Arier

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Die Bedeutung von Arier (Sanskrit आर्य, altpersisch aryā; erweiterte Formen aryāna, ari oder arya, von urindogermanisch *ar-yo, etwa: ‚wohlgefügt‘) ist vielfältig. Der Begriff wird primär im völkerkundlichen, sprachwissenschaftlichen Zusammenhang verwendet. Des Weiteren ist der Begriff publikumwirksam durch die rassistischen Ideologien des 19. und 20. Jahrhundert negativ belegt und geläufig, insbesondere durch die pseudowissenschaftliche „Rassentheorie“ der NS-Diktatur in Deutschland und Österreich, die zum Genozid (Völkermord) an ethnischen und religiösen Minderheiten in Europa führte.

Herkunft

Belegt ist die Selbstbezeichnung aryā jedoch nur aus dem Iran (Inschrift von König Dareios I. in Naqsch-e Rostam) und Indien (Rigveda). Man stellte sie sich als Nomaden vor, die sich seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. von ihrer Urheimat in den Steppen westlich des Urals in die zentralasiatische Steppe, nördlich des Kaspischen Meeres und des Aralsees, ausbreiteten und sich dabei in einen indischen (Indo-Arier) und einen iranischen (Irano-Arier) Zweig spalteten.[1]

Die Existenz eines zentralasiatischen nomadisierenden Hirtenvolkes, das sich Arier (Aryas) nannte, kann ausweislich heiliger Texte wie des Avesta und der Veden als gesichert gelten.[2] Im 2. Jahrtausend v. Chr. wanderte der indische Zweig der Arier (आर्य), deren Sprache Vedisch war, über den Hindukusch nach Nordwestindien ein, wo sie auf die Reste der Harappa-Kultur trafen.[1] Die iranischen Arier, die zu den Vorfahren der heutigen iranischen Völker, darunter der Perser, Paschtunen, Kurden und Belutschen, wurden, wanderten im 11. bis 10. Jahrhundert v. Chr. ein.[3] Die Migration der Arier in das Gebiet des heutigen Iran und Indiens ist in der Völkerkunde anhand der altiranischen heiligen Schriften des Avesta und der altindischen heiligen Schrift der Veden nachgewiesen.[2][1]

Kultur und Religion

Sprachwissenschaftler nehmen an, dass Indoarisch sprechende Ethnien während der späteren Kupfersteinzeit bis zur frühen Bronzezeit existierten. Ihre Kultur und Religion bleiben größtenteils im Dunkeln.

Basierend auf archäologischen Funden und auf Basis bestimmter eindeutiger Lexeme des Wortschatzes wird versucht, Merkmale und Phänomene ihrer Kultur zu erschließen. Danach lebten die Arier als Nomaden. Ihre Gesellschaft war kriegerisch, patriarchalisch und hierarchisch und sie betrieben Sklaverei. Die Kultur der Arier zeichnete sich beispielsweise durch die Domestizierung des Pferdes indogermanisch *ek'wos und der Kuh *gwous, die Erfindung des Streitwagens mit Speichenrädern sowie die Nutzung von Metallen wie Bronze und Kupfer aus.[1] Aller Wahrscheinlichkeit nach hielten sie auch Schafe, Hunde, Ziegen und Schweine. Der Ackerbau wird erst in späterer Zeit im Zuge der Unterwerfung anderer Völker übernommen.[4] Töpferei und Weberei waren bekannt. Die militärische Überlegenheit der Indo-Arier gegenüber den Nachkommen der untergegangenen Harappa-Kultur wird darauf zurückgeführt, dass die Arier im Gegensatz zu diesen Pferd und Streitwagen kannten.

Diese Völker hingen animistischen oder polytheistischen Religionen an. Sie verehrten mindestens einen Gott, sicher eine als „Vater Himmel“ zu übersetzende Gottheit; daneben existierten aber wahrscheinlich weitere Gottheiten. Religiös bedeutsam war ihr patrilineares Verwandtschaftssystem, das sich von der Vaterlinie ableitete. Modell war die vaterrechtlich organisierte Großfamilie.

Oft wird die zentralasiatische Andronowo-Kultur den bronzezeitlichen Ariern zugeordnet.

Wanderung in das Gebiet zwischen Indien und Persien

Die Einzelheiten der Migrationen, insbesondere deren Abfolge, sind weiterhin stark umstritten:[1]

  • Die Arier dehnten sich in mehreren Schüben sowohl nach Süden als auch nach Westen in einem Zeitraum von mehreren Jahrhunderten aus. Um 2000 bis 1500 v. Chr. erreichten die Arier den indischen Subkontinent, wo sie auf die einheimische Bevölkerung der Drawider stießen, die sie unterwarfen. In den 1920er Jahren ging man noch davon aus, dass die Arier erst etwa 13. Jh. v. Chr, also ein halbes Jahrtausend nach dem Untergang der Harappa-Kultur im 18. Jh. v. Chr., nach Indien vorstießen, was am Alter der Veden festgemacht wurde. Infolge archäologischer Funde datiert man heute die Invasion der Indo-Arier wesentlich früher.[5] Wegweisend dafür waren Keramikfunde des Wissenschaftlers Vats in Harappa in den 1930er Jahren (Gräberfeld H), auf denen Vögel abgebildet waren, die in ihrem Körper ein Lebewesen einschließen. Diese Darstellungen deuten auf die Verbindung mit dem vedischen Glauben der Seelenwanderung und der Wiedergeburt hin. Ausgrabungen in Baluchistan (Mehrgarh VIII und Nausharo III), die auf 2000 v. Chr. datiert werden, brachten Übereinstimmungen zur iranischen Bronzekultur in Nordwestpersien (Tepe Hissar III) und im südlichen Turkmenistan (Namazga V; siehe BMAC). Erhellend waren zudem Funde von Feueraltären in Kalibangan und Lothal, welche in der Hochzeit des Indus-Kults noch unbekannt waren, sowie eines Goldschatzes in Quetta 1985, welcher mit ähnlichen Funden in Baktrien in Zusammenhang gebracht wird.[5]
  • Eine andere Theorie weist prähistorische arische Sprach- und Kulturreste in Sumer, Akkad und Ägypten nach, die eine frühe Präsenz der Arier im nahen Osten seit mindestens dem Anfang des 3. Jahrtausends v. Chr. nahelegen. (siehe: Sprache der Mitanni)
  • Zudem werden gelegentlich auch Verbindungen zur noch kaum erforschten Oasenkultur in der Wüste Karakum postuliert.
  • Einen anderen Ansatz verfolgt die Schwarzmeer-Überschwemmungs-Hypothese. Diese wurde 1996 von William Ryan und Walter Pitman, beides Geologen an der Columbia University, in einem populären Artikel der New York Times vorgestellt. Laut dieser These lebten die Arier in unmittelbarer Umgebung des prähistorischen Schwarzen Meeres. Eine Flutkatastrophe soll der Auslöser für die Völkerwanderung der Arier gewesen sein.

Ariertum als Ideologie

Thesen über die Urheimat

Die Kurgan-Hypothese wird und wurde von nationalistischen und rassistischen Strömungen angegriffen, die „ihre“ Nation als die wahre Urheimat propagieren.

Ein Beispiel für eine nationalistisch geprägte Theorie ist die Indigenous Aryan Theory. Die hindu-nationalistische Indigenous Aryan Theory im Umfeld der Bharatiya Janata Party betrachtet die Arier als autochthone Bevölkerung des indischen Subkontinents, von wo aus die Arier eine Wanderung nach Europa begannen. Die Harappa-Zivilisation basiere nicht auf dravidischen Wurzeln, sondern sei vedischen Ursprungs.

Die Theorie, dass die Arier ihren Ursprung in den Steppen Russlands gehabt hätten, wurde von rassistischen Kreisen im Deutschland der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitgehend abgelehnt. Es wurde pseudowissenschaftlich argumentiert (z. B. Hans F. K. Günther), die Arier seien ursprünglich in Deutschland oder Skandinavien heimisch gewesen, oder zumindest seien dort die ursprünglichen Eigenschaften insbesondere rassischer Art besonders klar erhalten. Daneben wurden die Arier den Goten, Vandalen oder anderen Stämmen der Völkerwanderung nahegestellt. In seinem 1905 veröffentlichten Buch Die Indogermanen stellte Hermann Hirt die These auf, dass die Ebene Norddeutschlands die Urheimat der Arier sei (S. 197), und brachte den blondhaarigen Menschen mit der Kernbevölkerung der frühen reinen Indogermanen in Verbindung (S. 192). Die Übereinstimmung der Arier mit der norddeutschen Streitaxtkultur wurde von Gustaf Kossinna im Jahre 1902 eingeführt. Weitere Beispiele dieser Art der Verklärung findet man auch im Iran. So sollen sich die Arier in dessen Hochebenen entwickelt und von dort ausgebreitet haben.

Rassenkundliche Theorien

Rassevorstellungen im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert lösten neue Weltanschauungen den Begriff des Ariers von der Sprachwissenschaft und von völkerkundlichen Vorstellungen und erweiterten ihn auf eine biologische Abstammungsgemeinschaft. Man behauptete, dass Personen, welche heute in Europa, Iran und Indien lebten, genetische Abkömmlinge des durch die Sprachwissenschaft erschlossenen vorgeschichtlichen Volks der Arier seien. Die Arier, welche in Indien die dravidische Harappa-Kultur eroberten, bewegten sich nicht nur in einem Prozess des kulturellen Austauschs, sondern vermischten sich wohl auch mit der einheimischen Bevölkerung genetisch.

Auf Europa bezogen kann eine Abstammung nicht geklärt werden, weil die Eroberung der Megalithkulturen durch die Arier nicht nachgewiesen ist. Im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts verbreiteten sich Weltanschauungen, die postulierten, dass alle hellhäutigen Europäer, die „Kaukasier“, von den Ariern abstammen sollen. Solche „rassenkundlichen“ Anschauungen dienten dazu, „die Arier“ zu einer körperlich und geistig überlegenen und auf Reinheit bedachten „Herrenrasse“ zu mystifizieren, die in der Geschichte als Kriegeradel und Kulturbringer gewirkt habe. Vere Gordon Childe behauptete z. B. 1926 in seinem Werk Die Arier: Eine Studie der Ursprünge der Indogermanen, dass die Überlegenheit der nordischen Rasse im Körperbau sie erst mit der Fähigkeit ausstatte, Träger einer höheren Sprache zu sein.

Arier und Semiten

Durch dieses biologische Verständnis wurde die Gemeinschaft der Arier ausschließend. Man konnte sich nicht mehr durch die Aneignung von Sprache und Kultur integrieren. So wurden europäische Juden trotz ihrer hellen Hautfarbe und der ihrer jeweiligen Nationalität entsprechenden Muttersprache aus dieser Definition ausgeschlossen. Die Juden seien als Nachkommen des biblischen Volks der Israeliten Semiten. Das „Blut“ der Semiten habe sich über die Generationen auf die Juden des 19. Jahrhunderts weitervererbt. Daher spielt es nach dieser rassischen Ansicht keine Rolle, ob Juden zum Christentum übertreten, die Nationalsprache sprechen usw., weil sie nach wie vor „semitische Gene“ in sich trügen.

Die Idee einer „arischen Rasse“ wurde erstmals durch den französischen Schriftsteller Arthur de Gobineau in seinem Essai sur l'inégalité des races humaines (1852-1854) formuliert.[6] Gobineau postulierte, die arische oder nordische Rasse sei allen anderen Rassen überlegen, und in ihrer reinsten Form sei sie durch den französischen Adel repräsentiert. Damit verbunden war die Vorstellung, dass eine Vermischung von Rassen grundsätzlich von Nachteil sei und daher vermieden werden solle. Gobineaus Thesen entfalteten ihre Wirkung vor allem im deutschen Sprachraum, wo sich insbesondere Cosima Wagner, die einflussreiche Ehefrau des Komponisten Richard Wagner, dafür einsetzte. Sie veranlasste zunächst die Übersetzung des Essais durch Karl Ludwig Schemann, einen Angehörigen des Bayreuther Kreises um Richard und Cosima Wagner. Folgenreicher war jedoch ihr Einfluss auf den aus England stammenden, aber damals in Wien und später in Bayreuth lebenden Schriftsteller Houston Stewart Chamberlain. Diesen machte sie ebenfalls auf Gobineau aufmerksam und regte ihn damit zu seinem Hauptwerk Die Grundlagen des Neunzehnten Jahrhunderts (1899) an. Chamberlain knüpfte in wesentlichen Punkten an Gobineau an, betrachtete jedoch das deutsche Volk als die reinste Ausprägung der arischen Rasse und verband damit einen ausgeprägten Antisemitismus. Dieses Buch fand eine weite Verbreitung und hatte großen Einfluss auf die Völkische Bewegung und den Nationalsozialismus.

In die etablierte Wissenschaft fanden diese rassistischen Thesen zunächst keinen Eingang. Das änderte sich jedoch speziell in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg,[7] wo insbesondere Hans F. K. Günther sich diese Thesen zu eigen machte und damit dem Rassismus der Nationalsozialisten eine „wissenschaftliche“ Grundlage lieferte.

Begriff im Nationalsozialismus

Im Nationalsozialismus ging man mehrheitlich davon aus, dass die Urheimat der Arier in Norddeutschland oder Skandinavien gelegen habe. Der Begriff des Ariers erfuhr durch die Nationalsozialisten noch weitere Veränderungen. Die „Arier“ wurden als rein indogermanische Herrenrasse umgedeutet, deren Mission es sei, alle angeblich nichtarischen Völker zu unterwerfen oder gar auszulöschen. Menschen mit blauen Augen und blonden Haaren wurden als bester Typ der „arischen Rasse“ betrachtet. Die romanischen Völker, deren Sprachen auch indogermanisch sind, seien durch die Völkerwanderung teilweise germanisiert worden. Diese Ideologie erklärte die Juden zur minderwertigen Rasse. Arabisch ist eine semitische Sprache; gleichwohl wurden die Araber durch ausdrücklichen Beschluss von der „Rasse“ der Semiten ausgenommen.[8]

Umgekehrt wollte man die Finno-Ugrier als nordisches Volk in die Herrenrasse mit einbeziehen. Völker wie Ungarn, Esten und Finnen, deren finno-ugrische Sprachen nicht Teil der indogermanischen Sprachfamilie sind, könnten „nach strengen wissenschaftlichen Maßstäben“ nicht als „arisch“ bezeichnet werden. „Arisch“ wurde deshalb als amtlicher Rechtsbegriff ab dem Jahr 1935 nicht mehr verwandt. An die Stelle des in dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums verwendeten Begriffs des Ariers[9] trat die ausweislich des Gesetzestextes und seiner Begründung in den Nürnberger Gesetzen (September 1935) gebrauchte Formulierung „Person deutschen oder artverwandten Blutes“.[10]

An die Stelle von „deutsches oder artverwandtes Blut“ sollte nach einem Runderlass vom 26. November 1935 der Begriff „deutschblütig“ treten.

Das NS-Regime rechtfertigte mit dieser zentralen Ideologie die Diskriminierung, Vertreibung und Ermordung der Juden, Sinti und Roma sowie die Deklassierung der Slawen zu „Untermenschen“. Die Menschen im Dritten Reich und in den von den Nationalsozialisten beherrschten Gebieten mussten zum Beweis ihrer „rassischen Reinheit“ sogenannte Ariernachweise erbringen. Mit der ideologischen Rechtfertigung „Reinhaltung der arischen Rasse“ wurden auch die Ermordung und Zwangssterilisation geistig behinderter oder „unerwünschter“ Menschen betrieben. Unter dem Begriff „Arisierung“ betrieb das NS-Regime eine Enteignung insbesondere der Juden; auch hierbei beriefen sie sich auf ihre Rassenideologie.

Begriffsgebrauch

  • Der Begriff war und ist als ethnische Bezeichnung der Iraner im Buche Avesta im Zoroastrismus, ferner als Begriff für einen edlen Geist im Buddhismus, im Hinduismus und im Jainismus in Gebrauch. Auch der frühere Schah von Persien gab sich den Königsnamen „Licht der Arier“ (āryā-mehr آريا مهر) im Sinne des neuerstandenen iranischen Nationalismus seit 1935. Auch im überlieferten Staatsnamen Iran, der sich aus dem altpersischen Begriff būm-ī aryānam („Land der Arier“) herleitet, also aus dem Genitiv Plural aryānam (altpersisch) in den westiranischen Dialekten zum mittelpersischen ērān und neupersischen īrān wurde, bezeichnet der Begriff eine Volksgruppe. So ist der neupersische Begriff īrān eine kurze Form des altpersischen „Land der Arier“. Das ostiranische Äquivalent ist Aryāna, das heute noch in Tadschikistan und Afghanistan sehr beliebt ist.
  • In der wissenschaftlichen westlichen Literatur werden als Arier Kulturgruppen bezeichnet, aus denen vedische und zoroastrische Glaubenssysteme hervorgegangen sind. Linguistisch werden die von Sanskrit abgeleiteten Sprachen als Indoarische Sprachen bezeichnet, um sie von den nicht-indoeuropäischen Sprachen Indiens zu unterscheiden.
  • Aufgrund des Missbrauchs, den die Nationalsozialisten mit dem Begriff „Arier“ getrieben haben, verwendet man die Bezeichnung heute in Deutschland nicht mehr als Synonym für „Indogermane“. Darüber hinaus nennt man die (hypothetischen) Sprecher der indogermanischen Ursprache heute entweder Urindogermanen oder besser, vergleichbar dem Begriff in anderen europäischen Sprachen, Proto-Indoeuropäer.
  • Von Gruppen, die eine Überlegenheit der „weißen Rasse“ über andere Menschen propagieren, wird der Begriff „Arier“ heute noch als Bezeichnung dieser „weißen Rasse“ benutzt, zum Beispiel von der Aryan Nations in den USA oder von Neonazis im deutschsprachigen Raum.
  • Helena Petrovna Blavatsky, die Begründerin der modernen Theosophie, verwendete die Bezeichnung „arisch“ in ihrer Wurzelrassen-Lehre. Als Wurzelrassen (engl. root races) betrachtete sie Epochen der Entwicklung der Menschheit, wobei die arische Wurzelrasse die gegenwärtige Epoche sei.[11]

Sonstiges

  • In alten Zeiten benutzten die Perser den Begriff des Ariers für eine ethnische Selbstbenennung wie alle anderen iranischen Stämme auch, um ihre Sprache und ihre Abstammung zu beschreiben. Diese Tradition wurde in neuerer Zeit unter dem aus dem Französischen re-importierten Begriff āryā (آريا) wieder aufgenommen.[12] Der Name Iran ist mit dem Wort Arier verwandt, bedeutet „Land der Arier“ und leitet sich vom altpersischen Begriff Aryanam-Vaej/Aryana(m), genauer būm-ī aryānam, ab. Dareios I., König von Persien (521 bis 486 v. Chr.) proklamierte in einer Inschrift in Naqsch-e Rostam, in der Nähe des heutigen iranischen Schiraz: Ich bin Darius, der große König […], ein Perser, Sohn eines Persers, ein Arier, welcher eine arische Abstammung hat. Er nannte auch Altpersisch die arische Sprache.
  • Gemäß der Encyclopedia Iranica wurde dasselbe ethnische Konzept in den späteren Jahrhunderten aufrechterhalten und mit Vornehmheit und Herrschaft in Verbindung gebracht (S. 681). Im Jahre 1967 ließ sich Schah Mohammad Reza Pahlavi aus der seit den 1920er-Jahren regierenden Herrscherfamilie Pahlavi vom iranischen Parlament den Königstitel Āryāmehr, „Licht der Arier“, zulegen, wobei er den neuen Begriff āryā (آريا) benutzte, der im Persischen in dieser Form nie existierte.
  • Die staatliche Fluggesellschaft Afghanistans ist die Ariana Afghan Airlines unter Bezugnahme auf Airyanem Vaejah.

Literatur

Quellenforschung

  • Jahanshah Derakhshani: Die Arier in den nahöstlichen Quellen des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr. Grundzüge der Vor- und Frühgeschichte Irans. 2., durchgesehene Auflage mit Addendum. International Publications of Iranian Studies, Teheran 1998, ISBN 964-90368-6-5.

Wirkungsgeschichte

  • Jean Haudry: Die Indo-Europäer. Eine Einführung. Vom Autor durchgesehene und erweiterte Fassung der französischen Ausgabe. Age d'Homme – Karolinger, Wien 1986, ISBN 3-85418-025-X (Über die okkulten Hintergründe der NS-Rassenideologie).
  • Marija Gimbutas: Das Ende Alteuropas. Der Einfall von Steppennomaden aus Südrußland und die Indogermanisierung Mitteleuropas (= Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft. Sonderheft 90 = Archaeolingua. Series minor, Bd. 6). Archaeolingua u. a., Budapest u. a. 1994, ISBN 963-8046-09-0.
  • Nicholas Goodrick-Clarke: Hitler's Priestess. Savitri Devi, the Hindu-Aryan Myth, and Neo-Nazism. New York University Press, New York u. a. 1998, ISBN 0-8147-3110-4 (Über die Hintergründe faschistischen Arier-Verständnisses am Beispiel von Savitri Devi).
  • Edward Bryant: The Quest for the Origins of Vedic Culture. The Indo-Aryan Migration Debate. Oxford University Press, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-19-513777-9.
  • Gérard Fussman, Jean Kellens, Henri-Paul Francfort, Xavier Tremblay: Āryas, Aryens et Iraniens en Asie Centrale (= Publications de l'Institut de Civilisation Indienne. Bd. 72). Boccard, Paris 2005, ISBN 2-86803-072-6.

Mythenforschung

  • Bal Gangadhar Tilak: The Arctic Home in the Vedas. Being also New Key to the Interpretation of Many Vedic Texts and Legends. Shri J. S. Tilak, Poona 1971.
  • Léon Poliakov: Der arische Mythos. Zu den Quellen von Rassismus und Nationalismus. Aus dem Französischen. Junius, Hamburg 1993, ISBN 3-88506-220-8 (Originaltitel: Le mythe aryen).
  • Bal Gangadhar Tilak: The Orion, or, Researches into the Antiquity of the Vedas. 7. Auflage. Shri J. S. Tilak, Poona 1994.
  • Julius Evola: The Doctrine of Awakening. The Attainment of Self-Mastery According to the Earliest Buddhist Texts. Inner Traditions, Rochester VT 1996, ISBN 0-89281-553-1.
  • James P. Mallory: À la recherche des Indo-Européens. Langue, archéologie, mythe. Éditions du Seuil, Paris 1997, ISBN 2-02-014390-9.
  • Navaratna S. Rajaram, David Frawley: The Vedic Aryans and the Origins of Civilization. A Literary and Scientific Perspective. 2., revised and enlarged edition. Voice of India, New Delhi 1997, ISBN 81-85990-36-0.
  • Reinhard Schmoeckel: Die Indoeuropäer. Aufbruch aus der Vorgeschichte (= Bastei-Lübbe-Taschenbuch. 64162). Vollständig überarbeitete und aktualisierte Ausgabe des erstmals 1982 im Rowohlt Verlag erschienenen Werkes „Die Hirten, die die Welt verändern“. Bastei-Verlag Lübbe, Bergisch Gladbach 1999, ISBN 3-404-64162-0.
  • Michael Bergunder, Peter Rahul Das (Hrsg.): „Arier“ und „Draviden“. Konstruktionen der Vergangenheit als Grundlage für Selbst- und Fremdwahrnehmungen Südasiens (= Neue Hallesche Berichte. Bd. 2). Franckesche Stiftungen, Halle 2002, ISBN 3-931479-34-X.
  • Klaus von See: Der Arier-Mythos. In: Nikolaus Buschmann, Dieter Langewiesche (Hrsg.): Der Krieg in den Gründungsmythen europäischer Nationen und der USA. Campus-Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2003, ISBN 3-593-37368-8, S. 56–84.
  • James P. Mallory: In Search of the Indo-Europeans. Language, Archaeology and Myth. 1st paperback edition, reprint. Thames & Hudson, London 2003, ISBN 0-500-27616-1.
  • Bernard Sergent: Les Indo-Européens. Histoire, langues, mythes. Nouvelle édition revue et augmentée. Payot & Rivages, Paris 2005, ISBN 2-228-88956-3.
  • Iaroslav Lebedynsky: Les Indo-Européens. Faits, débats, solutions. Éditions Errances, Paris 2006, ISBN 2-87772-321-6.

Linguistische Forschung

  • Josef Wiesehöfer: Zur Geschichte der Begriffe „Arier“ und „arisch“ in der deutschen Sprachwissenschaft und Althistorie des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In: Heleen Sancisi-Weerdenburg, Jan Willem Drijvers: The Roots of European Tradition (= Achaemenid History. Bd. 5). Proceedings of the 1987 Groningen Achaemenid History Workshop. Nederlands Instituut voor het Nabije Oosten, Leiden 1990, ISBN 90-6258-405-5, S. 149–167.
  • Manfred Mayrhofer: Etymologisches Wörterbuch des Altindoarischen (= Indogermanische Bibliothek. Reihe 2: Wörterbücher. Bd. 1–3). 3 Bände. Winter, Heidelberg 1990–2001, ISBN 3-533-03826-2 (Set).

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Arier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Arier – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. a b c d e Hermann Kulke, Dietmar Rothermund: Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute. Broschierte Sonderausgabe. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54997-7, S. 44 f.
  2. a b Michael Witzel: Autochthonous Aryans? The Evidence from Old Indian and Iranian Texts. In: Electronic Journal of Vedic Sudies. Bd. 7, Nr. 3, 2001, ISSN 1084-7561, S. 1–115, (online, (PDF; 572 kB)).
  3. Rüdiger Schmitt: Aryans. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopaedia Iranica. Band 2: Anāmaka – Āṯār al-wozarāʹ. Routledge & Paul, London u. a. 1987, ISBN 0-7100-9110-9, S. 685b; kritisch zur Migration in den Iran überhaupt: Jahanshah Derakhshani: Grundzüge der Vor- und Frühgeschichte Irans. Geschichte und Kultur des alten Ostiran. Band 1, Heft 1: Die Zeiten Zarathustras. Rekonstruktion der Altiranischen Chronologie. International Publications of Iranian Studies, Teheran 1995, ISBN 964-90368-0-6.
  4. dtv-Atlas Weltgeschichte, S. 33.
  5. a b Hermann Kulke, Dietmar Rothermund: Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute. Broschierte Sonderausgabe. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54997-7, S. 46 f.
  6. Christian Geulen: Geschichte des Rassismus (= Beck'sche Reihe. Bd. 2424). Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-53624-3, S. 71–73; George L. Mosse: Die Geschichte des Rassismus in Europa (= Fischer 16770). Unveränderte, vom Autor 1990 durchgesehene und erweiterte Ausgabe, Lizenzausgabe. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-596-16770-1, S. 67 f. und 80 f.
  7. Hugo Iltis: Volkstümliche Rassenkunde (= Urania. Kulturpolitische Monatshefte über Natur und Gesellschaft. 3, 1929/1930, ZDB-ID 542536-0). Urania-Verlags-Gesellschaft, Jena 1930, S. 5–7.
  8. Weisung vom 17. Mai 1943 Verbot des Begriffes Antisemitismus
  9. Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, § 3 Abs. 1
  10. Reichsbürgergesetz § 2 Abs. 1, Blutschutzgesetz §§ 1ff.
  11. Eduard Gugenberger, Roman Schweidlenka: Mutter Erde, Magie und Politik. Zwischen Faschismus und neuer Gesellschaft. Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1987, ISBN 3-900351-80-5, S. 139.
  12. Arier. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopaedia Iranica. Band 2: Anāmaka – Āṯār al-wozarāʹ. Routledge & Paul, London u. a. 1987, ISBN 0-7100-9110-9, S. 681.