Arthur C. Clarke

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Arthur C. Clarke (2005)

Sir Arthur Charles Clarke, CBE, FRAS, Sri Lankabhimanya, (* 16. Dezember 1917 in Minehead, Somerset, England; † 19. März 2008 in Colombo, Sri Lanka) war ein britischer Physiker und Science-Fiction-Schriftsteller. Durch den Film 2001: Odyssee im Weltraum von Stanley Kubrick, der auf einer Kurzgeschichte Clarkes beruht und dessen Drehbuch Clarke gemeinsam mit Kubrick schrieb, wurde er auch außerhalb der Science-Fiction-Szene bekannt. Clarke gilt als Visionär neuer Techniken, die er außer in Science-Fiction-Romanen und Kurzgeschichten auch in wissenschaftlichen Artikeln beschrieb.

Leben[Bearbeiten]

Da Clarke aus finanziellen Gründen ein Studium zunächst verwehrt blieb, arbeitete er anfangs als Bilanzprüfer. Bereits Ende der 1930er Jahre schrieb er Geschichten, inspiriert von den Science-Fiction-Magazinen seiner Jugend. Während des Zweiten Weltkrieges war er als Radar-Spezialist zum Ground Controlled Approach in der Royal Air Force im Einsatz. Diese Erfahrungen liegen dem Roman Glide Path zugrunde. Nach dem Krieg studierte er Mathematik und Physik am King’s College London.

Clarke war ein Teilnehmer der ersten Science Fiction Convention weltweit im Jahre 1937.

Schon früh an den Möglichkeiten interessiert, die der Weltraum der Menschheit bieten könnte, wurde Clarke Mitglied der British Interplanetary Society.

Clarke war ab 1951 freischaffender Schriftsteller. Er heiratete im Juni 1953 Marilyn Mayfield. Die Ehe währte aber nur bis zum Dezember desselben Jahres, und Clarke zog 1956 nach Colombo auf Sri Lanka.

1988 wurde bei ihm Kinderlähmung diagnostiziert, wodurch er später einen Rollstuhl benutzte. 1989 wurde Clarke als Commander of the Order of the British Empire (CBE) ausgezeichnet, ehe er 2000 in Anerkennung seines literarischen und wissenschaftlichen Schaffens als Knight Bachelor zum Ritter mit dem Titel „Sir“ geschlagen wurde. Da es ihm seine Gesundheit nicht erlaubte, zur Zeremonie nach England zu reisen, leitete der UK High Commissioner von Sri Lanka in Colombo die entsprechende Zeremonie.

Der Tsunami vom 26. Dezember 2004 zerstörte seine Tauchschule bei Hikkaduwa an der Südwestküste Sri Lankas, die aber wenig später wieder aufgebaut wurde.

Sowohl ein Asteroid (4923) Clarke als auch eine Dinosaurierart (Serendipaceratops arthurcclarkei) wurden nach Clarke benannt. Clarke war Mitglied der Skeptics Society, die das skeptische und das wissenschaftliche Denken fördert.

Clarke starb im März 2008 in einem Krankenhaus in Sri Lanka, in dem er wegen Atemproblemen behandelt wurde.[1][2]

Schaffen[Bearbeiten]

Belletristisches Werk[Bearbeiten]

Clarkes Werk hatte prägenden Einfluss auf das Genre der Science Fiction. Viele Neuere führen ihn als ein Vorbild an. Er zählte zu den wissenschaftlich-technischen Visionären des Genres. Seine Romane und Erzählungen stehen unter dem Zeichen technischer Errungenschaften und des Griffs nach den Sternen. Mit der starken naturwissenschaftlich-technischen Ausrichtung zählt Clarkes belletristisches Werk zum Subgenre der Hard Science-Fiction.

Viele von Clarkes Werken setzen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Anwendungen auf. Sie spielen in einer nicht weit entfernten Zukunft und beschreiben Technologien, die aus heutiger Sicht bereits möglich oder zumindest denkbar sind. Typische Themen sind hier die Erforschung oder Besiedlung des Mondes oder anderer Planeten des Sonnensystems. Daneben stehen Werke, die in einer weit entfernten Zukunft spielen bzw. Technologien zum Thema haben, welche die heutigen Möglichkeiten weit übersteigen.

Clarke veröffentlichte bereits Ende der 30er Jahre frühe Werke in einigen Fanzines. Seine erste kommerzielle Veröffentlichung war die Kurzgeschichte Loophole, die 1946 in der Zeitschrift Astounding Science Fiction erschien. In der Kurzgeschichte Technical Error, die 1950 unter dem Titel The Reversed Man in der Zeitschrift Thrilling Wonder Stories erschien, beschreibt er, wie ein Angestellter eines Kraftwerks, in dem mit supraleitenden Materialien gearbeitet wird, "seitlich verdreht" wird

Clarke hat in den 1950er Jahren maßgeblich daran mitgearbeitet, das Meer und das Maritime im futuristischen Roman zu zeigen (z. B. in Dolphin Island) und war als einer der Ersten aus schierer Liebhaberei ein Taucher. The Ghost from the Grand Banks handelt von dem Versuch, die Titanic zu heben. Der Begriff der Aquakultur, der systematischen „Befarmung“ der Weltmeere, ist auf sein Werk zurückzuführen.

In dem frühen Roman Childhood's End (1953) entwickelt Clarke den Gedanken einer allumfassenden bzw. übermächtigen Macht oder Intelligenz, die das Universum durchdringt und beeinflusst. Der Roman ist auch stark von Clarkes damaliger Beschäftigung mit dem Übersinnlichen geprägt.

Clarkes bekanntestes Werk ist wohl 2001: Odyssee im Weltraum. Der Roman entstand in Anlehnung an das gemeinsam mit Stanley Kubrick erarbeitete Drehbuch für den gleichnamigen Film aus dem Jahr 1968, der wiederum auf Clarkes Kurzgeschichte The Sentinel von 1948 basiert. Die drei Nachfolgeromane (2010: Odyssey Two, 2061 – Odyssey Three und 3001: The Final Odyssey) waren ebenfalls, aber nicht ganz so erfolgreich wie das ursprüngliche Werk.

Ein weiteres Hauptwerk Clarkes ist der vierbändige Rama-Zyklus, dessen erster Teil Rendezvous with Rama (dt.: Rendezvous mit 31/439) im Jahr 1973 erschien. Die Folgebände, die in Zusammenarbeit mit Gentry Lee entstanden, erschienen 1989 und 1993. In diesem Werk verknüpft Clarke das Thema Eindringling ins Sonnensystem erneut mit dem Topos der übermächtigen außerirdischen Intelligenz.

Das Motiv der übermächtigen außerirdischen Intelligenz wird in der zwischen 2004 und 2007 erschienenen, in Zusammenarbeit mit Stephen Baxter verfassten Trilogie A Time's Odyssey (Wächter-Zyklus) noch einmal aufgenommen.

Clarkes Werk enthält auch humoristische Elemente. In der 1957 erschienen Kurzgeschichtensammlung Tales from the White Hart (dt. 1984: Geschichten aus dem weißen Hirschen) werden naturwissenschaftliche Erkenntnisse auf scheinbar logische Weise, jedoch mit absurden, teils katastrophalen Konsequenzen angewendet.

Mehrere Romane und Kurzgeschichten Clarkes wurden mit dem Hugo Award, dem Nebula Award, dem Locus Award und dem John W. Campbell Memorial Award for Best Science Fiction Novel ausgezeichnet.

  • Campbell, Locus, Hugo und Nebula: Rendezvous with Rama (dt. Rendezvous mit 31/439)
  • Hugo und Nebula: The Fountains of Paradise (dt. Fahrstuhl zu den Sternen)
  • Nebula: A Meeting with Medusa (dt. verschiedene Titel: "Titanenkampf", "Medusa", "Begegnung mit Medusa", "Ein Treffen mit Medusa")
  • Hugo: The Star (dt. "Der Stern"), The Nine Billion Names of God (dt. "Die neun Milliarden Namen Gottes", auch "Alle Namen Gottes"),

1986 erhielt Clarke den Damon Knight Memorial Grand Master Award, und 1997 wurde er in die Science Fiction Hall of Fame aufgenommen.

Wissenschaftler und Visionär[Bearbeiten]

Überlegungen zur Umlaufgeschwindigkeit eines Satelliten in Abhängigkeit von der Bahnhöhe (1945)
Interview mit Clarke aus dem Jahr 1974, in dem er künftige vernetzte Personal Computer beschreibt.

Clarke beschäftigte sich auch außerhalb seiner belletristischen Werke eingehend mit den Möglichkeiten von Naturwissenschaften und Technik. Er war einer der Ersten, welche die Idee, geostationäre Satelliten zur technischen Kommunikation zu nutzen, beschrieben und durchrechneten. 1945 erschien sein Aufsatz Extra-terrestrial Relays – Can Rocket Stations Give World-wide Radio Coverage? in der wissenschaftlichen Zeitschrift Wireless World; (siehe Diagramm und elektronische Version auf Lakdiva.org). 1964 erlebte er, wie diese Idee mit Syncom 3 in der Wirklichkeit umgesetzt wurde. Der geostationäre Orbit wird im englischen Sprachraum auch Clarke Belt bzw. Clarke Orbit genannt.

In dem 1962 erstmals erschienen essayistischen Werk Profile der Zukunft vertritt er die Auffassung, dass Zukunftsprognosen oftmals an einem Mangel an Mut und Phantasie kranken, dass Vorhersagen folglich oftmals eher zu pessimistisch als zu optimistisch seien. In diesem Zusammenhang stellte er das erste der drei „Clarkeschen Gesetze“ auf, die heute zu den am meisten zitierten Grundregeln der Science Fiction zählen. Während einige seiner eigenen Prognosen, bspw. die bemannte Raumfahrt und die Erforschung und Besiedelung des Mondes und andere Planeten betreffend, rückblickend zu optimistisch waren, waren andere Vorhersagen recht präzise. So beschrieb er bereits in den 70er Jahren recht genau das heutige Internet (siehe Video).

Mit der Idee eines sogenannten Orbital-Lifts in seinem Roman The Fountains of Paradise (1979) schrieb Clarke erneut naturwissenschaftliche Ideengeschichte.

Arthur C. Clarke wurde 1961 mit dem Kalinga-Preis für die Popularisierung der Wissenschaft ausgezeichnet.

Schriften[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

(chronologisch nach Erscheinungsjahr des Originals)

  • 1951: The Sands of Mars (dt.: Projekt: Morgenröte)
  • 1951: Prelude to Space (dt.: Die Erde lässt uns los/alternativ: Aufbruch zu den Sternen), erschienen unter folgenden Alternativtiteln:
    • 1954: Master of Space und
    • 1970: The Space Dreamers
  • 1952: Islands in the Sky (dt.: Inseln im All)
  • 1953: Against the Fall of Night (dt.: Vergessene Zukunft/alternativ: Diesseits der Dämmerung), revidiert zu
    • 1956: The City and the Stars (dt.: Die sieben Sonnen/alternativ: Die Stadt und die Sterne)
  • 1953: Childhood's End (dt.: Die letzte Generation)
  • 1955: Earthlight (dt.: Um die Macht auf dem Mond/alternativ: Erdlicht)
  • 1957: The Deep Range (dt.: In den Tiefen des Meeres)
  • 1961: A Fall of Moondust (dt.: Im Mondstaub versunken)
  • 1963: Glide Path
  • 1963: Dolphin Island (dt.: Die Delphininsel/alternativ: Die Delphin-Insel)
  • 1968: 2001: A Space Odyssey (dt.: 2001: Odyssee im Weltraum)
  • 1973: Rendezvous with Rama (dt.: Rendezvous mit 31/439/alternativ: Rendezvous mit Rama)
  • 1975: Imperial Earth (dt.: Makenzie kehrt zur Erde heim)
  • 1979: The Fountains of Paradise (dt.: Fahrstuhl zu den Sternen)
  • 1982: 2010: Odyssey Two (dt.: Odyssee 2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen)
  • 1986: The Songs of Distant Earth (dt.: Das Lied der fernen Erde) (siehe auch The Songs of Distant Earth von Mike Oldfield)
  • 1988: 2061: Odyssey Three (dt.: 2061 – Odyssee III)
  • 1990: The Ghost from the Grand Banks (dt.: Aus einem anderen Jahrtausend)
  • 1993: The Hammer of God (dt.: Der Hammer Gottes) (mit Mike McQuay)
  • 1997: 3001: The Final Odyssey (dt.: 3001 – Die letzte Odyssee)

Erzählungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1951: The Sentinel of Eternity (dt. Der Wachposten), Vorlage für 2001: A Space Odyssey
  • 1953: The Nine Billion Names of God (dt. Die neun Milliarden Namen Gottes, auch: Alle Namen Gottes)
  • 1955: The Star (dt. Der Stern)
  • 1972: A Meeting With Medusa (dt. Begegnung mit Medusa)

Kurzgeschichtensammlungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Sachbücher (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1962: Profiles of the Future; an Inquiry into the Limits of the Possible (deutsch 1984 Profile der Zukunft Heyne Sachbuch 01/7240 ISBN 3-453-01905-9)
  • 1986: July 20, 2019. A day in the 21st Century (dt. 1987: Zweitausendneunzehn-Nullsieben-Zwanzig. Ein Tag im 21. Jahrhundert)

Gemeinschaftswerke[Bearbeiten]

Autobiografisches[Bearbeiten]

  • 2000: Greetings, Carbon-Based Bipeds, ein Abriss über sein Leben samt Vorhersagen für die nächsten 100 Jahre

Hörbücher[Bearbeiten]

Verfilmungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Stephen Baxter: Erfüllung von Prophezeiungen. Ein Gespräch mit Arthur C. Clarke, in: Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 1999, Wilhelm Heyne Verlag, München, ISBN 3-453-14984-X, S. 809–824.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arthur C. Clarke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Vater der Science Fiction ist tot, Spiegel Online, 18. März 2008
  2. Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke ist tot, Welt Online, 18. März 2008