Arneburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Arneburg
Arneburg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Arneburg hervorgehoben
52.6666666666671255Koordinaten: 52° 40′ N, 12° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Stendal
Verbandsgemeinde: Arneburg-Goldbeck
Höhe: 55 m ü. NHN
Fläche: 30,72 km²
Einwohner: 1561 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einwohner je km²
Postleitzahl: 39596
Vorwahl: 039321
Kfz-Kennzeichen: SDL, HV, OBG
Gemeindeschlüssel: 15 0 90 010
Adresse der Verbandsverwaltung: An der Zuckerfabrik 1
39596 Goldbeck
Webpräsenz: www.stadt-arneburg.de
Bürgermeister: Lothar Riedinger (CDU)
Lage der Stadt Arneburg im Landkreis Stendal
Aland Aland Altmärkische Höhe Altmärkische Wische Arneburg Bismark (Altmark) Bismark (Altmark) Eichstedt Goldbeck Hassel Havelberg Hohenberg-Krusemark Hohenberg-Krusemark Iden Kamern Klein Schwechten Klietz Osterburg Rochau Sandau (Elbe) Schollene Schönhausen (Elbe) Stendal Stendal Stendal Stendal Seehausen Seehausen Tangerhütte Tangermünde Werben (Elbe) Wust-Fischbeck Zehrental Sachsen-AnhaltKarte
Über dieses Bild
Arneburg aus nordwestlicher Richtung

Arneburg ist eine Stadt im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt (Deutschland) und Mitglied der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Die Stadt Arneburg liegt auf einer Hochfläche am Westufer der Elbe etwa zehn Kilometer nordöstlich von der Kreisstadt Stendal entfernt in der Altmark. Östlich schließen sich auf dem rechten Elbufer die Elbniederung, das etwas höher liegende Land Schollene und die Havelniederungen an.

Zu Arneburg gehören die Ortsteile Beelitz und Dalchau. Letzterer liegt etwa drei Kilometer nördlich der Stadt. Bei Dalchau steht der Überrest des Kernkraftwerks Stendal und der Industrie- und Gewerbepark Altmark.

Klima[Bearbeiten]

Der Jahresniederschlag beträgt 516 mm. Die Niederschläge sind extrem niedrig. Sie liegen im unteren Zwanzigstel der in Deutschland erfassten Werte. An 5 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 2,1-mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren kaum und sind sehr gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 9 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Geschichte[Bearbeiten]

Elbblick mit Kirche St. Georg

Arneburg gilt als eine der ältesten Städte der Altmark und wurde erstmals im Jahr 984 als civitatis („Stadt“) bezeichnet. Die gleichnamige Burg wurde bereits um 925 unter Heinrich I. als Grenzfeste gegen die Slawen errichtet und 978 als ottonische Reichsburg und wichtigste Befestigung der damaligen Nordmark erwähnt. Diese Burg war mehrmaliger Aufenthaltsort der Kaiser Otto III. und Heinrich II. (993, 997 und 1012).

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts erneuerte Markgraf Ludwig der Römer zu Brandenburg die Stadtrechte der Bürger von Arneburg.[2] Das älteste Gebäude der Stadt ist die um 1200 erbaute romanische Stadtkirche St. Georg. Sie ist eine der ältesten Kirchen in der Altmark.

Seit 1420 ist der Betrieb einer Fähre bei Arneburg nachgewiesen. Im 15. Jahrhundert wurde Arneburg Sitz der Hohenzollern in der Mark Brandenburg. 1499 starb der brandenburgische Kurfürst Johann Cicero auf der Burg von Arneburg. Am 5. Juli 1767 wurde die Stadt einschließlich Kirche durch ein Feuer weitgehend verwüstet. Friedrich II. spendete für den Wiederaufbau 26.000 Taler. Das Baumaterial für den Wiederaufbau wurde aus der inzwischen zur Ruine gewordenen Burg gewonnen. Daher sind heute nur noch Grundmauern der Burg vorhanden.

Die am 1. Juli 1973 nach Arneburg eingegliederte Gemeinde Beelitz wurde am 1. Januar 1991 wieder ausgemeindet, bevor Beelitz am 1. Juli 2009 erneut nach Arneburg eingemeindet wurde.[3][4]

Politik[Bearbeiten]

In Arneburg befindet sich eine Außenstelle der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, wobei jedoch Goldbeck der Hauptsitz ist.

Stadtrat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[5]
Wahlbeteiligung: 48,89 %
 %
50
40
30
20
10
0
44,38 %
29,99 %
25,63 %
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b Bürgerinitiative Gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg e. V.

Der Stadtrat setzt sich seit der letzten Kommunalwahl am 7. Juni 2009 folgendermaßen zusammen:[6]

  • CDU: 5 Sitze
  • BIA: 4 Sitze
  • LINKE: 3 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber über blauem Wasser eine rote schwarzgefugte Burgmauer mit gezinntem Torturm mit halbgeöffnetem goldenem Fallgatter und zwei Mauertürmen mit je einem Rundbogenfenster, grünbedacht und goldbeknauft, der rechte Turm mit Satteldach und der linke mit Spitzdach; über dem Torturm schwebend ein goldbewehrter roter Adler.“

Über Ursprung und Entstehungszeit des Wappens konnte nichts ermittelt werden. Burg und Adler sind vermutlich redende Symbole (Arneburg=Adlerburg) oder der Adler steht für die Mark Brandenburg, während das Wasser die geografische Lage Arneburgs an der Elbe versinnbildlicht. Die unterschiedlichen Türme im Wappen Arneburgs verweisen höchstwahrscheinlich auf ein ehemaliges Kloster und die Burg in Arneburg.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge wurde am 19. Oktober 2009 durch den Landkreis genehmigt.

Die Flagge ist Rot - Weiß (1:1) gestreift (Querformat : Streifen waagerecht verlaufend, Längsformat: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Stadtwappen belegt.[7]

Die Flaggenentwürfe stammen vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch aus Magdeburg.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Fähre Arneburg, eine Gierseilfähre, stellt die Verbindung zum Ostufer der Elbe her. Im Winterhafen entstand eine Steganlage mit Bootsservicezentrum.

Die Bahnstrecke Stendal–Niedergörne verbindet den Industriepark mit Stendal. Bis 1998 fand hier auch Personenverkehr statt. Ein Teil dieser Strecke folgt der ehemaligen Strecke Stendal–Arneburg der früheren Stendaler Kleinbahn. Diese wurde bis 1972 betrieben.

Es verkehren Linienbusse der Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen (RVW) unter dem Markennamen stendalbus.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Industriepark bei Dalchau

Kernkraftwerk[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kernkraftwerk Stendal

Fünf Kilometer nördlich der Stadt wurde auf dem Gelände der extra für dieses Projekt geschleiften ehemaligen Gemeinde Niedergörne das Kernkraftwerk Stendal errichtet. Block 1 wurde am 1. Dezember 1982 begonnen; Block 2 am 1. Dezember 1984. Die gravierenden Sicherheitsmängel der verwendeten sowjetischen Reaktoren waren schon vor dem Mauerfall bekannt (und seit der Katastrophe von Tschernobyl 1986 gefürchtet) gleichwohl wurde der Bau erst Anfang 1991 eingestellt.[8][9] Auf dem Werksgelände des ehemaligen Kraftwerks entstand der Industrie- und Gewerbepark Altmark.

Geplantes Kohlekraftwerk[Bearbeiten]

Auf dem Gelände des Kernkraftwerkes plante das Unternehmen RWE ab 2008 den Bau eines Steinkohlekraftwerkes (siehe auch Liste geplanter Kohlekraftwerke in Deutschland). Der 1600-MW-Doppelblock sollte mit Importkohle aus Australien, Kolumbien und Südafrika befeuert werden[10] und hätte geschätzt rund 9 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr emittiert;[11] die Baukosten wurden auf etwa 2,2 Milliarden Euro geschätzt, wovon rund 14 % als Investitionszuschüsse aus Steuermitteln stammen sollten. Im Kraftwerk sollten rund 100 Arbeitsplätze entstehen. Die Bürgerinitiative Gegen das Kohlekraftwerk Arneburg e. V. rief zum Widerstand gegen das Projekt auf.[12] Bei einem Baubeginn im Jahr 2011 war die Inbetriebnahme für 2015 geplant. 2009/10 war die tiefe Rezession Anlass dafür, mit solchen Investitionen zu zögern; ab März 2011 war es die nach dem Beginn der Nuklearkatastrophe von Fukushima von der Bundesregierung ausgerufene Energiewende.

Wegen niedriger Strompreise zu vielen Tageszeiten (der Ausbau von Windenergie und Photovoltaik schreitet voran; die so erzeugten Strommengen drücken den Preis an der Strombörse) haben mehrere große Energiekonzerne Investitionen in Steinkohlekraftwerke aufgegeben oder zurückgestellt. Das endgültige Aus für Arneburg gab RWE im April 2013 bekannt.[13]

Zellstoff Stendal[Bearbeiten]

Im Industrie- und Gewerbepark Altmark befindet sich eines der modernsten Zellstoffwerke Europas, das mehrheitlich zur Mercer Group gehört. Eingeweiht wurde das Werk 2004 von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU). Es wurde etwa eine Milliarde Euro investiert. Dieses Werk ist auf die Herstellung von 600.000 Tonnen Zellstoff pro Jahr ausgelegt. Als Rohstoff werden dafür etwa zwei Millionen Festmeter Rundholz pro Jahr benötigt. Knapp 600 Mitarbeiter werden am Standort beschäftigt. Die organischen Abfälle, vor allem Baumrinde, werden in einer Biomasseverbrennung zur Energieerzeugung genutzt. Das Werkskraftwerk liefert 90 Megawatt, wovon 35 Megawatt in das öffentliche Stromnetz abgegeben werden.

Papierfabrik[Bearbeiten]

Im Herbst 2006 startete die Produktion bei der Delipapier GmbH, einer Tochtergesellschaft des italienischen Papierkonzerns Sofidel. Dieses Werk entstand auf einem 300.000 m² großen bis dahin unbebauten Gelände südlich des Bahnhofes und erhielt einen Bahnanschluss zur im Gewerbepark liegenden Zellstofffabrik. Investiert wurden etwa 200 Millionen Euro. Es entstanden 220 Arbeitsplätze. Rund 60.000 Tonnen Hygienepapiere verlassen jährlich dieses Werk.

Biomethananlage[Bearbeiten]

Im Industrie- und Gewerbepark Altmark wurde 2012 mit dem Bau einer Biomethanraffinerie begonnen, die seit Mai 2013 stündlich rund 700 m³ aufbereitetes Biomethan mit einem Methananteil von 99 % ins Gasnetz einspeist.[14]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Fischerbrunnen
  • Stadtkirche St. Georg
  • Fischerbrunnen
    An die einst sehr bedeutende Elbfischerei erinnert der Fischerbrunnen. Weitere Plastiken zeitgenössischer Künstler finden sich im Stadtgebiet.
  • Geschichtsdenkmal
    An der Werner-Seelenbinder-Sekundarschule erinnert seit 1972 ein Gedenkstein an den kommunistischen Sportler und NS-Widerstandskämpfer Werner Seelenbinder, der 1944 in Brandenburg-Görden ermordet wurde.
  • Burgberg mit Blick auf Elbe und Umland
    Der Burgberg liegt 35 Meter über der Elbe.
Blick vom Burgberg

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arneburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2013 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 53-55; siehe auch S. 966.
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 2. Liste
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 345.
  5. http://www.stala.sachsen-anhalt.de/wahlen/gw09/erg/gem/gw.15090010.ergtab.frametab.html
  6. http://www.stadt-arneburg.de/politik/mitglieder.php?gremium=2636
  7. Amtsblatt des Landkreis Nr. 24/2009 Seite 329 (PDF-Datei; 3,57 MB)
  8. spiegel 17. September 1990: Völlig durchstrahlt. - Bonn muß die DDR-Kernkraftwerke abreißen lassen - ein überaus teures Unterfangen.
  9. Spiegel-Artikel
  10. Technische Daten. Webseite der Bürgerinitiative "Gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg e.V.". Abgerufen am 15. Oktober 2015.
  11. Erfolg: Kohlekraftwerk Arneburg verhindert. Meldung von Greenpeace, 10. April 2013. Abgerufen am 8. Oktober 2014.
  12. Website der Bürgerinitiative
  13. volksstimme.de 10. April 2013: Kraftwerk in Arneburg geht die Luft aus
  14. Beschreibung bei pressebox.de, abgerufen am 25. Juni 2013