Artemiwsk (Donezk)

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Artemiwsk
(Артемівськ)
Wappen von Artemiwsk
Artemiwsk (Ukraine)
Artemiwsk
Artemiwsk
Basisdaten
Oblast: Oblast Donezk
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: keine Angabe
Fläche: 74,00 km²
Einwohner: 77.085 (2013)
Bevölkerungsdichte: 1.042 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 84500
Vorwahl: +380 6274
Geographische Lage: 48° 36′ N, 38° 0′ O48.638Koordinaten: 48° 36′ 0″ N, 38° 0′ 0″ O
KOATUU: 1410300000
Verwaltungsgliederung: 3 Städte, 1 Siedlung städtischen Typs
Bürgermeister: Olexi Rewa
Adresse: вул. Артема 44
84500 м. Артемівськ
Statistische Informationen
Artemiwsk (Oblast Donezk)
Artemiwsk
Artemiwsk
i1

Artemiwsk (ukrainisch Артемівськ; russisch Артёмовск/Artjomowsk) ist eine Stadt in der Oblast Donezk im Osten der Ukraine, am Fluss Bachmutka.

Artemiwsk ist Zentrum des gleichnamigen Rajons, hat etwa 77.000 Einwohner (2013)[1] und gliedert sich neben der eigentlichen Stadt noch in die 2 Städte Soledar (Соледар) und Tschassiw Jar (Часів Яр) sowie die Siedlung städtischen Typs Krasna Hora (Красна Гора).

Geschichte[Bearbeiten]

Panzer - Denkmal für die Soldaten der Befreiung; Kirche im Hintergrund

1703 wurde die Festung Bachmut gegründet. Ab dem 18. Jahrhundert wurde in der Umgebung der Stadt Salz gewonnen und intensiver Salzhandel getrieben. Im 19. Jahrhundert war die Stadt das administrative Zentrum des Ujesd Bachmut im Gouvernement Jekaterinoslaw. 1924 wurde die Stadt in Artemiwsk zu Ehren des russischen Revolutionärs Artjom umbenannt.

Der unter anderem nach Deutschland importierte Krimsekt wird in Artemiwsk in einem ehemaligen Kalkbergwerk, und nicht wie oft angenommen auf der Halbinsel Krim produziert, aus Weinen vorwiegend von der Halbinsel. In den umfangreichen unterirdischen Gängen und Höhlen begingen Mitglieder der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg Erschießungen an der Bevölkerung. Zwischen dem 9. und 12. Januar 1942 wurden zudem ca. 3000 Juden aus Artemiwsk von Mitgliedern der SS-Einsatzgruppe C unter logistischer Mithilfe der 17. Armee in einen Stollen des ehemaligen Gips-Bergwerks verfrachtet und dort 50-70 Meter unter der Erde bei lebendigem Leibe eingemauert. Um die Aktion zu vertuschen, wurden die Wände des Stollens abgesprengt. Im September 1943, nach der Befreiung der Stadt durch die Rote Armee, wurden nach einigem Suchen die Leichen entdeckt und geborgen. Da die Leichen aufgrund der ungewöhnlichen Klimaverhältnisse im Stollen (permanente Temperatur von +12°-14° sowie eine Luftfeuchtigkeit von 88-90 %) nicht verwest, sondern mumifiziert waren, konnte eine Reihe von ihnen identifiziert werden.[2] Im Jahre 1950 wurde im selben Bergwerk aufgrund ebendieser spezifischen Klimabedingungen die Artemiwsker Sektfabrik (Krimsekt) eingerichtet. An der Stelle, wo im Januar 1941 die Artemiwsker Juden eingemauert wurden, befindet sich heute zum Gedenken die „Mauer der Tränen“.

1999 wurde bekannt, dass die ukrainische Regierung in Artemiwsk ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll im Salzbergwerk des Stadtteils Soledar plant. Die örtlichen Umwelt- und Bürgerrechtsgruppen Mama-86 und Bahmat konnten dieses Vorhaben mit der Hilfe der deutschen Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg verhindern.[3][4]

Am 24. April 2014 griffen prorussische Separatisten einen Armeestützpunkt in der Stadt an. Die ukrainische Armee wehrte den Angriff ab.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Als Bachmut führte die Stadt ein in Grün und Schwarz geteiltes Wappen mit dem mittig gesetzten Zeichen für Salz. Das ist ein Kreis mit einem waagerechten Faden über den Durchmesser (durchgeschnittener Kreis). Die Stadtfarben sind im Wappen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

1897 1923 1926 1939 1959 1970 1979 1989 2001 2005 2013
19.316 28.904 37.354 55.409 60.626 82.342 87.084 90.279 82.916 80.655 77.085

Quellen: 1897–1970[6]; 1979 [7]; 1989–2013[1]


Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Artemiwsk pflegt eine Städtefreundschaft mit Omaha in den USA.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Artemiwsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Webseite der Umweltgruppe Bahmat aus Artemiwsk

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deBevölkerungsentwicklung auf World Gazetteer
  2. Die Umstände der Ermordung der Juden in Artemiwsk waren nach dem Kriege Gegenstand der Nürnberger Prozesse.
  3. Ein Endlager - dann ist die Stadt tot, Reisebericht der BI vom 22. August 2000, zuletzt gesichtet am 28. April 2014.
  4. Ukrainer beim Anti-Atom-Camp EJZ-Bericht über den Gegenbesuch, zuletzt gesichtet am 28. April 2014.
  5. Moskaus Antwort: Manöver an ukrainischer Grenze, tagesspiegel.de berichtet am 24. April 2014.
  6. Demographie ukrainischer Städte auf pop-stat.mashke.org
  7. Bevölkerungszahlen auf Citypopulation.de
  8. http://www.webcitation.org/65BOYrQeB