Arta Dobroshi

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Arta Dobroshi (2013)

Arta Dobroshi (* 2. Oktober 1979 in Priština, SFR Jugoslawien, heute Kosovo) ist eine aus dem Kosovo gebürtige albanische Theater- und Filmschauspielerin. Einem breiten Publikum wurde sie durch die Titelrolle in dem preisgekrönten Spielfilm Lornas Schweigen (2008) von Jean-Pierre und Luc Dardenne bekannt.

Biografie[Bearbeiten]

Arta Dobroshi, Tochter zweier Intellektueller, wurde 1979 in Priština geboren, wo sie auch aufwuchs.[1] Als Kind fasziniert von der Malerei und dem Theater, wurde sie Zeugin der Balkankriege, ehe sie im Alter von 15 Jahren von ihren Eltern für mehrere Monate ins amerikanische Albany, New York, geschickt wurde. Dort kam sie auch erstmals mit der Schauspielerei in Berührung.[2] Nach der Rückkehr aus den USA lebte Dobroshi für ein Jahr mit ihrer Mutter und dem älteren Bruder, einem Regisseur, in Albanien.[1] Mit 17 Jahren kehrte sie nach Priština zurück und studierte für vier Jahre Schauspielerei an der dortigen Kunstakademie. Als Theaterdarstellerin arbeitete sie in ihrer Heimatstadt und in Sarajewo und erschien sowohl in klassischen Stücken wie William Shakespeares Ein Sommernachtstraum, als auch moderneren Stoffen bekannter Landsleute, darunter Ekrem Kryeziu, Ismail Kadare (Der Palast der Träume), der Choreograph Gjergi Prevazi (Tranzicioni) und Almir Bukvic (Aristoteles in Bagdad).[3]

Parallel zu ihrer Arbeit am Theater agierte Dobroshi in einer Reihe von Kurzfilmen, während sie 2004 einen Song von Timor Dhomi für einen Dokumentarfilm über die Massaker in ihrer Heimat Kosovo interpretierte.[3] Von den Eltern finanziell unterstützt mied sie das Fernsehen um im albanischen Film Fuß zu fassen.[4] 2005 erhielt Dobroshi eine tragende Rolle in Kujtim Çashkus Spielfilm Magic Eye. In dem Drama ist sie an der Seite von Bujar Lako als Freundin eines Fernsehjournalisten (gespielt von Alban Ukaj) zu sehen, der die Bilder einer Familientragödie zu seinem eigenen Vorteil nutzt. Für ihre darstellerische Leistung in der preisgekrönten albanisch-deutschen Koproduktion gewann Dobroshi 2007 den Spezialpreis des mazedonischen Cinedays European Film Festival. Nach dem Mitwirken in dem Spielfilm The Sadness of Mrs. Snajdrova folgte der internationale Durchbruch mit der Titelrolle in Jean-Pierre und Luc Dardennes Spielfilm Lornas Schweigen (2008). Die bekannten belgischen Filmemacher waren durch Dobroshis vorangegangene Spielfilme und ein Vorsprechen in Sarajewo auf die Aktrice aufmerksam geworden.[5] Obwohl sie kein Französisch sprach, vertrauten die Brüder Dardenne ihr die Rolle der Lorna an, die von einer eigenen Snack-Bar in Lüttich träumt. Dafür lässt sie sich über einen kriminellen Mittelsmann auf eine Scheinehe mit dem abgemagerten belgischen Junkie Claudy (gespielt von Jérémie Renier) ein, um Belgierin zu werden. Der neu gewonnene Ehemann soll aber schnell aus dem Weg geschafft werden, damit Lorna einen reichen Russen ehelichen und mit der gewonnenen Staatsbürgerschaft versorgen kann.

Lornas Schweigen, für den Dobroshi zwei Monate lang die französische Sprache erlernte,[4] feierte seine Premiere auf den 61. Filmfestspielen von Cannes wo die albanischen Schauspielerin gemeinsam mit der Argentinierin Martina Gusman (Leonera) als Favoritin auf den Darstellerpreis gehandelt wurde, aber gegenüber der Brasilianerin Sandra Corveloni (Linha de Passe) das Nachsehen hatte.[6] Von der französischen Tageszeitung Le Monde als „neue Perle der Dardennes“ gepriesen[7] erfuhr ihre Darstellung auch in Deutschland einhelliges Lob der Kritiker. So sprach die Süddeutsche Zeitung von der noch unbekannten Hauptdarstellerin als wundervolle Entdeckung,[8] während der Tagesspiegel das entschlossene Gesicht Dobroshis heraushob, mit der sie den Film trage.[9] Noch im selben Jahr erhielt sie für ihre Leistung eine Nominierung für den Europäischen Filmpreis 2008 als Beste Darstellerin.

Dobroshi spricht neben Albanisch und Französisch auch Bosnisch und Englisch und lebt abwechselnd in Belgien und in Priština.[7][4] 2009 wurde sie neben Lars Henrik Gass und Regisseur Khavn de la Cruz in die Jury der Kurzfilm-Sektion Berlinale Shorts berufen.[10]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 2005: My Magic (Syri magjik)
  • 2008: The Sadness of Mrs. Snajdrova (Smutek paní Snajdrové)
  • 2008: Lornas Schweigen (Le Silence de Lorna)
  • 2010: Sara (Kurzfilm)
  • 2011: Late Bloomers
  • 2012: Trois mondes

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b vgl. Raspiengeas, Jean-Claude: Arta Dobroshi : L'énergie et les mots d'Arta. In: La Croix, 27. August 2008, Ausg. 38140
  2. vgl. Icher, Bruno: Encart : Arta Dobroshi. In: Libération, 20. Mai 2008, S. 29
  3. a b vgl. Profil bei commeaucinema.com (französisch; aufgerufen am 11. Oktober 2008)
  4. a b c vgl. Sander, Daniel: Die Grenzenlose bei Spiegel Online, 29. September 2008 (aufgerufen am 11. Oktober 2008)
  5. vgl. Interview mit den Brüdern Dardenne über ihren Film Le Silence de Lorna bei ARTE Kultur, 19. Mai 2008 (französisch mit deutscher Synchronisation, 2:30 min. ff.; Windows-Media-Player erforderlich)
  6. vgl. Palme d'or : les paris sont ouverts. In: Le Matin, 24. Mai 2008, S. 34
  7. a b vgl. Regnier, Isabelle: Pour Arta Dobroshi, nouvelle perle des Dardenne, „le monde est beaucoup trop petit“. In: Le Monde, 27. August 2008, S. 22
  8. vgl. Vahabzadeh, Susan: Trumph der Sehnsucht. In: Süddeutsche Zeitung, 8. Oktober 2008, S. 13
  9. vgl. Tilmann, Christina: Komm zurück. In: Der Tagesspiegel, 9. Oktober 2008, Ausg. 20049, S. 25
  10. vgl. Lutz, Cosima: Elf Kurzfilme konkurrieren um den Goldenen Bären. In: Berliner Morgenpost, 6. Februar 2009, Ausg. 36/2009, S. 18
  11. vgl. www.shooting-stars.eu/en/shooting/22245/Arta-Dobroshi.htm