Armand Jean Le Bouthillier de Rancé

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Armand Jean Le Bouthillier de Rancé

Armand Jean Le Bouthillier de Rancé (* 9. Januar 1626 in Paris; † 27. Oktober 1700 in La Trappe) war ein französischer Adliger und Mönch. Er kann zwar nicht als „Gründer“ der Trappisten gelten, aber er führte Reformbestrebungen fort und verbreitete sie unter Gleichgesinnten, die im 17. Jahrhundert zu einer starken Gruppierung wurden. Erst 1892 spalteten sie sich ab und gründeten den Trappistenorden.[1]

Leben[Bearbeiten]

Armand Jean Le Bouthillier de Rancé stammte aus hohem französischem Adel. Sein Vater war Privatsekretär von Königin Maria von Medici. Eigentlich war de Rancé eine Karriere in der Armee zugedacht, jedoch ließ ihn seine Familie anstelle seines verstorbenen Bruders Denis eine kirchliche Laufbahn einschlagen. Bereits mit elf Jahren, 1637, wurde er Domherr von Notre-Dame in Paris sowie Abt von fünf Abteien, darunter auch von La Trappe. 1638 starb seine Mutter; seine Schwester ging im selben Jahr ins Kloster. 1650 verstarb sein Vater. In diesem Jahr nahm er Kontakt zur vierzehn Jahre älteren Herzogin von Montbazon auf, die ihn in die gehobene Gesellschaft einführte. 1651 wurde er, nach seinem Studium in Paris, durch seinen Onkel Victor Bouthillier in Paris zum Priester geweiht. 1654 promovierte er an der Sorbonne. Er lebte am Hof des französischen Königs und genoss dort zunächst das Hofleben. 1657 wollte ihn sein Onkel, der Erzbischof von Tours, zum Erzdiakon mit Recht auf Nachfolge ernennen, jedoch wurde diese Ernennung verhindert. Am 28. April desselben Jahres verstarb de Rancés Liebhaberin, die Herzogin von Montbazon.[2] Die Enttäuschung über die verhinderte Erzdiakonenernennung und der Anblick der Leiche seiner Freundin bewirkten Rancés Bekehrung; fortan erfüllte er die religiösen Pflichten eines Priesters und begann, zölibatär zu leben.

In den kommenden Jahren verteilte de Rancé sein Vermögen und seine Pfründe. 1660 besuchte er in diesem Zusammenhang auch „sein“ Kloster La Trappe, das damals baulich wie moralisch verfallen war. So machte sich de Rancé daran, die Gebäude wieder aufzubauen. Die bisherigen Mönche des Klosters fand er mit einer Pension ab und siedelte stattdessen Mönche aus dem Reformkloster Perseigne in La Trappe an. Es waren Mönche einer Reformbewegung innerhalb des Zisterzienserordens. Damals wurden sie die Abstinenten genannt, da die Hauptpunkte der Reform darin bestanden, dass sie regelmäßig fasteten und von körperlicher Arbeit lebten. Während der Wiederaufbauphase von La Trappe lebte und arbeitete de Rancé mit diesen Mönchen zusammen. Am 20. August 1662 konnte in La Trappe das Chorgebet wieder aufgenommen werden. Nun stand auch de Rancés Entschluss fest, La Trappe, dessen formaler Abt (Kommendatarabt) er seit seiner Kindheit war, als residierender Abt vorzustehen.

So ging er im Mai 1663 in das Kloster Perseigne, dessen Tochterkloster La Trappe seinerzeit noch war, und absolvierte dort das Noviziat; seine übertriebene Strenge führte jedoch bald zu einem Zusammenbruch, so dass er nur wenige Monate den Noviziatsunterricht besuchen konnte. 1664 legte er die Profess ab und empfing vom Bischof von Séez die Benediktion. Seit dem 14. Juli 1664 residierte er in La Trappe. Grundanliegen der Reformabsichten, die La Trappe von Perseigne übernommen hatte, war die wörtliche Auslegung der Regel des Heiligen Benedikt. Seine Auslegung dieser Regel legte de Rancé in seinem Werk Declarationes in regulam beati Benedicti ad usum Domus Dei Beatae Mariae de Trappa vor, das allerdings nie gedruckt und nur in einer lateinischen Handschrift, einer französischen Übersetzung und wenigen Zitaten überliefert ist. Aus den Reformbemühungen de Rancés ging schließlich eine besondere Zisterzienser-Kongregation hervor, die 1678 von Papst Innozenz XI. anerkannt wurde. 1892 trennte sich diese Gruppe vom Zisterzienserorden.

Geprägt war de Rancé sowohl in seiner dramatischen Biographie als auch in seinen Reformbemühungen von dem tiefen Bewusstsein der Notwendigkeit der Buße. Im Vordergrund der Reform stand daher Selbstverleugnung, Demut und Askese. So lehnte de Rancé aus Demut jegliche wissenschaftlichen Studien im Kloster ab. Die Askese der Trappisten äußerte sich in strengen Schweigeregeln, harter Handarbeit, insbesondere in der Landwirtschaft, und strengen Abstinenzregelungen.

Armand Jean Le Bouthillier de Rancé wurde nie heilig- oder seliggesprochen, daher ist jede offizielle liturgische Verehrung verboten. Einige Trappistenklöster gedenken des Verstorbenen an seinem Sterbetag, dem 27. Oktober. François-René de Chateaubriand hat 1844 mit Vie de Rancé ein literaturgeschichtlich bedeutendes Buch über de Rancé verfasst. Heute wird der Abt jedoch kritischer betrachtet: Die hohe Sterblichkeitsrate der Mönche während seiner Regierungszeit, die mangelnde theologische Bildung seiner Mitbrüder und seine unüberlegte polemische Art werden wiederholt kritisiert. Viele Mitglieder des OCSO-Zweigs lehnen es bewusst ab, sich „Trappisten“ zu nennen, weil ihnen die Gestalt von Rancé (dem Abt von la Trappe) nicht genehm ist. Andere verehren ihn heiß.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Markus Stark, Die Trennung der Observantia Strictior vom Zisterzienserorden (1880-1892). Geschichte und Dokumente, in: Analecta Cisterciensia 48 (1992), S. 105–310.
  2. David N. Bell, Understanding Rancé: the spirituality of the Abbot of La Trappe in context (Kalamazoo 2005), S. 169–193.

Literatur[Bearbeiten]

  • A.J. Krailsheimer, Rancé and the Trappist Legacy (Kalamazoo 1985, Cistercian Studies Series 86).
  • Maria Magdalena Aust: Nichts anderes als Gottes Haus und Pforte zum Himmel. Grundzüge der Spiritualität des Abtes de Rancé (1626-1700), in: Cistercienser Chronik 107 (2000) 351-360 (1. Teil) und 108 (2001) 33-58 (2. Teil).
  • David N. Bell: Understanding Rance: The Spirituality of the Abbot of La Trappe in Context, Cistercian Publications 2005
  • Josef Theodor Rath: Rancé, Armand-Jean Le Bouthilier de. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 7, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4, Sp. 1320–1323.

Weblinks[Bearbeiten]