Arkadij Naiditsch

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Naiditsch 2009 Dortmund.jpg
Arkadij Naiditsch bei den Dortmunder Schachtagen 2009
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Geboren 25. Oktober 1985
Riga
Titel Internationaler Meister (1999)
Großmeister
Aktuelle Elo-Zahl 2709 (August 2014)
Beste Elo-Zahl 2737 (Dezember 2013)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)

Arkadij Naiditsch (* 25. Oktober 1985 in Riga) ist ein deutscher Schachspieler lettlandrussischer Herkunft.

Leben[Bearbeiten]

Arkadij Naiditsch, Dortmund 2001

Werdegang[Bearbeiten]

Naiditsch lernte das Schach von seinem Vater im Alter von fünf Jahren und wurde bereits als Achtjähriger ein Meisteranwärter. Außerdem trainierte er in einer Eishockeyschule. Im Jahr 1996 zog Naiditsch mit seiner Familie von Riga nach Dortmund. In den folgenden Jahren wurde das Talent, das 1995 in Verdun Jugend-Europameister U10 wurde und einen zweiten Platz bei Jugend-Weltmeisterschaften vorzuweisen hatte, von seinem Verein, den Schachfreunden Dortmund-Brackel, und vom Deutschen Schachbund gefördert. Naiditsch wurde von verschiedenen Großmeistern trainiert und erhielt 1999 den Titel eines Internationalen Meisters.[1] Bei den Dortmunder Schachtagen 2001 wurde der 15-Jährige als jüngster deutscher Großmeister präsentiert.[2]

Anfang des Jahres 2005 erhielt er einen deutschen Pass.

Förderung erhielt Naiditsch aus seiner Wahlheimatstadt Dortmund, wo man ihm bereits im Jahr 2003 einen Platz im hochkarätigen Teilnehmerfeld der jährlich stattfindenden Dortmunder Schachtage verschaffte.[3] Er wurde zwar Letzter, zeigte aber, dass er auch auf hohem Niveau mithalten kann.

Erfolge[Bearbeiten]

Arkadij Naiditsch, 2005
Naiditsch - Wladimir Kramnik, umringt von Photographen, Schacholympiade 2008

Naiditschs größter Erfolg ist der sensationelle Gewinn des Dortmunder Sparkassen Chess Meeting 2005 vor Weltklassespielern wie Wladimir Kramnik, Péter Lékó, Wesselin Topalow und Michael Adams.[4] Obwohl mit der schwächsten Elo-Zahl des Teilnehmerfeldes aus 10 Spielern gestartet, gewann er mit einem halben Punkt Vorsprung das Turnier und ist damit sowohl jüngster als auch erster deutscher Sieger des stärksten deutschen Turnieres. Bei der Schacholympiade 2006 startete Naiditsch erstmals für Deutschland. Er überzeugte am Spitzenbrett mit 6 Punkten aus zehn Runden. Bei der Schacholympiade 2008 vertrat er Deutschland ebenfalls am Spitzenbrett und erzielte 5,5 Punkte aus zehn Partien.[5] Im Vorfeld der Schacholympiade 2010 übte er in einem Offenen Brief scharfe Kritik an Funktionären des Deutschen Schachbundes und sagte seine Teilnahme ab.[6]

Im Jahr 2007 errang Naiditsch in Bad Königshofen seine erste deutsche Einzelmeisterschaft. Er gewann aufgrund der besseren Feinwertung vor dem punktgleichen Rainer Buhmann. Im Mai desselben Jahres gewann Arkadij Naiditsch ein stark besetztes Open, den „President’s Cup“ in Baku, vor weiteren zehn Großmeistern.

In der Schachbundesliga spielte er bis 2007 am Spitzenbrett für den TSV Bindlach-Aktionär, mit dem er 2006 den Aufstieg aus der 2. Liga schaffte. Seit der Spielzeit 2007/08 spielt Naiditsch für die OSG Baden-Baden. In seiner ersten Saison gewann er mit den Badenern den deutschen Mannschaftspokal, den deutschen Mannschaftsmeistertitel und erzielte mit 11,5 Punkten aus 13 Partien und einer Elo-Performance von 2861 Punkten die beste Leistung aller Bundesligaspieler.

Im April 2009 überschritt als erster und einziger für Deutschland spielender Schachspieler die Grenze von 2700 Elo-Punkten.

Im August 2010 gewann er in Mukatschewe einen Wettkampf gegen Sachar Jefymenko mit 3,5:2,5 (+1 =5).[7] Im April 2011 siegte Arkadij Naiditsch mit 8,5 Punkten aus neun Partien beim Neckar-Open vor Arik Braun und David Baramidze mit jeweils 7,5 Punkten. In diesem Turnier erreichte er eine Elo-Performance von 2922. Im November 2011 wurde die deutsche Mannschaft mit Arkadij Naiditsch am ersten Brett zum ersten Mal Europamannschaftsmeister, wobei sie unter anderen den amtierenden Mannschaftsweltmeister Armenien besiegte.[8] Wegen seiner fortgesetzten Kritik an Bundestrainer Uwe Bönsch entschied das Präsidium des Deutschen Schachbundes am 28. November 2011, Naiditsch bis auf Weiteres aus dem Kader der Nationalmannschaft zu streichen[9], nominierte ihn jedoch im Mai 2012 nach einer Aussprache zur Schacholympiade 2012.[10][11] 2013 gewann er die B-Gruppe des Großmeisterturniers beim Tata-Steel-Schachturnier.[12] Bei der Schacholympiade 2014 gewann er gegen Magnus Carlsen.[13]

Sonstiges[Bearbeiten]

Mannschaftsschach spielt Naiditsch auch in Frankreich für Marseille Echecs, mit dem er 2011 französischer Mannschaftsmeister wurde, in Ungarn für Aquaprofit-NTSK (mit dem er in den Spielzeiten 2008/09, 2009/10, 2010/11, 2011/12 und 2013/14 ungarischer Mannschaftsmeister wurde) und in Kroatien für Liburnija Rijeka.

Er gehört zu den Mitarbeitern der seit März 2011 zweimonatlich erscheinenden Buchreihe Chess evolution, in der eröffnungstheoretisch wichtige Partien analysiert werden.

Arkadij Naiditsch hat drei Schwestern, die auch talentiert Schach spielen und bereits an deutschen Jugendmeisterschaften teilnahmen, allerdings seit 2008 keine Turniere mehr gespielt haben.

Als Ausgleich betreibt Naiditsch intensiv Karate. Hier besitzt er den 5. Kyu (1. Blau-Gurt).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arkadij Naiditsch – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 113
  2. Dortmunder Chess Meeting 2001, 1. Pressekonferenz
  3. Dortmunder Sparkassen Chess Meeting 2003
  4. Sparkassen Chess Meeting 2005
  5. MEN'S CHESS OLYMPIADS - Naiditsch, Arkadij (Germany) auf OlimpBase (englisch)
  6. Why the German A-team will not participate in the Olympiad, Chessvibes.com, 28. Juli 2010
  7. Turnierseite des Wettkampfes gegen Sachar Jefymenko, abgerufen am 2. März 2011
  8. Wir sind Europameister!. Mitteilung des Deutschen Schachbunds, 11. November 2011.
  9. Erklärung des DSB-Präsidiums
  10. Presseerklärung
  11. Nominierungen zur Schacholympiade
  12. TATA Steel Chess Tournament 2013. Standings of grandmaster group B. Abgerufen am 9. Februar 2013.
  13. Schacholympiade 2014: Magnus Carlsen vs. Arkadij Naiditsch Naiditschs Sieg zum Nachvollziehen (deutsch)