Arvid Harnack

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Porträt Arvid Harnacks

Arvid Harnack (* 24. Mai 1901 in Darmstadt; † 22. Dezember 1942 in Berlin) war ein deutscher Jurist, Nationalökonom und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Familie[Bearbeiten]

Harnack war ein Sohn des Literaturwissenschaftlers Otto Harnack und der Malerin Clara Harnack, geb. Reichau und ein Neffe des Theologen Adolf von Harnack. Er war der ältere Bruder des Regisseurs und Drehbuchautors Falk Harnack und ein Vetter des Berliner Pfarrers Dietrich Bonhoeffer, die beide ebenfalls im Widerstand arbeiteten.

Leben[Bearbeiten]

Gedenkstein für Arvid und Mildred Harnack auf dem Friedhof Zehlendorf in Berlin-Zehlendorf, Onkel-Tom-Straße 30–33
Arvid Harnack und seine Frau Mildred auf einer Briefmarke der DDR
„Feldurteil“ des Reichskriegsgerichts vom 19. Dezember 1942
Briefmarkenblock der DDR (1983)
Stolperstein, Genthiner Straße 14, in Berlin-Tiergarten

Arvid Harnack wurde 1901 in Darmstadt geboren, wo sein Vater Otto Harnack seit 1896 als Professor für Geschichte und Literatur lehrte. Dessen Ruf an die Universität Stuttgart zum 1. April 1905 führte zum Ortswechsel der ganzen Familie. Der Vater nahm sich 1914 das Leben. Bedingt durch den Ersten Weltkrieg machte Arvid 1918 das Notabitur. Von 1919 bis 1923 studierte er Rechtswissenschaften an den Universitäten Jena, Graz und Hamburg und wurde 1924 zum Dr. jur. promoviert. Von 1926 bis 1928 studierte er mit Hilfe eines Rockefeller-Stipendiums Nationalökonomie an der University of Wisconsin-Madison (USA), wo er 1926 die Literaturwissenschaftlerin Mildred Fish heiratete. 1929/30 wurde er in Gießen zum Dr. phil. promoviert bei dem Nationalökonomen Friedrich Lenz (1885–1968), mit dem er 1931 die „Arplan“ (Arbeitsgemeinschaft zum Studium der Planwirtschaft) gründete.[1] Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise hatte das kapitalistische System offensichtlich versagt und das sowjetische Modell schien eine interessante Alternative. 1932 organisierte er eine Studienreise in die Sowjetunion. 1933 wurde er zunächst als wissenschaftliche Hilfskraft im Reichswirtschaftsministerium angestellt, wo er später Regierungs- und Oberregierungsrat wurde. Zusammen mit seiner Frau Mildred, dem Schriftsteller Adam Kuckhoff und dessen Frau Greta baute er einen Diskussionszirkel auf, der politische Perspektiven nach dem erwarteten Sturz der Nationalsozialisten erörterte. Harnack war ein geheimes Mitglied der KPD.[2]

Seit 1935 arbeitete er für den sowjetischen Nachrichtendienst NKGB[3], der ihn unter dem Decknamen Korsikanez (Korse) führte.[4] 1936 nahm er über seine Frau Mildred Kontakt zur US-amerikanischen Botschaft auf, um vor der von Deutschland ausgehenden Kriegsgefahr zu warnen. Zur Tarnung wurde er 1937 Mitglied der NSDAP. 1939 nahm er Kontakt zu der Gruppe um Harro Schulze-Boysen auf, 1940 zu den Kommunisten Hilde Rake und Hans Coppi. Dadurch entstand das von der GestapoRote Kapelle“ genannte Widerstandsnetz. 1940/1941 hatte die Gruppe Kontakt mit Alexander Michailowitsch Korotkow, dem Repräsentanten des NKGB[4] in der sowjetischen Botschaft in Berlin und informierte diesen über den bevorstehenden deutschen Krieg gegen die Sowjetunion[5] und andere wirtschaftliche und militärische Sachverhalte[4].

Harnack gab 1941 die Widerstandszeitschrift Die innere Front mit heraus. Anfang 1942 verfasste er eine Studie Das nationalsozialistische Stadium des Monopolkapitals, die unter Regimegegnern in Berlin und Hamburg verbreitet wurde.

Am 7. September wurden Arvid und Mildred Harnack verhaftet. Am 19. Dezember fällte das Reichskriegsgericht das Todesurteil über Arvid Harnack. Am 22. Dezember 1942 wurde er um 19:10 Uhr[6] im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee auf Befehl Adolf Hitlers erhängt.[7]

Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Roloff: Die Rote Kapelle. Ullstein 2002. ISBN 3-548-36669-4
  • Friedrich Lenz: In memoriam Arvid Harnack. In: Friedrich Lenz: Wirtschaftsplanung und Planwirtschaft. Berlin 1948.
  • Jürgen Danyel: Zwischen Nation und Sozialismus. Genese, Selbstverständnis und ordnungspolitische Vorstellungen der Widerstandsgruppe um Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen. In: Peter Steinbach, Johannes Tuchel (Hrsg.): Widerstand gegen den Nationalsozialismus Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1994 (Schriftenreihe Band 323), S. 468–487.
  • Shareen Blair Brysac: Mildred Harnack und die „Rote Kapelle“. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau und einer Widerstandsbewegung.[13] Scherz-Verlag, Bern 2003, ISBN 3-502-18090-3.
  • Heinz Höhne: Kennwort Direktor. Die Geschichte der Roten Kapelle. (1. Auflage 1970) S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-10-032501-X.
  • Gert Rosiejka: Die Rote Kapelle. „Landesverrat“ als antifaschistischer Widerstand. Ergebnisse-Verlag, Hamburg 1986, ISBN 3-925622-16-0.
  • Martha Dodd: Meine Jahre in Deutschland 1933–1937. Frankfurt am Main 2005.
  • Greta Kuckhoff: Vom Rosenkranz zur Roten Kapelle. Ein Lebensbericht. Verlag Neues Leben, Ost-Berlin 1976.
  • Tina Mager: Die Widerstandsorganisation Schulze-Boysen/Harnack. Tectum-Verlag, Marburg 2000.
  • Heinrich Scheel: Die „Rote Kapelle“ und der 20. Juli 1944. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Ausg. 33, Nrn. 1–6, Rütten & Loenig, 1985, S. 330.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arvid Harnack – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ortslagen in Gießen
  2. Brief von Georgi Dimitrow vom 12. April 1941 an den Leiter des NKGB Pawel Michailowitsch Fitin. Deutsche Übersetzung in: Boris Chawkin, Hans Coppi, Juri Zorja: Russische Quellen zur Roten Kapelle, in: Hans Coppi, Jürgen Danyel, Johannes Tuchel: Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Berlin 1994, S. 118-120.
  3. Neues Deutschland, 23. Dezember 1969, S. 4.
  4. a b c Boris Chawkin, Hans Coppi, Juri Zorja: Russische Quellen zur Roten Kapelle, in: Hans Coppi, Jürgen Danyel, Johannes Tuchel: Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Berlin 1994, S. 104 f.
  5. „Weihnachten müsst Ihr richtig feiern“. In: Die Zeit, 51/2007.
  6. Heinrich Scheel in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. 33, 1985, S. 330, digitalisiert bei books.google.de
  7. Brigitte Oleschinski: Gedenkstätte Plötzensee, S. 50 (PDF)
  8. Peter Koblank: Harro Schulze-Boysen. Rote Kapelle: Widerstand gegen Hitler und Spionage für Stalin, Online-Edition Mythos Elser 2014. Abgerufen am 27. Januar 2014.
  9. Denkmäler an der Humboldt-Universität
  10. Torpedoschnellboot „Arvid Harnack“ bei Flottenparade zum 30. Jahrestag der DDR-Gründung auf Wikimedia Commons
  11. Stolperstein-Zeremonie im Gedenken an Mildred Fish-Harnack und Arvid Harnack
  12. Bilder von der Zeremonie
  13. Rezension auf Hagalil