Aristides von Athen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den frühchristlichen Autor. Für den Politiker des 5. Jahrhunderts v. Chr. siehe Aristeides von Athen.
Byzantinische Ikone des Aristides von Athen

Marcianus Aristides von Athen war ein antiker christlicher Autor. Er lebte in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts und bezeichnete sich als Philosophen. Er ist vor allem durch seine Apologie bekannt. Sein Festtag ist für die katholische Kirche der 31. August und für die orthodoxe Kirche der 13. September.

Leben[Bearbeiten]

Details aus Aristides’ Leben sind weitgehend unbekannt. Als Zeitgenosse von Quadratus von Athen richtete er wie dieser eine apologetische Schrift an den römischen Kaiser, und zwar eher an Antoninus Pius als an Hadrian. Es handelt sich um eine einfache, elegante Schrift, in der er die Menschheit von der christlichen Religion aus erklärt und dem Kaiser zu beweisen sucht, dass die Christen den wahren Gott verehren. Er gilt als einer der ersten christlichen Apologeten, seine Schrift als die älteste erhaltene Apologie der Christenheit. Die Apologie galt als verloren, bis die Mechitaristen von San Lazzaro 1878 in Venedig ein umfangreiches armenisches Fragment dieser Apologie veröffentlichten, James Rendel Harris 1889 ihre vollständige syrische Übersetzung in einer Handschrift des Katharinenklosters auf dem Sinai entdeckte und Armitage Robinson nachwies, dass der griechische Text des byzantinischen Bekehrungsromans Barlaam und Joseph, der kaum von Johannes von Damaskus stammt, den größten Teil der Apologie als Rede eines Mönchs enthielt.

Textbeispiel

„Ich behaupte aber, dass Gott ungezeugt ist und ungemacht, von niemand umfasst wird, selbst aber alles umfasst, dass er ist eine durch sich seiende Form, anfangslos und endlos, unvergänglich, unsterblich, vollkommen und unbegreiflich. Wenn ich sagte: vollkommen, so heißt das, dass er keinen Mangel hat und nichts bedarf, während alles seiner bedarf; und wenn ich sagte, dass er anfangslos ist, so heißt das, dass alles, was einen Anfang hat, auch ein Ende hat, und alles, was ein Ende hat, auflösbar ist. Er hat keinen Namen; denn alles, was einen Namen hat, gehört mit zum Geschaffenen. Er hat keine Gestalt und keine Zusammensetzung von Gliedern; denn wer solches hat, gehört mit zu den Gebilden. Er ist nicht männlich und nicht weiblich. Der Himmel umfasst ihn nicht, vielmehr wird der Himmel und alles Sichtbare und Unsichtbare von ihm umfasst.“ (Aus der Apologie des Aristides von Athen (I, 4))

Textausgaben[Bearbeiten]

  • Bernard Pouderon u.a. (Hrsg.): Aristides, Apologie (= Sources chrétiennes 470). Les Éditions du Cerf, Paris 2003
  • Kaspar Julius (Übersetzer): Des Aristides von Athen Apologie (= Bibliothek der Kirchenväter 12, 1. Band). Kösel, Kempten und München 1913, S. 3-54

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Pépin, Jean-Pierre Mahé: Aristide d'Athènes. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Band 1, CNRS, Paris 1989, ISBN 2-222-04042-6, S. 366–368
  • Michael Lattke: Der Tod Jesu Christi in der Apologie des Aristides. Eine Fallstudie mit forschungsgeschichtlicher Einleitung und Bibliographie. In: Early Christianity 1, 2010, S. 575-601
  • Michael Lattke: War der Apologet Aristides ein Mann von Bildung? In: F.R. Prostmeier (Hrsg.): Frühchristentum und Kultur. Herder, Freiburg u.a. 2007, S. 35-74
  • Berthold Altaner, Alfred Stuiber: Patrologie. Leben, Schriften und Lehre der Kirchenväter. 8. Auflage, Herder, Freiburg 1978, S. 64-65
  • Samuel Raz: Abgrenzung in Aristides Apologie. Ein Beitrag zur Debatte um frühchristliche Identität. aventinus varia Nr. 42 [29. Oktober 2013], in: aventinus, URL: [1] (abgerufen am 19. November 2014).

Weblinks[Bearbeiten]