Artern/Unstrut

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Artern/Unstrut
Artern/Unstrut
Deutschlandkarte, Position der Stadt Artern/Unstrut hervorgehoben
51.36472222222211.290555555556121Koordinaten: 51° 22′ N, 11° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Kyffhäuserkreis
Höhe: 121 m ü. NHN
Fläche: 24,05 km²
Einwohner: 5707 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 237 Einwohner je km²
Postleitzahl: 06556
Vorwahl: 03466
Kfz-Kennzeichen: KYF, ART, SDH
Gemeindeschlüssel: 16 0 65 002
Stadtgliederung: Kernstadt; 2 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 14
06556 Artern
Webpräsenz: www.artern.de
Bürgermeister: Wolfgang Koenen (Die Linke)
Lage der Stadt Artern/Unstrut im Kyffhäuserkreis
Thüringen Abtsbessingen Artern/Unstrut Bad Frankenhausen/Kyffhäuser Kyffhäuserland Bellstedt Kyffhäuserland Clingen Borxleben Bretleben Donndorf Ebeleben Etzleben Freienbessingen Gehofen Kyffhäuserland Gorsleben Greußen Großenehrich Kyffhäuserland Kyffhäuserland Hauteroda Helbedündorf Heldrungen Hemleben Heygendorf Holzsußra Ichstedt Kalbsrieth Mönchpfiffel-Nikolausrieth Nausitz Niederbösa Oberbösa Oberheldrungen Oldisleben Reinsdorf Ringleben Rockstedt Roßleben Kyffhäuserland Kyffhäuserland Sondershausen Kyffhäuserland Thüringenhausen Topfstedt Trebra Voigtstedt Wasserthaleben Westgreußen Wiehe WolferschwendaKarte
Über dieses Bild

Artern/Unstrut ist eine Stadt im thüringischen Kyffhäuserkreis. Die an der Unstrut gelegene Stadt befindet sich im äußersten Nordosten des Landes an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Aus Artern stammen Goethes Ahnen väterlicherseits.

Geographie[Bearbeiten]

Artern liegt an einem Bogen der Unstrut, die die Stadt von Südwesten nach Südosten durchfließt. Unterhalb von Artern mündet die Helme in die Unstrut ein. Bedingt durch die Lage an diesen Flüssen ist das Gebiet um Artern sehr flach und sehr fruchtbar. Umgeben ist das Becken zwischen Goldener und Diamantener Aue von Gebirgen, nämlich dem Harz im Norden, dem Kyffhäuser im Westen, Hoher Schrecke im Süden und einem weiteren Höhenzug im Osten. Dadurch bedingt gehört Artern zu den wärmsten und trockensten Gegenden in Thüringen.[2] Der Jahresniederschlag liegt bei nur 457 mm; die Durchschnittstemperatur bei 8,5 °C.

In der von Johann Gottfried Borlach gegründeten Saline Artern wird zwar kein Salz mehr gewonnen, aber die Solequelle (Salzgehalt 2,25 %) speist noch heute das Soleschwimmbad und den Solgraben. Der Solgraben ist ein kleines Naturschutzgebiet, in dem durch das salzhaltige Wasser eine Pflanzenwelt entstanden ist, die eher einer Küstenflora entspricht.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Altstadt von Artern liegt auf der Nordseite der Unstrut. Sie besteht aus zwei Siedlungskernen: der Stadt Artern im Westen und dem Dorf Artern im Osten. Beide wurden erst 1832 vereinigt. Ab dem 19. Jahrhundert wuchs die Stadt dann vor allem nach Osten zum Bahnhof, wo das Hauptindustriegebiet entstand. Später dehnte sie sich dann auch nach Norden entlang der Straße nach Sangerhausen aus, wo um den Westbahnhof ein zweites Industriegebiet entstand.

Neben der Kernstadt besitzt Artern noch zwei Stadtteile: Schönfeld im Westen (am 17. November 1995 eingemeindet)[3] und Kachstedt im Nordwesten.

Klimatabelle[Bearbeiten]

Artern
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
27
 
2
-3
 
 
24
 
3
-3
 
 
29
 
8
0
 
 
37
 
13
4
 
 
48
 
18
8
 
 
57
 
21
11
 
 
48
 
23
13
 
 
52
 
23
12
 
 
39
 
19
10
 
 
30
 
14
6
 
 
32
 
7
2
 
 
33
 
3
-2
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Artern
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 1,8 3,3 7,9 13,0 18,2 21,4 23,2 23,1 19,3 13,7 6,9 2,9 Ø 12,9
Min. Temperatur (°C) −3,1 −2,6 0,3 3,5 7,8 11,1 12,6 12,3 9,6 5,7 1,6 −1,5 Ø 4,8
Niederschlag (mm) 26,7 23,8 29,0 36,5 48,4 56,6 48,4 51,9 38,5 29,9 32,3 33,3 Σ 455,3
Sonnenstunden (h/d) 1,3 2,1 3,5 4,8 6,3 6,3 6,5 6,2 4,5 3,1 1,5 1,0 Ø 3,9
Regentage (d) 8 6 7 8 9 9 8 8 8 6 7 8 Σ 92
Luftfeuchtigkeit (%) 85 84 78 72 71 72 71 72 77 82 85 86 Ø 77,9
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
1,8
−3,1
3,3
−2,6
7,9
0,3
13,0
3,5
18,2
7,8
21,4
11,1
23,2
12,6
23,1
12,3
19,3
9,6
13,7
5,7
6,9
1,6
2,9
−1,5
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
26,7
23,8
29,0
36,5
48,4
56,6
48,4
51,9
38,5
29,9
32,3
33,3
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Geschichte[Bearbeiten]

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde Artern in einem Verzeichnis der Güter des vom Erzbischof Lullus († 786) von Mainz erbauten Klosters Hersfeld als Aratora urkundlich erwähnt. Die Wasserburg Artern wurde wohl schon ab dem 10. Jahrhundert erbaut. Sie diente der Sicherung des Unstrutübergangs zur Thüringer Pforte und in Richtung Schmücke und Sangerhausen. 1252 wurde ein Ulrich von Artern genannt, der sicher mit der Wasserburg verbunden war. 1346 wurden die Erzbischöfe von Magdeburg Lehnsherren. Im 16. Jahrhundert baute man die Burg als Schloss um. Dieser Bau wurde im 18. Jahrhundert größtenteils abgerissen.[4] Jetzt steht dort ein Bankgebäude.

Luftbild von Artern 1933/1945
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  • 1200: Bau der Marienkirche
  • 1250: Bau der Veitskirche
  • 1323: Die Arterner Burgsiedlung erhielt das Stadtrecht.
  • 1436: Artern erhielt eine eigene Gerichtsbarkeit.
  • 1579: Die Stadt Artern gehörte nach einem Gebietstausch nun zum Kurfürstentum Sachsen.
  • 1680 Artern war von Hexenverfolgung betroffen. Eine Frau geriet in einen Hexenprozess, wurde zum Feuertod verurteilt, verstarb in der Haft.[5]
  • 1683: Die Stadt wurde vollständig, das Dorf teilweise durch ein Feuer zerstört.
  • 1728–1733: Vom Bergingenieur Johann Gottfried Borlach wurde eine neue, technisch verbesserte Saline errichtet.
  • 1815: Artern kam unter preußische Herrschaft und wurde in die Provinz Sachsen eingegliedert.
  • 1832: Stadt und Dorf von Artern wurden vereint.
  • 1906: Neubau des Rathauses im Stil des Neobarock (1993/1994 saniert)
  • 1939: 47 Kriegsgefangene aus Polen und Frankreich mussten in örtlichen Unternehmen Zwangsarbeit verrichten: auf dem Rittergut Weidlich, auf der Domäne und bei den Unstrutwerken.
  • 1941: Über 400 ausländische Zwangsarbeiter waren in der Maschinenfabrik Kyffhäuserhütte beschäftigt. Hinzu kamen mindestens 1.124 ausländische Zwangsarbeitskräfte, vorwiegend aus der Sowjetunion, die zusätzlich in der Zuckerfabrik, in der Brauerei, in der Saline, bei der Reichsbahn, in der Landwirtschaft (auch im Ortsteil Schönfeld) und im Vorwerk Kachstedt Zwangsarbeit leisten mussten.
  • 1944: Im Außenlager Artern mit dem Decknamen A-Dorf des KZ Mittelbau-Dora mussten hunderte Häftlinge, auch aus anderen Lagern kommend, die Elektrik für V2-Raketen montieren.
  • 1945: Im April wurden hunderte KZ-Häftlinge auf verschiedenen Routen auf einen Todesmarsch geschickt. Die zahlreichen Todesopfer der Zwangsarbeit und der letzten Deportationen wurden auf dem Parkfriedhof beigesetzt, woran ein Gedenkstein erinnerte, der 1975 entfernt wurde.[6]
  • 1952–1994: Artern war Kreisstadt des Kreises Artern im Bezirk Halle, der aus den südlichen Teilen des Landkreises Sangerhausen sowie aus dem östlichen Teil des Landkreises Sondershausen gebildet wurde. 1994 wurde der Kreis Artern mit dem Kreis Sondershausen zum Kyffhäuserkreis mit Sitz in Sondershausen vereinigt. Als Ersatz für den Verlust des Kreisstadtstatus erhielt Artern die zentrale Bußgeldstelle Thüringens.
  • 1998 endgültige Schließung der 1990 in Barbarossa-Brauerei umbenannten ehemaligen Vereinsbrauerei Artern.[7]
  • In den Jahren 2002/2003 produzierte die Endemol-Produktion hier für das MDR Fernsehen die Doku-Soap „Artern – Stadt der Träume“, welche vom 6. Februar bis zum 25. Dezember lief und das Leben der Menschen in der Stadt mit der höchsten Arbeitslosigkeit in Thüringen dokumentierte. Zeitweilig sprach die Presse („Der Spiegel“, „Der Standard“-Wien) von einer ostdeutschen „Truman Show“.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 jeweils zum 31. Dezember):

  • 1612: 0242 Hauswirte
  • 1831: 2640
  • 1890: 4790
  • 1933: 5889
  • 1939: 6366
  • 1960: 7296
  • 1989: 7280
  • 1994: 7064
  • 1996: 7157
  • 1998: 7067
  • 2000: 6848
  • 2002: 6580
  • 2003: 6424
  • 2004: 6344
  • 2005: 6201
  • 2006: 6165
  • 2007: 5970
  • 2008: 5867
  • 2009: 5824
  • 2010: 5715
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 45,1 %
 %
50
40
30
20
10
0
44,0 %
37,9 %
18,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   2
   0
  -2
  -4
± 0,0 %p
-1,7 %p
+1,8 %p
Blick von der Hohen Schrecke auf Artern
Das Rathaus

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Artern wurde bei den Kommunalwahlen in Thüringen 2014 neu gewählt. Dabei ergab sich folgende Stimmverteilung:

Partei / Liste Sitze
CDU 9
LINKE 7
SPD 4

Bürgermeister ist Wolfgang Koenen (Die Linke).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Stadt hat drei Partnerstädte:

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau zwei senkrecht stehende, nach außen gebogene silberne Radfelgenstücke.“

Das Wappen von Artern wurde auf Grund historisch belegter Umstände angenommen. Zugleich wurde damit die bis dahin bestehende Unsicherheit über das zutreffende Stadtwappen und seine Aussagekraft beseitigt. In der angegebenen Gestalt hatte sich das Wappen in einem Quaderkalkstein eingehauen am alten Rathaus befunden, das 1906 durch einen Neubau ersetzt wurde. Im Jahr 1850 war der Stein, bis dahin von Putz bedeckt, freigelegt worden. Es ist das Wappen des Ministerialengeschlechtes von Hake, das in Artern und Umgebung Lehnsbesitz hatte. Der anfänglich geführte Streit darüber, ob es Regenbogen, Mondsicheln oder Radfelgen zeigt, ist zugunsten der letzteren entschieden worden, denn Radfelgen passen aussagekräftig zu der am Rande der Goldenen Aue liegenden Stadt, die als Siedlung schon sehr früh, im 8. Jh., im Hersfelder Zehntverzeichnis als Aratora genannt wird; der Ortsname könnte von dem mittelhochdeutschen Wort art = Ackerbau abgeleitet werden.[8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Die St.-Veit-Kirche vor ihrer späteren Restauration 1990
Die sanierte Veitskirche
St.-Veits-Kirche aus dem 13. Jahrhundert

Als eines der ältesten gebliebenen mittelalterlichen Bauwerke der Stadt präsentiert sich die St.-Veits-Kirche im Norden der Arterner Altstadt. Der Bau in seinem jetzigen Aussehen stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und fällt somit in die späte Romanik bzw. Frühgotik. Sehenswert sind hier der Kirchturm, der sich über der Vierung der Seitenschiffe befindet und der kreuzförmige Grundriss der Kirche. Bis in die Zeit der Reformation wurde die Veitskirche von den Bewohnern sakral genutzt.

Seit etwa der Mitte des 16. Jahrhunderts stand das Gotteshaus leer und wurde nur noch sporadisch für Gottesdienste in Anspruch genommen. Daraufhin verfiel das Gebäude in den nächsten Jahren zusehends. Im 18. und 19. Jahrhundert diente es u. a. als Scheune, Geräteunterstand und einmal als Gefängnis. Um 1895 befand sich eine Turnhalle im Kircheninneren, seit Mitte der 1930er Jahre ein Heimatmuseum. Ab 1990 wurde die Veitskirche als Wahrzeichen der Stadt Artern umfangreich restauriert und erhielt ihr heutiges Aussehen. Während der Bauarbeiten im Kircheninneren kamen Reste von drei Vorgängerbauten zum Vorschein, die auch archäologisch dokumentiert wurden. Die Restaurierung der Kirche wurde im August 1999 abgeschlossen. Das Gebäude wird heute für Ausstellungen, Konzerte und standesamtliche Eheschließungen genutzt.[9]

Marienkirche
Der Obere Hof
Marienkirche aus dem 12. Jahrhundert

Die Stadtkirche St. Marien wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Die Kirche wurde der Mutter Maria geweiht. Als Material wurden Buntsandstein, Kalkstein, Konglomerat und Gips verwendet. Nach 1150 wurde der Turm gebaut, um 1225 der spätere Chorraum, jetzt Winterkirche. Mit der Reformation 1540 wurde die Marienkirche Kirche der evangelischen Kirchgemeinde Artern. 1607/08 wurde das Westschiff nach einem Brand abgerissen. Im Jahr 1615 wurde mit dem Wiederaufbau des Kirchenschiffes begonnen. Am 25. Mai 1620 zu Christi Himmelfahrt fand die Einweihung des neuen Kirchenschiffes statt. 1654 begannen erneut Bauarbeiten und zwei Jahre später wurden die ersten Emporen eingebaut. Am 8. Juni 1669 wurde der Turmknopf aufgesetzt und ein Jahr später das Dach fertiggestellt. Ende November 1685 am St.-Andreas-Tag wurde die Kirche erneut eingeweiht. Während der nächsten 150 Jahre wurde über den Turmglocken eine Turmstube im Fachwerkstil erbaut.

1837 wurden die alten Emporen ausgebaut und neue Doppelemporen zusätzlich errichtet. Eine Gesamtrestaurierung dauerte bis 1859. 1860 wurde das Fresko Verklärung von Sörensen aus Merseburg im Inneren der Kirche angebracht. Zehn Jahre später wurde die Orgel von Strobel aus Bad Frankenhausen eingebaut. Nachdem im Zweiten Weltkrieg einige Glocken abgegeben werden mussten, wurde 1955 die Einweihung einer neuen Glocke feierlich begangen. 1964 wurde die Winterkirche eingeweiht. Im Jahr 1994 bekam die Kirche eine neue Dacheindeckung.

Natur- und Kräutergarten

Der Natur- und Kräutergarten am ehemaligen Westbahnhof wurde im Mai 2001 eröffnet. Im Mittelpunkt befindet sich die Kräuterfrau „Artemis“, bei der einige Heilpflanzen nach ihren Anwendungsgebieten an die jeweilige Körperstelle gepflanzt wurden. Über Naturwege kann man den Germanengarten, Klostergarten, Färbergarten, die Kräuterschnecke und Streuobstwiese, die Wildblumenwiese, das Reich der Artemisia, den Garten der Besonderheiten und den Feng-Shui-Garten besichtigen.

Weitere Bauwerke
  • Das neobarocke Rathaus wurde 1906 als freistehender Putzbau zu drei Geschossen errichtet. Der Turm ist mittig eingestellt, die Fassadengestaltung wirkt asymmetrisch. Im Festsaal wird ein Gemälde von Otto Engelhard-Kyffhäuser aus dem Jahr 1929 ausgestellt, es zeigt eine historische Ansicht des Ortes.[10]
  • Oberer Hof, ein Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert im ehemaligen Rittergut mit Ausstellung zur Geschichte der Kyffhäuserhütte
  • Jüngkens Aussichtsturm (auch „Rapunzelturm“ genannt), erbaut 1863 auf dem 190 Meter hohen Weinberg
  • Goetheahnenhaus, die ehemalige Schmiede ist das Stammhaus der Familie Goethe. Eine Gedenktafel über der Eingangstür erinnert an Goethes Urgroßvater Hans Christian Göthe.

Parks[Bearbeiten]

Salinepark

Der Salinepark an der Unstrut ist knapp 6,5 ha groß und beherbergt größtenteils heimische Baumarten wie Ahorn, Buchen, Kastanien, Linden, Weiden und außerdem zwei seltene Urweltmammutbäume; Götterbäume, Trompetenbäume und chinesisches Rotholz. 1865 begann der Verschönerungsverein mit dem Anlegen des Parks. Schon die Salinedirektoren Wapler, Schröcker und Fischer haben sich für den Park engagiert. Salinedirektor Oberbergrat Constantin Wonnerberg ließ im 20. Jahrhundert Gradierwerk, Tennispark, Inhalatorium, Soletrinkhalle und die Kinderheilanstalt „Cäcilienheim“ errichten, welche aber nur noch zum Teil vorhanden ist. Der Park beherbergt außerdem eine Freilichtbühne, auf der regelmäßig Veranstaltungen wie auch Filmvorführungen stattfinden.

Parkfriedhof

Der Parkfriedhof befindet sich nordwestlich der Altstadt an der Sangerhäuser Chaussee, direkt an der Bundesstraße 86. Er ist eine botanische Sehenswürdigkeit: Auf ca. 1,63 Hektar bietet sich entlang der Sole eines der kleinsten Naturschutzgebiete Deutschlands mit zum Teil sehr seltenen Pflanzen, die nur auf salzigen Böden wachsen (Halophyten).

Der preußische König Friedrich Wilhelm III. schenkte 1828 das Gelände der Stadt für die Errichtung eines Friedhofs, der parkähnlich angelegt und 1833 eingeweiht wurde. Neben alten Grabmälern sind noch Reste der alten Salztalmauer zu sehen. Der Park lädt Besucher zu Spaziergängen und zum Verweilen an der Sole ein.[9]

Solequelle

Die Solequelle, die bis 1964 wirtschaftlich genutzt wurde, speist heute den Solgraben und das Soleschwimmbad und befindet sich im Parkfriedhof. Die Sole kommt aus einem 300 m tiefem Salzlager und hat ganzjährig eine Temperatur von 11,5 °C. Ein Liter Wasser enthält 22–25 g Salz sowie Kali- und Magnesiumsalze. Die Salzjahresförderleistung beträgt 22.400 m³. Der Solgraben ist das kleinste Naturschutzgebiet Europas seiner Art (Größe ca. 1,63 ha) und die bedeutendste Binnensalzstelle Mitteleuropas. Er bietet auf kleinstem Raum eine seltene Fauna und Flora. Pflanzen wie z. B. Queller, Salzwermut, Salz-Aster, Salzmelde, Salz-Binse und Erdklee sowie Tiere wie z. B. typische Salzkäfer, Salzwanzen und Salzfliegen sind hier zu finden. Als einziger Fisch lebt der dreizackige Stichling noch im Solgraben.

Freizeit[Bearbeiten]

Das Soleschwimmbad im Salinepark wurde 1994/95 saniert und erhielt dabei eine neue Beckenlandschaft, eine 50 m Rutsche, Strömungskanal und Planschbecken sowie eine Außenanlage mit Volleyballfeldern, Streetballanlage, Abenteuerspielplatz und gastronomischer Versorgung. Der Salzgehalt des Wassers beträgt 3,25 %.

Die Bowling- und Kegelbahnen im Salinepark werden seit den 1970er-Jahren im Salinepark genutzt. Nach mehreren Um- und Ausbauarbeiten festigte der Kegelverein mit verschiedenen Mannschaften seine sportliche Stellung im Kyffhäuserkreis und seine Bahnen im Freizeitangebot der Stadt. Außer vom Verein kann die Sportstätte auch für betriebliche und private Feiern genutzt werden.

Die 1990 gegründete Galerie Aratora präsentiert in ihren drei Ausstellungsräumen zeitgenössische bildende und angewandte Kunst (vornehmlich von Künstlern aus den neuen Bundesländern). In ihrer Wechselausstellungstätigkeit finden jährlich vier Sonderausstellungen statt. Zudem gehören Künstlergespräche, Schriftstellerlesungen, Vorträge und Kleinkunstveranstaltungen zum Angebot der Galerie.

Unstrut-Schleuse Artern, größte Unstrutschleuse: 50 m lang, 5,50 m breit, Fallhöhe 1,90 m. In den Jahren 1791–1795 erfolgte der Ausbau der Unstrut als Wasserstraße. An der Unstrut wurden dazu zwölf Schleusen erbaut. Gegenwärtig sind sieben Schleusen betriebsbereit, die für Freizeit-Paddler und Motorboote in der Saison vom April bis Oktober zur Verfügung stehen.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • 1. Mai: Streetbasketballtunier
  • vorletztes Sommerferienwochenende: Seifenkistenrennen
  • Anfang August: Brunnenfest
  • Oktober: Zwiebelmarkt
  • Dezember: Nikolausmarkt
  • weitere Konzerte und Open-Air-Feste

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ehemalige Kyffhäuserhütte
Ehemalige Saline

Nach Schließung der beiden größten Betriebe der Stadt (Kyffhäuserhütte und Zuckerfabrik) entwickelte sich die typische Wirtschaftsstruktur vieler Kleinstädte im Osten mit mehr Klein- und Handwerksbetrieben und einigen Handelsfirmen. Da trotz der Solequelle im Ort der Tourismus- und Bäderbetrieb keine Rolle spielt, liegt die Arbeitslosenzahl weit über dem Landesdurchschnitt. Mit Schaffung zweier großer Gewerbegebiete auf den Industriebrachen der ehemaligen Großbetriebe wurden bessere Bedingungen für eine Industrieansiedlung geschaffen.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Artern liegt an der Bundesstraße 86, die im westlichen Stadtgebiet durch den Ort führt. Die Bundesautobahn 38 verläuft etwa zwölf Kilometer nördlich und verbindet den Ballungsraum Kassel/Göttingen im Westen mit dem Gebiet Leipzig/Halle (Saale) im Osten.

Durch die zu großen Teilen bereits fertiggestellte Bundesautobahn 71 wird Artern direkt an das Autobahnnetz angebunden. Mit dem Bau dieser von Sangerhausen bis Schweinfurt reichenden Autobahn wurde im Arterner Raum Ende 2006 begonnen. Im nahe gelegenen Oberröblingen sind die beiden Autobahnen über das am 29. April 2013 frei gegebene Autobahndreieck Südharz verknüpft.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Bahnhof

Im östlichen Teil der Stadt befindet sich der Bahnhof an der Bahnstrecke Sangerhausen–Erfurt, die von Regionalbahnen und Regionalexpress-Zügen nach Erfurt Hbf und Magdeburg Hbf befahren wird. Die Nebenstrecken nach Sondershausen und Naumburg wurden zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2006 eingestellt. Auf der Bahnstrecke Berga-Kelbra–Artern erfolgt schon seit 1966 kein Verkehr mehr.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Hans Heinrich Büchner (1864–1959), Stadtverordnetenvorsteher

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Personen, die mit Artern in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Artern/Unstrut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Klimadiagramm von Artern
  3. Destatis.de: Gebietsänderungen vom 01. Januar – 31. Dezember 1995 (Jahr) (XLS-Datei; 142 KiB)
  4. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor-und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9.
  5. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 251.
  6. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. (= Heimatgeschichtliche Wegweiser, Band 8 – Thüringen.) Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 166.
  7. http://www.hwph.de/historische-wertpapiere/artnr-KP03674-vereinigte-thringer-brauereien.html
  8. Neues Thüringer Wappenbuch, Band 2, S. 22; Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft Thüringen e. V., 1998, ISBN 3-9804487-2-X
  9. a b  Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): «Artern». In: Kulturelle Entdeckungen. Landkreis Eichsfeld, Kyffhäuserkreis, Landkreis Nordhausen, Unstrut-Hainich-Kreis. Band 1 (Thüringen), Schnell & Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2249-3, S. 13–14.
  10. Dehio Thüringen 2003 Seite 61 ISBN 3-422-03095-6