Arzberg (Oberfranken)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Arzberg
Arzberg (Oberfranken)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Arzberg hervorgehoben
50.05722222222212.186388888889481Koordinaten: 50° 3′ N, 12° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Wunsiedel im Fichtelgebirge
Höhe: 481 m ü. NHN
Fläche: 43,22 km²
Einwohner: 5192 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 120 Einwohner je km²
Postleitzahl: 95659
Vorwahl: 09233
Kfz-Kennzeichen: WUN, MAK, REH, SEL
Gemeindeschlüssel: 09 4 79 112
Stadtgliederung: 25 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Friedrich-Ebert-Straße 6
95659 Arzberg
Webpräsenz: www.arzberg.de
Bürgermeister: Stefan Göcking (SPD)
Lage der Stadt Arzberg im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge
Martinlamitzer Forst-Süd Meierhöfer Seite Weißenstadter Forst-Süd Weißenstadter Forst-Nord Tröstauer Forst-West Tröstauer Forst-Ost Selb Neubauer Forst-Süd Kaiserhammer Forst-Ost Vordorfer Forst Selb Selb Hohenberg an der Eger Hohenberg an der Eger Marktleuthen Thierstein (Fichtelgebirge) Selb Selb Wunsiedel Weißenstadt Tröstau Thiersheim Schönwald (Bayern) Schirnding Röslau Marktredwitz Kirchenlamitz Hohenberg an der Eger Höchstädt im Fichtelgebirge Arzberg (Oberfranken) Bad Alexandersbad Nagel (Fichtelgebirge) Tschechien Landkreis Tirschenreuth Landkreis Bayreuth Landkreis Hof Kaiserhammer Forst-OstKarte
Über dieses Bild
Arzberg aus der Vogelperspektive

Arzberg ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge. Sie liegt etwa 13 km östlich von der Kreisstadt Wunsiedel entfernt.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Arzberg liegt am südöstlichen Rand des Fichtelgebirgshufeisens auf durchschnittlich 470 m über NN. Der Grenzübergang Eger nach Tschechien ist vier Kilometer entfernt. Arzberg ist Ausgangspunkt für Ausflüge nach Eger und ins Bäderdreieck Karlsbad-Marienbad-Franzensbad.

Die Stadt liegt im Tal der Röslau. Das beherrschende Bild des Ortes ist der Kirchberg mit der evangelischen Kirche, dem alten Pulverturm, dem ehemaligen Nachtwächterhaus und Resten der Kirchenburg-Festungsmauer. Als landschaftlicher Anziehungspunkt gilt das Naherholungsgebiet Feisnitz-Stausee südwestlich des Kohlwaldes.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Arzberg ist in 25 Stadtteile eingeteilt:[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Arzberg wurde 1268 erstmals urkundlich erwähnt. Schon 1408 erhielt es durch den Burggrafen von Nürnberg das Stadtrecht. Kaspar Brusch(ius) schrieb im Jahre 1542: „Die Reßlau, ein fast hell und fischreich Wasser … entspringet oberhalb Farendorff … aus einem Berg, die Farenleut genannt, welcher ein Stück des Fichtelberges ist, läufft an Farendorff und Leipelsdorf hin … trinket in sich den Zweiffersbach, den Schnellenbach, läuft von dannen auf Wohnsiedel. Unter Wohnsiedel liegen an der Reßlau Dela und Laurentzenreuth … . Unter Laurentzenreuth nimmt die Reßlau den Goldbach auf. Unter Seussena, einem Dorf, nimmt sie abermals zwey schöne Bächlein in sich auf … . von Seussna wandert die Reßlau weiter und laufet auf Arzberg hin … darinnen eine sehr veste und mit einer hohen starken Mauer bewahrte Kirch heutigen Tags noch gefunden und gesehen wird.“

Von 1792 bis 1796 wohnte der Universalgelehrte Alexander von Humboldt in seiner Eigenschaft als Oberbergmeister der preußischen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth zeitweise in Arzberg. Seine guten Erinnerungen an diesen Ort hielt er in diesen Zeilen fest: „Ich wohne auf dem hohen Gebirg in Arzberg, einem Dörfchen im Fichtelgebirge. Die Lagerstätten sind so interessant, ich kann im Laufe des Jahres mehrmals einfahren. Ich taumle vor Freuden.“

In früheren Jahrhunderten blühte dort der Eisenerzabbau. Ehemalige Eisenhämmer befanden sich vom 14. bis zum 17. Jahrhundert als Rohrschmieden zum Beispiel im Gsteinigt. Neben dem Rathaus wurde eine restaurierte historische Hammerschmiede aufgestellt. Einige Straßennamen und die Überreste des Maschinenhauses des letzten Bergwerks erinnern an diese Zeit.

1838 nahm eine neue wirtschaftliche Entwicklung durch die Porzellanherstellung ihren Anfang.

Die Nähe des Falkenauer Braunkohlereviers in Böhmen und die günstigen Wasserverhältnisse an der Röslau waren ausschlaggebend für den Bau eines Dampfkraftwerkes. Im Jahr 1915 wurde das Kraftwerk Arzberg in Betrieb genommen, 2003 wurde es geschlossen. Am 1. September 2006 wurden die beiden Kühltürme und das Kesselhaus 7, am 12. Dezember 2006 das Kesselhaus 6 und der 190 m hohe Stahlbeton-Schornstein gesprengt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1977 wurden die bis dahin selbständige Gemeinde Röthenbach und Teile der aufgelösten Gemeinde Haid eingegliedert. Am 1. April 1977 kamen Teile der aufgelösten Gemeinde Kothigenbibersbach mit damals etwa 25 Einwohnern hinzu. Die Gemeinden Bergnersreuth, Schlottenhof und Seußen sowie Teile der aufgelösten Gemeinden Fischern und Grafenreuth folgten am 1. Januar 1978.[3]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat besteht aus 20 Mitgliedern (Kommunalwahl 2014):

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Silber mit von Silber und Rot gestücktem Bord ein golden gekrönter, rot bewehrter schwarzer Löwe, der in den Pranken eine schwarze Kelhaue mit goldenem Griff emporhält; am rechten Bildrand aufsteigend ein schwarzer Erzberg. (bis 1968: In Blau auf grünem Boden ein rot bewehrter goldener Löwe, der in den Pranken eine schwarze Keilhaue mit goldenem Griff emporhält; am rechten Schildrand aufsteigend ein schwarzer Erzberg.)

Das Wappen erinnert an die Zeit, als die Stadt dem Burggrafen von Nürnberg gehörte war und der Erzbergbau noch florierte. Der rot-silberne Schildbord und der rot bewehrte Löwe sind dem Wappen der Burggrafen von Nürnberg entlehnt. Der Erzberg und die Hacke, die der Löwe hält, versinnbildlichen gleichzeitig den Namen (Arzberg leitet sich von Erzberg ab) und den vom Mittelalter bis 1941 florierenden Bergbau.

Das Wappen entspricht in seiner heutigen Form und Tinktur wieder den frühesten Abbildungen etwa aus dem 15. Jahrhundert. Es wurde aufgrund der Veränderungen, die im Laufe der Geschichte vorgenommen wurden und zu Fehlern in der Wappengestaltung geführt hatten, 1965 von Emil Richter neu gestaltet.

Patenstadt[Bearbeiten]

  • 1961 wurde die Patenschaft für die vertriebenen Sudetendeutschen aus der Stadt Sandau im Kreis Marienbad (heute Dolni Zandov) übernommen.

Partnerstädte[Bearbeiten]

  • 1977 wurde mit der österreichischen Gemeinde Arzberg in der Steiermark eine Städtepartnerschaft bekundet.
  • 2006 folgte eine Städtepartnerschaft mit South Bend, Indiana, USA.
  • 2008 kam die tschechische Stadt Horní Slavkov (Schlaggenwald) als weitere Partnerstadt hinzu.

Bauwerke[Bearbeiten]

Kirchberg[Bearbeiten]

Auf dem Arzberger Kirchberg befindet sich eine Kirchenburganlage aus dem 14./15. Jahrhundert mit Wehrmauer, Pulverturm und spätbarocker evangelischer Stadtpfarrkirche von 1790/92, die eine im Dreißigjährigen Krieg zerstörte spätgotische Kirche ersetzte. Kirchenraum und Kanzelaltar sind aufeinander abgestimmt. Die zweigeschossigen Emporen schwingen zum Kanzelaltar hin.

Ab Mitte des 16. bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts blieb Arzberg den Katholiken verschlossen. Eine Änderung brachte erst das Jahr 1810, als das Gebiet zum Königreich Bayern kam. Im Jahre 1875 wurde in Arzberg eine katholische Kirche im neugotischen Stil errichtet, die der Maria Immaculata geweiht ist. Die Holzfigur, die Maria mit dem Kind darstellt, stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Das älteste Baudenkmal der Stadt ist der Pulverturm mit Kegeldach aus dem späten Mittelalter, ein Eckturm der Kirchhofbefestigung an der am besten erhaltenen Südostseite. An der Südseite der Kirchenburganlage befindet sich die Benckendorffsche Gruft aus dem Jahr 1782 mit 14 marmornen Grabplatten hinter einem geschmiedeten Eisentor und dem Allianzwappen Beckendorff-Niclot.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Arzberg (Oberfranken)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

In früheren Jahrhunderten blühte um Arzberg der Eisenerzabbau. Alexander von Humboldt war in Arzberg fünf Jahre als Oberbergmeister tätig und gründete dort eine Bergschule. Leinen- und Wollweberei, Büchsenschlosserei und Ofentöpfereien waren weitere markante Gewerbe der damaligen Zeit. Erzeugnisse des Büchsenschlossers Gesell und des Ofentöpfers Stöhr sind noch heute in großen Museen zu finden.

1839 nahm eine neue wirtschaftliche Entwicklung durch die Porzellanherstellung ihren Anfang und machte Arzberg zur zweitgrößten Porzellanstadt. Heute ist nur noch die Firma Arzberg-Porzellan mit einer Außenstelle ansässig. Neben dieser Industrie sind eine Lebkuchenfabrik, eine Nagelfabrik, die älteste Bayerns, eine Glasschmelzhafenfabrik, Steinbaubetriebe, Baugeschäfte, Holzbearbeitungsbetriebe und Wurst- und Fleischwarenherstellung ansässig.

Ab 1915 befand sich das Kraftwerk Arzberg in Betrieb, das 2003 stillgelegt und rückgebaut wurde. Aufgrund des nach der Katastrophe von Fukushima beschlossenen Atomausstieges, infolgedessen Ersatzkapazitäten errichtet werden müssen, existieren derzeit Planungen seitens der Politik, am ehemaligen Kraftwerksstandort ein modernes GuD-Kraftwerk zu errichten.[4]

Verkehr[Bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten]

Arzberg liegt an der Hauptbahnlinie Nürnberg–Prag. Durch grenzüberschreitende Schnell- und Eilzüge bestand früher Anschluss an das IC-Netz der Deutschen Bahn und das tschechische Bahnnetz. Die eingleisige Strecke zwischen Marktredwitz und Cheb passiert Arzberg auf einem hohen Damm.

Die Stadt Arzberg verfügt über einen mehrgleisigen Bahnhof, der tagsüber alle zwei Stunden bedient wird. Nach der Aufhebung der Bahnhöfe Arzberg und Seußen durch die Bundesbahn 1985 wird der Bahnhof Arzberg seit 2001 durch Nahverkehrszüge der Vogtlandbahn bedient, die zwischen Marktredwitz und Cheb pendeln, aber teilweise auch bis Marienbad weitergeführt werden. Seußen ist weiterhin ohne Verkehrshalt. Nach Stilllegung der Braunkohlekraftwerkes 2003 halten keine Güterzüge mehr in Arzberg. Die Anschlussgleise der Porzellanmanufaktur wurden Mitte der 1960er Jahre aufgelassen.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Von der Bundesautobahn 93 liegt Arzberg nur etwa fünf Kilometer entfernt mit den Anschlussstellen Mitterteich, Marktredwitz,Wunsiedel und Thiersheim. Von der Bundesstraße 303 von Marktredwitz nach Schirnding erschließen zwei Anschlussstellen Ortskern und Gewerbegebiet. In Marktredwitz kreuzt die B 303 die A 93 RegensburgHof.

Busverkehr[Bearbeiten]

Der regionale Busverkehr wird von den Verkehrsunternehmen der Verkehrsgemeinschaft Fichtelgebirge durchgeführt.

Flugverkehr[Bearbeiten]

Der nächste regionale Flughafen ist der Flughafen Hof-Plauen. Der nächste internationale Flughafen ist der Flughafen Nürnberg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Bayerische Landesbibliothek Online (BLO)
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 700 und 701.
  4. Chance für Gaskraftwerk. In: Frankenpost, 26. August 2011. Abgerufen am 26. August 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arzberg, Oberfranken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien