Bad Arolsen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad Arolsen
Bad Arolsen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Arolsen hervorgehoben
51.3777777777789.0166666666667286Koordinaten: 51° 23′ N, 9° 1′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Waldeck-Frankenberg
Höhe: 286 m ü. NHN
Fläche: 126,32 km²
Einwohner: 15.368 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 122 Einwohner je km²
Postleitzahl: 34454
Vorwahlen: 05691

05696 (OT Landau)
02993 (OT Kohlgrund)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text

Kfz-Kennzeichen: KB, FKB, WA
Gemeindeschlüssel: 06 6 35 002
Stadtgliederung: 12 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Große Allee 26
34454 Bad Arolsen
Webpräsenz: www.bad-arolsen.de
Bürgermeister: Jürgen van der Horst (parteilos)
Lage der Stadt Bad Arolsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg
Hatzfeld (Eder) Battenberg (Eder) Bromskirchen Allendorf (Eder) Burgwald (Gemeinde) Rosenthal (Hessen) Gemünden (Wohra) Haina (Kloster) Frankenberg (Eder) Frankenau Bad Wildungen Lichtenfels (Hessen) Korbach Willingen (Upland) Diemelsee (Gemeinde) Diemelstadt Vöhl Volkmarsen Bad Arolsen Twistetal Waldeck (Stadt) Edertal Nordrhein-Westfalen Landkreis Kassel Schwalm-Eder-Kreis Landkreis Marburg-BiedenkopfKarte
Über dieses Bild

Bad Arolsen (bis 1997 Arolsen) ist eine Kleinstadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg, Hessen (Deutschland).

Die Stadt war von 1655 bis 1918 Residenzstadt der Grafen und Fürsten von Waldeck-Pyrmont und danach bis 1929 Hauptstadt des Freistaates Waldeck, bevor dieser seine Selbständigkeit durch den Anschluss an Preußen verlor. Namensgeber für die heutige Stadt Bad Arolsen war das im Jahre 1131 gegründete ehemalige Augustinerinnen-Stift Aroldessen. In manchen der zur Stadt Arolsen 1974 eingemeindeten Dörfer wird zum Teil noch das aussterbende niederdeutsche Waldecker Platt gesprochen.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage und Landschaft[Bearbeiten]

Bad Arolsen liegt mit seinen Stadtteilen am Nordrand des nordhessischen Mittelgebirgsraums ungefähr 45 Kilometer westnordwestlich von Kassel im Waldecker Land. Im Waldecker Wald erstreckt es sich am Nordrand des Langen Walds auf 286 m ü. NN. Die Kernstadt befindet sich zwischen den Bächen Bicke (auch Biek genannt) im Norden und Thiele im Süden, die in die südlich und später östlich an der Stadt vorbeifließende Aar münden. Diese ist ein westlicher Zufluss der Twiste, an der unweit östlich der Stadt der Twistesee liegt. In diese mündet etwas außerhalb des Stadtgebiets die den südöstlichen Stadtteil Landau passierende Watter.

Die nordwaldeckische Landschaft um Bad Arolsen, die nur spärlich industrialisiert ist, hat hügeligen Charakter mit ausgedehnten Laub- und Nadelwaldbeständen. Trotzdem ist die landwirtschaftliche Nutzung durch Ackerbau, Viehzucht und Waldwirtschaft deutlich ausgeprägt.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima in der Gegend von Bad Arolsen ist reizarm ohne große Extreme in den Temperaturen. Im Nordstau des Mittelgebirges kann es mitunter bei Nord- bis Nordwestwetterlagen zu teils ergiebigen Regenfällen kommen. Im Herbst muss mit Nebel, frühen Kälteeinbrüchen und überraschend auftretender Straßenglätte gerechnet werden. In der Winterperiode gibt es oft frühen und manchmal ergiebigen Schneefall.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Bad Arolsen grenzt im Norden an die Stadt Diemelstadt, im Nordosten an die Stadt Volkmarsen (beide im Landkreis Waldeck-Frankenberg), im Südosten an die Stadt Wolfhagen (Landkreis Kassel), im Süden an die Stadt Waldeck, im Südwesten an die Gemeinde Twistetal, sowie im Westen an die Gemeinde Diemelsee (diese drei im Landkreis Waldeck-Frankenberg) und die Stadt Marsberg (Hochsauerlandkreis in Nordrhein-Westfalen).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Mit der im Jahre 1974 durchgeführten hessischen Gebietsreform wurden insgesamt zwölf eigenständige Orte und Gemeinden zur Großgemeinde Arolsen zusammengeschlossen. Hier die Stadtteile und deren Einwohnerzahlen (Dezember 2009):[3]

Stadtbild[Bearbeiten]

Innenstadt mit Stadtkirche
Die Große Allee
Neues Schloss
Residenzschloss

Bemerkenswert ist der barocke Stadtgrundriss in der Nähe des Schlosses. Das Straßenraster zeigt das für die damalige Zeit typische Schachbrettmuster. Geplant war, östlich und westlich des Schlosses einen gespiegelten Stadtgrundriss zu bebauen. Die Planung wurde jedoch nicht vollständig ausgeführt, da nach der Fertigstellung des westlichen Teils der Marstall-Anlage kein Geld für deren östliche Erweiterung übrigblieb. Die östliche Hälfte wird deshalb heute durch Landschaftsbaumaßnahmen bestimmt.

Viele der Gebäude im östlichen Altstadtbereich stehen unter Denkmalschutz. Seit 1999 gibt es eine Gestaltungssatzung für diesen Bereich, um durch einen Ensembleschutz das Stadtbild zu sichern.

Große Allee[Bearbeiten]

Eine Besonderheit des Stadtbilds ist die im Jahre 1670 angelegte Große Allee, die auf etwa 1600 Meter Länge in Ost-West-Richtung verläuft. Sie ist sechsreihig mit rund 880 Eichen bepflanzt. Besonders im Sommer lockt sie wegen ihrer schattenspendenden Anlage viele Spaziergänger an. Gedacht war sie als breite und repräsentative Verbindung des Residenzschlosses mit dem fürstlichen Lustschloss Charlottental, das allerdings schon 1725 abgerissen wurde.

Residenzschloss[Bearbeiten]

Hauptartikel: Residenzschloss Arolsen

Fürst Friedrich Anton zu Waldeck und Pyrmont ließ das barocke Residenzschloss als imposante dreiflügelige Anlage durch den Baumeister Julius Ludwig Rothweil ab 1710 erbauen und bezog es 1720 unfertig. Aus Geldnot zogen sich die Bauarbeiten rund hundert Jahre hin. Erst unter dem Fürsten Friedrich wurde das Schloss um 1810 vollendet. Bedeutend sind insbesondere die Deckengemälde des italienischen Künstlers Carlo Ludovici Castelli und die herausragenden Stuckarbeiten von Andrea Gallasini. Die Architektur orientiert sich am Schloss Versailles.

Neues Schloss[Bearbeiten]

Hauptartikel: Neues Schloss (Bad Arolsen)

Das Neue Schloss wurde als Witwensitz von Christiane, der Gattin von Karl August Friedrich, durch Baumeister Franz Friedrich Rothweil von 1764 bis 1778 erbaut und mit einer Innenausstattung im Rokokostil eingerichtet. Der Schlosspark wurde nach dem Abschluss der Bauarbeiten angelegt und vielseitig, überwiegend mit exotischen Nadelbäumen bepflanzt. Nach Süden schloss der Park mit einem großen terrassenförmig angelegten Obst- und Gemüsegarten ab. Ein Reiseführer aus dem Jahr 1785 beschreibt den „Fürstin Garten“ als besondere Schönheit. 1853 gestaltete der Baumeister Franz Curtze das Schloss nach Plänen von Wilhelm Braß klassizistisch um. Bei einem Brand 1970 wurde das Innere vollständig zerstört. Im selben Jahr begann der Wiederaufbau mit einer Erweiterung nach Süden. Nach Abschluss der Arbeiten wurde dort 1974 das Hotel Neues Schloss eröffnet, das seit 1998 zusammen mit einem Neubau als Tinnitus-Klinik genutzt wird. 1977 pachtete die Dorint Hotelgesellschaft das Hotel und setzte den erfahrenen Hotelexperten Werner Flegel als Hoteldirektor ein, der es bis 1982 erfolgreich leitete.

Geschichte[Bearbeiten]

Von der Gründung bis zur Reformation[Bearbeiten]

Die Ursprünge der Stadt reichen zurück bis in das Jahr 1131, als Gepa von Itter und ihre drei Töchter Lutrud, Mechthild und Bertha das Augustiner-Chorfrauenstift Aroldessen gründeten. Dieses Kloster war auch die Wiege des Hofbrauhauses, in dem noch heute Bier gebraut wird.

Der Sohn Lutruds, Graf Volkwin II. von Schwalenberg, Begründer des Grafengeschlechts von Waldeck, übernahm im Jahre 1155 die Vogtei des Klosters. Die Einrichtung blieb danach weitere 338 Jahre im Besitz des Grafenhauses, bis Graf Otto IV. von Waldeck das Stift an die Antonitermönche von Grünberg (Hessen) abgab, was zum schnellen Aufschwung des Klosters führte. Bereits 1181 übertraf das Kloster mit Gütern in 20 benachbarten Orten durch seinen Besitzumfang alle anderen Waldecker Klöster mit Ausnahme von Flechtdorf.[4]

Im Zuge der Reformation wurde das Kloster nach fast 500-jähriger Existenz im Jahre 1526 als erstes waldeckisches Kloster säkularisiert und unter maßgeblicher Leitung des Grafen Philipp III. zur Residenz der Waldecker Grafen umgestaltet. Die Anlage erhielt einen Flügelanbau im Renaissance-Stil. Der Braubetrieb des Klosters wurde als gräfliche Brauerei übernommen und weiterbetrieben.

Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Arolsen – Auszug aus der „Topographia Hassiae“ von Matthäus Merian 1655

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss ab 1622 als Festung ausgebaut. Im Jahre 1634 waren die Arbeiten abgeschlossen und die Bewohner besser vor Überfällen und Plünderungen geschützt. Der Graf und spätere Fürst Georg Friedrich vollendete 1668 den Bau des Lustschlosses Charlottenthal (später umbenannt in Schloss Luisenthal), gelegen am westlichen Ende der um 1670 entstandenen Großen Allee. 1677 wurde das alte Schloss renoviert, und die Eisenberger Linie der Grafenfamilie verlegte ihre Residenz von Rhoden in das aufstrebende Arolsen.

Nach dem Regierungsantritt von Graf Friedrich Anton Ulrich im Jahre 1706 plante das Fürstenhaus den Neubau eines Residenzschlosses, der im Jahr 1710 begonnen wurde. Die Anlage wurde nach den Vorstellungen des Baumeisters Julius Ludwig Rothweil als moderne Barockanlage im Stil von Versailles ausgeführt. Die Gestaltung der Innenarchitektur oblag Andrea Galasini und Ludovico Castello. Die Grafenfamilie bezog im Jahr 1711 nach Abschluss von Umbauarbeiten das das in Luisenthal umbenannte Schloss Charlottenthal. Im gleichen Jahr wurde Friedrich Anton Ulrich in den Reichsfürstenstand erhoben und 1717 die Annahme des erblichen Fürstentitels verkündet. Im gleichen Jahr veranlasste Fürst Friedrich Anton Ulrich die Errichtung der ersten drei Häuser in der Neustadt Arolsen.

Im Jahr 1719 wurden die Privilegien und Freyheiten zur Gründung der Neustadt Arolsen verkündet. Im darauffolgenden Jahr war das Residenzschloss endlich bereit zum Einzug des Fürstenpaares, jedoch lag das Ende der Bauarbeiten noch in weiter Ferne. 1725 wurde das Lustschloss Luisental abgerissen. Nach 22-jähriger Regentschaft starb im Jahre 1728 Fürst Friedrich Anton Ulrich; im gleichen Jahr verlegte die oberste Landesbehörde ihren Sitz von Mengeringhausen in die Residenzstadt.

Christian Daniel Rauch

Der noch jungen Stadt Arolsen wurde im Jahre 1731 das Privileg zur Abhaltung dreier Märkte verliehen. Ein Jahr später, 1732, wurde auf dem neu errichteten Friedhof die erste Bestattung vollzogen. Die Bauarbeiten für die erste Kirche Arolsens begannen 1735 mit der Grundsteinlegung. Es dauerte weitere 52 Jahre, bis die Stadtkirche 1787 fertiggestellt und geweiht wurde. Vorher, im Jahr 1770, löste sich die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde von der bisherigen Muttergemeinde Helsen und wurde selbständig.

Der klassizistische Bildhauer Christian Daniel Rauch, ein Mitbegründer der Berliner Bildhauerschule, wurde 1777 im Hoppenhof in Arolsen geboren. 1787 wurde das Palais Neues Schloss als Residenz für Fürstin Christiane fertiggestellt und die Stadtkirche vollendet. Arolsen erhielt im Jahre 1803 weitere Privilegien zum Abhalten von Märkten. Der August-Markt entwickelte sich im Verlauf der Zeit zum heutigen großen Kram- und Viehmarkt.

Söhne der Stadt Arolsen waren Wilhelm Kaulbach (* 1804, später von Kaulbach) wurde bekannt als Maler und Akademiedirektor in München. Friedrich Kaulbach (* 1822) wurde ebenfalls Maler und später Professor an der Technischen Universität Hannover.

Vom Regierungssitz 1849 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs[Bearbeiten]

Unter Fürstin Emma zu Waldeck und Pyrmont wurde 1849 das damals modernste Staatsgrundgesetz in Deutschland erlassen; vier Verwaltungskreise wurden eingerichtet. Arolsen erhielt neben dem Sitz der Landesregierung die Verwaltung des Kreises der Twiste. Das sogenannte Töpferhaus wurde aus Mitteln der fürstlichen Domanialverwaltung angekauft und zum ersten Krankenhaus im Fürstentum Waldeck umgebaut. Die Einrichtung nahm 1850 ihren Betrieb auf.

Prinzessin Emma zu Waldeck und Pyrmont wurde 1858 in Arolsen geboren. Sie wurde 1879 Königin der Niederlande und 1890 Regentin. Ihre große Beliebtheit ist einer der Gründe für zahlreiche Besuche niederländischer Touristen in Bad Arolsen.

1861 wurde August Bier in Helsen geboren. Er war einer der führenden deutschen Ärzte jener Zeit und später als Professor in Berlin tätig. Bekannt wurde er durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der Rückenmarkanästhesie, sein Eintreten für die Homöopathie, seine Erfindung des Stahlhelms und die auf ihn zurückzuführende Gründung der Hochschule für Leibesübungen.

Sophienheim[Bearbeiten]

Waldecksches Diakonissenhaus Sophienheim

Fürstin Helene gründete im Jahre 1864 in Helsen ein Waisenhaus für zwölf Landmädchen, aus dem das spätere Sophienheim hervorging. Als Erzieherinnen wurden junge evangelische Frauen aus dem Waldecker Land eingesetzt. Diese betreuten zusätzlich alte, kranke und pflegebedürftige Menschen in den umliegenden Gemeinden. Der Betheler Pastor Friedrich von Bodelschwingh unterstützte das kleine Heim. Er entsandte die Diakonisse Mathilde Kötter, die mit Tatkraft und Zielstrebigkeit für den weiteren Ausbau und für die Lebensordnung der Sophienheim-Schwestern sorgte. Im Jahre 1887 erfolgte die Umbenennung in Waldecksches Diakonissenhaus Sophienheim. Das Mutterhaus wurde in unmittelbarer Nähe des Paulinen-Hospitals an der Helenenstraße errichtet.

Das Fürstentum Waldeck verlor 1868 durch einen Akzessionsvertrag einen Teil seiner Hoheitsrechte an Preußen.

Garnisonsstadt[Bearbeiten]

Gedenkstein „Bataillon Waldeck“ (1681 bis 1931) an der ehem. Kaserne
„Gedenkstein Bataillon“ Waldeck an der ehem. Kaserne

Im Jahr 1871 begann die lange Geschichte Arolsens als Garnisonsstadt mit der Fertigstellung der ersten waldeckischen Kaserne unweit des heutigen Stadtzentrums. Das Bataillon Waldeck, die 83er, bezogen die neuen Quartiere; die bisherigen Unterkünfte in den umliegenden Ortschaften wurden aufgegeben. Dieses Bataillon bestand seit 1681.

Rudolf Klapp[Bearbeiten]

Ein weiterer großer Bürger der Stadt Arolsen war der Arzt und Professor Rudolf Klapp (1873–1949). Als Orthopäde war er an der Weiterentwicklung seines Medizinzweigs maßgeblich beteiligt.

Arolsen 1894

Bahnanschluss[Bearbeiten]

Die moderne Zeit begann, als am 1. Mai 1890 anlässlich eines Besuchs von Kaiser Wilhelm II. der auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Helsen liegende Bahnhof eingeweiht wurde. Die Bahnstrecke, die ihren Ursprung in Warburg hatte, wurde bis 1893 nach Korbach ausgebaut. Ein erneuter Besuch des Kaisers in Arolsen fand anlässlich der Einweihung des Denkmals für seinen Großvater, Kaiser Wilhelm I., im Jahr 1899 statt.

Nach der Stadt ist ein Intercity-Express benannt.

Bathildisheim[Bearbeiten]

Ein nach Fürstin Bathildis benanntes Heim für körperbehinderte Kinder wurde im Jahr 1912 eingeweiht.

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

Das Ende des Ersten Weltkriegs und der Untergang des Kaiserreichs hatte 1918 weitreichende Auswirkungen auf die Form der bisherigen waldeckischen Regierung. Das Haus des Fürsten Friedrich von Waldeck verlor wie alle Fürstenhäuser sämtliche Ämter und Würden, das Fürstentum Waldeck wurde zum Freistaat. Die seit 1871 bestehende Garnison wurde geschlossen. Bei einer Volksabstimmung am 30. November 1921 wurde der Kreis Pyrmont abgetrennt, im Rahmen eines Staatsvertrags mit Preußen der preußischen Provinz Hannover zugeordnet und mit dem Landkreis Hameln zum Landkreis Hameln-Pyrmont vereinigt. Als Preußen den Akzessionsvertrag fünf Jahre später kündigte, führte dies zu großen Finanzproblemen im verbliebenen Teil Waldecks. Im Jahre 1929 verlor der Freistaat Waldeck mit seiner Eingliederung in die preußische Provinz Hessen-Nassau seine Eigenständigkeit.

Arolsen galt schon vor 1933 als Hochburg der SS. Unmittelbar nach der Machtübertragung an Hitler zog ein Kommando der SA-Hilfspolizei in ein Gebäude der Polizeiverwaltung Arolsen. Seit dem Frühjahr 1935 war Arolsen erneut Garnisonsstadt. In die Kasernen an der Großen Allee zog das 2. Regiment der SS-Verfügungstruppe „Germania“ ein. Im Dezember 1935 kam die Dienststelle des neu geschaffenen SS-Oberabschnitts Fulda-Werra unter Josias Erbprinz zu Waldeck und Pyrmont in das Neue Schloss.[5] Die Kasernen dienten in der Folgezeit auch als SA-Sportschule, SS-Führerschule und bis zum Ende des Krieges als Unterkunft für Wehrmachts-Ersatzeinheiten.

KZ Buchenwald – Außenlager Arolsen[Bearbeiten]

Im Herbst 1943 wurde ein Teil der SS-Verwaltungsschule Dachau in die damalige SS-Kaserne nach Arolsen verlegt. Am 14. November 1943, kurz vor der Eröffnung, wurden 34 Häftlinge für die Umbauarbeiten aus dem KZ Buchenwald unter dem Decknamen „Arthur“ nach Arolsen gebracht. Weitere 26 Häftlinge aus dem KZ Dachau brachte das SS-Lehrpersonal mit. Im Herbst 1944 waren dort insgesamt 123 Häftlinge mit Umbauarbeiten und als Dienstpersonal beschäftigt. Es handelte sich überwiegend um Handwerker aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Jugoslawien, Litauen, Luxemburg, Polen, den Niederlanden, Russland, der Tschechoslowakei, der Ukraine und Ungarn.[6][7]

Die Kommandos SS-Führerschule und SS-Bekleidungskammer hatten unter den Außenlagern eine Sonderstellung, da sie direkt dem SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (SS-WVHA) in Berlin, einer hohen SS-Dienststelle, unterstellt waren.

Am 29. März 1945, unmittelbar vor dem Einmarsch der US-Armee in den Raum Waldeck/Kassel, erfolgte die „Evakuierung“ durch die SS. Alle Häftlinge wurden in das Lager Buchenwald verbracht. Von einigen ist nachgewiesen, dass sie die anschließenden Todesmärsche nicht überlebten.

Von der Nachkriegszeit bis zur Gebietsreform 1974[Bearbeiten]

Die Stadt Arolsen blieb in der Zeit des Zweiten Weltkriegs weitgehend von Zerstörungen verschont; der Einmarsch US-amerikanischer Truppen Ende März/ Anfang April 1945 verlief ohne größere Kampfhandlungen.

Auf Betreiben der Vereinten Nationen wurde 1946 in Arolsen der Internationale Suchdienst eingerichtet, um die Schicksale der Vermissten, Gefangenen und Verschleppten aus der Zeit der NS-Herrschaft und des Zweiten Weltkriegs aufzuklären.[8]

Arolsen wurde 1952 zum dritten Mal Garnisonsstadt, als die ehemalige SS-Kaserne von belgischen NATO-Streitkräften bezogen wurde. Im Lauf der kommenden Jahrzehnte bildete sich hierdurch und durch Zuzug von Zivilpersonen eine beachtliche belgische Gemeinde, die trotz des Abzugs der Streitkräfte weiterhin regen Bestand hat.

Bei Bohrungen im Schlosspark wurde 1970 eine Grundwasserquelle erschlossen, deren Mineraliengehalt zur Verleihung des Prädikats „Heilquelle“ für das Vorkommen führte.

Die hessische Gebietsreform führte im Jahr 1974 zur Bildung der Großgemeinde Arolsen. Mit den belgischen Truppen, deren Zivilpersonal und den Familienangehörigen verzeichnete Arolsen etwa 18.200 Einwohner in insgesamt zwölf Stadtteilen. Durch den Zusammenschluss mit Mengeringhausen verstärkte sich die Stellung Arolsens als Garnisonsstadt weiter.

Eingemeindungen

Am 1. November 1970 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Helsen eingegliedert. Am 31. Dezember 1970 kamen Braunsen und Schmillinghausen hinzu. Kohlgrund folgte am 1. Juli 1971. Bühle, Massenhausen, Neu-Berich und Wetterburg wurden am 31. Dezember 1971 zu Arolser Stadtteilen. Die Reihe der Eingemeindungen wurde am 1. Januar 1974 mit der Eingliederung der Städte Landau und Mengeringhausen sowie der Gemeinde Volkhardinghausen abgeschlossen.[9]

Vom Heilbad über das Bad zur Gegenwart[Bearbeiten]

Das Prädikat „Heilbad“ wurde der Stadt Arolsen im Jahr 1977 zuerkannt. Im Jahr 1979 wurde die Twistetalsperre nahe dem Ortsteil Wetterburg ihrer Bestimmung übergeben. Der Hauptzweck des Bauwerks ist der Schutz des weiter nördlich und westlich beiderseits der Twiste gelegenen Umlands vor Überschwemmungen; doch schon bald wurde der touristische Wert des neu entstandenen Twistesees erkannt.

Mit der ersten Veranstaltung der „Arolser Barock-Festspiele“ wurde 1985 eine neue kulturelle Tradition begründet. 1990 wurde die nahe dem Residenzschloss gelegene „Fürstliche Reitbahn“ als Festspielhaus eingeweiht. Die Umgestaltung des Bundeswehrstandortes im Ortsteil Mengeringhausen warf ihre Schatten voraus. Mit der Stationierung einer Flugabwehrraketeneinheit und der Reduzierung der dort bisher stationierten gepanzerten Heereseinheiten begann der Wandel zu einem reinen Luftwaffenstandort.

Im Neuen Schloss zwischen „Großer Allee“ und Baumpark wurde 1992 die „Tinnitus-Klinik“ eingerichtet. Sie dient der Behandlung von Patienten, die unter Ohrgeräuschen (Tinnitus) und Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr leiden, und erlangte auf diesem Gebiet überregionale Bedeutung. Vorher war das Neue Schloss ein Hotelbetrieb und wurde 1977 von der Dorint AG als 7. Betrieb der Kette übernommen. Als Hoteldirektor wurde der erfahrene Hotelexperte Werner Flegel eingesetzt, der das Hotel erfolgreich bis 1982 leitete.

Mit dem Abzug der belgischen NATO-Truppen 1994 wurde die „Belgische Kaserne“ (die frühere SS-Kaserne) geschlossen. Problematisch blieb die Verwertung des Geländes in günstiger zentraler Lage. In Mengeringhausen räumten die Heereseinheiten die Prinz-Eugen-Kaserne, zwei weitere Flugabwehrraketeneinheiten ließen Arolsen zum reinen Luftwaffenstandort mit etwa 360 Soldaten werden.

Am 22. Januar 1997 wurde der Stadt das Prädikat „Bad“ verliehen.[10] Auf dem Gelände des ehemaligen technischen Bereichs der leerstehenden „Belgischen Kaserne“ entstand im Jahre 2000 mit dem „Arobella“ ein modernes Spaß- und Freizeitbad mit Außenbecken, integrierter Saunalandschaft und angeschlossenem Gesundheitszentrum. Eine 100 Meter lange Röhrenrutsche ist eine der vielen Attraktionen dieser Einrichtung.

Mit dem „Christian Daniel Rauch-Museum“ im Marstall gegenüber dem Residenzschloss wurde 2002 eine weitere kulturelle Einrichtung geschaffen.

Die Truppenstärke in der Prinz-Eugen-Kaserne in Mengeringhausen, in der inzwischen etwa 360 Luftwaffensoldaten stationiert waren, sollte durch Umstrukturierungen auf etwa 400 Soldaten anwachsen. Umfangreiche, mehrere Millionen Euro teure Umbau- und Modernisierungsarbeiten in der Kaserne und auf dem Standortübungsplatz wurden 2002 begonnen, während die Luftwaffeneinheiten die Verlegung nach Bad Arolsen vorbereiteten.

Der 2003 in Bad Arolsen veranstaltete 43. Hessentag brachte bei sommerlichem Wetter rund 780.000 Besucher in die Stadt und machte sie weit über die Grenzen Hessens bekannt. Für die Bad Arolser war jedoch die kurz vor Veranstaltungsbeginn angekündigte Schließung des Bundeswehrstandortes im Ortsteil Mengeringhausen ein herber Schlag. Die Zustationierung der neuen Einheiten wurde gestoppt, die Auflösung und Verlegung der Verbände und Einheiten sowie der Standortverwaltung wurde angeordnet.

Bad Arolsen verlor im Sommer 2005 den Status als Garnisonsstadt. Die Prinz-Eugen-Kaserne wurde im Dezember 2005 endgültig geschlossen, nachdem zuvor alle Einheiten abgezogen oder aufgelöst worden waren. Die Stadt Bad Arolsen kaufte das Kasernengelände.

Bis 2007 wurden umfangreiche Straßenbauarbeiten in der Schloss- und der Bahnhofstraße durchgeführt. Die Innenstadt Bad Arolsens wurde weitgehend vom Schwerlastverkehr befreit. Die Umgestaltung des Kirchplatzes vollendete Ende 2007 das neue Bild der Innenstadt.

In den Jahren 2007 und 2008 wurde die ehemalige Panzerstraße zur Südumgehung umgebaut und erhielt den Status einer Bundesstraße. Gleichzeitig erfolgte die Rückstufung der bisher durch die Innenstadt verlaufende Bundesstraße zur Gemeindestraße. Eine wesentliche Entlastung der Kernstadt vom Schwerlast- und Durchgangsverkehr wurde erreicht.

Im Frühjahr 2009 wurde ein Teil der Gebäude der Prinz-Eugen-Kaserne abgerissen. Es entsteht dort nun ein (umweltfreundliches) Biomassekraftwerk (Holzhackschnitzel). Andere Gebäude hat die Stadt Bad Arolsen an Firmen vermietet.

Ehemalige Garnisonsstadt[Bearbeiten]

Besondere wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt hatte ihre Rolle als Garnisonsstadt.

  • Während des Kalten Krieges war von 1952 bis 1994 als Teil der Belgischen Streitkräfte in Deutschland das 1. Belgische Panzeraufklärungsregiment (1e Regiment Jagers te Paard) zusammen mit einer Nachschubkompanie und einer Pionierkompanie in der sogenannten „Belgischen Kaserne“ nahe dem Stadtzentrum stationiert.
  • Am 17. Dezember 2004 wurde nach 40-jährigem Bestehen der Bundeswehrstandort Bad Arolsen-Mengeringhausen aufgelöst. Im Laufe der Jahre waren in der Prinz-Eugen-Kaserne unter anderem folgende Einheiten und Verbände von Heer und Luftwaffe stationiert:
    • Panzerbataillon 63 (aufgelöst)
    • Panzerartilleriebataillon 65 (aufgelöst)
    • Panzerjägerkompanie 60 (aufgelöst)
    • 1., 3. und 4. Staffel der Flugabwehrraketengruppe 38 (aufgelöst)
    • 1., 4. und 5. (jetzt 3.) Staffel der Flugabwehrraketengruppe 21 (jetzt in Sanitz/Prangendorf in Mecklenburg-Vorpommern)

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
2005 (30. Jun.) 16916
2006 (31. Dez.) 16664
2007 (31. Dez.) 16606
2008 (31. Dez.) 16404
2009 (31. Dez.) 16271
2010 (31. Dez.) 16159
2011 (31. Dez.) 16023

Quelle: Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW)

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[11]

Kommunalwahl 2011
 %
40
30
20
10
0
30,4 %
24,5 %
17,7 %
9,8 %
7,5 %
4,6 %
4,3 %
1,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-10,5 %p
-5,7 %p
+17,7 %p
+3,2 %p
-0,7 %p
-2,2 %p
-3,0 %p
+1,2 %p
Parteien und Wählergemeinschaften  %
2011
Sitze
2011
 %
2006
Sitze
2006
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 30.4 11 40,9 15
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 24,5 9 30,2 11
BGL Die Bürgerliste 17,7 6 - -
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 9,8 4 6,6 2
OL Offene Liste 7,5 3 8,2 3
FWG Freie Wählergemeinschaft 4,6 2 6,8 3
FDP Freie Demokratische Partei 4,3 2 7,3 3
SAG SAG 1,2 - - -
Gesamt 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 48,8 46,8

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Stichwahl zum Amt des Bürgermeisters der Stadt Bad Arolsen wurde am 16. Dezember 2007 der parteilose Kandidat Jürgen van der Horst gewählt. Seine sechsjährige Amtszeit begann am 26. Mai 2008.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Bad Arolsen pflegt Partnerschaften mit folgenden Städten:

In Bad Arolsen und Umgebung waren zahlreiche belgische Soldaten stationiert. Dies erklärt die relativ große belgische Gemeinde in der Gegend.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Für Kunstfreunde interessant ist das Museum Bad Arolsen, das in insgesamt fünf über die Stadt verteilten Gebäuden Kunstsammlungen präsentiert. Im „Christian-Daniel-Rauch-Museum“ im Marstall werden zahlreiche Skulpturen als Leihgaben der Alten Nationalgalerie in Berlin zusammen mit Werken von Christian Daniel Rauch gezeigt. Das Christian-Daniel-Rauch-Geburtshaus ist Werken, Werkzeugen und Erinnerungsstücken aus dem Leben des Künstlers gewidmet.

Schreibersches Haus[Bearbeiten]

Das „Schreibersche Haus“ bietet unter anderem Gemälde und graphische Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert aus der Malerdynastie um Wilhelm von Kaulbach. Der Festsaal, von Johann Friedrich Valentin gestaltet, gehört mit seinen Schnitzereien zu den schönsten Hessens.

Kaulbachhaus[Bearbeiten]

Das „Kaulbachhaus“, Geburtshaus des Historienmalers und Illustrators Wilhelm von Kaulbach, gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Es beherbergt Gemälde und graphische Arbeiten der Arolser Malerfamilie und eine originale Schreinerwerkstatt.

Residenzschloss[Bearbeiten]

Das Residenzschloss bietet zusätzlich zu den eigenen Besichtigungsmöglichkeiten wechselnde Kunstausstellungen.

Weitere Museen[Bearbeiten]

  • Heimatmuseum in Mengeringhausen,
  • Heimatstube in Helsen,
  • Waldecker Spielzeugmuseum in Massenhausen
  • Museum für Frühlings- und Osterbräuche in Schmillinghausen

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Jährliche Veranstaltungen
  • Seit 1985 werden die überregional bekannten Arolser Barock-Festspiele im Festspielhaus „Fürstliche Reitbahn“ präsentiert.
  • Seit 1985 findet zudem der Traditionelle Bad Arolser Ostermarkt und seit 2007 am Ostersonntag das Osterfeuer der Freiwilligen Feuerwehr Bad Arolsen auf dem Festplatz Königsberg statt.
  • Jährlich, in der ersten Augustwoche wird der Arolser Kram- und Viehmarkt, der heute eines der größten Volksfeste Nordhessens ist, mit Gewerbeschau und dem traditionellen Viehauftrieb am Freitagvormittag, auf dem Königsberg ausgetragen. 2010 bereits zum 280. Mal.
  • Internationaler Bad Arolser Twistesee-Triathlon jedes Jahr Mitte/Ende August
  • Landauer Kram- und Viehmarkt im Stadtteil Landau
  • Twistesee-Adventsmarathon jeweils am Samstag vor dem ersten Advent
  • Weihnachtsmarkt – an vier Tagen auf dem Kirchplatz im Stadtzentrum. Neben den üblichen Marktständen und Fahrgeschäften wird auf mehreren Bühnen Live-Musik geboten.
Sonstige Veranstaltungen
  • Im Jahr 2003 war Bad Arolsen Ausrichter des 43. Hessentags.
  • Am 6. und 7. Juli 2007 und vom 9. bis 12. Juli 2008 fanden die beiden ersten „Magic Circle Festivals“ in der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne in Mengeringhausen statt.
  • Alle sieben Jahre ist der Ortsteil Mengeringhausen Austragungsort des traditionellen großen Freischießens. Die nächste Veranstaltung ist für 2014 vorgesehen.

Tourismus und Freizeit[Bearbeiten]

Bad Arolsen und seine Ortsteile liegen in einer ausgeprägt hügeligen Landschaft mit ausgedehnten Waldbeständen. Zahlreiche Wanderwege und Radwanderstrecken sind ausgeschildert.

Durch das Stadtgebiet verläuft die deutsch-niederländische Ferienstraße „Oranier-Route“.

Twistesee[Bearbeiten]

Panoramabild des Twistesees mit dem „Cafe im See“ und dem Bad Arolser Ortsteil Wetterburg. Blickrichtung von Süden (links) bis Südwest(rechts)

Ein Ausflugsziel in unmittelbarer Nähe von Bad Arolsen ist der als Hochwasserschutzbauwerk angelegte Twistesee, der viele Freizeitmöglichkeiten bietet. Der am Zufluss des Twistesees gelegene Vorstau ist als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Am Westufer befindet sich ein Strandbad mit Umkleidemöglichkeiten, Toilette und Kiosk, in der Nähe befindet sich ein Golfplatz sowie ein Wasserski-Lift. Ein 7 km langer Rundweg um den See führt am Westufer über die Strandpromenade, am Ostufer nur teilweise asphaltiert mit einigen kurzen aber kräftigen Steigungen durch den Wald, der hier bis an das Seeufer reicht.

Der Edersee liegt etwa 22 Kilometer südlich der Stadt und bietet vielfältige Freizeitmöglichkeiten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bad Arolsen liegt an der Bahnstrecke von Kassel nach Korbach. Ein großer Teil des öffentlichen Personennahverkehrs wird mit Bussen des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) abgewickelt. Außerdem wird die Stadt von dem Busunternehmen Busverkehr Ruhr-Sieg (BRS) angefahren. Im Stadtbereich Bad Arolsen wird zudem ein Anrufsammeltaxidienst angeboten.

Die Stadt liegt an den Bundesstraßen 252 (OstwestfalenMarburg) und 450 (Bad Arolsen–WolfhagenFritzlar). Im Norden ist Bad Arolsen über die B 252 in etwa 13 km Entfernung an das Autobahnnetz angeschlossen (A 44, Anschlussstelle Diemelstadt).

Über Land- und Kreisstraßen sind Marsberg, Diemelsee, Volkmarsen und Bad Wildungen, über Bundesstraßen die benachbarten Städte Diemelstadt, Wolfhagen und Korbach erreichbar.

Mit dem Ausbau der ehemals als Panzerstraße genutzten Hagenstraße zur Bundesstraße 450 verfügt Bad Arolsen ab Ende 2008 über eine Südumgehung. Diese trägt zur weiteren Verkehrsberuhigung der Stadt bei, das Stadtgebiet wird weitgehend vom Schwerlastverkehr entlastet.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Neben zahlreichen kleineren Unternehmen sind die größten Arbeitgeber der Stadt:

  • ALMO-Erzeugnisse Erwin Busch GmbH, weltweit tätiger Hersteller medizinischer Einmalspritzen (gehört zum Konzern B. Braun Melsungen).
  • HEWI Heinrich Wilke GmbH, Hersteller von Sanitärprogrammen, Beschlägen, Beschilderungen, elektronischen Schließsystemen.
  • Superior Essex Inc. (USA) [gehört zum Konzern LS Cable & System], die eine Produktionsstätte zur Herstellung und Lackbeschichtung von Kupfer-Wickeldrähten betreibt und diese 1992 von Alcatel übernommen hatte.
  • Hospitality Alliance AG Deutschland (vormals „TREFF Hotels“), eine der größten Hotelketten in Deutschland.

Gewerbegebiete[Bearbeiten]

Ehemalige belgische Kaserne[Bearbeiten]

Nach dem Abzug der belgischen Streitkräfte 1994, war das gesamte Gelände der ehemaligen „Belgischen Kaserne“ in guter Innenstadtlage lange Zeit ungenutzt. Nur gelegentlich wurde der große Exerzierplatz für öffentliche Veranstaltungen genutzt. Nach langen Verhandlungen wurde unter Einbeziehung der teilweise unter Denkmalschutz stehenden Teile ein Einkaufszentrum mit großzügigen Parkflächen errichtet.

Auf dem Hagen[Bearbeiten]

An der Bundesstraße 450 entsteht seit August 2006 auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne ein Industrie- und Gewerbepark. Zurzeit befindet sich ein Holzheizkraftwerk mit 20 MW Feuerungsleistung im Bau, und für 2009 ist die Errichtung einer Biogasanlage mit 2,5 MW elektrischer Leistung geplant. Ein Asphalt-Mischwerk befindet sich am östlichen Rand des ehemaligen Kasernengeländes.[12]

Mengeringhäuser Feld[Bearbeiten]

Das größte Gewerbegebiet Bad Arolsens liegt südlich der Kernstadt im „Mengeringhäuser Feld“. Es verfügt über einen direkten Anschluss an die Bundesstraße 252.

In den Siepen[Bearbeiten]

Das kleinste Gewerbegebiet in Bad Arolsen befindet sich auf dem ehemaligen Gelände der hagro-Möbelfabrik in der Nähe des Bahnhofs. Dort sind Unternehmen aus den Bereichen Werbung, Handel, Handwerk und Industrie angesiedelt, zudem das BAC Theater (Bad Arolsen Company e. V.). Die BAC ist ein freies Theaterensemble.[13]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Bad Arolsen ist der Sitz einer Verwaltungsstelle des Hessischen Amtes für Straßen- und Verkehrswesen sowie einer Außenstelle der Kfz-Zulassungsbehörde des Landkreises Waldeck-Frankenberg (im historischen Rathaus Mengeringhausen). Das Amtsgericht Bad Arolsen ist ebenfalls in der Stadt ansässig.

Suchdienst[Bearbeiten]

Das Hauptgebäude des ITS

Bad Arolsen ist seit 1946 Sitz des Internationalen Suchdienstes (ITS). Diese Institution wird seit 1955 vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz geleitet und verwaltet. Die Finanzierung wird von der Bundesrepublik Deutschland geleistet.

Sonderstandesamt[Bearbeiten]

Für die Beurkundung der Sterbefälle von Häftlingen der ehemaligen deutschen Konzentrationslager ist laut § 38 Personenstandsgesetz ausschließlich der Standesbeamte des Sonderstandesamts in Bad Arolsen zuständig.

Schulen, Ausbildungs- und Betreuungseinrichtungen[Bearbeiten]

Bad Arolsen verfügt über ein breitgefächertes schulisches Angebot:

  • vier Grundschulen (Kernstadt Bad Arolsen, Helsen, Landau, Mengeringhausen)
  • zwei Förderschulen (Heinrich-Lüttecke-Schule, Karl-Preising-Schule)
  • eine Haupt- und Realschule (Kaulbach-Schule)
  • ein Gymnasium (Christian-Rauch-Schule)
  • zwei Berufsschulen (Berufliche Schulen Korbach und Bad Arolsen, Staatliche Berufsschule im Berufsbildungswerk Nordhessen)
  • Musikschule Bad Arolsen

Die folgenden Einrichtung der örtlichen Kinder- und Jugendbetreuung stehen unter der Leitung des Kirchlichen Rentamts:

  • acht Kindertagesstätten
  • das Kinderheim „Sophienheim“
  • das Jugend- und Kulturzentrum „Come In“

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck mit zahlreichen Pfarrämtern, diakonischen Einrichtungen, Kindergärten und im Kirchenkreisamt.

Behindertenbetreuung[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 1912 gibt es in Bad Arolsen Einrichtungen zur Betreuung behinderter Menschen. Nach ihrer Namensgeberin, Fürstin Bathildis, wurde das inzwischen aus drei Abteilungen bestehende Bathildisheim benannt. Grundlage war ein Heim für die Betreuung körperbehinderter Kinder. Heute gliedert sich das Bathildisheim als Schul-, Pflege- und Betreuungszentrum für behinderte Menschen in:

Insgesamt werden in diesen Stätten über 1.100 behinderte Menschen betreut, ausgebildet und gepflegt.

Krankenhaus Bad Arolsen

Gesundheit[Bearbeiten]

Bad Arolsen verfügt über mehrere Krankenhäuser und Spezialkliniken:

  • Krankenhaus Bad Arolsen GmbH“ als Allgemeinkrankenhaus
  • „Medizinisch-psychosomatische Klinik Große Allee“. Kompetenzzentrum für Psychosomatik für die Behandlung von Tinnitus, Depressionen, Angststörungen und Burn-out-Syndrom sowie Schwindelerkrankungen
  • „Medizinisch-psychosomatische Klinik Bad Arolsen“. Fachkrankenhaus für Psychosomatik, seit 1. April 2008 Teil des Krankenhausplans des Landes Hessen
  • „Gesundheitszentrum im Freizeitbad Arobella“. Gesundheitsvorsorge und Therapie.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

(Wenn keine Angabe, dann ist der Geburtsort Arolsen oder unbekannt – zu den Daten siehe Wikipedia-Eintrag zur Person)

In Bad Arolsen haben gewirkt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Birgit Kümmel, Richard Hüttel (Hrsg.): Arolsen – Indessen will es glänzen. Eine barocke Residenz. Im Auftrag der Stadt Arolsen. Bing, Korbach 1992, ISBN 3-87077-086-4.
  • Michael Winkelmann: Auf einmal sind sie weggemacht. Lebensbilder Arolser Juden im 20. Jahrhundert. Kassel 1992, ISBN 3-88122-671-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad Arolsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bad Arolsen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hessenzeitreise von Jens Kölker, Sendung im HR-Fernsehen vom 18. Januar 2011
  3. Strukturdaten Stand: 15. Dezember 2009.
  4. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Hessen, 3. überarbeitete Aufl., S. 15
  5. Ursula Krause-Schmitt, Jutta von Freyberg, Gottfried Wehe (Red.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 – 1945. Bd. 1/2: Hessen II. Regierungsbezirke Gießen und Kassel. Frankfurt am Main 1996, S. 209f.
  6. http://www.keom.de/denkmal/suche_lager_anzeig.php?lager_id%5B%5D=213&submit.x=84&submit.y=11&submit=auswaehlen KZ Buchenwald Außenlager Arolsen auf www.keom.de (Link nicht mehr erreichbar, 3. Januar 2012).
  7. Wolfgang Benz, Barbara Distel, Angelika Königseder: Der Ort des Terrors, S. 367
  8. 25 Kilometer Akten – Millionen von Schicksalen, Eckhard Fuhr, Die Welt, 28. Juni 2013
  9.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 407 bis 409.
  10. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  11. Wahlergebnis auf hsl.de
  12. Waldeckische Landeszeitung 25. Juni 2010
  13. BAC Theater auf bad-arolsen.de