Arnold Schölzel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Arnold Schölzel

Arnold Angelus Schölzel (* 21. Oktober 1947 in Bremen) ist Chefredakteur der Berliner Tageszeitung junge Welt. Bis 1989 war er Inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit.[1][2][3]

Biographie[Bearbeiten]

Schölzel verbrachte seine Kindheit und Jugend in Bremen. Mit 16 Jahren trat er in die SPD ein, im November 1966 machte er sein Abitur. Am 13. August 1967 desertierte er aus der Bundeswehr in die DDR. Dort war er bis 1970 Hilfsarbeiter in Leipzig und wiederholte 1970 sein Abitur an der Volkshochschule, da in der DDR das bundesdeutsche Abitur nicht anerkannt wurde. Es folgte ein Philosophiestudium an der Humboldt-Universität zu Berlin, das er 1974 als Diplom-Philosoph abschloss. 1982 promovierte er ebenfalls in Berlin zum Thema „Karl Korschs undogmatischer Marxismus‘ - ein Beitrag zur Untersuchung der Entwicklungsgeschichte des philosophischen Revisionismus". Bis 1994 arbeitete er an dieser Universität als wissenschaftlicher Assistent bzw. Oberassistent am Bereich Geschichte der Philosophie in der Sektion marxistisch-leninistische Philosophie. Sein Arbeitsgebiet umfasste die Geschichte der Philosophie im 19. und 20. Jahrhundert. Er verfasste Bücher und Beiträge in wissenschaftlichen Zeitschriften sowie populärwissenschaftliche Beiträge für Rundfunk und Tageszeitungen.

1997 wurde Schölzel Feuilletonredakteur der Berliner Tageszeitung junge Welt. Im Februar 2000 übernahm er als Nachfolger von Holger Becker deren Chefredaktion.[4]

Arnold Schölzel lebt in Berlin und ist zum zweiten Mal verheiratet. Er hat vier Kinder und vier Enkel.

Gerichtsverfahren[Bearbeiten]

Schölzel war wegen „Verstoß gegen das Presserecht“ angeklagt, da er in Vorbereitung der Rosa-Luxemburg-Konferenz im Januar 2011 in der jungen welt einen Text von Inge Viett veröffentlicht hatte. Darin hatte die Autorin es als „legitim“ bezeichnet, dass, wenn Deutschland Krieg führe, „als Antikriegsaktion Bundeswehrausrüstung abgefackelt wird“. Am 17. April 2013 verwarf das Landgericht Berlin den Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft und bestätigte damit den Freispruch Schölzels aus erster Instanz.[5][6]

Mitarbeiter der Staatssicherheit[Bearbeiten]

Nachdem Schölzel in die DDR gewechselt war, verpflichtete er sich unter dem Decknamen „André Holzer“ als inoffizieller Mitarbeiter (IM) für das Ministerium für Staatssicherheit. Als IM „André Holzer“ war er auf eine studentische Oppositionsgruppe an der Humboldt-Universität angesetzt, der er zum Schein selbst angehörte. Zeitweise gab er täglich detaillierte Informationen an das Ministerium für Staatssicherheit weiter. Der Studentengruppe gehörten unter anderen der Bürgerrechtler Wolfgang Templin, der heutige Chefredakteur der Zeitschrift Sinn und Form, Sebastian Kleinschmidt, und der „BasisDruck“-Verleger Klaus Wolfram an. 1991 wurde Schölzel wegen seiner - bis 1989 andauernden - IM-Tätigkeit vom Lehrbetrieb suspendiert und 1994 schließlich entlassen. Schölzels IM-Tätigkeit für die Staatssicherheit ist Gegenstand des Dokumentationsfilms „Verraten – sechs Freunde und ein Spitzel“, der 2007 in der ARD gezeigt wurde. Schölzel gibt in dem Film zu, IM gewesen zu sein. Auf die Frage der Filmemacherin Inga Wolfram, der früheren Ehefrau Klaus Wolframs, warum er seine Freunde verraten habe, antwortet er: „Hm. Na ja. Ihr habt 17 Millionen verraten.“[7]

Stefan Wolle vom Forschungsverbund SED-Staat beschreibt Schölzel als einen Informanten "aus wirklicher Begeisterung, der mit größter Perfidie die Menschen, mit denen er befreundet war, permanent hinterging".[8]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Zur Geschichte des Instituts für Philosophie und der Sektion Marxistisch-Leninistische Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin 1989
  • Hrsg. Das Schweigekartell. Fragen & Widersprüche zum 11. September, Berlin 2003

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,493872,00.html
  2. http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0711/media/0041/index.html
  3. http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Medien-Stasi-Spitzel-Fernsehkritik;art290,2337014
  4. Redaktion der Zeitung junge Welt
  5. Schlappe für den Staatsanwalt junge welt vom 18. April 2013
  6. Freispruch für Schölzel taz vom 18. April 2013
  7. http://www.taz.de/!1739/
  8. http://www.welt.de/politik/article787242/Die_schoene_junge_Welt_der_Stasiveteranen.html

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Stöver: Zuflucht DDR. Spione und andere Übersiedler. München, Beck, 2009, S. 211-238.