Armenische Literatur

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Armenische Bibel

Armenische Literatur ist christlich-orientalische Literatur, die – wie ihre Sprache – nie ausstarb, und somit ein nationales wie historisches Bindeglied von hoher Identifikationskraft bildete. Sie ist die geistliche wie weltliche Nationalliteratur des armenischen Volkes. Ihre Anfänge reichen in das Jahr 405 n. Chr. zurück, das mit der Erfindung des armenischen Alphabets verbunden wird. Traditionelle armenische Literatur ist nationale Literatur, entstanden aus der Heimatverbundenheit der Armenier, die Dichtungen zum Ruhm ihres Landes in der Geschichte und in den Chroniken schufen. Ferner bilden Übersetzungen einen wichtigen Teil der klassischen armenischen Literatur.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Armenier besaßen nach der Legende in ihrer vorchristlichen Epoche eine Tempelliteratur, die im Zuge der Christianisierung im 4. und 5. Jahrhundert durch den christlichen Klerus so gründlich vernichtet wurde, dass kaum zwanzig Zeilen davon in der Historie des Moses von Choren (9. Jh.) erhalten blieben.

Die Altarmenische Literatur[Bearbeiten]

Die Anfänge der armenischen christlichen Literatur (Goldenes Zeitalter der armenischen Literatur 407–451) beginnen etwa im Jahr 405 mit der Erfindung des armenischen Alphabets durch Mesrop Maschtotz. Es handelt sich dabei wohl um ein älteres Alphabet, dem Mesrop Vokale hinzufügte; eine Legende führte sie allerdings auf eine direkte göttliche Inspiration zurück. Mit dem vervollkommneten Alphabet schuf Isaak, Katholikos von Armenien, eine Übersetzerschule, deren Schüler nach Edessa, Athen, Konstantinopel, Alexandria, Antiochien, Caesarea, Kappadokien und anderswohin entsandt wurden, um syrische und griechische Handschriften zu erwerben und sie zu übersetzen. Syrischen Ursprungs war die erste Version des neuen Testaments, Eusebs Kirchengeschichte und Konstantinbiografie, die Homilien des Aphraates, die Geschichte von Gurias und Samuna, die Werke Ephräm des Syrers (teilweise veröffentlicht in vier Bänden durch die Mechitharisten von Venedig) oder das Werk des (Pseudo-) Faustus von Byzanz (Buzandaran Patmut'iwnk'). Anfang des fünften Jahrhunderts entstanden auch einige der apokryphen Werke, wie die Abhandlungen des Hl. Gregor, die Agathangelos zugeschriebene „Geschichte der Armenier“ wie auch Werke anderer bekannter Persönlichkeiten. Weiter entstanden in dieser Frühperiode der armenischen Literatur zahlreiche Originalwerke. Eznik von Kołb verfasste eine "Widerlegung der Sekten" und Koryun die "Lebensgeschichte des Heiligen Mesrop und die Anfänge der armenischen Literatur"; beide waren Schüler Mesrops.

Armenische Handschrift

Im silbernen Zeitalter (nach 451) beeinflusste die Volkssprache die Literatur. Ghasar von Parp schuf historische Werke; neben den Übersetzungen der Kirchenväter entstand die des Alexanderromans. Der hellenistische Einfluss machte sich in Bestrebungen bemerkbar, die armenische Sprache den Regeln des griechischen Grammatikers Dionysios Thrax zu unterwerfen. Zahlreiche Übersetzungen griechischer Philosophen fanden in diesem Zuge Eingang in armenische Bibliotheken. Im Wesentlichen hielten jedoch die Armenisch schreibenden Autoren zu ihrer Sprache:

Die altarmenische Literatur lebte weiter bis in das mittelalterliche kleinarmenisch-kilikische Reich.

Die mittelarmenische Literatur[Bearbeiten]

Eine "Streitschrift wider die Paulikianer", eine "Synodalschrift" und eine Sammlung der Konzilsbeschlüsse und der Schriften der Kirchenväter bis zur Gegenwart entstanden als Hauptwerke in dieser Epoche. Etwa um dieselbe Zeit erschienen Übersetzungen der Werke mehrerer Kirchenväter, besonders des Gregor von Nyssa und des Kyrill von Alexandrien aus der Feder des Bischofs Stephanos von Siunien. Zweihundert Jahre später erschien die bekannte „Geschichte Armeniens“ von Katholikos Johann VI.. Sie umfasste die Periode vom Ursprung der Nation bis zum Jahr 925. Sein Zeitgenosse Anania von Mok, ein Abt und der angesehenste Theologe seiner Zeit, schuf eine Abhandlung gegen die Tondrakianer, eine manichäische Sekte. Chosrau, Bischof von Andzevatsentz, wird wegen seiner interessanten Kommentare zum Brevier und den Messgebeten geschätzt. Gregor von Narek, sein Sohn, gilt als armenische Pindar , aus dessen Feder Elegien, Oden, panegyrische Werke und Homilien stammen. Stephen Asoghtks "Universalgeschichte" reichte bis in das Jahr 1004, und Gregor Magistros' langes Gedicht zum Alten und Neuen Testaments fand vielfache Anwendung.

Die moderne Periode der armenischen Literatur kann gut auf die Renaissance der Schrift unter den Armeniern im 12. Jahrhundert datiert werden. Katholikos Nerses IV., der Gnädige, ist der bedeutendste Autor am Anfang dieser Periode. Außer seinen poetischen Werken wie der "Elegie auf die Eroberung von Edessa", gibt es Prosawerke einschließlich eines "Hirtenbriefes", eine "Synodalschrift", und seiner "Briefe". Aus dieser Zeit stammt auch ein Lukas-Kommentar und ein Kommentar der Katholischen Briefe. Bemerkenswert ist auch die Synodalrede des Nerses von Lambron, Erzbischof von Tarsus, anlässlich des Konzils von Hromkla 1179. Im 13. Jahrhundert wurde Vartan der Große geboren, ein großer Dichter, Exeget und Theologe und für seine umfangreiche "Universalgeschichte" bekannt. Gregor von Datev schuf im folgenden Jahrhundert sein "Frage Buch", eine scharfe Polemik gegen die Katholiken.

Haghob Megapart Erster armenischer Verleger in Venedig

Durch den von Tamerlan bewirkten Untergang des kleinarmenisch-kilikischen Reiches begann im vierzehnten Jahrhundert eine wenig produktive Phase. Im sechzehnten Jahrhundert stand Armenien unter persischer Vorherrschaft, die ein literarisches Leben im Land erstickte – die große Ausnahme ist Nahapet Kutschak, dessen Hairen genannte Strophen (er dichtete insgesamt 101) einen Höhepunkt der armenischen Literatur darstellen. – In der aus der Fremdherrschaft resultierenden Zerstreuung der Armenier in alle Teile Europas lässt sich auch ein positiver Effekt sehen. So gründeten die Armenier Druckereien in Venedig und Rom und im folgenden 17. Jahrhundert ebenso in Lemberg, Mailand, Paris und anderswo. Alte Werke wurden neu aufgelegt und Neue weiter geführt. Die von Mechitar von Sebaste (1676–1749) gegründete Bruderschaft der Mechitaristen von Venedig waren Führer dieser Bewegung; ihre Schriften waren groß an Zahl, jedoch häufig gering an Zuverlässigkeit. Ihre Mitbrüder, die Wiener Mechitaristen, zählten ebenfalls zu den Aktivisten dieses Berufszweiges; zu ihrer Gesellschaft, gehörten Balgy und Catergian, zwei bekannte Autoren zur Armenienthematik. In Russland, Konstantinopel und Etschmiadsin gab es weitere Zentren armenischen literarischen Wirkens; letztgenannter Ort (Sitz des „Katholikos Aller Armenier“) ist von besonderer Bedeutung, da man dort im 20. Jahrhundert wissenschaftliche Methoden aus Deutschland etablierte.

Neuarmenisch[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert fand das Neuarmenische Eingang in die armenische Literatur und bot eine Grundlage sowohl für die literaturgeschichtliche Forschung wie auch für die belletristischer Literatur. Während des 19. Jahrhunderts arbeiteten die Autoren Chatschatur Abowjan und Mikael Nalbandian an der Schaffung einer armenischen literarischen Identität. Nalbandians Gedicht "Lied eines italienischen Mädchens" kann als Inspiration für die armenische Nationalhymne Mer Hayrenik angesehen werden.

Das entstehende Neuwestarmenisch unterstand mehr französischem, das Neuostarmenisch (vgl. auch Rechtschreibreform der armenischen Sprache 1922–1924) mehr deutschem Einfluss. Nach der bereits im Mittelalter rezipierten Troubadourdichtung der Aschugen, deren prominentester Vertreter in der armenischen Literatur Sayat Nova ist, fanden nun auch Formen wie Drama, Lyrik, Roman und Satire Eingang in die armenische Literatur, die in der Sowjetperiode zur Arbeiterliteratur tendierte.

Westarmenische Schriftsteller[Bearbeiten]

Ostarmenische Schriftsteller[Bearbeiten]

Sowjetarmenische Schriftsteller[Bearbeiten]
Gegenwartsschriftsteller[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]