Arthur Rödl

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Arthur Rödl, (* 13. Juni 1898 in München; † April 1945 in Stettin)[1] war ein deutscher SS-Führer und Lagerkommandant des KZ Groß-Rosen.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn eines Bankboten und einer Kioskbesitzerin wuchs mit drei weiteren Geschwistern in einem streng katholisch geprägten Elternhaus auf. Nach seiner Schulzeit begann Rödl eine Lehre als Schmied und schloss sich einer nationalistisch geprägten paramilitärischen Organisation an. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wollte er sich, sechzehnjährig, als Soldat für die deutsche Armee rekrutieren lassen, wurde aber aufgrund seines Alters abgelehnt. Nachdem er seine Papiere gefälscht hatte, indem er sich zum Achtzehnjährigen erklärte, wurde er doch angenommen und diente bis Kriegsende in diversen Kampfeinheiten an der Front.[2]

Rödl, der während seiner Fronteinsätze mindestens einmal verletzt wurde, war nach Kriegsende perspektivlos, da er aufgrund der schwierigen Wirtschaftsverhältnisse und ohne Berufserfahrung nur schwer in die Gesellschaft wieder zurückfand. Schließlich heiratete er eine 14 Jahre ältere Frau, aus der Ehe ging ein Kind hervor. Seit 1920 war er Mitglied beim nationalistischen Bund Oberland und beteiligte sich an den Kämpfen zwischen Polen und Deutschen in Oberschlesien Anfang der 1920er Jahre. Wegen seiner daraus begründeten Abwesenheit bekam er auf seiner zwischenzeitlich angetretenen Arbeitsstelle, einem Postamt, Schwierigkeiten. Nach der Verteilung nationalistischer Flugblätter auf seiner Arbeitsstelle und nachdem bekannt wurde, das er am Hitlerputsch im November 1923 teilgenommen hatte, wurde er entlassen.[2]

Rödl, danach arbeitslos, fand in der Folgezeit Arbeit bei der Buchdruckerei in der Zentrale der Nationalsozialisten, dem Braunen Haus, und wurde 1928 Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnr. 98.023) und SS (Mitgliedsnr. 1.240).[3] In der SS stieg Rödel 1943 bis zum SS-Standartenführer auf.[4] Wegen seiner Teilnahme am Hitlerputsch erhielt er später den Blutorden. Zudem wurde er mit dem Goldenen Parteiabzeichen der NSDAP ausgezeichnet.[3]

Dienst in Konzentrationslagern[Bearbeiten]

Ab 1933 war Rödl Leiter der Politischen Bereitschaft in München. Danach leitete Rödl ab November 1934 den SS-Totenkopfsturmbann Elbe. Dieser Totenkopfsturmbann verrichtete rund um das Frauen-KZ Lichtenburg Wachaufgaben.[4] Rödl, der eine militärische Karriere bei den SS-Totenkopfverbänden anstrebte, wurde durch Theodor Eicke gegen seinen Willen zum KZ Sachsenburg abkommandiert.[2] Im KZ Sachsenburg war Rödl von September 1935 bis Juli 1937 als Schutzhaftlagerführer eingesetzt.[5] Im August 1937 stieg er zum Ersten Schutzhaftlagerführer des KZ Buchenwald auf und verblieb auf diesem Posten bis 1941.[2]

„Ende 1938 erklärte der damalige Lagerführer Rödl "Alle anderen Lager haben ein Lied, wir müssen auch ein Buchenwald-Lied bekommen. Wer eines macht, bekommt 10 Mark." Es wurden nun viele Entwürfe von "Dichtern" und "Komponisten" gemacht, aber sie taugten alle nichts oder fanden bei der SS-Führung keinen Beifall. Nur das Lied, das dann ja auch zur offiziellen "Buchenwald-Hymne" erklärt wurde, setzte sich durch, weil der damalige Kapo der Poststelle, ein BVer, über die nötigen Verbindungen bei, der SS verfügte. Der genannte Kapo bezeichnete sich als Verfasser von Wort und Melodie des Liedes. In Warheit ist das Lied von zwei österreichischen Häftlingen gemacht: der Text von Löhner-Beda, dem Librettisten Lehars, die Musik von Leopoldi, einem Wiener Kabarettsänger. Text und Melodie des Liedes mussten auf den Blocks in der Freizeit eingeübt werden, bis es eines Tages nach dem Abendappell - es war Ende Dezember 1938, bitterkalt und alles tief verschneit - hieß: "Das Buchenwald-Lied singen!" Selbstverständlich konnte das beim ersten Mal (11.000 Menschen standen auf dem Appellplatz) nicht klappen. Wütend ließ der stinkbesoffene Rödel aufhören und gab den Befehl, daß jeder Block auf dem Appellplatz solange für sich üben müsse, bis das Lied klappe. Man kann sich denken, welch infernalisches Konzert auf dem Platz losging. Als Rödl merkte, daß es auf diese Weise nicht ging, ließ er Strophe für Strophe gemeinsam singen und immer aufs neue wiederholen. Erst nachdem das ganze Lager auf diese Weise etwa vier Stunden in bitterster Kälte gestanden hatte, gab er den Befehl zum Abmarsch. Aber während sonst jeder Block einfach kehrt machte und im Lager zurückging, war es diesmal anders. In Zehnerreihen ausgerichtet, musste jeder Block am Tor bei Rödl und anderen betrunkenen SS-Führern stramm vorbeimarschieren und dabei das Buchenwald-Lied singen. Wehe dem Block, der nicht genau ausgerichtet ankam oder bei dem das Singen noch nicht ganz nach Rödls Wunsch klappte! Er musste unbarmherzig zurück und nochmals vorbeimarschieren. Endlich, gegen 10 Uhr abends, kamen wir ausgehungert und steif gefroren auf unsere Blocks. Diese Szene im tiefsten Winter, als die hungernden und frierenden Menschen im grellen Licht der Scheinwerfer im tiefen, grellweißen Schnee auf dem Appellplatz singend standen, hat sich jedem Teilnehmer unauslöschlich ins Gedächtnis gegraben.“[6]

Anfang Mai 1941 wurde er zum Lagerkommandanten des Konzentrationslager Groß-Rosen ernannt; diesen Posten hatte er bis zum 15. September 1942 inne.[3] Im Spätsommer 1942 wurde Rödl durch Oswald Pohl von seinem Posten als Lagerkommandant entbunden. Ihm folgte als Lagerkommandant Wilhelm Gideon, bis dieser wiederum im Oktober 1943 von Johannes Hassebroek abgelöst wurde. Ebenso wie Rödl wurden auch Lagerkommandanten anderer Konzentrationslager im Sommer 1942 von ihrem Posten entbunden, so Hans Loritz, Karl Otto Koch, Karl Künstler, Alex Piorkowski, Wilhelm Schitli und Hans Hüttig. Die Gründe für diese Umsetzungen im großen Stil waren immense Verstöße gegen den SS-Kodex „anständig“ zu sein, hauptsächlich im Bereich Alkoholismus und Korruption.[7]

Nach der Lagerkommandantur in Groß-Rosen[Bearbeiten]

Mitte September 1942 wurde Rödl zum „Höheren SS- und Polizeiführer“ in die Ukraine nach Kiew und danach zum HSSPF Russland-Süd versetzt. Von dort wurde er im Verlauf des Jahres 1944 zur Waffen-SS versetzt, wo er ein estnisches Bauregiment der 15. SS-Waffen-Grenadier-Division zum Bau von Verteidigungsanlagen in Thorn kommandierte.[3] Im Zuge des nahenden Kriegsendes beging Rödl im April 1945 in Stettin Suizid, wie es heißt, mit einer Handgranate.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0.
  • Karin Orth: Die Konzentrationslager-SS. dtv, München 2004, ISBN 3-423-34085-1.
  • Tom Segev: Die Soldaten des Bösen. Zur Geschichte der KZ-Kommandanten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1995, ISBN 3-499-18826-0.
  • Johannes Tuchel: Konzentrationslager: Organisationsgeschichte und Funktion der Inspektion der Konzentrationslager 1934–1938. (=Schriften des Bundesarchivs, Band 39). H. Boldt, 1991, ISBN 3-7646-1902-3.
  • Holm Kirsten, Wulf Kirsten: Stimmen aus Buchenwald. Ein Lesebuch. Wallstein Verlag, Göttingen 2002, ISBN 3-89244-574-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 502.
  2. a b c d e Tom Segev: Die Soldaten des Bösen. Zur Geschichte der KZ-Kommandanten. Reinbek bei Hamburg 1992, S. 164ff.
  3. a b c d Johannes Tuchel: Konzentrationslager: Organisationsgeschichte und Funktion der Inspektion der Konzentrationslager 1934–1938. 1991, S. 389f.
  4. a b Holm Kirsten, Wulf Kirsten: Stimmen aus Buchenwald. Ein Lesebuch. Göttingen 2002, S. 17.
  5. Wolfgang Benz, Barbara Distel: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band II: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager. München 2005, ISBN 3-406-52962-3, S. 197.
  6. Bericht von dem ehemaligen Buchenwaldhäftling Stefan Heymann von 1945 Zitiert bei: Die Geschichte von Buchenwald.
  7. Karin Orth: Die Konzentrationslager-SS. München 2004, S. 206.