Arsen Awakow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Arsen Borysovych Avakov)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Fußballspieler siehe Arsen Awakow (Fußballspieler).
Arsen Awakow (2010)
Kyrillisch (Ukrainisch)
Арсен Борисович Аваков
Transl.: Arsen Borysovyč Avakov
Transkr.: Arsen Boryssowytsch Awakow
Kyrillisch (Russisch)
Арсен Борисович Аваков
Transl.: Arsen Borisovič Avakov
Transkr.: Arsen Borissowitsch Awakow

Arsen Boryssowytsch Awakow (* 2. Januar 1964 in Baku) ist ein ukrainischer Politiker (parteilos; ehemals Allukrainische Vereinigung „Vaterland“). Am 22. Februar 2014 wurde er zum geschäftsführenden Innenminister der Ukraine berufen.[1] Er gehört der Regierung Jazenjuk an.

Lebenslauf[Bearbeiten]

Arsen Awakow wurde am 2. Januar 1964 in der mittlerweile eingemeindeten Siedlung Kirow bei Baku in der damaligen Sowjetrepublik Aserbaidschan geboren und ist armenischer Herkunft. [2] Sein Vater war Berufssoldat der Sowjetarmee. Als er zwei Jahre alt war, siedelte seine Familie in die Ukrainische Sowjetrepublik über. Von 1981 bis 1982 arbeitete er als Laborassistent am Lehrstuhl „Automatisierte Leitungssysteme“ des polytechnischen Instituts von Charkiw. Dort schloss er 1988 erfolgreich das Ingenieurstudium ab. Anschließend arbeitete er im Forschungsinstitut für Gewässerschutz. Von 1990 an nutzte er die neuen Bestimmungen zur Teilprivatisierung der bisherigen Planwirtschaft, er gründete mehrere Firmen, darunter die „Basis“-Bank, später gründete er auch regionale Fernsehkanäle.

2002 wurde er erstmals in den Stadtrat von Charkiw gewählt. 2004 war er einer der führenden Köpfe der „Orange Revolution“ in der Stadt. [3] 2005 setzte ihn der neue Staatspräsident Wiktor Juschtschenko als Chef der Oblastverwaltung der Oblast Charkiw ein.

Im Februar 2010 trat er von diesem Amt aus Protest gegen den Kurs Juschtschenkos zurück; er warf diesem vor, in dem damaligen Wahlkampf um das Präsidentenamt Wiktor Janukowytsch zu unterstützen und somit den Kampf der „Orange Revolution" um die Demokratisierung des Landes zu konterkarieren. [4] Im April 2010 wechselte er zur Partei „Batkiwschtschyna“ von Julija Tymoschenko und trat an die Spitze von deren Charkiwer Bezirksorganisation.

Im Oktober 2010 wurde er nach Meinung ausländischer Wahlbeobachter durch Wahlbetrug um den Sieg bei den Bürgermeisterwahlen von Charkiw gebracht; ihm fehlten rund 3000 Stimmen gegenüber dem Kandidaten der Partei der Regionen Janukowytschs. [5] Doch wurde er in den Bezirksrat von Charkiw gewählt. Im September 2011 schlossen die von Janukowytschs Partei kontrollierten Behörden drei seiner regionalen Fernsehkanäle. [6] Im März 2012 wurde er wegen angeblichen Amtsmissbrauchs (Awakow wurde unter anderem die illegale Weitergabe von Grundstücken vorgeworfen[7]) aufgrund eines von den ukrainischen Behörden bei Interpol beantragten internationalen Haftbefehls bei Rom verhaftet. [8] Doch das Appellationsgericht in Rom hob den Haftbefehl nach wenigen Tagen mit der Begründung auf, dass dieser offenkundig politisch motiviert sei. [9] Bei der Parlamentswahl 2012 wurde Awakow in die Werchowna Rada gewählt. Da er aber nach eigenem Bekunden weiterhin politische Verfolgung befürchtete, kehrte er erst im Dezember 2012 aus Italien in die Ukraine zurück.[10] Im Februar 2014 wurde Awakow Minister im Kabinett Jazenjuk I und im Dezember 2014 im Kabinett Jazenjuk II.

In Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod von Olexandr Musytschko warf Dmytro Jarosch, der Sprecher der radikal nationalistischen Gruppe Prawyj Sektor, Awakow am 25. März 2014 „aktive konterrevolutionäre Tätigkeit“ vor und forderte dessen Rücktritt.[11]

Autor[Bearbeiten]

Awakow ist Autor von wissenschaftlichen Artikeln, politischen Essays sowie Koautor einer Monographie über den Wechselverkehr im Bankwesen .[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. RIA Novosti, 22. Februar 2014
  2. biografische Angaben lt. Webseite des TV-Kanals UBR (Ukrainian Business Report)
  3. mediaport.ua, 22. November 2005
  4. Webseite des ukrainischen Innenministeriums
  5. Reinhard Veser, Alte Minister und neue Helden, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. März 2014, S. 4.
  6. Freedom House, Ukraine Report 2012
  7. Ukraine: Auf der Flucht vor Viktor Janukowitsch, Die Presse vom 14. September 2013
  8. spiegel.de (englische Version), 9. April 2012
  9. La Repubblica, 12. April 2012
  10. Webseite des Innenministeriums
  11. Unruhe im rechten Sektor, FAZ vom 26. März 2014
  12. Publikationsliste