Ariane Hingst

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Ariane Hingst

Ariane Hingst (2008)

Informationen über die Spielerin
Voller Name Ariane „Ari“ Hingst
Geburtstag 25. Juli 1979
Geburtsort West-BerlinDeutschland
Größe 170 cm
Position Abwehr, Mittelfeld
Vereine in der Jugend
1986–1992
1992–1994
Hertha Zehlendorf
VfB Lichterfelde
Vereine als Aktive
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1994–1997
1997–2007
2007–2008
2009–2011
2011–2012
2012–2013
Hertha Zehlendorf
1. FFC Turbine Potsdam
Djurgårdens IF
1. FFC Frankfurt[1]
Newcastle United Jets Women
Canberra United FC[2][3]

160 (53)
17 (6)
34 (6)
10 (0)
Nationalmannschaft2
1996–2011 Deutschland 174 (10)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
2 Stand: 5. Juli 2011

Ariane Hingst (* 25. Juli 1979 in West-Berlin) ist eine deutsche Fußballspielerin. Die Abwehr- und Mittelfeldspielerin spielte von 1996 bis 2011 in der Frauen-Nationalmannschaft.

Werdegang[Bearbeiten]

Vereinsfußball[Bearbeiten]

Schon als Kind spielte Ariane Hingst Fußball. Nach der D-Jugend durfte Hingst nicht mehr zusammen mit Jungen in einer Mannschaft spielen. So übersprang die damals Elfjährige kurzerhand eine Altersklasse und spielte in der weiblichen B-Jugend weiter.[4] Nach vereinsinternen Querelen wechselte der Trainer zusammen mit vielen Spielerinnen zum Berliner SV 92. Kurze Zeit später wurde die Mädchenmannschaft aufgelöst. Hingst stand nun ohne Verein da. 1992 wechselte sie zum VfB Lichterfelde. Mittlerweile war Hingst fester Bestandteil der Berliner Auswahl, konnte sich in Lichterfelde aber nicht mehr weiterentwickeln.

Nach zwei Jahren kehrte sie nach Zehlendorf zurück. Aus der im Verein wenig geschätzten Freizeitmannschaft hatte sich in der Zwischenzeit eine vielbeachtete Regionalligamannschaft entwickelt. Dank einer Sonderspielgenehmigung durfte sie bereits im Alter von 15 Jahren in der ersten Frauenmannschaft eingesetzt werden. Mit Zehlendorf wurde sie 1996 Regionalligameisterin, scheiterte jedoch in der anschließenden Aufstiegsrunde. In der folgenden Saison wurde Hingst trotz fehlender Spielberechtigung im DFB-Pokalspiel gegen Fortuna Sachsenroß Hannover eingesetzt. Zehlendorf gewann das Spiel zwar mit 2:0, wurde jedoch vom DFB disqualifiziert.[5]

Die damalige Bundestrainerin Tina Theune-Meyer gab Hingst mehr als deutlich zu verstehen, dass sie zur Saison 1997/98 zu einem Bundesligisten wechseln müsste, um weiter zur Nationalmannschaft eingeladen zu werden. Für Hingst entwickelte sich die Sache zu einem Dilemma. Zehlendorf wurde 1997 erneut Regionalligameister und Hingst hoffte, dass es diesmal mit dem Aufstieg klappen würde. Wenn nicht, wollte sie zum damaligen Bundesligisten Tennis Borussia Berlin gehen. TeBe stieg jedoch aus der Bundesliga ab. Zehlendorf und Turbine Potsdam trafen in der Relegation zur eingleisigen Bundesliga aufeinander. Potsdam gewann das Spiel mit 5:1, und Zehlendorfs Bundesligaträume platzten wie Seifenblasen. Nach dem Spiel bat Zehlendorfs Trainer Michael Rossbach Potsdams Trainer Bernd Schröder, Hingst zur Turbine zu holen. Hingst entschloss sich zu einem Wechsel nach Brandenburg.[6]

Ihre erste Saison bei Turbine Potsdam gestaltete sich schwierig. Anfang 1998 verbesserte sich die Situation. Bernd Schröder war mittlerweile wieder Trainer der Mannschaft. 2001 wurde Hingst mit Turbine Potsdam erstmals Vizemeisterin und erreichte das Halbfinale des DFB-Pokals. Nach zwei weiteren Vizemeisterschaften mit Turbine Potsdam begann ab 2003 die erfolgreichste Zeit in Hingsts Karriere. 2004 wurde sie mit Turbine Potsdam erstmals deutsche Meisterin und Pokalsiegerin. Ein Jahr später wurde sie erneut Pokalsiegerin und zum dritten Mal Europameisterin; zudem gewann sie den UEFA Women’s Cup. 2006 wiederholte sie schließlich noch einmal das Double aus Meisterschaft und Pokal.

Zum 1. April 2007 wechselte Hingst überraschend zum schwedischen Erstligisten Djurgårdens IF. Hingst hatte schon länger mit einem Wechsel ins Ausland geliebäugelt und suchte nach einer neuen Herausforderung.[7] In Stockholm wurde sie in ihrer ersten Saison anstatt in der Innenverteidigung im Mittelfeld eingesetzt und wurde Vizemeisterin.

Zum 1. Januar 2009 wechselte Hingst zum 1. FFC Frankfurt.[8][9][10]

Im Oktober 2011 unterzeichnete Hingst einen Vertrag bei den Newcastle United Jets Women in Australien.[11] Am 29. September 2012 unterschrieb sie für den W-League-Rivalen Canberra United FC.[12]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Hingst bei der WM 2011

Am 27. August 1996 debütierte Hingst in der deutschen Nationalmannschaft bei einem Spiel gegen die Niederlande. Bei ihrem dritten Länderspiel gegen Island erzielte sie ihr erstes Länderspieltor und war noch ein weiteres Mal erfolgreich. Es war ihr einziger Doppelpack im Nationaldress. 1997 fuhr sie mit der Nationalmannschaft zur Europameisterschaft in Norwegen. Im Finale gegen Italien absolvierte sie ihr einziges Turnierspiel von Anfang an und wurde erstmals Europameisterin.

1999 fuhr Hingst als jüngste Spielerin im Kader zur Weltmeisterschaft 1999, bei der sie laut Kicker-Sportmagazin mit „furchtlosen Flankenläufen für Furore sorgte“. Im September 2000 fuhr sie mit der Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen nach Sydney. Im letzten Vorrundenspiel gegen Schweden erzielte sie in der 88. Minute den Siegtreffer, der der deutschen Elf zum Gruppensieg verhalf. Nach der Halbfinalniederlage gegen Norwegen gewann die deutsche Auswahl das kleine Finale gegen Brasilien und damit die Bronzemedaille.

Für die Nationalmannschaft stand die Europameisterschaft im eigenen Land an. In den ersten Spielen wurde Hingst zumindest teilweise eingesetzt. Das Halbfinalspiel gegen Norwegen war das letzte Spiel, bei dem Hingst eingewechselt wurde. Die Revanche für die Niederlage bei den Olympischen Spielen im Vorjahr gelang, und nach dem 1:0-Sieg über Schweden wurde Hingst zum zweiten Mal Europameisterin. Ihr erfolgreichstes Turnier war die Weltmeisterschaft 2003 in den USA, die sie mit der deutschen Elf gewinnen konnte. Ein Jahr später holte sie wieder Bronze bei den Olympischen Spielen in Athen. 2005 holte sie erneut den Europameister-Titel und 2007 wurde sie mit der Nationalmannschaft wieder Weltmeister, als es der deutschen Mannschaft gelang, ihren Titel beim Turnier in China erfolgreich zu verteidigen.

Bei der EM 2009 zog sie sich im Viertelfinale gegen Italien einen Meniskus- und Knorpel-Schaden [13] zu und musste von der Bank erleben wie ihre Mitspielerinnern den Titel gewannen. Danach kam sie erst wieder beim mit 0:4 verlorenen Saisonabschlussspiel gegen die USA am 22. Mai 2010 zum Einsatz und in den folgenden Spielen fast nur noch als Einwechselspielerin.[14] Dennoch wurde sie auf Grund ihrer Erfahrung in den Kader für die WM berufen.

Bei der WM 2011 kam sie nur im Spiel gegen Frankreich zum Einsatz. Sie wurde zur zweiten Halbzeit für Simone Laudehr eingewechselt, die bereits in einem Spiel zuvor eine Gelbe Karte erhalten hatte und bei einer weiteren im Viertelfinale gesperrt worden wäre. Nach dem verlorenen Viertelfinale gegen Japan gab Hingst, ebenso wie Birgit Prinz ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt, der DFB stellte aber ein Abschiedsspiel in Aussicht.[15][16]

Hingst liegt mit 174 A-Länderspielen hinter Birgit Prinz (214 Spiele) und Kerstin Stegemann (191 Spiele) auf dem dritten Platz der Nationalspielerinnen, und hat 24 Spiele mehr bestritten als Lothar Matthäus, Rekordnationalspieler der deutschen Männermannschaft. Weltweit haben nur 26 Spielerinnen und drei Spieler mehr Länderspiele bestritten. (Stand 21. Januar 2014)

Erfolge[Bearbeiten]

Titel[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Beruf[Bearbeiten]

Ariane Hingst ist gelernte Bankkauffrau, absolvierte später jedoch eine Umschulung zur Physiotherapeutin. In Schweden arbeitete sie halbtags als Physiotherapeutin der Eishockeymannschaft von Djurgårdens IF.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ariane Hingst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frauenfußball FC Bayern München: Spielerstatistik Ariane Hingst
  2. W-League round one squads. In: The Sydney Morning Herald. 7. November 2013, abgerufen am 17. Januar 2014.
  3. International boost for Canberra. In: footballaustralia.com.au. 1. November 2013, abgerufen am 17. Januar 2014.
  4. Birgit und Heike Klasen: Elf Freundinnen – Die Turbinen aus Potsdam. S. 77
  5. Hardy Grüne: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band II, S. 264
  6. vgl. Klasen, S. 81
  7. Jens Trommer: "Alles ist offen". FUSSBALL / Turbine-Kapitän Ariane Hingst wechselt nach Schweden. In: MaerkischeAllgemeine.de. Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam, 28. Februar 2007, archiviert vom Original am 5. März 2007, abgerufen am 18. Oktober 2013.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Format1. FFC Frankfurt: FFC-News. Abgerufen am 20. November 2008.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Formatkicker.de Hingst soll’s bei Frankfurt richten. Abgerufen am 20. November 2008.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatFrankfurt holt US-Girl Krieger – Hingst geht. Abgerufen am 5. August 2011.
  11. Ex-Nationalspielerin Hingst wechselt nach Australien. In: FIFA.com. 10. Oktober 2011, abgerufen am 10. Oktober 2011.
  12. 29.08.12 – Canberra United signs German Ace Hingst. 29. August 2012. Abgerufen am 29. August 2012.
  13. Meniskus- und Knorpel-Schaden bei Ariane Hingst diagnostiziert
  14. DFB.de: Spielstatistik Ariane Hingst
  15. DFB.de: Ein Traum ohne Happy End
  16. Sport-Informations-Dienst: Karriereende: Prinz darf auf Abschiedsspiel hoffen. FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011. In: FIFA.com. Fédération Internationale de Football Association, 10. Juli 2011, abgerufen am 18. Oktober 2013.