Arthur Scherbius

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Markenschild seiner berühmtesten Erfindung
Abbildungen zu Scherbius' Beschreibung in der Elektrotechn. Zeitschrift 1923
Zeichnung aus dem Patent US1657411: Ciphering Machine. Angemeldet am 6. Februar 1923, Erfinder: Arthur Scherbius.

Arthur Scherbius (* 30. Oktober 1878 in Frankfurt am Main; † 13. Mai 1929 in Berlin) war ein deutscher Erfinder und Unternehmer. Er studierte 1899–1903 Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Hannover, unterbrochen von 2 Semestern (1901–1902) an der Technischen Universität München, 1903 wurde er in Hannover zum Dipl.-Ing., 1904 promovierte er dort zum Doktor-Ingenieur (Dr.-Ing.). Als Projektingenieur bei der Firma Felten & Guilleaume-Lahmayer erarbeitete er seine Dissertation „Vorschläge zum Bau eines indirekt wirkenden Wasser-Turbinen-Reglers“, die er am 14. Juli 1904 abschloss.[1]

Erste Erfindungen[Bearbeiten]

Nach kurzer Tätigkeit bei der Siemens Schuckert GmbH machte er sich 1905 selbständig und erfand Schaltungen zur Regulierung von Induktionsmotoren. Seine Patente verkaufte er an die Firma A.G. Brown, Boveri & Cie. in Baden (Schweiz), wo er von 1906 bis 1912 seine Erfindungen auch baute. Berühmt wurde seine "Scherbius-Schaltung", eine Kaskade aus Drehstrom- und Wechselstrom-Kommutatormotoren, die eine verlustarme Drehzahlregelung möglich machte. Diese fand weite Verbreitung in Europa und den USA in Antrieben für Walzwerke, im Berg- und Hüttenwesen für Pump- und Wasseranlagen sowie für Kompressoren und Ventilatoren. Scherbius beschäftigte sich auch mit Quecksilberdampfgleichrichtern und war beratend für die Siemens-Schuckertwerke tätig. In einer Dissertation an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich beschreibt Max Neumann 1933 sowohl Brown Boveri- als auch Scherbius-Patente[2].

Im Ersten Weltkrieg wurde Scherbius zunächst als Lehrer für drahtlose Telegrafie eingesetzt, dann, ab 1917, als Hilfsbetriebsleiter, d. h. stellvertretender Leiter einer Abteilung, im Waffen- und Munitionsbeschaffungsamt (WuMBA). Nach dem Waffenstillstand trat er Ende 1918 als Referent in die technische Abteilung des Reichsverwertungsamts ein und war außerdem in der Waffenstillstandskommission tätig. Gleichzeitig beschäftigte er sich mit der Energieübertragung mittels hochgespanntem Gleichstrom, konnte die Entwicklung einer Hochspannungsgleichstrommaschine jedoch nicht mehr beenden.

In Schweden hatte er Patente gekauft, auf deren Prinzipien er einen kleinen und preiswerten Thermostaten entwickelte, den er als Schlüsselbaustein für elektrische Haushaltsgeräte betrachtete. Dadurch gelang es ihm, ein sicheres, temperaturgeregeltes Heizkissen herzustellen, das in großen Stückzahlen gefertigt wurde. 1920 gründete er mit Ernst Richard Ritter in Berlin-Wannsee die Entwicklungsfirma „Scherbius u. Ritter“. Sie nannten es das "Scherip"-Heizkissen.[3] Ritter, ebenfalls Ingenieur, war Generalvertreter für die Brown, Boverie & Cie. in Mannheim und 1909 nach Berlin-Charlottenburg gezogen. Die Firmenvertreter hatten eine Kommission für Heiz- und Kochapparate – kurz HUKA – ins Leben gerufen. Sie betrieben ihre elektrotechnische Fabrik in Wannsee an der Königstrasse. Scherbius und Ritter bauten 1923/24 auf einem ihrer gemeinsamen Firma gehörenden Grundstück, Lindenstr. 5 und 6, Berlin-Wannsee, je ein Haus. Das Haus von Ritter war größer und mit den neuesten Errungenschaften der angewandten Elektrizität ausgestattet. Das Haus von Scherbius wurde vom gleichen Architekten Otto Streu aus Nowawes geplant.[4]

Die Entwicklung der ENIGMA[Bearbeiten]

Während des Ersten Weltkriegs war Scherbius mit den Problemen der Chiffrierung gefunkter Nachrichten vertraut geworden und fand damit ein neues Betätigungsfeld. Der Prototyp Model A war noch sehr groß, wog ca. 50 kg und sah einer Registrierkasse ähnlich. Die dann folgenden Modelle B und C waren bereits tragbar und sahen aus wie eine Schreibmaschine in einem hölzernen Kasten, der dann nur 34 × 28 × 15 Zentimeter maß und 12 kg wog. Bereits am 23. Februar 1918[5] hatte er sein erstes Patent für eine Verschlüsselungsmaschine angemeldet, die nach dem Rotorprinzip arbeitete, und die er nach dem griechischen Wort „αίνιγμα“ (auf deutsch „Rätsel“) ENIGMA nannte.

Militär- und Marinebehörden sowie der auswärtige Dienst, in denen Scherbius seine Hauptabnehmer gesehen hatte, zeigten kaum Interesse, so dass er sie der Allgemeinheit zugänglich machen wollte. Anfang der 20er Jahre präsentierte er sie auf mehreren Kongressen und Post-Ausstellungen in Bern, Stockholm und Leipzig der Öffentlichkeit. Die Enigma wurde von Scherbius als "Gerät zur Übermittlung von geschäftlichen Mitteilungen und Telegrammen" angepriesen und auch so vermarktet. Weil die von der Post übermittelten Telegramme von Unberufenen in einfachster Weise abgehört werden können, empfahl er das Chiffriersystem der ENIGMA. In der Elektronischen Zeitschrift von 1923 beschreibt er die Funktionsweise im Einzelnen und bemerkt: „Neben der Sicherheit muss die Radiotelegraphie noch die schärfsten Anforderungen an betriebsmäßige Verwendbarkeit, an Schnelligkeit, Einfachheit der Bedienung zur Vermeidung von Fehlerquellen und leichte Ausmerzbarkeit von Übertragungsfehlern stellen.“ Im letzten Satz des Artikels heißt es dann: „Die Maschine ist von der Firma Scherbius & Ritter in Berlin-Wannsee entwickelt worden. Das abgebildete neueste Modell dagegen ist von der Gewerkschaft Securitas, Berlin W 35, Steglitzer Str. 2, welche die sämtlichen Patente zwecks Verwendung übernommen hat, unter Mitarbeit der ersteren Firma gebaut worden.“[6]

Scherbius trat seine Rechte an die Berliner Firma „Gewerkschaft Securitas“ ab, der 1925 dann das Patent DRP 416219 auf einen „Chiffrierapparat“ erteilt wurde.[7] Am 9. Juli 1923[8] gründete die Securitas die Chiffriermaschinen-Aktiengesellschaft in Berlin (W.35 Steglitzer Straße 2), in der Scherbius als Direktor beschäftigt war. Sein Mitarbeiter in dieser Firma war der Entwicklungsingenieur Willi Korn.

Scherbius starb am 13. Mai 1929, nachdem er die Kontrolle über einen Pferdewagen verloren hatte und gegen eine Mauer geprallt war, als Folge seiner dabei erlittenen inneren Verletzungen.[9]

Patente zur ENIGMA[Bearbeiten]

N. V. "Securitas" in Amsterdam[Bearbeiten]

Gewerkschaft Securitas in Berlin[Bearbeiten]

Chiffriermaschinen Akt.-Ges. in Berlin[Bearbeiten]

Patente im Ausland[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Enigma – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auskünfte des Archivs der TU Hannover; Friedrich L. Bauer: Historische Notizen zur Informatik. Springer, Berlin 2009, S. 47, ISBN 978-3-540-85789-1.
  2. Dissertation Max Neumann, Basel 1933
  3. Das Scherip-Heizkissen, seine Konstruktion, Fabrikation u. Prüfung. in: Der elektr. Betrieb 21, 1923, S. 263-65
  4. Elektromuseum Ernst Richard Ritter
  5. Patentschrift Chiffrierapparat DRP Nr. 416 219. Abgerufen: 26. März 2008. PDF; 0,4 MB
  6. Dr. Ing. Arthur Scherbius: „Enigma“ Chiffriermaschine (PDF; 623 kB) in: Elektrotechnische Zeitschrift, Heft 47/48, vom 29. November 1923, Seite 1035-36
  7. Patent DRP 416219 ausgegeben am 8. Juli 1925. (PDF; 339 kB)
  8. Louis Kruh, Cipher Deavours: The Commercial Enigma – Beginnings of Machine Cryptography. Cryptologia, Vol. XXVI, Nr. 1, Januar 2002, S. 1. Abgerufen: 26. März 2008. PDF; 0,8 MB
  9. Simon Singh: Geheime Botschaften. Carl Hanser Verlag, München 2000, S. 178. ISBN 3-446-19873-3.