Artikulation (Musik)

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[Bearbeiten] Definition

Unter musikalischer Artikulation ist die Art und Weise zu verstehen, wie aufeinanderfolgende Töne, und folglich auch Klänge, ‚gelenkig’ miteinander verbunden werden (lat. articulus, das Gelenk). Die Verbindung kann eng oder locker sein, d. h. der Zeitraum von Ton zu Ton kann klanglich ausgefüllt oder durch sogenanntes Absetzen tonlos sein. Die Artikulation als ein wichtiges künstlerisches Ausdrucksmittel bestimmt den Charakter der Melodiebewegung, die ein Schleichen, Schreiten, Hüpfen, Springen sein kann. Sie wird sinnvoll auf die melodiebildenden Figuren und Motive angewandt, ohne jedoch deren Form oder Struktur anzutasten.

Die grundlegenden Tonverbindungsarten werden mit legatissimo, legato (gebunden), nonlegato, tenuto (gehalten), portato (getragen), staccato (abgetrennt) und staccatissimo bezeichnet und mit den Schriftsymbolen Bogen. Strich, Punkt und Keil wie folgt notiert.

Artikulation-01.png

Die nicht gebundenen Artikulationsarten können auch mit Hilfe von Pausen, sogenannten Luftpausen, geschrieben werden, z. B.

Artikulation-02.png

Die Namen und Zeichen für die musikalische Artikulation können nicht exakt definiert werden: Sie variieren je nach Instrumentengattung. Ihre Geltung ist vom Tempo abhängig. Der Legatobogen muss auch für das Legatissimo herhalten. Das Tenutozeichen kann mit einem Bogen, das Staccatozeichen mit einem Strich kombiniert sein. Noten ohne Artikulationszeichen sind nur dann als Nonlegato aufzufassen, wenn sie im Kontext von bezeichneten Noten stehen.

[Bearbeiten] Beispiele

Das Wesen der Artikulation kann nur an exemplarischen Vorbildern studiert werden, z. B. ist in der folgenden Melodie aus der Violinsonate B-Dur, KV 378, von W. A. Mozart das Legato, Nonlegato, Staccato und Portato angewandt. - Dem Beispiel kann auch entnommen werden, dass das Staccatozeichen keinen Akzent bedeutet.

Mo Vl-Son KV378.png

Wenn die Artikulation vom Komponisten nur rudimentär oder gar nicht vorgeschrieben ist, wie im Kleinen Präludium E-Moll von J. S. Bach, muss sich der Spieler eine solche nach Stilkriterien ausdenken, die er aus den Werken gewinnen kann, die vom Komponisten sorgfältig bezeichnet wurden.

Ba KlPräl.png

[Bearbeiten] Differenzierung des Begriffs

  • Mit dem Artikulationsbegriff wird häufig die Vorstellung einer akustisch-sinnlichen Tonqualität (laut-leise, hart-weich, spitz-rund) verbunden. Das sollte nicht dazu führen, dass ein Artikulationszeichen zu einem stimm- oder instrumentaltechnischen Ausführungszeichen umgedeutet oder umfunktioniert wird, z. B. wenn das Staccato oder Staccatissimo als Betonung aufgefasst wird. Die Betonung (Akzentuation) gehört zur musikalischen Dynamik und in einem Tonverbund zur musikalischen Metrik.
  • Die ebenfalls Artikulation genannte sprachliche Lautbildung (it. articolare = aussprechen) und die instrumentale Tonbildung (Ansatz, Anschlag, Bogenstrich) beziehen sich auf die technisch-physiologische Erzeugung der einzelnen Laute bzw. Töne. Sie müssen von der oben beschriebenen künstlerischen Artikulation, sei es im Rezitieren von Text oder im flüssigen Vortrag musikalischer Werke, strikt unterschieden werden. Im Gesang, wo sowohl Laute wie Töne gleichzeitig erzeugt werden, was beides Phonation genannt wird, wird der Artikulationsbegriff auch auf die Klarheit und Deutlichkeit der Töne bezogen (articolare = deutlich aussprechen).
  • Der Bogen, der primär das artikulatorische Binden und am Bogenende das Absetzen der Töne anzeigt, wird seit der Frühromantik auch zur Bezeichnung der Phrase und sogar des Motivs verwendet (‚Phrasierungsbogen’), so dass der Spieler genötigt ist, als erstes seine Funktion zu bestimmen. Artikulieren heißt, den Melodieverlauf zu beleuchten, phrasieren heißt, die Melodie durch Gliederung zu formen.

[Bearbeiten] Literatur

Die Artikulation wird in der Allgemeinen Musiklehre (H. Grabner 2001 u.a.), in Werken über Aufführungspraxis (G. Frotscher 1963, N. Harnoncourt 1982), in Notenausgaben (A. Kreutz, L. Landshoff, beide bei Peters) behandelt. Als Spezialist gilt H. Keller mit seinem Büchlein Phrasierung und Artikulation, Kassel 1955. Eine ausführliche Behandlung erfährt die Artikulation neuerdings in: E. Sarabèr, Methode und Praxis der Musikgestaltung, Clausthal-Zellerfeld 2011.

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