Artur Jussupow

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ArturJussupow11.jpg
Artur Jussupow, 2011
Name Artur Majakowitsch Jussupow
Verband DeutschlandDeutschland Deutschland
Geboren 13. Februar 1960
Moskau
Titel Internationaler Meister (1977)
Großmeister (1980)
Aktuelle Elo-Zahl 2582 (Dezember 2014)
Beste Elo-Zahl 2680 (Juli 1995)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)

Artur Jussupow (zuvor russisch: Артур Маякович Юсупов/Artur Majakowitsch Jussupow, wiss. Transliteration: Artur Majakovič Jusupov; * 13. Februar 1960 in Moskau) ist ein deutscher Schachspieler russischer Herkunft.

Turnierspieler[Bearbeiten]

Artur Jussupow, ein Schüler des Elitetrainers Mark Dworezki, durchlief die Sowjetische Schachschule und wurde 1977 Juniorenweltmeister U20. Bei seiner ersten Teilnahme an der Landesmeisterschaft der Sowjetunion 1979 in Minsk belegte er sensationell den zweiten Platz. Er ist seit 1980 Großmeister.

Artur Jussupow, 1986

Er nahm mehrmals an Qualifikationswettkämpfen für die Schachweltmeisterschaft teil und erreichte dabei dreimal das Halbfinale, wo er 1986 an Andrei Sokolov, 1989 an Anatoli Karpow und 1992 an Jan Timman scheiterte. Er gewann unter anderem Wettkämpfe gegen Jan Timman (1985) und Wassyl Iwantschuk (1991). Dabei gelang ihm in der Schnellpartie Iwantschuk – Jussupow, Brüssel 1991 eine berühmtgewordene Kombination.

Nachdem er im Mai 1990 bei einem Raubüberfall in Moskau lebensgefährlich verletzt wurde, siedelte er nach Deutschland über und erhielt später die deutsche Staatsbürgerschaft. Zwischen 1994 und 2000 spielte er bei vier Schacholympiaden für die deutsche Nationalmannschaft. Nachdem der Weltschachbund FIDE den Konsum von Koffein als unerlaubtes Doping untersagte und entsprechende Tests bei Wettbewerben ankündigte, erklärte er seinen Rückzug aus der Nationalmannschaft. Nach Lockerung dieser Bestimmungen erklärte er sich bereit, bei der Schacholympiade in Turin 2006 wieder zu spielen.

Er spielt in der deutschen Schachbundesliga für die Schachgesellschaft Solingen. Im Januar 2005 wurde er in Basel Europameister im Schnellschach, im Februar gewann er in Altenkirchen die Deutsche Einzelmeisterschaft.

Seine beste erreichte Elo-Zahl betrug 2680 im Juli 1995; damit lag er auf Platz 11 der Weltrangliste. Seine beste Weltranglistenplatzierung war der dritte Platz, den er 1986 und 1987 hinter Garri Kasparow und Anatoli Karpow belegte, und zwar im Januar 1986 gleichauf mit Jan Timman und Rafael Vaganian[1], im Juli 1986 allein[2] und sowohl im Januar 1987[3] als auch im Juli 1987 zusammen mit Andrei Sokolov.[4]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Mit der sowjetischen Nationalmannschaft nahm Jussupow an den Schacholympiaden 1982, 1984, 1986, 1988 und 1990 teil und gewann diese. 1986 erreichte er außerdem das beste Einzelergebnis am vierten Brett. Mit der deutschen Mannschaft nahm er 1994, 1996, 1998, 2000 und 2006 an der Schacholympiade teil und erreichte als größten Erfolg den zweiten Platz 2000 in Istanbul.[5] An der Mannschaftsweltmeisterschaft nahm er 1985 mit dem Sieger Sowjetunion und 2001 mit Deutschland teil.[6] Jussupow gewann außerdem mit der Sowjetunion die Mannschaftseuropameisterschaften 1980 und 1983, mit der deutschen Mannschaft erreichte er bei der Mannschaftseuropameisterschaft 1997 den fünften und bei der Mannschafts-EM 1999 den dritten Platz.[7]

Vereine[Bearbeiten]

In den 1980er Jahren spielte Jussupow zunächst bei Burevestnik Moskau, später beim ZSKA Moskau, mit dem er 1986 und 1988 den European Club Cup gewann.[8] Nach seiner Übersiedelung nach Deutschland spielte er in der Schachbundesliga von 1991 bis 1995 für den FC Bayern München, mit dem er 1992, 1993 und 1995 deutscher Mannschaftsmeister wurde, seit 1996 spielt er für die Schachgesellschaft Solingen, mit der er 1997 Meister wurde. In der Schweizer Nationalliga A spielte er bis 2002 für den SK Luzern, seit 2005 spielt er mit der SG Winterthur in der Nationalliga A. In der Schweizer Bundesliga spielt er seit 2011 beim ASK Winterthur, mit dem er 2012 Meister wurde. In der niederländischen Meesterklasse spielt er seit 2000 gelegentlich bei Apeldoorn, in Frankreich spielte er zwischen 2004 und 2010 bei Évry Grand Roque und wurde mit diesem 2009 französischer Mannschaftsmeister. In der österreichischen Staatsliga A spielte Jussupow in der Saison 1998/99 beim SK Loosdorf.

Trainer[Bearbeiten]

Jussupow ist als Schachtrainer tätig und arbeitete unter anderem mit Viswanathan Anand zusammen. Er gilt als einer der weltbesten Kenner der Russischen Verteidigung. 2005 erhielt Jussupow den Titel FIDE Senior Trainer.

Unter dem Titel Tigersprung auf DWZ 1500/1800/2100 veröffentlichte er ab 2007 im Selbstverlag ein mehrbändiges Lehrwerk, das auf seinen per Fernunterricht abgehaltenen Kursen für Vereinsspieler beruht.

Privates[Bearbeiten]

Seit 1991 ist Jussupow verheiratet mit Nadja (* 1970), die den Titel einer FIDE-Meisterin der Frauen (WFM) trägt. Sie haben eine Tochter Ekaterina (* 1991), die ebenfalls WFM ist, und einen Sohn Alexander (* 1993). Seine Tochter gewann im September 2006 in Bad Wörishofen die bayerischen Meisterschaften der Damen. Außerdem ist sie mehrfache deutsche Jugendmeisterin. Sohn Alexander ist mehrfacher bayerischer Jugendmeister sowie Jugendweltmeisterschaftsteilnehmer. Nadja, Ekaterina und Alexander spielen beim SK Krumbach.

Werke[Bearbeiten]

  • Artur Jussupow, Mark Dworezki: Der selbständige Weg zum Schachprofi: Geheimnisse und Tips aus einer neuen Schachschule, Hollfeld, Beyer, 1992 (2. Aufl.) ISBN 3-89168-040-6
  • Artur Jussupow, Mark Dworezki: Effektives Eröffnungstraining: Geheimnisse und Tips aus einer neuen Schachschule, Hollfeld, Beyer, 1994 ISBN 3-88805-279-3
  • Artur Jussupow, Mark Dworezki: Positionelles Schach: Wie man sein Stellungsgefühl trainiert, Zürich, Olms, 1996 ISBN 3-283-00322-X
  • Artur Jussupow, Mark Dworezki: Effektives Endspieltraining: Geheimnisse und Tips aus einer neuen Schachschule, Hollfeld, Beyer, 1996 ISBN 3-88805-114-2
  • Artur Jussupow: Die russische Verteidigung. Erfolgreiche Eröffnungstheorie für die Praxis, Hombrechtikon/Zürich, Olms, 1998, ISBN 3-283-00273-8
  • Artur Jussupow: Schachunterricht. Selbstverlag 2006. ISBN 3-933365-10-4 (Zusammenfassung von 10 früher separat erschienenen Lehrheften für den Schachunterricht, englische Ausgabe unter dem Titel Chess lessons 2004, ISBN 3-935748-07-8)
  • Artur Jussupow, Mark Dworezki: Angriff und Verteidigung: Lektionen und Materialien aus der Dworetski-Jussupow-Schachschule, Zürich, Olms, 1999 ISBN 3-283-00356-4
  • Artur Jussupow, Harald Fietz und Hartmut Metz: Frankfurt Chess Classic 2000 - Premiere der Top Ten!, Bad Soden, Edition FCC, 2000, ISBN 3-931192-18-0, ISBN 3-931192-17-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Artur Jussupow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eloliste Januar 1986 bei olimpbase.org (englisch)
  2. Eloliste Juli 1986 bei olimpbase.org (englisch)
  3. Eloliste Januar 1987 bei olimpbase.org (englisch)
  4. Eloliste Juli 1987 bei olimpbase.org (englisch)
  5. Artur Jussupows Ergebnisse bei Schacholympiaden auf olimpbase.org (englisch)
  6. Artur Jussupows Ergebnisse bei Mannschaftsweltmeisterschaften auf olimpbase.org (englisch)
  7. Artur Jussupows Ergebnisse bei Mannschaftseuropameisterschaften auf olimpbase.org (englisch)
  8. Artur Jussupows Ergebnisse bei European Club Cups auf olimpbase.org (englisch)