Arno Klönne

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Arno Klönne im Jahre 2008

Arno Klönne (* 4. Mai 1931 in Bochum) ist ein deutscher Soziologe und Politikwissenschaftler.

Leben und Wirkungsfelder[Bearbeiten]

Wissenschaftliche Laufbahn[Bearbeiten]

Klönne, der aus einer Lehrerfamilie stammt, studierte ab 1951 in Marburg und Köln Geschichte, Soziologie und Politik. In Marburg schrieb er seine Doktorarbeit über die Hitlerjugend bei Wolfgang Abendroth. Nach dem Studium arbeitete er fünf Jahre als Landesjugendpfleger in Wiesbaden, bevor er wieder in den Hochschuldienst wechselte. Nach wissenschaftlichen Anstellungen bei der Sozialforschungsstelle an der Universität Münster in Dortmund, in Göttingen und Bielefeld wurde er 1978 auf eine Professur an der Universität Paderborn berufen.

Seine jugendsoziologische Studie Jugend im Dritten Reich gilt als Standardwerk zur Geschichte der Hitlerjugend und ihrer Gegner. Darüber hinaus veröffentlichte Klönne unter anderem zu den Themenfeldern Faschismus und Rechtsextremismus, zur Geschichte der Arbeiterbewegung und zur internationalen Politik.

1995 wurde Klönne emeritiert.

Politik[Bearbeiten]

1961 gründete Klönne gemeinsam mit Gerd Semmer, Dieter Süverkrüp und Frank Werkmeister das Schallplattenlabel pläne. Bereits seit 1957 war er an der Herausgabe einer gleichnamigen Zeitschrift beteiligt. Mit dem Schallplattenlabel entstand auch ein Verlag gleichen Namens. In den 1960er Jahren war er einer der Sprecher der Ostermarschbewegung. Er war Mitarbeiter der Zeitschrift song und ist Mitherausgeber der Zeitschrift Ossietzky, Gesellschafter des Verlags Ossietzky und Mitglied des Vereins „ikoplan – Institut für Kommunikation, Organisation und Planung“.[1]

1960 verließ Klönne vorübergehend auf Grund der positiven Position Herbert Wehners zur NATO die SPD. In den 1970ern wurde er für zwei Jahre von allen Parteifunktionen ausgeschlossen. Anlass war seine Schrift Machte Wehner die SPD kaputt? aus dem Jahr 1975.

Nach seinem Austritt aus der SPD gründete Klönne 2004 die Demokratische Initiative Paderborn, die im selben Jahr bei den Kommunalwahlen antrat.[2]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Fahrt ohne Ende: Geschichte einer Jungenschaft. Alsatia, Colmar 1951
  • Hitlerjugend: Die Jugend und ihre Organisation im Dritten Reich. Norddeutsche Verlags-Anstalt, Hannover 1955
  • Gegen den Strom: Bericht über den Jugendwiderstand im Dritten Reich. Norddeutsche Verlags-Anstalt, Hannover 1958
  • Sozialkunde der Bundesrepublik Deutschland (mit Dieter Claessens und Armin Tschoepe). Diedrichs-Verlag, Düsseldorf 1965 (zahlreiche Auflagen)
  • Der bürgerliche Staat der Gegenwart. Rowohlt, Reinbek 1972
  • Machte Wehner die SPD kaputt? Eine Dokumentation über den Identitätsverlust der bundesdeutschen Sozialdemokratie. Verlag Politisches Archiv, Landshut 1975
  • Gesellschaft und Politik in der Bundesrepublik: eine Sozialkunde (mit Hermann Giesecke und Dieter Otten). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1976
  • Die deutsche Arbeiterbewegung: Geschichte, Ziele, Wirkungen. Diedrichs, Düsseldorf 1980
  • Jugend im Dritten Reich: die Hitler-Jugend und ihre Gegner; Dokumente und Analysen. Diedrichs, Düsseldorf 1982 (spätere Auflagen bei anderen Verlagen)
  • Zurück zur Nation? Kontroversen zu deutschen Fragen. Diedrichs, Düsseldorf 1984
  • Die deutsche Gewerkschaftsbewegung: von den Anfängen bis zur Gegenwart (mit Hartmut Reese). VSA-Verlag, Hamburg 1984 (spätere Auflagen unter dem Titel Kurze Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung)
  • „Aber die Schleichenden, die mag Gott nicht“: der Dichter und Volkserzieher Leo Weismantel; Festschrift zum 100. Geburtstag. Leo-Weismantel-Gesellschaft, Frankfurt am Main 1988
  • Hand in Hand: Bauarbeit und Gewerkschaften; eine Sozialgeschichte (mit Olaf Bartels). Bund-Verlag, Köln 1988
  • Rechts-Nachfolge: Risiken des deutschen Wesens nach 1945. Papyrossa, Köln 1990
  • Institutionen regionaler Technikförderung: eine Analyse in Ostwestfalen-Lippe und im östlichen Ruhrgebiet (mit Winfried Borowczak und Helmut Voelzkow). Westdeutscher Verlag, Opladen 1991
  • Jugendliche Opposition im „Dritten Reich“. Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Erfurt 1996. Zweite Auflage: ebd. 2013; (PDF)
  • Kein Spuk von gestern oder: Rechtsextremismus und „konservative Revolution“. Lit, Münster 1997
  • Der lange Abschied vom Sozialismus: eine Jahrhundertbilanz der SPD. VSA-Verlag, Hamburg 1999
  • Globale Spiele: Imperialismus heute – das letzte Stadium des Kapitalismus? (mit Werner Biermann). Papyrossa, Köln 2001
  • Ein Kreuzzug für die Zivilisation? Internationaler Terrorismus, Afghanistan und die Kriege der Zukunft (mit Werner Biermann). Papyrossa, Köln 2002
  • The big stick: Imperiale Strategie und globaler Militarismus; die USA als Megamacht? (mit Werner Biermann). Papyrossa, Köln 2003
  • Fluchtpunkte: das soziale Gedächtnis der Arbeiterbewegung. VSA-Verlag, Hamburg 2003
  • Kapital-Verbrechen: zur Kriminalgeschichte des Kapitalismus (mit Werner Biermann). Papyrossa, Köln 2005
  • Es geht anders! Alternativen zur Sozialdemontage. Papyrossa, Köln 2005
  • Objekt der Gier: der Iran, der Nahe und Mittlere Osten und Zentralasien (mit Werner Biermann). Papyrossa, Köln 2006
  • Agenda Bertelsmann: ein Konzern stiftet Politik (mit Werner Biermann). Papyrossa, Köln 2007

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Ulrich Hein, Hartmut Reese (Hrsg.): Kultur und Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Eine Festschrift zum 65. Geburtstag von Arno Klönne. Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 1996, ISBN 3-631-30246-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arno Klönne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vereinsregister Paderborn VR 1501
  2.  Jörg Diehl, Barbara Schmid: Bunter Haufen. In: Der Spiegel. Nr. 28, 2004, S. 34 (online).