Arthur Arz von Straußenburg

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Arthur Arz von Straußenburg 1917

Artur Arz von Straußenburg (* 16. Juni 1857 in Hermannstadt (ungarisch Nagy-Szeben, rumänisch Sibiu), Kaisertum Österreich; † 1. Juni 1935 in Budapest, Königreich Ungarn) war österreichisch-ungarischer Berufsoffizier und während des Ersten Weltkriegs 1917 / 1918 Generalstabschef der k.u.k. Armee.

Arz war seit 1867 ungarischer Staatsbürger und führte seinen Vornamen ohne stummes h (siehe Partezettel); er wird in deutschsprachigen Texten allerdings zumeist mit h geschrieben. Er besaß von 1917 an den ungarischen Baronstitel, der in deutschsprachigen Texten oft als Freiherr wiedergegeben wurde.

Herkunft und Jugend[Bearbeiten]

Arthur Arz von Straußenburg wurde 1857 als Sohn des evangelikalen Kaplans Karl Arz von Straußenburg und dessen Ehefrau Louise Pfaffenhuber in Hermannstadt geboren. Die adelige Familie gehörte den Siebenbürger Sachsen, der deutschsprachigen Minderheit Siebenbürgens, damals Teil des Vielvölkerstaates Kaisertum Österreich, seit 1867 Österreich-Ungarn, an. Sein Vater war ein hochgeachteter Mann, der (wie später auch Baron Arz) dem ungarischen Magnatenhaus (Oberhaus) angehörte.

Die Schullaufbahn absolvierte der junge Arz in Dresden und Hermannstadt und schloss diese mit großem Erfolg ab. Danach beschloss er, Rechtswissenschaften zu studieren, leistete vorher jedoch Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger. 1876 / 1877 diente er als Leutnant der Reserve in einem ungarischen Feldjägerbataillon.

Karriere als Berufsoffizier[Bearbeiten]

Während dieser Zeit änderte Arz seine Berufspläne und trat fest ins gemeinsame Heer ein, um die Offizierslaufbahn einzuschlagen.

Von 1885 bis 1887 besuchte er die k.u.k. Kriegsschule in Wien und wurde anschließend wegen seiner hervorragenden Leistungen als Stabsoffizier dem Generalstab des Heeres zugewiesen. Bald wurde er zum Hauptmann befördert und 1895 dem neu ernannten Generaltruppeninspektor Feldzeugmeister Anton von Schönfeld als Adjutant zugewiesen, was er bis zu dessen Tod Anfang 1898 blieb. 1898 kehrte Arz in den Generalstab zurück, wo er bis auf wenige Ausnahmen bis 1908 bleiben sollte.

Im November 1908 verließ der zum Generalmajor beförderte Arz den Generalstab und übernahm das Kommando über die 61. Infanterie-Brigade. Er galt damals als einer der vielversprechendsten und kompetentesten Offiziere des Heeres und erhielt Förderungen durch Erzherzog Eugen. 1912 übernahm er für kurze Zeit den Befehl über die 15. Infanterie-Division in Miskolc, ehe er 1913 zum Feldmarschall-Leutnant befördert und an das Kriegsministerium nach Wien versetzt wurde. Hier fungierte er als Sektionschef, dem Minister unmittelbar unterstellt.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 blieb Arz noch einige Wochen im Kriegsministerium, ehe er im September an die Ostfront abkommandiert wurde und das XI. Korps übernahm. Hier machte er seine ersten Fronterfahrungen und zeichnete sich durch Geschick in verschiedenen Schlachten aus, z. B. in der Schlacht von Gorlice-Tarnów. Im September 1915 wurde er zum General der Infanterie befördert und der gemischten 11. Armee unter dem deutschen General August von Mackensen zugeordnet. In dieser Funktion nahm er erfolgreich an der Niederwerfung Serbiens teil und erlangte dabei den Respekt des deutschen Bundesgenossen, der seine Fähigkeiten als Kommandant schätzte.

Nach dem Kriegseintritt Rumäniens auf Seiten der Entente (August 1916) geriet Österreich-Ungarn strategisch zunehmend unter Druck. Arz wurde nach Siebenbürgen versetzt und mit der Neuorganisation der 1. k.u.k. Armee beauftragt, um einen erwarteten Vorstoß der rumänischen Truppen in dieses Gebiet abzuwehren. Bei seiner Ankunft im Hauptquartier von Klausenburg (Cluj-Napoca) erklärte er: Ich bin ein Armeechef ohne Armee. In der Tat umfasste seine 1. Armee lediglich die Stärke einer Division (rd. 10.000 Mann), ein Beweis für die überstrapazierten Ressourcen der Donaumonarchie. Doch mit deutscher Unterstützung durch General Mackensen gelang es den Mittelmächten, die rumänische Invasion abzuwehren und schließlich zum Gegenangriff überzugehen. Aufgrund seiner Leistungen auf dem rumänischen Kriegsschauplatz gewann Arz die Anerkennung des Thronfolgers Erzherzog Karl.

Als Generalstabschef 1917 / 1918[Bearbeiten]

Arz (rechts) mit Erich Ludendorff

Als Kaiser Franz Joseph I. am 21. November 1916 starb, folgte ihm Karl I. nach, der in den Wochen nach seiner Thronbesteigung sowohl die zivile als auch die militärische Führung austauschte. Karl übernahm persönlich den Oberbefehl über die gesamte bewaffnete Macht, geriet aber in der Folge in Konflikt mit dem an eigenständige Entscheidungungen gewohnten Generalstabschef Conrad. Aufgrund dieser Differenzen enthob der Kaiser Conrad am 1. März 1917 seines Amtes und ernannte Arz am gleichen Tag zum Nachfolger.[1]

Dieser kam umgehend ins Hauptquartier in Baden und übernahm seine neue Funktion im Armeeoberkommando (AOK). Er legte einen völlig anderen Führungsstil an den Tag als der selbstbewusste, ehrgeizige Conrad. Arz war vielmehr ein loyaler Berater seines Monarchen in militärischen Fragen und verhielt sich in politischen Angelegenheiten neutral. Nach persönlichem Machtzuwachs strebte er nicht. Manfried Rauchensteiner beurteilte ihn als unpolitischen, unauffälligen und vor allem befehltreuen Mann.[2]

Das Verhältnis des Generalstabschefs zur mächtigen deutschen Obersten Heeresleitung (OHL) unter Hindenburg und Ludendorff war weit harmonischer als das seines Vorgängers; Arz war Anhänger des Bündnisses und Bewunderer des deutschen Heerwesens. Infolge dessen gewann die deutsche OHL mehr Einfluss auf militärische Vorgänge der Doppelmonarchie; zunehmend ein Problem für die österreichisch-ungarischen Entscheidungsträger. Die Friedensbestrebungen Kaiser Karls wurden vom deutschen Verbündeten nicht unterstützt. Jedoch führte die verstärkte deutsche Unterstützung auch zu militärischen Erfolgen im Sommer und Herbst des Jahres 1917 (Abwehr der Kerenski-Offensive und Sieg von Karfreit).

Am 19. April 1917 als ungarischer Adeliger vom Monarchen mit der Baronswürde ausgezeichnet[3] und am 9. Februar 1918 zum Generaloberst befördert,[4] plante Arz auf Druck der OHL im Sommer 1918 eine finale Schlacht gegen Italien. Doch die Planungen erwiesen sich als problematisch, da sowohl Feldmarschall Conrad als auch Feldmarschall Boroevic den Hauptstoß der Offensive führen wollten, was schließlich im Juni 1918 zum Scheitern der Aktion führte. Als Reaktion übernahm Arz die volle Verantwortung für das Scheitern und bot dem Kaiser seinen Rücktritt an, was dieser ablehnte.

Arz bestritt in seiner Biografie später österreichisch-ungarische Expansionsbestrebungen. Eroberungen hätten das „zur Not“ aufrechterhaltene Gleichgewicht gestört. Der Bestand der Monarchie sei durch Veränderung ihrer Zusammensetzung im Zuge von Annexionen vom Verfall bedroht gewesen, weshalb der alleinige Kriegszweck die Erhaltung der Monarchie gewesen sei.[5]

Intern vertrat er in einem Schreiben vom Juli 1918 an Außenminister Burián eine andere Position:

„Der Sieger hat das Recht, die Folgen seines Sieges nach seinem Urteil und seinem Gutdünken aufzustellen. Und die Sieger auf der Balkanhalbinsel sind wir ... Hand in Hand mit unseren Kriegszielen auf dem Balkan geht die Lösung der jugoslawischen Frage. Sie wird gelöst werden müssen, was, meiner Ansicht nach, vollständig nur im Rahmen der Monarchie möglich ist. Ich kann die Beseitigung der großserbischen Gefahr nur darin erblicken, dass ein selbständiger serbischer Nationalstaat nicht wieder erstehen darf und dass die Monarchie dieses Volk in ihren Verband einverleibt. Nur diese radikale Lösung der Frage kann die Monarchie vor neuen Krisen und Verwicklungen sicherstellen.[6]

Portrait Arz von Straußenburg von Hugo von Bouvard (Wien, Heeresgeschichtliches Museum)

Arz wollte den Status Albaniens als befreundetes neutrales Ausland in den Status eines feindlichen und eroberten Gebietes umwandeln, vor allem, um mehr Requirierungsmöglichkeiten im Lande zu haben. Er forderte am 21. Juli 1918 von Burián ein Äquivalent für die unverhältnismäßig großen Opfer an Personal und Material für die Besetzung Albaniens. Dieses Äquivalent könne aber unmöglich in einem Protektorat gesehen werden. Albanien muss als selbständiger Staat unmittelbare Grenzen an die Monarchie erhalten und durch staatsrechtliche Bindungen mit diesem aufgebaut werden. Da nach Meinung von Arz der Sieger auf der Balkanhalbinsel die Monarchie sein werde, liege es an ihr, die Zukunft durch vorwegnehmende Maßnahmen jetzt schon in bestimmte Bahnen zu lenken.[7]

Todesanzeige für Artur Baron Arz von Straußenburg

Arz befürwortete sogar ein Protektorat der Monarchie in Armenien. Er sah in der Entsendung schwacher österreichisch-ungarischer Kräfte nach dem Kaukasus keinen Nachteil für die Monarchie. Ein Engagement im Kaukasus schien sowohl dem Großmachtprestige als auch den Wirtschaftsinteressen der Monarchie förderlich zu sein; - vor allem die Sicherung eines Anteils am Erdöl von Baku. Arz erklärte sich am 9. August bereit, in Anbetracht der großen Bedeutung der Rohstoffgewinnung aus dem Kaukasus zwei bis drei Bataillone nach Armenien zu entsenden.[8]

Doch dazu kam es aufgrund des Kriegsverlaufs nicht mehr. Die Entente hatte nach dem Kriegseintritt der USA die Oberhand gewonnen und Ende Oktober 1918 zerbrach die österreichisch-ungarische Realunion, die Frontarmee löste sich auf. Arz erklärte, die Armee könne den Krieg nicht mehr fortsetzen und riet Karl I. zum Waffenstillstand, um unnötiges Blutvergießen zu verhindern. Der Kaiser legte den Oberbefehl am 2. November nieder und wollte Arz zu seinem Nachfolger ernennen. Doch dieser wollte nicht für die Unterzeichnung des Waffenstillstands verantwortlich sein und bat den Kaiser, an seiner Statt Feldmarschall Kövess zum Oberbefehlshaber zu ernennen, was dieser auch tat. Am 3. November 1918 trat der Waffenstillstand von Villa Giusti unter chaotischen Umständen in Kraft, wodurch fast 350.000 österreichische Soldaten in italienische Kriegsgefangenschaft gerieten.

Nach dem Krieg[Bearbeiten]

Nach Kriegsende wurde die ehemalige k.u.k. Armee demobilisiert und löste sich vollends auf. Arz nahm seinen Abschied vom aktiven Dienst und ließ sich gezwungenermaßen in Wien nieder. Seine siebenbürgische Heimat war inzwischen rumänisches Territorium geworden, und Rumänien verweigerte ihm als ehemaligem Kriegsgegner die Rückkehr.

Staatsrechtlich war Arz ungarischer Bürger, doch sowohl Ungarn als auch Rumänien verweigerten ihm Pensionszahlungen, weshalb er trotz Spenden und Zuwendungen aus einem Fonds ehemaliger Offiziere in ärmlichen Verhältnissen leben musste. Erschwerend kam hinzu, dass er einen Prozess durchstehen musste, an dessen Ende er jedoch freigesprochen wurde. Man machte Arz den Vorwurf, nach dem Waffenstillstand den Feuereinstellungsbefehl an der italienischen Front zu früh gegeben zu haben, so dass noch viele österreichische Soldaten in italienische Gefangenschaft gerieten.

Erst 1926 änderte sich seine finanzielle Lage, als er das Pensionsangebot Ungarns annahm, das jedoch mit der Auflage verbunden war, die Pension immer persönlich in Budapest abzuholen.

In Wien verfasste er seine Memoiren und Kriegserlebnisse ohne Selbstrechtfertigung oder politische Ansichten. Während eines Aufenthalts in Budapest, um seine Pension einzulösen, erlitt er einen Herzinfarkt und verstarb am 1. Juli 1935. Er wurde mit höchsten militärischen Ehren auf dem Kerepester Friedhof in Budapest beigesetzt.

Werke[Bearbeiten]

  • Zur Geschichte des Großen Krieges 1914-1918. Aufzeichnungen. Rikola-Verlag, Wien 1924 (Nachdruck der Originalausgabe: Akad. Druck- u. Verl. Anst. Graz 1969).
  • Kampf und Sturz der Kaiserreiche. Verlag Günther, Wien 1935.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arthur Arz von Straußenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tageszeitung Wiener Zeitung, Wien, Nr. 51, 4. März 1917, S. 1, Amtlicher Teil
  2. Manfried Rauchensteiner: Der Tod des Doppeladlers. Österreich-Ungarn und der Erste Weltkrieg. Böhlau Verlag, Wien/Graz/Köln 1993, ISBN 3-222-12454-X, S. 431.
  3. Tageszeitung Wiener Zeitung, Wien, Nr. 95, 26. April 1917, S. 1, Amtlicher Teil
  4. Tageszeitung Wiener Zeitung, Wien, Nr. 50, 2. März 1918, S. 1, Amtlicher Teil
  5. Arthur Albert Arz: Zur Geschichte des Großen Krieges 1914-1918. Aufzeichnungen. Wien 1924 (Nachdruck der Originalausgabe: Graz 1969), S. 148.
  6. Andrej Mitrović: Die Kriegsziele der Mittelmächte und die Jugoslawienfrage 1914-1918. In: Adam Wandruszka, Richard G. Plaschka, Anna M. Drabek (Hrsg.): Die Donaumonarchie und die südslawische Frage von 1848 bis 1918. Texte des ersten österreichisch-jugoslawischen Historikertreffens Gösing 1976. Wien 1978, S. 137-172, hier: S. 150.
  7. Helmut Schwanke: Zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Militärverwaltung in Albanien (1916-1918). Ungedr. Diss, Wien 1982, S. 102ff.
  8. Winfried Baumgart: Das „Kaspi-Unternehmen“ - Größenwahn Ludendorffs oder Routineplanung des deutschen Generalstabs? Erster Teil: Ein kritischer Rückblick auf die deutsche militärische Intervention im Kaukasus am Ende des Ersten Weltkriegs. Zweiter Teil: Dokumente zur deutschen militärischen Intervention im Kaukasus am Ende des Ersten Weltkrieges. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas NF 18 (1970). S. 47-126 und 231-278, hier: S. 85f. und 249ff. (Wortlaut)