat und Khunjerab-Nationalpark); mittelgroß, riesige Hörner, die sich zum vollen Kreis winden und an den Spitzen weit nach außen ragen. Die Unterschiede zwischen Marco-Polo-Argali und Tienshan-Argali sind allerdings schwach ausgeprägt und so könnten beide einer einzigen Unterart angehören. Das Verbreitungsgebiet zwischen den Marco-Polo-Argalis im Pamirgebirge und den Tienshan-Argalis im Tienshan ist ebenfalls kontinuierlich[2]
  • Tianshan-Argali (Ovis ammon karelini Severtzov, 1873): Tianshan nördlich des Naryn, Kirgisisches Gebirge, Tarbagatai-Gebirge.
  • Tibet-Argali oder Großes Tibetschaf (Ovis ammon hodgsonii Blyth, 1841): Hochland von Tibet, Himalaya; groß, die Hörner bilden keinen vollen Kreis. Der Altunschan- oder Gansu-Argali des Altun-Gebirges im nördlichen Tibet wird oft als isoliertes Vorkommen betrachtet oder als eigenständige Unterart Ovis ammon dalailamae geführt.
  • Karaganda-Argali (Ovis ammon collium Severtzov, 1873): Isoliert von den anderen Unterarten im nordöstlichen Kasachstan.
  • Karatau-Argali (Ovis ammon nigrimontana Severtzov, 1873): süd-zentrales Kasachstan, Gebiet des Karatau.
  • Altai-Argali (Ovis ammon ammon (Linnaeus, 1758)): südliches Sibirien und westliche Mongolei im Altai und im Sajangebirge; sehr groß, schweres Gehörn, Hals und Rumpf graubraun.
  • Gobi-Argali (Ovis ammon darwini Przewalski, 1883): Gebiet der Gobi in der Mongolei und China.
  • Nordchinesisches Argali (Ovis ammon jubata Peters, 1876): Innere Mongolei.
  • Nuratau-Argali (Ovis ammon severtzovi Nasonov, 1914): nordöstliches Usbekistan. Das Nuratau-Argali wurde lange als Übergangsform zwischen Argali und Urial angesehen. Neuere Untersuchungen des Chromosomensatzes zeigten jedoch, dass es dem Argali zuzurechnen ist. Unter anderem besitzt es 56 Chromosomen wie alle bisher untersuchten Unterarten des Argali.[3]

Verhältnis zum Menschen[Bearbeiten]

Der erste Europäer, der das Argali beschrieb, war Wilhelm von Rubruk, ein Franziskanermönch, der die Mongolei bereiste. Die erste wissenschaftliche Beschreibung lieferte Johann Georg Gmelin, der 1752/53 im Altai Argalis sah, zeichnete und ihnen auch den Namen „Argali“ verlieh. Diesen Namen entlehnte er der mongolischen Sprache. Den wissenschaftlichen Namen Capra ammon vergab Carl von Linné 1758. Der Name ammon war vom Gott Amun (auch Ammon genannt) abgeleitet, der in der ägyptischen Vorstellung ein Widdergehörn trug. In die Gattung Ovis stellte Peter Simon Pallas das Argali. Er nannte es Ovis argali. Da nach den Regeln der ICZN der zuerst vergebene Artname gelten muss, trägt das Argali heute den wissenschaftlichen Namen Ovis ammon.

Durch Trophäenjagd und Konkurrenz mit Haustierherden sind die Argalis heute fast überall selten geworden oder ganz verschwunden. In Nordostchina, Teilen der Mongolei, den größten Teilen Südsibiriens, Kasachstans und Usbekistans wurden die Tiere bereits ausgerottet. Im Himalaya, der Inneren Mongolei und in den meisten Teilen Tibets und Xinjiangs sind sie heute selten geworden. In Russland leben nur noch wenige im Altaigebirge.

Alle Unterarten nehmen im Bestand ab, und die Gesamtzahl der Argalis dürfte sich auf weniger als 80.000 Tiere in ganz Asien belaufen. Am ehesten halten sie sich heute noch in Tadschikistan, Kirgisistan und Teilen der Mongolei auf. Die IUCN führt das Argali im Status gering gefährdet (near threatened). Die Unterart Karatau-Argali gilt als „vom Aussterben bedroht“, die Unterarten Gobi-Argali und Nuratau-Argali als „stark gefährdet“ und alle anderen Unterarten als „gefährdet“.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander K. Fedosenko, David A. Blank: Ovis ammon. In: Mammalian Species. Nr. 773, 2005, ISSN 0076-3519, S. 1–15.
  • Großes Lexikon der Tiere. Band 1: A – Eth. Sonderausgabe. Lingen, Köln 1989.
  • Vivek Menon (Hrsg.): A Field Guide to Indian Mammals. Dorling Kindersley, Delhi 2003, ISBN 0-14-302998-3.
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. 2 Bände. 6th edition. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD u. a. 1999, ISBN 0-8018-5789-9.
  • Stanley H. Prater: The Book of Indian Animals. 3rd edition. Bombay Natural History Society, Bombay 1971.
  • CITES Instruktion für den grenztierärztlichen Dienst

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Argali – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Peter Grubb: Order Perissodactyla. In: Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference. 3. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2005, ISBN 0-8018-8221-4, S. 637–722 (S. 707–708).
  2. George B. Schaller, Aili Kang: Status of Marco Polo sheep Ovis ammon polii in China and adjacent countries: conservation of a Vulnerable subspecies. In: Oryx, Vol 42, No 1, 2008
  3. Bunch et al.: Chromosome number of Severtzov’s sheep (Ovis ammon severtzovi): G-banded karyotype comparisons within ovis. In: Journal of Heredity, 1998, PMID 9656470, oxfordjournals.org (PDF)
  4. Website der IUCN, abgerufen 26. September 2008