Arnolt Schlick

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Titelbild des Spiegel der Orgelmacher und Organisten (1511)

Arnolt Schlick (auch Arnold; * vor 1460 vermutlich in Heidelberg; † nach 1521 vermutlich in Heidelberg) war ein Organist, Komponist und Orgelsachverständiger. Er schrieb die erste Abhandlung über Bau, Stimmung und Spiel von Orgeln. Schlick war blind, jedoch vermutlich nicht von Geburt an.

Leben[Bearbeiten]

Das erste Zeugnis von Schlicks Leben ist eine Heiratsurkunde, abgefasst vermutlich 1482. Im Jahr 1486 spielte er bei der Kaiserkrönung Maximilians I. in Frankfurt, war häufig auf verschiedenen Höfen Europas anzutreffen und möglicherweise auch bei der Kaiserkrönung Karls I. 1520 als Organist beteiligt, wobei seine Schilderung des Ereignisses Unklarheiten offenlässt. Seit mindestens 1509 war er als Organist auf Lebenszeit am kurpfälzischen Hof in Heidelberg angestellt. Als Beleg für die Bedeutung seiner organistischen Tätigkeit mag die Aussage seines Sohnes Arnolt Schlick d. J. dienen, er habe „vil iar vor keysern vnnd königen churfürsten fürsten geistlichen vnd weltlichen auch andern herren“ gespielt (Vorrede der Tabulaturen).

Schlick war ein gefragter Orgelsachverständiger und nahm unter anderem die Orgeln im Speyerer Dom, im Straßburger Münster und in der Stiftskirche Neustadt an der Weinstraße (1516)[1] ab.

Zu Schlicks Bekanntenkreis gehörten Paul Hofhaimer und Sebastian Virdung.

1521 sandte Schlick noch eigene Kompositionen an Bernhard von Cles, Fürstbischof von Trient (später Kardinal), danach weiß man nichts mehr über ihn.

Leistungen[Bearbeiten]

Schlick veröffentlichte 1511 den Spiegel der Orgelmacher und Organisten. In diesem Werk behandelt er auf 59 Seiten Aspekte des Orgelbaus (z. B. Mensur, Pfeifenmaterial, Bälge, Windladen, Aufstellungsort) und Zeitpunkt und Art der Stimmung von Orgeln, wobei er dabei nicht die damals übliche mitteltönige Stimmung beschreibt, sondern eine praxisorientierte ungleichschwebende Stimmung vorschlägt, ähnlich den Stimmungen Andreas Werckmeisters 170 Jahre später. Ein Exemplar des lange verschollenen Büchleins wurde erst um 1860 wiederaufgefunden, ein zweites 1952.

Die erhaltenen Kompositionen Schlicks zeigen musikalische und formale Originalität, so finden sich darin ein zehnstimmiges Orgelstück und Kanons mit gleichzeitig einsetzenden kontrapunktierenden Stimmen.

Werke[Bearbeiten]

  • Spiegel der Orgelmacher und Organisten, allen Stiften und Kirchen, so Orgeln halten oder machen lassen, hochnützlich, Speyer 1511; Faksimile mit Übertragung in modernes Deutsch herausgegeben von Paul Smets, Mainz 1959; Textgetreuer Abdruck (mit facsimil. Titelblatt) von W. Bethge junior: Arnolt Schlick's Spiegel der Orgelmacher und Organisten 1511, in: Monatshefte für Musik-Geschichte, 1869, S. 77–114 Bayerische Staatsbibliothek digital
  • Tabulaturen etlicher lobgesang vnd lidlein vff die orgeln vn lauten, Mainz 1512
  • 8 Verse über Gaude dei genitrix, 1 Bicinium Ascendo ad patrem meum und ein zehnstimmiges Ascendo ad patrem meum, Trient, Archivio di Stato, Sezione tedesca Nr. 105; Moderne Ausgabe in Hommage à l'Empereur Charles-Quint, herausgegeben von M.S. Kastner, Barcelona 1954

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Douglas E. Bush und Richard Kassel: The Organ: An Encyclopedia, Taylor & Francis Group, New York, 2006, ISBN 9780415941747, Seite 495; Scan aus der Quelle