Arnsdorf

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Arnsdorf (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Arnsdorf
Arnsdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Arnsdorf hervorgehoben
51.09333333333313.988888888889290Koordinaten: 51° 6′ N, 13° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Höhe: 290 m ü. NHN
Fläche: 35,8 km²
Einwohner: 4769 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 133 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01477
Vorwahl: 035200
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 010
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstraße 17
01477 Arnsdorf
Webpräsenz: www.gemeinde-arnsdorf.de
Bürgermeisterin: Martina Angermann (SPD/Bürgerforum e.V.)
Lage der Gemeinde Arnsdorf im Landkreis Bautzen
Tschechien Dresden Landkreis Görlitz Landkreis Meißen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Arnsdorf Bautzen Bernsdorf Bischofswerda Bretnig-Hauswalde Burkau Crostwitz Cunewalde Demitz-Thumitz Doberschau-Gaußig Elsterheide Elstra Frankenthal (Sachsen) Göda Großdubrau Großharthau Großnaundorf Großpostwitz Großröhrsdorf Malschwitz Haselbachtal Hochkirch Hoyerswerda Kamenz Königsbrück Königswartha Kubschütz Laußnitz Lauta Lichtenberg (Lausitz) Lohsa Malschwitz Nebelschütz Neschwitz Neukirch (bei Königsbrück) Neukirch/Lausitz Obergurig Ohorn Oßling Ottendorf-Okrilla Panschwitz-Kuckau Pulsnitz Puschwitz Radeberg Radibor Räckelwitz Ralbitz-Rosenthal Rammenau Schirgiswalde-Kirschau Schmölln-Putzkau Schönteichen Schwepnitz Sohland an der Spree Spreetal Steina (Sachsen) Steinigtwolmsdorf Wachau (Sachsen) Weißenberg Wilthen Wittichenau Brandenburg PolenKarte
Über dieses Bild
Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 50,4 % (+0,4)
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Gewinne und Verluste
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Arnsdorf ist ein Ort und Verwaltungssitz der gleichnamigen Gemeinde im Landkreis Bautzen. Der Ort liegt nahe der Stadt Radeberg und etwa 15 Kilometer von der sächsischen Landeshauptstadt Dresden entfernt.

Geographie[Bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind die Städte Großröhrsdorf und Radeberg sowie die Gemeinde Großharthau im Landkreis Bautzen, Dürrröhrsdorf-Dittersbach und die Stadt Stolpen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie die kreisfreie Stadt Dresden.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Blick auf die Gemeindeverwaltung

Die Gemeinde gliedert sich in die vier Gemeindeteile:

  • Arnsdorf; 7,80 km²; 2780 Einwohner
  • Fischbach; 10,57 km²; 1020 Ew.
  • Kleinwolmsdorf; 11,11 km²; 478 Ew.
  • Wallroda; 6,31 km²; 451 Ew. (Stand: 31. Dezember 2009)

Die ehemals eigenständigen Gemeinden Fischbach und Wallroda wurden im Zuge der Gebietsreform am 1. Januar 1999 in die Gemeinde Arnsdorf eingegliedert.[2]

Kleinwolmsdorf war bereits am 1. April 1974 nach Arnsdorf eingemeindet worden.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Verwaltungsgebäude des Sächsischen Krankenhauses Arnsdorf

Im 12. Jahrhundert gründeten Siedler aus dem fränkischen-thüringischen Raum das Waldhufendorf Arnsdorf. Zwischen dem Tanneberg und den sumpfigen Niederungen der Schwarzen Röder wurde die Besiedlungsfläche zu beiden Seiten des Dorfbaches aufgeteilt. Den Mittelpunkt der Ansiedlung bildeten das Erbgericht, die Kirche und später noch die Schule. Mit dem Anlegen von Steuerlisten durch den meißnischen Markgraf Friedrich III., dem Strengen (1332 bis 1381), wird „Arnoldistorf“ (Arnsdorf), genauso wie viele umliegende Orte, zum ersten Mal 1349/51 urkundlich erwähnt.[4]

1551 hatte das Dorf 26 besessene Mann und 43 Inwohner.[4] Die Dörfler lebten vorwiegend von der Landwirtschaft und der Fischzucht, 1813 waren noch 46 Teiche vorhanden. Nach 1815 wurde Torf im Karswald abgebaut.

Mit Radeberg und Stolpen war Arnsdorf durch die „Alte Salz- bzw. Böhmische Glasstraße“ verbunden. Nur langsam stieg die Zahl der Einwohner. 1633 betrug sie etwa 300 Personen. Kriege, in deren Folge oft Hungersnot und Krankheiten auftraten, brachten immer wieder Rückschläge. So brannten 1631 die Kirche, das Erbgericht und eine Reihe Anwesen des Mitteldorfes ab. In den folgenden Jahren wütete die Pest. 1834 hatte Arnsdorf 512 Einwohner.

Am 21. Dezember 1845 wurde die Eisenbahnstrecke DresdenBischofswerda der Sächsisch-Schlesischen Eisenbahn eingeweiht. Die Züge hielten am Haltepunkt Fischbach. Noch heute erinnert der Flurname „Alter Bahnhof“ daran. Am 15. Oktober 1875 wurde der Arnsdorfer Bahnhof eröffnet. Als Eisenbahnknotenpunkt der Linien Görlitz–Dresden und Kamenz–Pirna bekam der Ort eine günstige Verkehrslage. Betriebe der Holz-, Metall- und Glasbranche siedelten sich an. Die Wandlung vom reinen Bauerndorf zum Industrie- und Wohnort begann.

Die Bebauung des Geländes um den Bahnhof und die Einrichtung der Glashüttensiedlung ließ die Zahl der Einwohner bis 1910 auf 1.773 ansteigen.

Anstalt[Bearbeiten]

Den Höhepunkt der Entwicklung bildete die Eröffnung der Königlich-Sächsischen Heil- und Pflegeanstalt Arnsdorf am 1. April 1912, die heute als Sächsisches Krankenhaus Arnsdorf eine der größten Sachsens ist und für einen überdurchschnittlichen Bekanntheitsgrad Arnsdorfs in Ostsachsen sorgt. In der Zeit des Nationalsozialismus waren Arnsdorfer Psychiater und Pflegepersonal an der sogenannten „Euthanasie“ beteiligt. Die Anstalt diente in der Aktion T4 als Zwischenanstalt für die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein, wobei über 2600 Patienten aus und über Arnsdorf nach Pirna verlegt und ermordet wurden.

Zwischen den beiden Weltkriegen wurden die heutige Karswaldsiedlung, die Dr.-Kurt-Fischer-Siedlung, Randsiedlung und die Häuser um den Markt erbaut.

Die Einrichtung war ein Thema des Dokumentarfilms Die Hölle von Ueckermünde – Psychiatrie im Osten von Ernst Klee aus dem Jahr 1993, der die mangelhaften Zustände in verschiedenen psychiatrischen Kliniken kurz nach der Deutschen Wiedervereinigung schildert.

Des Weiteren wurde in der MDR-Reihe Der Osten – entdecke wo du lebst 2014 ein Dokumentarfilm über die Klinik produziert.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl:

Jahr Einwohner
1998 5220
1999 5148
2000 5052
2001 4971
Jahr Einwohner
2002 4948
2003 4953
2004 4940
2007 4844
Jahr Einwohner
2009 4707
2011 4649
2013 4769
Die im Jugendstil erbaute Anstaltskirche des Sächsischen Krankenhauses Arnsdorf


Gedenkstätten[Bearbeiten]

Auf dem Friedhof des Ortsteils Fischbach befindet sich das Gemeinschaftsgrab mit Gedenkstein zur Erinnerung an zwei unbekannte polnische und drei deutsche KZ-Häftlinge, die im April 1945 bei einem Todesmarsch des Groß-Rosener Außenlagers Niesky von SS-Männern ermordet wurden.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Arnsdorf verfügt über eine Grundschule. Des Weiteren ist die „Regenbogenschule“, eine Klinikschule, im Ort ansässig.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die wichtigste Straßenverbindung ist die Staatsstraße 159 nach Radeberg bzw. in östliche Richtung über Fischbach an die Bundesstraße 6. Des Weiteren hat Arnsdorf einen Bahnhof an der Bahnstrecke Dresden-Bautzen-Löbau-Görlitz und an der Bahnstrecke Kamenz–Pirna. Er wird von der Deutschen Bahn und der Städtebahn Sachsen bedient.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Personen, die in Arnsdorf gewirkt haben[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Erwähnenswert ist das idyllisch gelegene Karswaldbad. Außerdem gibt es in Arnsdorf einen Karnevalsclub.

Interessant sind die Dorfkirche mit dem eingemauerten Sühnekreuz in der Friedhofsmauer, die rekonstruierte Krankenhauskirche (Jugendstil) und verschiedene bäuerliche Anwesen.

Unter Naturschutz stehen einige alte Bäume sowie der Krankenhauspark.

In Arnsdorf befinden sich drei Zwölfeckhäuser, ein Beispiel für experimentelle Architektur der 1970er Jahre in der DDR.

Eine komplette Aufstellung der Kultur- und Baudenkmale ist auf der Liste der Kulturdenkmale in Arnsdorf zu finden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dresdner Heide, Pillnitz, Radeberger Land (= Werte unserer Heimat. Band 27). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1976, S. 128–131.
  • Boris Böhm: 100 Jahre Psychiatrisches Krankenhaus Arnsdorf. in: Ärzteblatt Sachsen 8/2012, S. 345-347 (Digitalisat; PDF; 139 kB)
  • Thomas Metan, Boris Böhm: 100 Jahre Krankenhaus Arnsdorf. Von der Königlich Sächsischen Pflegeanstalt zum Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie. Hotex-Verlag, 2012, ISBN 978-3-00-036531-7.
  • Cornelius Gurlitt: Arnsdorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 31. Heft: Amtshauptmannschaft Bautzen (I. Teil). C. C. Meinhold, Dresden 1908, S. 1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gebietsänderungen ab 1. Januar 1999 bis 31. Dezember 1999. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, S. 10, abgerufen am 2. Januar 2013 (PDF; 21 kB).
  3. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  4. a b Arnsdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  5. Irre normal – Psychiatrie in Arnsdorf. Ein Film von Anne Mehler.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arnsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien