Arvid Harnack

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Porträt Arvid Harnacks

Arvid Harnack (* 24. Mai 1901 in Darmstadt; † 22. Dezember 1942 in Berlin) war ein deutscher Jurist, Nationalökonom und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Inhaltsverzeichnis

Familie [Bearbeiten]

Er war der ältere Bruder des Regisseurs und Drehbuchautors Falk Harnack und ein Vetter des Berliner Pfarrers Dietrich Bonhoeffer, die beide auch im Widerstand arbeiteten. Harnack war ein Sohn der Malerin Clara Harnack, geb. Reichau, und des Literaturwissenschaftlers Otto Harnack und ein Neffe des Theologen Adolf von Harnack.

Leben [Bearbeiten]

Gedenkstein für Arvid und Mildred Harnack auf dem Friedhof Zehlendorf in Berlin-Zehlendorf, Onkel-Tom-Straße 30–33
Arvid Harnack und seine Frau Mildred auf einer Briefmarke der DDR
„Feldurteil“ des Reichskriegsgerichts vom 19. Dezember 1942
Briefmarkenblock der DDR (1983)

Von 1919 bis 1923 studierte er Rechtswissenschaften an den Universitäten Jena, Graz und Hamburg und wurde 1924 zum Dr. jur. promoviert. Von 1926 bis 1928 studierte er mit Hilfe eines Rockefeller-Stipendiums Nationalökonomie an der University of Wisconsin-Madison (USA), wo er 1926 die Literaturwissenschaftlerin Mildred Fish heiratete. 1929/1930 wurde er in Gießen zum Dr. phil. promoviert bei dem Gießener Nationalökonomen Friedrich Lenz (1885–1968), mit dem er 1931 die „Arplan“ (Arbeitsgemeinschaft zum Studium der Planwirtschaft) gründete.[1] Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise hatte das kapitalistische System offensichtlich versagt und das sowjetische Modell schien eine interessante Alternative. 1932 organisierte er eine Studienreise in die Sowjetunion. 1933 wurde er zunächst als wissenschaftliche Hilfskraft im Reichswirtschaftsministerium angestellt, wo er später Regierungs- und Oberregierungsrat wurde. Zusammen mit seiner Frau Mildred, dem Schriftsteller Adam Kuckhoff und dessen Frau Greta baute er einen Diskussionszirkel auf, der politische Perspektiven nach dem erwarteten Sturz der Nationalsozialisten erörterte. 1936 nahm er vertraulich Kontakt zur sowjetischen und zur US-amerikanischen Botschaft auf (letzteres über seine Frau Mildred), um sie über die aus Deutschland drohende Kriegsgefahr zu informieren. Zur Tarnung wurde er 1937 Mitglied der NSDAP. 1939 nahm er Kontakt zu der Gruppe um Harro Schulze-Boysen auf, 1940 zu den Kommunisten Hilde Rake und Hans Coppi. Dadurch entstand das von der GestapoRote Kapelle“ genannte Widerstandsnetz. 1940/1941 hatte die Gruppe Kontakt mit dem Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft in Berlin Alexander Michailowitsch Korotkow[2] und versuchte so, diese über den bevorstehenden deutschen Krieg gegen die Sowjetunion zu informieren.

Harnack gab 1941 die Widerstandszeitschrift Die innere Front mit heraus. Anfang 1942 verfasste er eine Studie Das nationalsozialistische Stadium des Monopolkapitals, die unter Regimegegnern in Berlin und Hamburg verbreitet wurde.

Am 7. September wurden Arvid und Mildred Harnack verhaftet. Am 19. Dezember fällte das Reichskriegsgericht das Todesurteil über Arvid Harnack. Am 22. Dezember 1942 wurde er um 19:10 Uhr[3] im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee auf Befehl Adolf Hitlers erhängt.[4]

Ehrungen [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Stefan Roloff: Die Rote Kapelle. Ullstein 2002. ISBN 3-548-36669-4
  • Friedrich Lenz: In memoriam Arvid Harnack. In: Friedrich Lenz: Wirtschaftsplanung und Planwirtschaft. Berlin 1948.
  • Jürgen Danyel: Zwischen Nation und Sozialismus. Genese, Selbstverständnis und ordnungspolitische Vorstellungen der Widerstandsgruppe um Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen. In: Peter Steinbach, Johannes Tuchel (Hrsg.): Widerstand gegen den Nationalsozialismus Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1994 (Schriftenreihe Band 323), S. 468–487.
  • Shareen Blair Brysac: Mildred Harnack und die „Rote Kapelle“. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau und einer Widerstandsbewegung.[7] Scherz-Verlag, Bern 2003, ISBN 3-502-18090-3.
  • Heinz Höhne: Kennwort Direktor. Die Geschichte der Roten Kapelle. (1. Auflage 1970) S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-10-032501-X.
  • Gert Rosiejka: Die Rote Kapelle. „Landesverrat“ als antifaschistischer Widerstand. Ergebnisse-Verlag, Hamburg 1986, ISBN 3-925622-16-0.
  • Martha Dodd: Meine Jahre in Deutschland 1933–1937. Frankfurt am Main 2005.
  • Greta Kuckhoff: Vom Rosenkranz zur Roten Kapelle. Ein Lebensbericht. Verlag Neues Leben, Berlin (DDR) 1976.
  • Tina Mager: Die Widerstandsorganisation Schulze-Boysen/Harnack. Tectum-Verlag, Marburg 2000.
  • Heinrich Scheel: Die „Rote Kapelle“ und der 20. Juli 1944. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Ausg. 33, Nrn. 1–6, Rütten & Loenig, 1985, S. 330.

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Ortslagen in Gießen
  2. „Weihnachten müsst Ihr richtig feiern“. In: Die Zeit, 51/2007.
  3. Heinrich Scheel in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. 33, 1985, S. 330, digitalisiert bei books.google.de
  4. Brigitte Oleschinski: Gedenkstätte Plötzensee, S. 50 (PDF)
  5. Denkmäler an der Humboldt-Universität
  6. Torpedoschnellboot „Arvid Harnack“ bei Flottenparade zum 30. Jahrestag der DDR-Gründung auf Wikimedia Commons
  7. Rezension auf Hagalil