Armanen-Orden

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Der Armanen-Orden (AO) ist eine 1976 gegründete germanisch-neuheidnische Organisation im deutschsprachigen Raum, die an die Ariosophie anknüpft.

Armanen waren im Verständnis des Armanen-Ordens die geistigen Führer der Germanen, welche der Orden als „Hauptstamm der weißen Rasse“ ansieht. Die Vorsitzenden des Armanen-Ordens, Adolph Schleipfer (bis 1990) und seine Ehefrau Sigrun Schleipfer, geborene Hammerbacher, die sich selbst Freifrau von Schlichting nennt[1], bezeichnen sich als Großmeister. Der Armanen-Orden sieht sich als elitäre, hierarchisch gegliederte Organisation von in Mysterien Eingeweihten und übt eine strenge Arkandisziplin. Ziel des Armanen-Ordens ist es, durch Erberinnerung die altgermanische heidnische Religion wieder zu errichten und gegen die „zersetzenden Mächte“ die „Weltenwende“ durchzusetzen.

Neben Guido von List stellen Ideologen wie Karl Maria Wiligut, Julius Evola, Johann von Leers[2] oder Alain de Benoist Bezugspunkte des Armanen-Ordens dar. Eine Zusammenarbeit gibt es u.a. mit der vom Verfassungsschutz 2005 als rechtsextremistisch eingestuften[3] Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung, die bis 2009 von Jürgen Rieger geleitet wurde.[4]

Lehren[Bearbeiten]

Der Armanen-Orden ist offen völkisch, rassistisch und antisemitisch orientiert und lehnt bspw. jegliche „Rassenvermischung“ ab, da laut den Lehren des Armanen-Ordens eine rassisch eindeutig festgelegte unsterbliche Seele sich nicht in einem „gemischtrassigen“ Körper inkarnieren könne. Die Rolle der Frau sieht der Armanen-Orden an „Heim und Herd“. Demokratie diene laut Armanen-Orden nur der Verschleierung der Herrschaft „überstaatlicher Mächte“.

Publikationen[Bearbeiten]

Beim heutigen Armanen-Verlag, einem Versandbuchhandel, handelt es sich um den hauseigenen Verlag des Armanen-Ordens.[5]

Die Arbeitsgemeinschaft Naturreligiöser Stammesverbände Europas (ANSE) ANSE möchte vermehrt in grün-alternativen Kreisen Fuß fassen.[6]. Sie gilt vielen Beobachtern als Vorfeldorganisation bzw. öffentlicher Arm des Armanen-Ordens, der die Zeitschrift Irminsul - Stimme der Armanenschaft publiziert.[7]

Sonstiges[Bearbeiten]

Sigrun Schleipfer liess nach ihrer Scheidung unter dem Namen Sigrun Freifrau von Schlichting seit 1995 eine neue "Ordensburg" in Polen anlegen, die als religiöses Zentrum der Heiden im germanischen Europa geplant ist ("Feenschloss Rothenhorn", Rothenhorn-Płac Czerwony Róg, Szlichtyngowa).[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franziska Hundseder: Wotans Jünger. Neuheidnische Gruppen zwischen Esoterik und Rechtsradikalismus. Heyne, München 1998, ISBN 3-453-13191-6, (Heyne Sachbuch), S. 126–132.
  • Georg Schmid, Georg Otto Schmid: Kirchen Sekten, Religionen. Religiöse Gemeinschaften, weltanschauliche Gruppierungen und Psycho-Organisationen im deutschen Sprachraum. Ein Handbuch. TVZ, Zürich 2003, ISBN 3-290-17215-5, S. 427–429.
  • Rüdiger Sünner: Schwarze Sonne. Entfesselung und Mißbrauch der Mythen in Nationalsozialismus und rechter Esoterik. 2. Auflage. Herder, Freiburg u. a. 1999, ISBN 3-451-27186-9, (Herder-Spektrum), (zum Armanen-Orden S. 173–179).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Felix Wiedemann: Rassenmutter und Rebellin. Königshausen & Neumann, Würzburg 2007, ISBN 978-3-8260-3679-8, Seite 209.
  2. Leers publizierte 1933 in einem Sammelband im "Armanen-Verlag" in Leipzig: Deutschland fordert Gleichberechtigung. Eine Sammlung von Aufsätzen und Rundfunkreden über die Fragen der Gleichberechtigung, Sicherheit und Abrüstung. Hg. Hans Weberstedt. Dieser stand ausweislich seiner sonstigen Publikationen den Ludendorffern nahe. Im Sammelband vertreten waren u. a. Ferdinand Sauerbruch, Wilhelm Ziegler, Kuno Graf Westarp, Max Graf Montgelas, Otto Voelckers und Werner von Rheinbaben
  3. Bundesministerium des Inneren der BRD, Bericht 2005 (PDF; 2,3 MB): Die Zahl der sonstigen rechtsextremistischen Organisationen - wie z.B. die "Gesellschaft für freie Publizistik" (GFP) oder "Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e. V." (AG-GGG) - ist auf 73 zurückgegangen. Diesem Spektrum gehören rund 4000 (2004: 4300) Mitglieder/Aktivisten an. S. 50
  4. Zur Zusammenarbeit mit der Artgemeinschaft siehe Bernd Wagner (Hg.): Handbuch Rechtsextremismus. Netzwerke, Parteien, Organisationen. Ideologiezentren, Medien. Rowohlt, Reinbek 1994, S. 151.
  5. Quelle: Auszug aus Handbuch Rechtsradikalismus (2002)
  6. Quelle: relinfo.ch
  7. Quelle: Apabiz, abgerufen 28. Februar 2012
  8. Ihre Selbststilisierung als "Freifrau von Schlichting", die ins "Schlichtinggau" zurückgekehrt sei, gibt der Beitrag im Onlineportal des Glogauer Heimatbundes wider.