Arno Tausch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Arno Tausch (2007)

Arno Tausch (* 11. Februar 1951 in Salzburg, Österreich) ist ein österreichischer Politologe und einer der Gründer der quantitativen Weltsystems- und Entwicklungsforschung in Europa. Sein Forschungsprogramm ist auf die Weltsystemtheorie, die Dependenztheorie, sowie die Globalisierungskritik ausgerichtet.

Leben[Bearbeiten]

Tausch promovierte in Politikwissenschaft an der Universität Salzburg im Jahr 1976 und erhielt seine Habilitation von der Universität Innsbruck. Seine Habilitations-Kommission wurde von Anton Pelinka geleitet, externe Gutachter waren u.a. Ulrich Albrecht und Winfried Röhrich. Externe Stellungnahmen wurden u.a. auch von Karl Wolfgang Deutsch von der Harvard University vorgelegt.[1]

Nach seinem Studium an der Universität Salzburg erhielt er im Herbst 1977 eine Stelle als Assistenz-Professor für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck. Er war von 1992 bis 1999 österreichischer Diplomat im Ausland und hatte den Rang eines Arbeits- und Wanderungsattachés, später wurde er Botschaftsrat für Arbeit und Migration. Ebenfalls war er Visiting Associate Professor am Department of Political Science, University of Hawaii at Manoa und Gastwissenschaftler am International Institute for Comparative Social Research, Science Center, West-Berlin (heute: WZB – Wissenschaftszentrum Berlin).

Zurzeit ist er Universitätsdozent für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck, sowie Gastprofessor der Wirtschaftswissenschaften an der Corvinus-Universität in Budapest sowie regelmäßiger Lehrbeauftragter am Institut für Internationale Entwicklung an der Universität Wien.

Arno Tausch ist seit 1978 verheiratet und hat drei erwachsene Töchter.

Wissenschaftliche Arbeit[Bearbeiten]

Tausch befasst sich in seinen Untersuchungen mit empirischen Analysen über Globalisierung, Dependenztheorie und der Weltsystemtheorie, der sozialen Entwicklung in Europa, vor allem in Osteuropa und in der muslimischen Welt. Seine Forschung begann mit einem Umdenken in der Dependenztheorie durch quantitative Daten und statistische Analysen und Arbeiten über die Armut in den führenden Industrieländern. Die empirische Analyse der Abhängigkeit, Einkommensungleichheit und sozialen Entwicklung in vielen Ländern der Erde war das Thema seiner Dissertation "Die Grenzen der Wachstums-Theorie" an der Universität Salzburg.[2]

Seine Habilitationsschrift an der Universität Innsbruck basiert auf multiplen Regressions-Modellen der globalen Entwicklung mit Hilfe von Daten der Weltbank und Volker Bornschiers von der Universität Zürich, ebenso des World Handbook of Political and Social Indicators III von Charles Lewis Taylor und David Jodice. Er testete die Relevanz der sozio-liberalen Ansätze zur Entwicklung der Welt, die bereits in den Schriften der klassischen sozialdemokratischen Entwicklungstheorien in Europa in den 1930er Jahren inhärent waren.[3] Diesen Ansatz vervollständigte Tausch später in Towards a Socio-Liberal Theory of World Development (1993).[4] 1998 wurde dieses Buch (veröffentlicht bei Macmillan und St Martin's Press, 1992) von der US-Vereinigung der Hochschul- und Forschungs-Bibliotheken (ACRL) als eines der "Outstanding Academic Books" in der Periode 1993–1998 ausgezeichnet. [5]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

Mit Stand Februar 2014 publizierte er 16 Bücher in Englisch, zwei in Französisch und acht in Deutsch, sowie über 220 Artikel in Print- und elektronischen Medien, sowie einige Artikel in Tageszeitungen.

  • Armut und Radikalität? Soziologische Perspektiven zur Integration der Muslime in Europa. Europäischer Hochschulverlag 2013. ISBN 3-94148276-9
  • Dar Al Islam, The Mediterranean, the World System and the Wider Europe. Nova Science Publishers. 2005.
  • Jenseits der Weltgesellschaftstheorien. 2. bearb. Aufl. 1991. ISBN 3-92677726-5
  • What 1.3 Billion Muslims Really Think. Nova Science Publishers 2009.
  • Russlands Tretmühle. Kapitalistisches Weltsystem, lange Zyklen und die neue Instabilität im Osten. Kindle Lese-App. ISBN 3-92677729-X
  • Produktivkraft soziale Gerechtigkeit?. Europa und die Lektionen des "pazifischen Modells". Kindle Lese-App. ISBN 3-92677730-3

Er ist Redaktionsmitglied mehrerer internationaler Wissenschaftszeitungen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Externe Stellungnahmen zur Habilitation, zuletzt abgerufen am 13. Februar 2014.
  2. Arno Tausch: Die Grenzen der Wachstumstheorie. Wiener Institut für Entwicklung, 1976.
  3. Besprechungen u.a. durch Michael Nollert in Schweizerische Zeitschrift für Soziologie, 1988, 14, 2: S. 354-359; durch Hans-Heinrich Nolte in Das Argument, 1989, 173, S. 134–136; durch Kunibert Raffer in: Vierteljahresberichte. Probleme der Internationalen Zusammenarbeit der (Friedrich-Ebert-Stiftung), 117, September 1989, S. 311–313 sowie Wirtschaft und Gesellschaft, 1988, 14, 4, S. 567–570.
  4. Political Studies, 1995, 43, 4, S. 730–731 (zitiert nach dem book review of Towards a Socio-Liberal Theory of World Development, 1993)
  5. 1998. ACRL Choices outstanding academic books, 1992–1997, Rebecca Ann Bartlett.

Weblinks[Bearbeiten]