Arnswalder Platz

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Arnswalder Platz
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Arnswalder Platz
Arnswalder Platz im Herbst 2007
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Prenzlauer Berg
Angelegt Beginn des 20. Jahrhunderts,
Name zwischen 1937 und 1947 Hellmannplatz,
von 1974 bis 1995 namenlos
Neugestaltet (renoviert) 2009
Einmündende Straßen Bötzowstraße,
Pasteurstraße,
Hans-Otto-Straße,
Danziger Straße
Bauwerke Stierbrunnen
Nutzung
Nutzergruppen Straßenverkehr (Rand), Fußgänger
Platzgestaltung Hermann Mächtig
Technische Daten
Platzfläche 1,5 Hektar

52.53305555555613.437222222222Koordinaten: 52° 31′ 59″ N, 13° 26′ 14″ O

Karte: Berlin
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Arnswalder Platz
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Berlin

Der Arnswalder Platz ist eine denkmalgeschützte, rechteckige Parkanlage im Berliner Bezirk Pankow, Ortsteil Prenzlauer Berg, im Bötzowviertel. Er beherbergt den Brunnen der Fruchtbarkeit (besser bekannt als Stierbrunnen), Spielplätze und ein kleines Areal mit altem Baumbestand.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Platz wurde im Zuge der Bebauung des Bötzowviertels zwischen 1900 und 1904 angelegt; die Ausführung erfolgte nach Entwürfen des Landschaftsgärtners Hermann Mächtig. Seit dem Hobrecht-Plan 1862 hieß das Areal einfach Platz A; bei der ersten Bebauung rundherum erhielt er 1902 den Namen Arnswalder Platz nach der ehemaligen Kreisstadt Arnswalde (Provinz Pommern), heute: Choszczno. Es war eine Art Wegekreuz, mit Rasenflächen und Blumenbeeten dazwischen, auf dem nach und nach ein Buddelplatz angelegt, ein kleiner Springbrunnen und eine Rotunde als Pissoir aufgestellt wurden. Von den Nationalsozialisten wurde der Platz 1937 in Hellmannplatz umbenannt und hieß noch bis 1947 so,[1] danach wieder Arnswalder Platz. Zwischen 1974 und 1995 war das Areal auf Beschluss des Rates des Stadtbezirks ohne Namen, weil direkt auf dem Platz niemand wohnte, er somit keine postalische Bedeutung besaß. Erst im Februar 1995 erhielt er seinen früheren Namen Arnswalder Platz zurück; seit dem Ende des 20. Jahrhunderts steht er unter Denkmalschutz.

Fruchtbarkeitsbrunnen (Stierbrunnen)[Bearbeiten]

Arbeiten am Stierbrunnen am 11. Juni 2009

Hervorstechendstes Merkmal des Platzes ist das Stierbrunnen, Ochsenbrunnen oder Fruchtbarkeitsbrunnen genannte Ensemble aus rotem Rochlitzer Porphyrtuff. Diese Anlage war ein Auftragswerk der Regierung der Weimarer Republik an den Berliner Bildhauer Hugo Lederer. Die monumentale Brunnenplastik mit Fruchtbarkeitssymbolen war ursprünglich zur Aufstellung auf dem Baltenplatz in Berlin-Friedrichshain geplant. Die Steinmetzarbeiten erfolgten nach einem Modell aus dem Jahr 1931 direkt in dem Steinbruch bei Rochlitz. 1934 kamen die 300 Kubikmeter behauener Steine nach Berlin. Nun stellte sich jedoch heraus, dass die tonnenschweren Einzelteile für eine Aufstellung auf dem Baltenplatz nicht geeignet waren, da die unter dem Platz verlaufenden Ver- und Entsorgungsrohre aus Gusseisen dem enormen Gewicht der Anlage nicht gewachsen waren. Daraufhin wurde ein neuer Aufstellungsort gesucht, bei dem zunächst der Forckenbeckplatz nahe dem Zentralviehhof in Betracht gezogen wurde. Doch hier genügte der sumpfige Untergrund dem Kolossalwerk nicht. So wurde schließlich der auf einem eiszeitlichen Grundmoränenrücken liegende Arnswalder Platz ausgewählt, wo der Brunnen seit 1934 steht.[2] Die zwischenzeitlich an die Macht gekommenen Nationalsozialisten lehnten die Bauabnahme der Brunnenplastik ab, bis sie per Gerichtsentscheid zur Übernahme der Kosten gezwungen wurden.[3]

Stier mit Mutter und Kind, Zustand vor der Sanierung
Stier mit Fischer, Zustand vor der Sanierung

Auf einem früher über 14 (heute nur noch 9) Stufen erreichbaren Treppenpodest bildet eine Brunnenschale mit einem Durchmesser von 7,7 Meter und einem mittig platzierten, pilzförmigen Stein, über den das Wasser laufen konnte, das Zentrum der Anlage. Auf beiden Seiten schließt sich je ein 5 Meter hoher Stier an, der der Wasserschale den Rücken zukehrt. Zu Füßen der gewaltigen Tiere sitzen eine Schnitterin mit Ährenbündel und ein Fischer mit Netz (nordöstlich) sowie ein Schäfer mit Widder und eine Mutter mit Kind (nordwestlich).

Im Jahr 1959 wurde die Brunnenanlage renoviert und mit einer Unterwasserbeleuchtungsanlage versehen, die die Fontäne bei Dunkelheit illuminierte. Ab 1990 fehlte dem Bezirk das Geld für eine umfassende Sanierung, das Ensemble zerfiel und wurde bald mit einem Bauzaun geschützt. Jahrelang war der Brunnen von Graffiti verunziert. Die auf der Homepage des Bezirksamtes im Jahr 2004 angekündigte Rekonstruktion konnte erst im Oktober 2007 beginnen. Nachdem die Steinplastiken im Winter 2008 restauriert worden waren, erfolgte am 11. Juni 2009 ein erster Testlauf der Springbrunnenanlage. Am 12. Mai 2010 nahm der Pankower Bezirksbürgermeister Matthias Köhne den Brunnen feierlich in Betrieb.[3]

Spielplatz[Bearbeiten]

Ein künstlerisch gestalteter Kinderspielplatz wurde mit hölzernen Elementen und steinernen Tieren, allen üblichen Klettergeräten und Schaukeln (die mit Sicherheitsgurten und ergonomisch geformten Sitzen versehen sind) ausgestattet. Der Spielplatz ist ein gern genutztes Freizeitangebot für Kinder. Daneben befindet sich ein Ballspielplatz (auf dem auch Straßenwettkämpfe ausgetragen werden) mit kleinen Toren und einem höheren Zaun sowie zwei Tischtennisplatten.

Kleiner Park[Bearbeiten]

Historische Handpumpe am Arnswalder Platz
Arnswalder Platz von der Danziger Straße aus gesehen, April 2009

Der im Bereich an der Bötzowstraße liegende Teil des Platzes lädt mit alten Bäumen, vor allem Kastanien, und mit Bänken zum Verweilen, mit geschnittenem Rasen zum Liegen oder nur zu einem kurzen Bummel ein.

Des Weiteren steht dort als Straßenmöbel eine alte gusseiserne Handpumpe der Art, wie sie hin und wieder auf den Berliner Straßen anzutreffen sind.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arnswalder Platz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR, Hauptstadt Berlin I. Hrsg. Institut für Denkmalpflege. Henschelverlag, Berlin 1984

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hellmannplatz. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  2. Wanja Abramowski: Das Denkmal auf dem Baltenplatz. In: mont klamott, Monatsschrift des Friedrichshainer Geschichtsverein Hans Kohlhase e. V.; Ausgabe März 2008, S. 1–19. Ausführliche Darstellung der geschichtlichen Entwicklung des heutigen Bersarinplatzes und des Brunnens
  3. a b Darstellung zum Stierbrunnen auf der Seite des Bezirksamtes Pankow