Armenisch-türkische Beziehungen

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türkisch-armenische Beziehungen
Lage von Armenien und Türkei
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Armenien Türkei

Die Beziehungen zwischen Armenien und der Türkei gelten aufgrund des Völkermords an den Armeniern als historisch belastet. Er wird von der türkischen Regierung geleugnet. Armenien erkennt die Grenze mit der Türkei, nach dem Vertrag von Kars (1921), bis heute nicht an was einer Normalisierung der Beziehungen im Wege steht.[1]

Obwohl die Türkei der erste Staat weltweit war, der 1991 die Unabhängigkeit Armeniens von der Sowjetunion anerkannte, und die formalen Beziehungen zwischen beiden Ländern sich zunächst positiv gestalteten, nahmen sie aufgrund der türkischen Unterstützung Aserbaidschans im Bergkarabachkonflikt sowie der armenischen Invervention im Konflikt Schaden. Die Türkei schloss 1993 aus Solidarität mit Aserbaidschan einseitig die 268 km lange Grenze zu Armenien, brach alle diplomatischen Beziehungen ab und verhängte eine Wirtschaftsblockade gegen Armenien, was sich auf die Wirtschaft Armeniens bis heute negativ auswirkt.[2]

Zwar bestehen derzeit keine formalen diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten,[3] gleichwohl wurde am 10. Oktober 2009 angekündigt, dass beide Staaten sich auf eine gegenseitige diplomatische Anerkennung geeinigt hätten.[4] Allerdings verzögerten sich die unter Vermittlung der Schweiz vorangebrachten Normalisierungsbemühungen – vor allem aufgrund des ungelösten Bergkarabachkonflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan. Aserbaidschan übte massiven Druck auf die Türkei aus, vor allem wirtschaftlichen (Aserbaidschan besitzt große Erdölquellen im Kaspischen Meer), damit die Türkei keinerlei Einigungen mit Armenien erzielt.[5][6]

Die Türkei erkannte den Staat Armenien kurz nach seiner Unabhängigkeit 1991 an, jedoch scheiterten beide Staaten am Aufrechterhalten diplomatischer Beziehungen. 1992 geriet Ministerpräsident Süleyman Demirel unter enormen türkischen öffentlichen Druck, in den Bergkarabachkrieg zugunsten Aserbaidschans einzugreifen und in Armenien einzumarschieren. 1993 entsandte Ministerpräsidentin Tansu Çiller tausende türkische Soldaten an die armenische Grenze.

Aus Protest gegen die Ermordung des ethnisch armenischen Journalisten Hrant Dink 2007 durch den türkischen Nationalreligiösen Ogün Samast demonstrierten Tausende türkische Bürger im ganzen Land. Das diplomatische Tauwetter brachte Präsident Abdullah Gül dazu, als erster türkischer Führer Armenien zu besuchen,[7] sowie die Ankündigung einer vorläufigen Roadmap zur Normalisierung des diplomatischen Verhältnisses.[8] Allerdings war diese Entspannungsphase aufgrund des Drucks seitens Aserbaidschans sowie der armenischen Diaspora nur kurzlebig.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Armenisch-türkische Beziehungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] (PDF; 125 kB) Empfehlung 751 betr. die Stabilität und Sicherheit des Südkaukasus, Der Deutscher Bundestag, abgerufen am 9. Mai 2013
  2. William M. Hale. Turkish Foreign Policy, 1774–2000, Routledge, 2000, ISBN 0-7146-5071-4, S. 273
  3. Sebnem Arsu: Turkey and Armenia to Establish Diplomatic Ties. In: New York Times, 31. August 2009. Abgerufen am 1. September 2009.  „Turkey and Armenia, whose century of hostilities constitutes one of the world's most enduring and acrimonious international rivalries, have agreed to establish diplomatic relations, the two countries announced Monday.“ 
  4. Turkey, Armenia to sign diplomatic deal next month, says official. Hürriyet Daily News. 27. September 2009.
  5. http://www.azatutyun.am/content/article/2263636.html
  6. a b The Armenian Weekly, "President Sarkisian Announces Suspension of Protocols"
  7. Gul in landmark visit to Armenia, BBC News. 6. September 2008. Archiviert vom Original am 9. September 2008. Abgerufen am 12. September 2008. 
  8. Paul Richter: Turkey, Armenia are likely to ease conflict. In: L.A. Times. 3. April 2009. Archiviert vom Original am 7. April 2009. Abgerufen am 3. April 2009.