Aschermittwoch

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Spendung des Aschenkreuzes

Der Aschermittwoch (lateinisch Feria quarta cinerum, ‚vierter Tag (= Mittwoch) der Asche‘ oder Dies cinerum, ‚Tag der Asche‘, auch Asche(r)tag[1]) stellt in der Westkirche seit dem Pontifikat Gregors des Großen den Beginn der 40-tägigen Fastenzeit dar.[2]

Die Bezeichnung Aschermittwoch kommt von dem Brauch, im Gottesdienst am Aschermittwoch die Asche vom Verbrennen der Palmzweige des Vorjahres zu segnen und die Gläubigen mit einem Kreuz aus dieser Asche zu bezeichnen.

Die Fastenzeit soll an die 40 Tage erinnern, die Jesus fastend und betend in der Wüste verbrachte (Mt 4,2 EU), und auf Ostern vorbereiten. Da die Sonntage der Fastenzeit nicht als Fasttage gelten, ergibt sich eine Gesamtdauer von 46 Tagen, von Aschermittwoch bis Karsamstag. Die Ostkirche kennt keinen Aschermittwoch, weil ihre Fastenzeit bereits am Sonntagabend der siebten Woche vor Ostern beginnt.

Geschichte

Symbolische Verkörperung der Fastenzeit beim Karneval, Teilansicht eines Gemäldes von Pieter Brueghel dem Älteren

Die Bestreuung mit Asche als Zeichen der Buße findet sich bereits im Alten Testament.

„Als die Nachricht davon den König von Ninive erreichte, stand er von seinem Thron auf, legte seinen Königsmantel ab, hüllte sich in ein Bußgewand und setzte sich in die Asche.“

Jona 3,6

„Ich richtete mein Gesicht zu Gott, dem Herrn, um ihn mit Gebet und Flehen, bei Fasten in Sack und Asche, zu bitten.“

Dan 9,3

Seit der Spätantike mussten im Christentum Menschen, denen eine Kirchenbuße auferlegt wurde, am Anfang der Fastenzeit ein Bußgewand anziehen, und sie wurden mit Asche bestreut.[3] In der Kirche Galliens wurden sie – in Anlehnung an die Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies (GenEU) – aus der Kirche vertrieben. Am Gründonnerstag wurden sie wieder zum Empfang der Kommunion zugelassen. Während dieser Brauch um das Ende des 10. Jahrhunderts verlorenging, setzte sich die Aschenbestreuung aller Gläubigen durch, nachdem zunächst einzelne aus Solidarität mit den Büßern sie auf sich genommen hatten. Das erste Gebet zur Aschensegnung stammt aus dem 11. Jahrhundert, die Vorschrift, für die Gewinnung der Asche die Palmzweige des Vorjahres zu verwenden, stammt aus dem 12. Jahrhundert. Auf der Synode von Benevent (1091) empfahl Papst Urban II. den Brauch der Aschenbestreuung für die ganzen Kirche.[4]

Das Aschenkreuz wurde ursprünglich bei Männern auf das Haupt gestreut[5] und bei Frauen auf die Stirn gezeichnet.[6] Heute sind beide Formen unabhängig vom Geschlecht üblich. Mit diesem Ritual soll der Mensch an seine Vergänglichkeit erinnert und zur Umkehr aufgerufen werden.

Der Aschermittwoch stellt zugleich auch das Ende der Fastnachtszeit dar. In der Bibel wird der „fleischlich“ gesinnte dem geistlich gesinnten Menschen entgegengestellt (z. B. Röm 8,5 EU). Der auch symbolisch durch Fasten vollzogene Abschied vom Fleisch in der Fastenzeit soll helfen, sich auf das geistliche Leben und somit auf Gott zu besinnen.

Da der Aschermittwoch in Deutschland kein Feiertag ist, müssen nach überwiegender Ansicht Arbeitgeber ihren Angestellten den Besuch eines Gottesdienstes ermöglichen und sie deshalb für diese Zeit von der Arbeit freistellen. Hierdurch soll den Gläubigen der Empfang dieses Sakramentales ermöglicht werden, ohne dass dafür ein zusätzlicher freier Tag eingeführt werden müsste. Katholische Schüler können sich für die Teilnahme an der Heiligen Messe am Aschermittwoch vom Unterricht befreien lassen.

In der katholischen Kirche ist der Aschermittwoch ein strenger Fast- und Abstinenztag.

Gottesdienst am Aschermittwoch

Römisch-katholisch

Die Asche kann auch in Kreuzform auf den Kopf gestreut werden, wie auf diesem polnischen Gemälde von 1881 zu sehen.

Die Spendung des Aschenkreuzes findet in der Regel in der Heiligen Messe am Aschermittwoch statt. Nach der Homilie (Predigt zu den Lesungen) segnet der Priester die Asche durch Gebet und Besprengung mit Weihwasser und legt sie allen auf, die vor ihn hintreten. Der Spender spricht bei der Bezeichnung mit dem Aschenkreuz zu jedem Einzelnen die Worte: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“ (Gen 3,19 EU) (lateinisch: „Memento homo, quia pulvis es et in pulverem reverteris“) oder: „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15 EU). Während der Spendung des Aschenkreuzes wird gesungen; die Liturgie sieht dafür als Antiphon z. B. Joel 2,13 EU in Verbindung mit Ps 51 EU oder „einen anderen geeigneten Gesang“ vor; dabei wird häufig die im 17. Jahrhundert in Frankreich entstandene Antiphon Attende Domine[7] gewählt (Gotteslob 160 Bekehre uns). Nach der Austeilung der Asche schließen sich die Fürbitten an.

Die Segnung und Auflegung der Asche kann auch außerhalb der Heiligen Messe stattfinden. In diesem Fall beginnt man mit dem Wortgottesdienst der Tagesmesse: Eröffnungsvers, Tagesgebet. Lesungen mit Zwischengesängen, Homilie, danach die Segnung der Asche und die Spendung des Aschenkreuzes. Den Abschluss bilden die Fürbitten, das Schlussgebet und der Segen.

Die liturgische Farbe des Tages ist Violett.

Evangelisch

Die Feier des Gottesdienstes am Aschermittwoch hat sich in evangelischen, besonders in den lutherisch geprägten, Kirchen erhalten und gewinnt wieder vermehrt an Bedeutung. Dabei kann auch die Spendung des Aschenkreuzes stattfinden. Das Evangelische Gottesdienstbuch[8] schlägt vor, den Aschermittwoch mit einem Bußgottesdienst oder der Feier der Gemeindebeichte zu begehen.

Die liturgischen Texte des Tages thematisieren die Motive der Buße, des Fastens und des christlichen Lebens. So heißt es in der alttestamentlichen Lesung: „Bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen!“ (Joel 2,12–18 LUT) Im Evangelium warnt Jesus die Jünger vor einer Fastenpraxis, die nur darauf aus ist, Eindruck bei den Menschen zu schinden (Mt 6,16–21 LUT).

Die liturgische Farbe des Tages ist Violett, das gesungene Halleluja nach der Epistellesung fällt weg. Auch das „Ehre sei Gott in der Höhe“ wird ab Aschermittwoch in allen Gottesdiensten bis Karsamstag mit Ausnahme des Gottesdienstes am Gründonnerstag nicht mehr gesungen. Das Lied des Tages ist „Lasset uns mit Jesus ziehen“ (EG 384).

Die Texte des Gottesdienstes am Aschermittwoch können mit den Texten des Sonntags Invokavit getauscht werden.

Datum

Das Datum des Aschermittwoches wird, wie bei vielen Festen des Kirchenjahres, nach der Osterformel des beweglichen Osterfestes berechnet. Danach ist der Aschermittwoch am 46. Tag vor dem Ostersonntag. Der frühestmögliche Termin ist der 4. Februar, der spätestmögliche ist der 10. März.

  • 2014: 5. März
  • 2015: 18. Februar
  • 2016: 10. Februar
  • 2017: 1. März
  • 2018: 14. Februar
  • 2019: 6. März
  • 2020: 26. Februar
  • 2021: 17. Februar

Siehe auch

Literatur

  • Rupert Berger: Neues Pastoralliturgisches Handlexikon, Freiburg, Basel, Wien 1999, ISBN 3-451-26603-2, S. 38–39.

Weblinks

 Wiktionary: Aschermittwoch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Aschermittwoch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Schwäbische Zeitung: Am "Aschertag" muss Dreck raus
  2. Anke Fischer: Feste und Bräuche in Deutschland, München 2004, ISBN 3-89736-323-2, S. 20.
  3. P. Pius Brunnquell, Kurze Geschichte der Kirchenbuße und Apologie der sakramentalischen Beichte, Bamberg und Würzburg, 1816, S. 16
  4. Adolf Adam: Das Kirchenjahr mitfeiern. Seine Geschichte und seine Bedeutung nach der Liturgieerneuerung; Freiburg, Basel, Wien (Herder) 1979; S. 87–88.
  5. Am Ende des 19. Jahrhunderts galt diese Variante noch als die vorgeschriebene Form: „Die Auflegung geschieht in Kreuzesform nicht über die Stirne, sondern über die Haupthaare …“ Andreas Schmid: Caeremoniale für Priester, Leviten, Ministranten, und Sänger zu den gewöhnlichen liturgischen Diensten. Kempten: Kösel 18972, S. 445.
  6. Adam, Das Kirchenjahr mitfeiern, S. 88.
  7. Text und Melodie Attende Domine
  8. Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die Evangelische Kirche der Union und für die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands, hrsg. von der Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und im Auftrag des Rates der Kirchenkanzlei der Evangelischen Kirche der Union; Berlin, Bielefeld, Hannover, 2000; ISBN 3-7461-0141-7; Seite 292, 694.