Argentinisches Tageblatt

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Argentinisches Tageblatt
Argentinisches Tageblatt
Beschreibung Argentinische Wochenzeitung
Sprache deutsch
Verlag Alemann S.R.L.
Erstausgabe 1878
Erscheinungsweise samstags
Verkaufte Auflage 10.000 Exemplare
Reichweite etwa 0,05 Mio. Leser
Chefredakteur Stefan Kuhn
Herausgeber Juan und Roberto Alemann
Weblink www.tageblatt.com.ar
ZDB 966047-1

Argentinisches Tageblatt ist der Name einer deutschsprachigen Auslandszeitung, die 1874 gegründet wurde und in Buenos Aires erscheint. Sie erscheint zurzeit wöchentlich, nachdem sie von 1889 bis 1981 täglich erschien. Sie dient als Unterhaltungs- und Kommunikationsmedium für die deutschen, schweizerischen und österreichischen Gemeinschaften in Argentinien.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Vorläufer des Argentinischen Tageblatts, der Argentinische Bote, wurde 1874 von Johann Alemann, einem Einwanderer aus der Schweiz, als Kommunikationsmedium für die Siedler der Provinz Santa Fe gegründet. In diesem Format erschien die Zeitung nur ein Jahr lang, aber veranlasste Alemann und seine Söhne Theodor und Moritz, nach Buenos Aires umzuziehen, von wo aus die Zeitschrift als "Argentinisches Wochenblatt" 1878 erneut herausgegeben wurde. Das rasche Ansteigen der deutschsprachigen Gemeinschaft und die Notwendigkeit, ein Mitteilungsorgan von kommunaler Bedeutung zu unterhalten, gaben dem Wochenblatt Impulse. Die Familie Alemann ließ sich dauerhaft in der Bundeshauptstadt nieder und widmete sich der wöchentlichen Herausgabe der Zeitschrift.

Am 29. April 1889 begann die inzwischen erfolgreiche Wochenzeitung täglich zu erscheinen. Sie nennt sich seither "Argentinisches Tageblatt". Zu den Mitarbeitern gehörte ab 1889 Johann Rudolf Müller. 1893 starb Johann "Juan" Alemann, seine Söhne Theodor und Moritz führten den Verlag weiter. Nach dem Tod Theodor Alemanns 1925 übernahm dessen Sohn Ernesto, ein in Deutschland ausgebildeter Journalist die Herausgebertätigkeit. In seiner äußerst liberalen Einstellung verteidigte die Zeitung die Haltung der Weimarer Republik und war hierin eine Ausnahme unter der deutschen Presse im Ausland, die in der Regel reaktionär war. Das Argentinische Tagblatt widersetzte sich vehement dem Nationalsozialismus, was zu nicht wenigen Konflikten führte; es wurde von dem Teil der deutschen Gemeinschaft in Argentinien boykottiert, der zu einer nationalsozialistischen Ausrichtung neigte. Die Zeitung erhielt wiederholte Bombendrohungen. Ihre Verbreitung im Dritten Reich wurde nach dem Machtantritt Adolf Hitlers und seiner Regierung verboten. 1936 wurde Ernesto Alemann, Doktor der Universität Heidelberg, offiziell sein Doktortitel wegen seiner Opposition zum NS-Regime entzogen.

Auf der anderen Seite wirkte die Zeitung als Treffpunkt für die exilierten deutschen Gegner des NS-Regimes in Lateinamerika, wozu auch ein großer Teil der deutschsprachigen jüdischen Gemeinschaft gehörte. Während der Herrschaft des Nationalsozialismus in Deutschland strengten dessen offizielle Vertreter in Argentinien und Persönlichkeiten, die der NSDAP, die in Argentinien Tausende von Mitgliedern hatte, nahestanden, sechs Prozesse gegen das Tageblatt an. Auch in der Nachkriegszeit hatte das Argentinische Tageblatt wegen seiner antitotalitaristischen Haltung Schwierigkeiten. Die Regierung von Juan Domingo Perón, der im letzten Kriegsjahr eine bedenkliche Politik der Neutralität einhielt und enge Beziehungen zur deutschen Regierung hatte, unterwarf die Zeitung Anfang der 1950er Jahre einer Papierrationierung, die zu einer zeitweiligen Schließung des zugehörigen Verlages führte.

Die Zeitung ist bis heute in den Händen der Familie Alemann. Der gegenwärtige Herausgeber und Verlagsdirektor ist Roberto Alemann, ein liberaler Wirtschaftswissenschaftler, der zweimaliger Wirtschaftsminister in der bürgerlich-radikalen Regierung Arturo Frondizi sowie der Militärdiktatur war. 1981 kehrte das Tageblatt zu einer wöchentlichen Erscheinungsweise als Samstagsausgabe zurück.

Das Argentinische Tageblatt hat eine gedruckte Auflage von 10.000 Exemplaren. Seine Reichweite wird auf etwa 50.000 Leser geschätzt.

2012 wurde die Zeitung für ihre außerordentlichen Leistungen mit dem Medienpreis der Stiftung Verbundenheit und der Arbeitsgemeinschaft Internationale Medienhilfe (IMH) ausgezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Björn Akstinat: Handbuch der deutschsprachigen Presse im Ausland. IMH-Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-9815158-1-7.
  • Sebastian Schöpp: Das 'Argentinische Tageblatt' 1933 bis 1945. Ein Forum der antinationalsozialistischen Emigration. Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-932089-02-2.
  • Peter Bussemeyer: 50 Jahre Argentinisches Tageblatt. Werden und Aufstieg einer Auslanddeutschen Zeitung. Buenos Aires 1939.