Armand Samuel de Marescot

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Armand Samuel de Marescot

Armand Samuel de Marescot (* 1. März 1758 in Tours; † 5. November 1832 auf Schloss Chaslay in Montoire-sur-le-Loir) war ein französischer Ingenieur-Offizier (Génie militaire).

Biografie[Bearbeiten]

Ausbildung und Familie[Bearbeiten]

Marescot stammte aus einer alten, früher italienisch stämmigen Familie Marescotti. Er studierte an der Hochschule in La Flèche und der École militaire in Paris. 1776 wurde er Aspirant und dann Ingenieur-Leutnant an der École royale du génie de Mézières in Charleville-Mézières im Départements Ardennes. 1784 befördert zum Leutnant en premier und 1891 zum Capitaine de génie im Standort Lille.

Er heiratete Cecile Artis; beide hatten zwei Kinder, die jung starben.

Nordarmee[Bearbeiten]

Marescot diente seit 1792 in der Nordarmee. Er überstand eine Revolte in der französischen Truppe bei Tournai, bei der General Dillon und Ingenieur-Oberst Berthois ermordet wurden und war u. a. bei der Verteidigung von Lille und den Belagerungen von Antwerpenerfolgreich. Bei der Belagerung von Toulon wurde er 1893 zum Kommandeur eines Bataillons ernannt und erwarb militärische Verdienste im Felde. 1794 übernahm er das Kommando des Ingenieurtruppen von Maubeuge, führte erfolgreich die Belagerung von Charleroi, von Landrecies und von Mastricht (8. Nov. 1794) durch. Er wurde zum Oberst befördert und kurz danach 1794 als Divisionsgeneral zum Brigadegeneral und zum Generalmajor bei und nach seiner Teilnahme an der Schlacht bei Fleurus im Ersten Koalitionskrieg. Ungeachtet der Verdienste setzte 1794 die Pariser Revolutionsherrschaft ihn auf eine Emigrantenliste, enteignete sein Vermögen und das seiner Frau. General Carnot setzte jedoch durch, dass er rehabilitiert wurde und seine Güter zurückerhielt. Im März 1995 wurde er Generalinspekteur der Ingenieurtruppen in Bayonne im Bereich der Armee an den Ost-Pyrenäen.

In Deutschland[Bearbeiten]

1796 übernahm Marescot das Kommando in Landau in der Pfalz, befehligte das Ingenieurcorps der französischen Rheinarmee und verteidigte 1797 die Festung Kehl bei den Angriffen des österreichischen Feldmarschallleutnants Friedrich von Hotze. Von 1797 bis 1799 befehligte er verschiedene Ingenieurcorps der französischen Armee u. a. in der erfolgreichen Helvetischen Armee. 1799 wurde er Militär-Gouverneur der Festung Mainz und Generalinspekteur der dortigen Ingenieurtruppen. Er begleitete 1799/1800 Bonaparte beim Italienfeldzug, belagerte Fort Bard (Bard) in Savoyen und nahm teil an der siegreichen Schlacht bei Marengo. Danach führte er von 1802 bis 1804/05 in Rochefort den Vorsitz des Ausschusses für die Befestigungsanlagen an der Westküste und führte zusammen mit Admiral Rosily die Küsteninspektionen durch. Er wurde als Erster Inspekteur der Ingenieurtruppen 1804/05 als Großoffizier mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet. 1805 nahm er mit der Grande Armée an der Schlacht bei Austerlitz gegen Österreich und Russland teil.

1808 wurde er comte de l'Empire, also Reichsgraf, des Ersten Kaiserreiches unter Napoleon Bonaparte.

Spanienkrieg[Bearbeiten]

Im napoleonischen Kriege auf der Iberischen Halbinsel gegen Spanien inspizierte Marescot die besetzten Gebiete und befehligte das Ingenieurcorps. Nach einem kurzen und verlustreichen Kampf in der Schlacht von Bailén unter Führung von General Pierre Dupont de l’Étang musste diese französische Armee im Juli 1808 kapitulieren. Die Generäle de l’Étang und Marescot und die Armee gerieten in spanische Kriegsgefangenschaft. 1808, nach der Rückkehr nach Frankreich, wurden de l'Étang und Marescot verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt. Sie wurden zwar nicht verurteilt, aber auf kaiserlichen Befehl wurde Marescot bis 1812 nach Tours verbannt und nicht wieder eingesetzt.

Pair von Frankreich[Bearbeiten]

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1814 ernannte ihn die Übergangsregierung von König Ludwig XVIII. zum Ersten Inspektor der Ingenieurtruppen von Frankreich. Nach der Herrschaft der Hundert Tage durch Kaiser Napoleon im Jahr 1815, wo er als Inspekteur in den Vogesen diente, wurde er vom König zunächst entlassen und dann auf Intervention von Kriegsminister St. Cyr als Erster Inspekteur und Leiter der Verteidigungskommission wieder eingesetzt.

Im Oktober 1915 wurde er Marquis von Frankreich und 1819 Mitglied in der Chambre des Pairs. Als Offizier schied er 1818 aus dem militärischen Dienst.

Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Charles Mullié: Armand Samuel de Marescot Biographie des célébrités militaires des armées de terre et de mer de 1789 à 1850. 1852.
  • Karl Reichard: Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen. Leipzig 1811.
  • Karl Florentin Leidenfrost: Französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Verlag Bernhard Friedrich Voigt, Ilmenau 1828.