Aschersleben

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Aschersleben (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Aschersleben
Aschersleben
Deutschlandkarte, Position der Stadt Aschersleben hervorgehoben
51.75555555555611.455555555556114Koordinaten: 51° 45′ N, 11° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Salzlandkreis
Höhe: 114 m ü. NHN
Fläche: 156,2 km²
Einwohner: 27.995 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 179 Einwohner je km²
Postleitzahl: 06449
Vorwahl: 03473
Kfz-Kennzeichen: SLK, ASL, BBG, SBK, SFT
Gemeindeschlüssel: 15 0 89 015
Stadtgliederung: 11 Ortsteile + Kernstadt
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
06449 Aschersleben
Webpräsenz: www.aschersleben.de
Oberbürgermeister: Andreas Michelmann (WIDAB)
Lage der Stadt Aschersleben im Salzlandkreis
Barby Seeland Seeland Bördeaue Seeland Börde-Hakel Börde-Hakel Ilberstedt Borne Seeland Seeland Wolmirsleben Giersleben Seeland Güsten Plötzkau Alsleben (Saale) Nienburg (Saale) Egeln Barby Bernburg Calbe (Saale) Schönebeck (Elbe) Bördeland Könnern Hecklingen Aschersleben StaßfurtKarte
Über dieses Bild

Aschersleben ist eine Stadt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt in Deutschland. Sie ist die älteste urkundlich erwähnte Stadt in Sachsen-Anhalt sowie drittgrößte Stadt des Salzlandkreises. Aschersleben liegt am Nordostrand des Harzes im Tal der Eine. Aufgrund der geografischen Lage wird Aschersleben auch als das „Tor zum Harz“ bezeichnet.

Aschersleben war der Sitz der Askanier, die ihren Namen von Ascharia, dem latinisierten Namen ihres Burgbesitzes ableiteten.[2] Im 12. Jahrhundert wurde es unter dem Askanier Albrecht dem Bären zum Mittelpunkt des späteren Fürstentums Anhalt. Die Stadt besitzt, als eine von wenigen Städten Deutschlands, eine sehr gut erhaltene Stadtbefestigungsanlage aus dem Mittelalter und eine weitgehend intakte Innenstadt.

Im späten Mittelalter war sie Mitglied der Hanse.

Johannisturm bei Nacht
Rathausturm von Aschersleben

Die Stadt befindet sich mitten im Stadtumbau und ist Teil der Internationalen Bauausstellung Stadtumbau 2010. 2010 war sie Gastgeberin der Landesgartenschau Sachsen-Anhalt. Durch die Eingemeindungen von Freckleben, Drohndorf und Mehringen zum 1. Januar 2008 hat sich die Einwohnerzahl auf über 29.800 erhöht. Aschersleben hat den Rang eines Mittelzentrums.

Bedingt durch eine günstige klimatische Lage im Regenschatten des Harzes wurde die Stadt zum Zentrum des Majorananbaus in Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Panoramablick vom Wolfsberg über Aschersleben

Aschersleben liegt zwischen dem Harz und der Magdeburger Börde, etwa 50 Kilometer südwestlich von Magdeburg, sowie etwa 50 Kilometer nordwestlich von Halle (Saale). Die Stadt liegt in einer schmalen Flussniederung der Eine, die im Süden und Südwesten vom Wolfsberg begrenzt wird und südöstlich der Stadt in die Wipper fließt. Ein in Nordwest-Südost-Richtung verlaufender, etwa zwei Kilometer langer Muschelkalkrücken, der als Alte Burg bezeichnet wird, erhebt sich im Mittel etwa 40 Meter über der Stadt und erreicht an der Westdorfer Warte seinen höchsten Punkt (160 m ü. NN).

Anhalt 1863–1942

Die Umgebung der Stadt ist von hügeligem Ackerland geprägt. Nordwestlich liegen mit dem Concordiasee und dem Königsauer See zwei große geflutete Tagebauflächen. Westlich der Stadt existiert noch ein Rest des einst bis Gatersleben reichenden Aschersleber Sees.

Bis 1945 lag Aschersleben in der Provinz Sachsen und im Westen, Osten und Südosten vom Herzogtum Anhalt umgeben. Die Landesgrenze, deren alte Grenzsteine noch sichtbar sind, war teilweise nur zwei Kilometer von der Stadtgrenze entfernt. Südlich von Aschersleben verläuft die Sprachgrenze zwischen den deutschen Dialekten Ostfälisch und Thüringisch, die sogenannte Benrather Linie.

Stadtgliederung und Ortsteile[Bearbeiten]

Steinernes Wappen von Aschersleben

Die mittelalterliche Stadt um das Jahr 1000 entwickelte sich zunächst aus zwei voneinander unabhängigen Stadtteilen, der Bischofsstadt und der Grafenstadt der askanischen Grafen. Die Bischofsstadt war im Besitz des Halberstädter Bischofs und umfasste das Gebiet zwischen Breiter Straße im Norden und Hopfenmarkt im Süden. Sie beinhaltete die erste romanische Stephanikirche und einen relativ großen Marktplatz um diese Kirche herum. Sie wurde deshalb auch Stephansstadt genannt. Im 12. Jahrhundert war es Albrecht dem Bären gelungen, sich 3000 Lehnshufen des Klosters Fulda anzueignen, wozu auch der Aschersleber Besitz Fuldas gehörte. Er befand sich südwestlich der Bischofsstadt. Später kamen Erweiterungen hinzu, die bis zum heutigen Schuhstieg reichten und somit an die Bischofsstadt grenzten. Zu den askanischen Besitzungen gehörten weiterhin die sogenannte Neustadt und die Ortsteile Über dem Wasser und Über den Steinen, sowie der Bereich des Kiethofes in der späteren Wasservorstadt am Apothekergraben.

Entstehungsgeschichte der Altstadt von Aschersleben.[3]
Rondell

Während das Suburbium überwiegend dörflichen Charakter trug, hatte der Markt um die romanische Kirche in der Civitas durch die Ansiedlung von Handwerkern und Kaufleuten schon städtischen Charakter. Diese verwaltungsmäßige Besonderheit Ascherslebens mit zwei Stadtherren hatte bis zum Jahr 1262 Bestand und führte zu jahrzehntelangen Reibereien zwischen den Halberstädter Bischöfen und den askanischen Grafen. Erst in diesem Jahr bekam Heinrich II. von Aschersleben die Civitas nach einem Vergleich zugesprochen und Aschersleben stand nun unter einheitlicher Verwaltung. 1263 wurde die Aschersleber Bischofsstadt als bischöfliches Lehen unter askanischer Herrschaft bezeichnet.

Die nächste Erweiterung nach dem Aussterben der Askanier in Aschersleben erfolgte im östlichen Bereich und umfasste die heutigen Straßen Ritterstraße und Badstuben. Dieser Erweiterung schloss sich dann etwa bis zum Bau der Stadtbefestigungsanlage im Jahre 1322 die nördliche Bebauung der Tie-Vorstadt an. In diesem Bereich ist auch der heutige Markt als großer Platz angelegt worden. Als letzte Erweiterungen der Altstadt sind die Bereiche von Vorder- und Hinterbreite sowie des Holzmarktes zu nennen.

Ortschaften[Bearbeiten]

Neben der Kernstadt gehören noch weitere elf Ortschaften zum Stadtgebiet von Aschersleben:

Ortschaft Einwohner
Drohndorf Freckleben Groß Schierstedt Klein Schierstedt Mehringen Neu Königsaue Schackenthal Schackstedt Westdorf Wilsleben Winningen Kernstadt Aschersleben SalzlandkreisDistricts of Aschersleben.svg
Über dieses Bild
Die Ortschaften von Aschersleben
(anklickbare Karte)
Drohndorf 514
Freckleben 714
Groß Schierstedt 602
Klein Schierstedt 395
Mehringen 1098
Neu Königsaue 343
Schackenthal 327
Schackstedt 441
Westdorf 905
Wilsleben 529
Winningen 842

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Aschersleben grenzt an zehn sachsen-anhaltische Städte und Gemeinden. Beginnend im Norden sind das im Uhrzeigersinn: die Stadt Hecklingen, die Gemeinde Giersleben und die Stadt Güsten, im Osten die Gemeinde Plötzkau und die Stadt Alsleben (Saale), im Südosten die Stadt Könnern, im Süden die Stadt Arnstein, im Westen die Stadt Falkenstein/Harz sowie im Nordwesten die Stadt Seeland.

Geologie[Bearbeiten]

Als Ascherslebener Sattel wird die herzynisch streichende sattelförmige Aufwölbung des Zechsteins und der Trias bezeichnet, welche sich in der Subherzynen Senke von Sandersleben unter Mehringen und Aschersleben nach Nordwesten erstreckt.

Entstanden ist dieser Sattel gemeinsam mit dem Höhenzug Alte Burg durch gebirgsbildende Vorgänge, wie Faltung und Heraushebung in der ausgehenden Kreidezeit vor etwa 80 Millionen Jahren. Der sogenannte Aschersleber Sattel und der Staßfurt-Egelner Sattel sind Randstrukturen der Aschersleben-Staßfurter Schrägscholle. Die seitlichen Ausdehnungen des Hauptsattels in erzgebirgischer Richtung fallen besonders auf, so dass der Bereich von Aschersleben als Breitsattel bezeichnet wird.

Die Nordostflanke wird von Mittlerem Buntsandstein überlagert und auf seiner Südwestflanke stehen Mittlerer und Oberer Buntsandstein und der gesamte Muschelkalk an, dessen südliche Erhebung der Muschelkalkrücken der Alten Burg darstellt. Der Mittlere Buntsandstein streicht im Bereich von Schadeleben unter tertiären und quartären Schichten umlaufend und geht nach Westen in die Winninger Buntsandsteinfläche über. Das tektonisch aktivierte Zechstein- und Keupersalinar bildete über tektonischen Schwächezonen Salzkissen aus Kalisalz. Der Anschnitt der Zechsteinbildungen des aufsteigenden Sattels durch Erosion erfolgte für den Aschersleber Salzsattel im Mitteleozän.[4]

In den absinkenden Randsenken des aufsteigenden Salzstockes von Aschersleben kam es im Eozän (vor 49–37 Millionen Jahren) zur Bildung eines ausgedehnten Moores. Die größeren Braunkohlenlagerstätten bei Frose, Nachterstedt und ein kleineres Flöz nördlich von Aschersleben konnten so entstehen.

Niederschlagsmittelwerte von Sachsen-Anhalt für den Zeitraum von 1961 bis 1990

Klima[Bearbeiten]

Die Stadt liegt in der gemäßigten Klimazone und im Regenschatten des Harzes. In diesem Gebiet fallen pro Jahr im langjährigen Mittel nur 492 Millimeter, in der Hauptvegetationszeit von April bis Oktober nur um 350 Millimeter Niederschlag. Der Oberharz erhält dagegen die zwei- bis dreifache Menge. Der meiste Niederschlag fällt im Juni mit durchschnittlich 61 Millimeter, der geringste im Februar mit durchschnittlich 24 Millimeter. Die mittlere Juli-Temperatur liegt um 18 °C, das Januar-Mittel um 0 °C. Die relativ hohen Sommertemperaturen haben eine starke Verdunstung und damit eine verstärkte Austrocknung zur Folge. Man spricht vom Mitteldeutschen oder Herzynischen Trockengebiet.

Die Vegetationszeit mit einer durchschnittlichen Temperatur über 5 °C ist mit 230 Tagen relativ lang. Die Jahressumme der Nebeltage beträgt ungefähr 52 mit jährlichen Schwankungen zwischen 20 und 80 Tagen. Die Sonnenscheindauer beträgt im Mittel etwa 1.535 Sonnenstunden pro Jahr, die relative Luftfeuchte etwa 79 Prozent. Die Monatsmittel schwanken dabei zwischen 72 und 84 Prozent.[5]


Monatliche Durchschnittsniederschläge für Aschersleben
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Niederschlag (mm) 27,8 24,3 30,9 40,8 48,4 61,6 48,5 55,9 32,3 28,4 32,2 31,0 Σ 462,1
Sonnenstunden (h/d) 1,56 2,42 3,56 4,55 6,1 6,42 6,35 6,03 4,67 3,32 1,98 1,35 Ø 4
T
e
m
p
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r
a
t
u
r
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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d
e
r
s
c
h
l
a
g
27,8
24,3
30,9
40,8
48,4
61,6
48,5
55,9
32,3
28,4
32,2
31,0
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Deutscher Wetterdienst[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Die klimatisch günstige Lage im Regenschatten des Harzes zog bereits in der Frühzeit Menschen in die Gegend des heutigen Ascherslebens. Das Einetal, das hier aus dem Vorharz tritt, und der sehr fruchtbare Boden spielten eine bedeutende Rolle für eine frühe Besiedlung der Gegend.

Zur Zeit der Völkerwanderung ließen sich die Warnen in der Gegend nieder. Ortschaften mit der Endung leben deuten darauf hin. Der Name Aschersleben setzt sich aus dem Personennamen Asceger (Escherner Wurfspeer ger = Speer) und -leben (lev = Erbe, Hinterlassenschaft) zusammen

Aufstrebende Stadt im Mittelalter[Bearbeiten]

753 wurde ein Ort in Thüringen namens Ascegereslebe im Mitte des 12. Jahrhunderts zusammengestellten Codex Eberhardi erstmals erwähnt. Die Quelle war eine Schenkungsurkunde des Passauer Chorbischofs Madalwin (gestorben nach 903[7]), der seine Besitzung in Aschersleben „samt den Hörigen“ dem Heiligen Bonifatius (Kloster Fulda) übertrug.

Siegel Albrecht des Bären

Im 11. Jahrhundert ging die Stadt in den Besitz des Geschlechtes der Askanier über, deren Name von Ascania oder Ascharia, der latinisierten Form der Stadt Aschersleben, herrührt. Albrecht der Bär stand an der Spitze der Askanier. Er ging durch die Gründung der Mark Brandenburg in die deutsche Geschichte ein und gilt als Begründer des Hauses Anhalt. Aschersleben wurde unter Albrecht dem Bären der Mittelpunkt des von den Askaniern regierten Verwaltungs- und Gerichtssprengels. Quellen der Zeit künden von zahlreichen Gerichten in und um Aschersleben. So findet die gravescap to aschersleve im mittelalterlichen Rechtsbuch Sachsenspiegel Erwähnung.

Heinrich I., Fürst von Anhalt

Als Albrecht der Bär am 18. November 1170 vermutlich in Stendal starb, gehörten die Askanier zu den bedeutendsten Fürstengeschlechtern im Heiligen Römischen Reich. Er hinterließ ein weiträumiges Herrschaftsgebiet. 1252 wurde Anhalt nach dem Tod Fürst Heinrichs I. von Anhalt in drei Fürstentümer aufgeteilt: Anhalt-Aschersleben, Anhalt-Bernburg und Anhalt-Köthen. Sitz des Fürstentums Anhalt-Aschersleben wurde der Ort Aschersleben mit Heinrich II. an der Spitze. Die Bedeutung des Ortes wuchs nun: aus einem Bauerndorf wurde ein Städtchen. Heinrich II. verlieh 1266 Aschersleben das Stadtrecht. Als Heinrich 1266 starb, beerbte ihn sein Sohn Otto I. (Anhalt) und nach dessen Tod 1304 wurde Otto II. der Regent über Aschersleben. Im Jahre 1315 starb Otto II., Graf von Ascharien und Fürst von Anhalt. Er hinterließ zwei Töchter, Elisabeth und Katharina, jedoch keine männlichen Erben.

Von nun an entbrannte ein jahrzehntelanger Kampf um das Aschersleber Erbe. Im Dezember 1316 belehnte der Bischof Albrecht I. von Halberstadt seinen Bruder, Graf Bernhard II., mit Haus und Stadt Aschersleben. Der Bernburger erkannte damit die lehnsrechtliche Oberhoheit des Bischofs an. König Ludwig IV. belehnte zwei Jahre später Bernhard II. mit all dem Besitz, den Otto II. vom Reiche zu Lehen gehabt hatte. 1322 weitete sich der Streit um Aschersleben zwischen Bernhard III. von Anhalt-Bernburg und dem Halberstädter Bischof Albrecht II. von Braunschweig-Lüneburg zu einem erbitterten Rechtskampf aus. Obwohl Kaiser Ludwig IV. der Bayer mehrmals zugunsten Bernhards intervenierte, verblieb Aschersleben beim Bistum Halberstadt.

Rabenturm

1322 wurden die Arbeiten zur Errichtung der Stadtbefestigungsanlage begonnen, nachdem Elisabeth, die Witwe des letzten Aschersleber Grafen, die Erlaubnis dazu erteilt hatte. 1326 schloss sich die Stadt mit Halberstadt und Quedlinburg zum Halberstädter Dreistädtebund zusammen, der ununterbrochen bis 1477 andauern sollte.

1406 begann der Bau der Stephanikirche, der bis zum Jahre 1507 dauerte. 1415 trat die Pest zum ersten Mal in Aschersleben auf. 1426 wurde Aschersleben Mitglied der Hanse. Diese Mitgliedschaft dauerte bis 1518. 1428 erhielt die Stadt das Schultheißenamt und 1443 Burg und Vogtei. Zwischen 1440 und 1470 wurden große Teile der Stadtbefestigung fertiggestellt.

Ehemalige Lateinschule

Die Einwohner der Stadt waren überwiegend kirchentreu, so wurden auch hier im Jahre 1454 Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Aber auch in Aschersleben regte sich Protest gegen die Praktiken der Kirche beim Eintreiben des Ablasses. Nachdem Martin Luther seine 95 Thesen zu Wittenberg an die Schlosskirche geschlagen hatte, dauerte es nicht lange, bis auch im Bistum Halberstadt, zu dem Aschersleben gehörte, die Lehre Luthers Einzug hielt. Ausgangspunkt der Reformation in Aschersleben war die 1325 gegründete Lateinschule an der Stephanikirche.

Dass Thomas Müntzer an dieser Lateinschule Hilfslehrer oder Hilfsgeistlicher (lateinisch: Collaborator) gewesen sein soll, belegt kein Dokument. Einzig seine durch Folter erpresste Aussage am 16. Mai 1525 ist ein Hinweis auf seinen Aufenthalt in der Stadt: Zu Aschersleben und Halla do habe er in der jugent, als er collaborator gewest, auch eyn verbuntus gemacht. Dar innen seyn/ Peter Blinde zu Aschersleben… Als im Jahre 1525 der Deutsche Bauernkrieg begann, kam es in einigen Städten und Dörfern der Gegend zu Aktionen der Bauern, wobei die Stadt Aschersleben die Gelegenheit zu ihrem Vorteil nutzte. Die Aktionen waren vor allem gegen die zwei in Aschersleben beheimateten Klöster und deren Grundbesitz in verschiedenen Dörfern gerichtet. Nach der Niederschlagung des Bauernaufstandes und der Hinrichtung der Führer dauerte es bis zum Jahre 1541, ehe sich die Reformation im Bistum Halberstadt endgültig durchgesetzt hatte. Wie überall in Europa grassierte die Pest in dieser Zeit auch in Aschersleben. 1528 und 1566 kam es zu erneuten Pestepidemien. 1566 starben dabei etwa 1400 Menschen. Die Krankheit grassierte nochmals 1625, diesmal mit fast 2800 Todesopfern.

Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nachdem im Mai 1618 mit dem zweiten Prager Fenstersturz der Dreißigjährige Krieg ausgelöst worden war, quartierten sich am 7. August desselben Jahres die ersten Truppen unter Graf Otto von der Lippe in der Stadt ein.

Vom 30. Dezember 1625 bis zum 4. Januar 1626 weilte General Wallenstein erstmals in Aschersleben. Er schlug hier für einige Zeit sein Hauptquartier im Krukmannschen Haus am Markt auf. Bereits im Januar 1626 hatten Wallensteins Truppen starke Positionen an der Mittelelbe bezogen. Zwei Regimenter unter Aldringen und Collalto waren in Anhalt eingerückt und hatten Dessau und die Elbbrücke bei Roßlau besetzt, die mit starken Befestigungen versehen wurde. Wallenstein selbst verblieb in seinem Hauptquartier in Aschersleben und leitete die Werbungen, die ihm vom Kaiser genehmigt worden waren, um die Größe des Heeres auf 60.000 Mann zu verdoppeln. Auch vor und nach der Schlacht an der Dessauer Brücke bezog Wallenstein sein Quartier in Aschersleben.

1632 kam das Stift Halberstadt und somit auch Aschersleben unter schwedische Herrschaft. Das Bistum Halberstadt mit Aschersleben kam im Mai 1635 als Folge des Prager Friedens an Sachsen. Die Stadt wurde in den folgenden Jahren mehrmals von schwedischen und kaiserlichen Truppen geplündert.

Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 fiel Aschersleben mit dem Bistum Halberstadt an Brandenburg. Trotz zahlreicher Versuche der anhaltischen Fürsten, Ansprüche auf Aschersleben geltend zu machen, blieb eine der ersten Grafschaften Anhalts für das Haus Anhalt verloren.

Aschersleben um 1700, Darstellung von David Müller
Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757–1828) in der Uniform der Ascherslebener Kürassiere, 1791, Gemälde von Georg Melchior Kraus

1722 wurde Aschersleben zur Garnisonsstadt.[8] Das preußische Kürassierregiment Nr. 6, welches damals nach seinem Inhaber General Gustav von Anhalt-Dessau als das Prinz-Gustavsche Kavallerieregiment bezeichnet wurde, zog am 1. Mai 1722 hier ein.

Im Oktober 1760 war die Stadt für einige Tage fest in französischer Hand und konnte sich nur durch Zahlung von 23.000 Talern, die Übergabe von Dutzenden Pferden, sowie zeitweiliger Einquartierung und Beköstigung der Franzosen vor Brandschatzung und Plünderung schützen.

Im Januar 1778 gründete sich in der Stadt die Freimaurerloge Zu den Drei Kleeblättern, deren Tempel noch heute im städtischen Museum zu besichtigen ist.

Dreimal rückte das ansässige 6. preußische Kürassierregiment unter Friedrich Wilhelm II. aus, so beispielsweise 1792 beim Feldzug in der Champagne. Der Chef des Regiments war seit 1794 Herzog Carl August von Weimar im Range eines Generalleutnants. Auch Johann Wolfgang von Goethe weilte in dieser Zeit mehrmals mit seinem fürstlichen Freund in Aschersleben, so in den Jahren 1789, 1792 und 1798. Beide bewohnten das Gebäude der Regimentskommandantur am Tie 29, Ecke Hohe Straße, wo noch heute eine Gedenkplatte daran erinnert. Der romantische Dichter Friedrich de la Motte Fouqué war von 1794 bis 1802 als Kadett und später als Leutnant ebenfalls Angehöriger des Kürassierregiments und bewohnte während seiner Aufenthalte das Gebäude des Lederer-Bräustübls. In seiner Autobiographischen Lebensgeschichte beschreibt Fouqué die Stadt und seine damaligen Gedanken über die Stadt ausführlich.[9]

19. Jahrhundert bis 1945[Bearbeiten]

Im Zuge der Napoleonischen Kriege fiel Aschersleben am 9. Juli 1807 durch den Frieden von Tilsit dem französischen Satellitenstaat Königreich Westphalen zu. Aschersleben gehörte nunmehr zum Distrikt Halberstadt im Département de la Saale. An die Spitze der Stadt trat ein Maire. Der code civil, französisches Münzrecht und Gerichtsordnung galten nun auch für Aschersleben, die Gilden und Zünfte wurden aufgehoben.

Im März 1808 wurde in Aschersleben das erste westfälische Kürassierregiment errichtet. Vom Februar 1809 bis April des Jahres lagerte in der Stadt ein französisches Chasseurregiment. Anfang Mai erschienen zwei Tage lang auch einige Husaren der Freischar des preußischen Majors von Schill. Ab 1. Mai 1809 und erneut ab Februar 1810 nahm wieder das erste westfälische Kürassierregiment Garnison in Aschersleben. Im Januar 1810 und von April bis November 1811 weilte auch das zweite westfälische Husarenregiment in der Stadt; in diesem Regiment diente im Rang eines Unteroffiziers auch Heinrich Camin, der später als Zeitzeuge bekannt wurde. Als Napoléons Truppen 1812 in Richtung Russland zogen, erlebte Aschersleben den Durchmarsch verschiedenster Truppen der westfälischen und französischen Armee.[10] Auch etwa 900 Aschersleber Bürger mussten an dem Feldzug teilnehmen, von ihnen kamen nur 40 lebend zurück.

Im März 1813 zog sich um Quedlinburg eine französische Armee unter dem Vizekönig von Italien, Eugène de Beauharnais, zusammen. Vom 12. bis zum 15. April zog er mit seinem Generalstab in Aschersleben ein.

Der König von Westphalen, Jérôme Bonaparte, der Bruder Napoléons, weilte 1813 zu einem Kurzbesuch in Aschersleben. Nach dem Abzug der Franzosen wurde Aschersleben am 4. November 1813 wieder preußisch. Sogleich erteilte König Friedrich Wilhelm III. am 19. November die Erlaubnis, ein Freiwilliges Husarenregiment zu bilden, das später das Husarenregiment Nr. 10 wurde.

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig und dem Wiener Kongress 1815 wurde Aschersleben der neu geschaffenen preußischen Provinz Sachsen zugeordnet. Im Revolutionsjahr 1848 gab es auch hier politische Unruhen, das ansässige Husarenregiment wurde zur Bekämpfung der Unruhen nach Magdeburg geschickt.

Aschersleben von Westen um 1850
Aschersleben von Süden um 1902
Serienbau von Ju-88-Flugzeugrümpfen im Junkers-Werk Aschersleben.

1865 wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen (Bahnstrecke von Dessau nach Halberstadt). Das führte zu einem industriellen Aufschwung. Industriezweige wie Zuckerrübenverarbeitung, Kali- und Salzabbau, Papierindustrie sowie Maschinenbau siedelten sich in der Stadt an, vor allem nach Gründung des Deutschen Reiches 1871.

Im Jahre 1884 endete die Zeit als Garnisonsstandort, denn das hiesige Husarenregiment wurde nach Stendal verlegt.

Die bauliche Entwicklung der Stadt setzte sich, wie überall im Reich, mit der fortschreitenden Industrialisierung weiter fort. Besonders die Kaliindustrie nahm in Aschersleben mit der Inbetriebnahme von insgesamt sieben Schächten außerhalb der Stadt eine rasante Entwicklung. 1890 wurde in Aschersleben erstmals Majoran angebaut und verarbeitet. 1905 trat die Stadt dem Deutschen Städtetag bei und zwischen 1901 und 1948 war Aschersleben kreisfreie Stadt.

Im Ersten Weltkrieg war in der Eisenbahnmeisterei von Aschersleben eine Außenstelle des Kriegsgefangenenlagers Quedlinburg eingerichtet.[11] Am 4. August 1914 fuhr der erste Mobilmachungszug mit 600 Reservisten und Freiwilligen an die Westfront. Insgesamt sind etwa 1000 Männer aus Aschersleben im Ersten Weltkrieg gefallen, 513 Aschersleber Bürger gerieten in feindliche Gefangenschaft. Zahlreiche Turnhallen wurden während des Krieges zu Lazaretten umfunktioniert, sogar das Bestehornhaus diente als Lazarett.

Nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht ergriffen hatten - in Aschersleben errang die NSDAP 42,5 % der Stimmen - wurden in Aschersleben Betriebe der Rüstungsindustrie angesiedelt. So entstand ab Ende 1934 die Heeresmunitionsanstalt (MUNA) an der Wilslebener Straße. Auf dem Gelände der ehemaligen Ascherslebener Maschinenbau AG (AMA) baute Junkers an der heutigen Walter-Kersten-Straße ein neues Zweigwerk, das im Mai 1935 den Betrieb aufnahm und später als Hauptzulieferer Rümpfe für Ju 88-Flugzeuge baute, die im Werk Bernburg (Strenzfeld) endmontiert wurden. Im November 1937 wurde die neue Kaserne der Flakartillerie an der Güstener Straße im Nordosten der Stadt bezogen. In der Nähe der Rüstungsbetriebe befand sich von Juli 1944 bis April 1945 eine Außenstelle des KZ Buchenwald mit dem Codenamen „AL“. Mehrere in der Stadt verteilte kleinere Barackenkomplexe dienten außerdem den Häftlingen als Unterkunft. Bei den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken leisteten etwa 450 Männer sowie 500 Frauen – zum überwiegenden Teil Jüdinnen – im Rahmen des Jägerprogramms Zwangsarbeit. Kurz vor Ende des Krieges im April 1945 mussten sie sich auf einen Todesmarsch[12] begeben, der in Richtung Torgau-Mühlberg führte und mehrere Tage dauerte.

Wegen der beiden Rüstungsbetriebe wurden erstmals am 1. September 1940 auch auf Aschersleben Bomben abgeworfen. Anfang 1944 wurden die beiden Rüstungsbetriebe des Öfteren von der United States Army Air Forces (USAAF) angegriffen, so warfen beispielsweise während der „Big Week“,[13] den konzentrierten Angriffen auf Flugzeug- und Kugellagerwerke (Schweinfurt), 34 Boeing B-17 am 22. Februar 1944[14] insgesamt 77 t Bomben auf die Junkerswerke am Stadtrand. Ein weiterer Angriff der USAAF folgte am 29. Juni 1944.[15] Am 31. März 1945 erlitt die Stadt einen weiteren schweren Angriff auf den Bahnhof und die Johannisvorstadt. Am Vormittag des 17. April 1945 rückten die ersten Einheiten der US-Armee von Osten her in die Stadt ein. Der letzte Widerstand der Verteidiger wurde relativ schnell am 18. April gebrochen. Schließlich verhinderte der amerikanische Major Harlan W. Newell, heute Ehrenbürger der Stadt, die völlige Zerstörung durch einen Bombenangriff. Später kamen für fünf Wochen britische Truppen in die Stadt und ab 1. Juli 1945 rückte die Rote Armee ein.

Als Mitglied der Wehrmacht fanden 1200 Bürger der Stadt den Tod, 250 Opfer forderten die Bombenangriffe. Unter den ausländischen Zwangsarbeitern gab es circa 200 Tote. 352 Wohnungen wurden zerstört.

Seit 1945 bis zur Gegenwart[Bearbeiten]

In den Jahren 1946/47 mussten etwa 15.000 Vertriebene vorwiegend aus Schlesien und dem Sudetenland aufgenommen werden. Die Einwohnerzahl stieg von etwa 30.000 vor dem Zweiten Weltkrieg auf etwa 45.000.

Zu DDR-Zeiten gab es in Aschersleben einige Bildungsstätten mit überregionaler Bedeutung; so die ehemalige Offiziersschule des MDI der DDR. Aus einer Liegenschaft einer Artilleriekaserne der Wehrmacht (1937–1945) wurde die Zentralschule der Deutschen Volkspolizei (1951–1958). Später im Jahre 1958 zog bis 1963 die mittlere Polizeischule ein, ab 1963 führte sie die Bezeichnungen Zentrale Lehranstalt des Ministeriums des Innern (MdI) der DDR (1963–1965), der Fachschule des MdI (1965–1976) bis hin zur Offiziersschule des MdI (1976–1990).

Aufgrund der Neuordnung der Verwaltungsstruktur am 1. September 1952 wurde der Kreis Aschersleben gegründet, Aschersleben wurde Kreisstadt. Der Kreis gehörte bis 1990 zum Bezirk Halle.

In der Altstadt von Aschersleben

Am 17. Juni 1953 gab es auch in den großen Betrieben der Stadt Arbeitsniederlegungen und Streiks, daraufhin rückten Truppen der Sowjetarmee in die Stadt ein und verhängten eine befristete Ausgangssperre über die Stadt.

Aufgrund des akuten Wohnungsmangels in der Stadt begann man Mitte der 1950er Jahre mit dem Bau neuer Wohngebiete und Stadtteile. Kultureller Höhepunkt dieser Zeit waren die Feiern zum 1200-jährigen Stadtjubiläum im Jahre 1953. In den 1960er Jahren wurden große Neubaugebiete im Norden der Stadt in Plattenbauweise errichtet. Dazu baute man eigens ein Plattenwerk, das bis zum Ende der DDR existierte. Während viele Plattenbausiedlungen in der Stadt entstanden, vernachlässigte man allerdings die Altstadt. Ganze Straßenzüge wurden vor allem in den achtziger Jahren abgerissen. So verschwanden viele denkmalgeschützte Häuser von Alt-Aschersleben unwiederbringlich, so unter anderem das Geburtshaus des Schriftstellers und Diplomaten Adam Olearius.

Auch in Aschersleben begannen im Herbst 1989 im ganzen Stadtgebiet Demonstrationen und Dialog-Gespräche. Dabei waren die Bürgeraussprachen in der ehemaligen Stadthalle der Höhepunkt. Im November 1989 gründete sich nach rund 43 Jahren wieder die erste SPD-Ortsgruppe. Erste frei gewählte Bürgermeisterin der Stadt wurde Siegrid Tabbert von der CDU. 1990 wurde der Partnerschaftsvertrag mit der Stadt Peine unterzeichnet. Im Jahre 1994 wurden die Altkreise Staßfurt und Aschersleben zum neuen Landkreis Aschersleben-Staßfurt zusammengeführt.

Der erste große Höhepunkt im neuen Jahrtausend war die 1250-Jahr-Feier der Stadt im Jahre 2003. 2004 fand in der Stadt unter dem Motto: Aschersleben – überraschend anders, der 8. Sachsen-Anhalt-Tag statt. Aufgrund demographischer Probleme nimmt die Stadt seit 2005 an der Internationalen Bauausstellung 2010[16] teil. Diese hat die Problematik schrumpfender Städte und deren Zukunft zum Schwerpunktthema. Wegen der großen Anstrengungen beim Stadtumbau,[17] in Verbindung mit der Wirtschaftsförderung und Millionen-Investitionen in den Bildungsstandort, bekam Aschersleben Ende 2006 vom Ostdeutschen Sparkassenverband den Preis: Kommune des Jahres.

Anfang 2006 erhielt die Stadt den Zuschlag für die Landesgartenschau 2010.[18] Am 1. Juli 2007 wurde Aschersleben dem neugeschaffenen Salzlandkreis zugeordnet und verlor den Status einer Kreisstadt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Seit dem 1. März 2004 ist Winningen ein Ortsteil der Stadt Aschersleben. Am 4. März 2005 wurde die Gemeinde Klein Schierstedt eingegliedert,[19] am 24. Februar 2006 folgte Wilsleben[20] und am 1. Januar 2008 die Gemeinden Drohndorf, Freckleben und Mehringen.[21] Am 1. Januar 2009 wurden weitere Gemeinden in die Stadt Aschersleben eingegliedert.[22] Es handelte sich um Neu Königsaue, Groß Schierstedt, Schackenthal und Westdorf. Letztere drei Gemeinden waren wie Aschersleben Mitglieder der Verwaltungsgemeinschaft Aschersleben/Land, die am selben Tag aufgelöst wurde. Am 1. Januar 2010 trat die Gemeinde Schackstedt als elfter Ortsteil der Stadt Aschersleben bei.[23]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Drohndorf 1. Januar 2008
Freckleben 1. Januar 2008
Groß Schierstedt 1. Juli 1950
1. Januar 1957
1. Januar 2009
Zusammenschluss mit Klein Schierstedt zu Schierstedt,
Trennung von Schierstedt,
Eingemeindung nach Aschersleben
Klein Schierstedt 1. Juli 1950
1. Januar 1957
4. März 2005
Zusammenschluss mit Groß Schierstedt zu Schierstedt,
Trennung von Schierstedt,
Eingemeindung nach Aschersleben
Mehringen 1. Januar 2008
Neu Königsaue 1. Januar 2009
Schackenthal 1. Januar 2009
Schackstedt 1. Januar 2010
Schierstedt 1. Januar 1957 Trennung in Groß Schierstedt und Klein Schierstedt
Westdorf 1. Januar 2009
Wilsleben 24. Februar 2006
Winningen 1. März 2004

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Bis 1900 handelt es sich meist um Volkszählungsergebnisse, danach um amtliche Fortschreibungen der jeweiligen statistischen Ämter[24] oder der Stadtverwaltung selbst.

Jahr Einwohner
1720 3.213
1756 6.196
1799 8.220
1840 10.118
1864 14.511
Jahr Einwohner
1875 17.391
1880 19.501
1885 21.519
1890 22.865
1900 27.104
Jahr Einwohner
1910 28.968
1925 28.627
1937 30.500
1946 45.000
1950 39.012
Jahr Einwohner
1971 37.163
1988 34.167
1990 32.545
1995 29.679
2000 27.312
Jahr Einwohner
2001 26.694
2002 25.968
2003 25.427
2004 25.637
2006 25.7811

1 Ohne die am 1. Januar 2008 eingemeindeten Ortsteile Freckleben, Drohndorf und Mehringen.

Religion[Bearbeiten]

Christentum[Bearbeiten]

Der überwiegende Teil der Ascherslebener Bevölkerung gehört keiner Religionsgemeinschaft an. Die ehemals drei evangelischen Gemeinden umfassen etwa 18 bis 20 Prozent der Stadtbevölkerung und haben sich im Evangelischen Kirchspiel Aschersleben zusammengeschlossen, das ein Teil der Evangelischen Kirche der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland ist. Etwa fünf Prozent der Stadtbevölkerung gehören zur katholischen St. Michaels-Gemeinde, einer Pfarrei im Bistum Magdeburg.

Im Jahre 1999 feierte die Evangelisch-Reformierte Gemeinde zu Aschersleben ihr 300-jähriges Bestehen. Begründet wurde die Ascherslebener Reformierte Gemeinde von Anhaltern, Pfälzern und Franzosen. Die Anfänge gehen auf den 10. August 1696 zurück, als sich drei reformierte Handwerker mit der Bitte an den Kurfürsten Friedrich III von Brandenburg wandten, eine Kommission aus den Räten der Regierung Halberstadt einzusetzen. Diese möge dafür sorgen, dass die etwa 70 Gläubigen des reformierten Bekenntnisses „zur Bewahrung ihrer Glaubensfreiheit“ ein Gotteshaus und einen Prediger erhalten. 1975 musste die Kirche am Markt an die Katholische Gemeinde verkauft werden, da die Reformierte Gemeinde nicht in der Lage war, die finanziellen Mittel für die Sanierung des Gebäudes aufzubringen. Seit dieser Zeit finden die Gemeindeveranstaltungen im Gemeindehaus am Markt statt.

Judentum[Bearbeiten]

Die im Mittelalter in Aschersleben sesshaften Juden wurden 1494 auf Befehl des Halberstädter Bischofs vertrieben. Erst unter französischer Herrschaft seit 1808 hatte die Stadt wieder eine kleine jüdische Gemeinde, die im Jahre 1840 etwa 69 Mitglieder zählte. 1852 wurde eine Synagoge in der Nähe des Stumpfen Turmes errichtet und in der Pogromnacht am 9. November 1938 zerstört. Von den 106 Juden, die hier 1933 lebten, wurden 27 zur Auswanderung gedrängt und 26 deportiert und ermordet. Seitdem gibt es keine praktizierende Gemeinde mehr. Es existiert aber noch der 1877 angelegte Jüdische Friedhof mit 80 Grabsteinen. Einst stand hier eine Aussegnungshalle, die ebenfalls von den Nationalsozialisten zerstört wurde. Das Wohnhaus des Vorbeters und Lehrers der jüdischen Gemeinde, das gleichzeitig mit der Synagoge 1852 errichtet wurde, ist erhalten.

Andere Religionsgemeinschaften[Bearbeiten]

In der Stadt gibt es eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche und seit 2005 einen Saal der Zeugen Jehovas.

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Das Ergebnis der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 ist in der folgenden Tabelle dargestellt. Zum Vergleich sind die Stimmenanteile der vorigen Wahlen seit 1999 angeführt, wobei nur die Parteien und Listen berücksichtigt sind, die 2014 mindestens einen Sitz erhielten. (In Klammern sind die Gewinne oder Verluste an Sitzen gegenüber der Kommunalwahl 2009 angegeben.)[25]

Rathaus Aschersleben
Partei / Liste Sitze
2014
Stimmenanteil
2014
Stimmenanteil
2009
Stimmenanteil
2004
Stimmenanteil
1999
CDU 13 (+ 3) 36,4 % 28,2 % 27,1 % 33,7 %
Die Linke 7 (+ 2) 18,0 % 14,7 % 19,8 % 20,0 %
SPD 3 (− 1) 9,0 % 11,1 % 15,0 % 23,8 %
FDP 1 (− 1) 2,2 % 5,0 % 3,6 % 3,8 %
GRÜNE 1 (± 0) 3,7 % 3,1 % 2,9 % 2,2 %
NPD 1 (− 1) 2,3 % 2,1 % 1,7 %
WIDAB* 10 (− 3) 28,4 % 34,4 % 25,5 % 11,5 %
Wahlbeteiligung 40,9 % 37,7 % 34,9 % 44,8 %

* WählerInitiative Die Aschersleber Bürger

Bürgermeister und Oberbürgermeister seit 1769[Bearbeiten]

Die folgende (unvollständige) Liste zeigt die Namen der (Ober-)Bürgermeister von Aschersleben seit 1769.

  • 1769–1802: Oberbürgermeister David Wentzel
  • 1802–1831: Bürgermeister Franz Christian Pflaume
  • 1832–1856: Bürgermeister Gustav Douglas
  • 1856–1869: Bürgermeister Wennhak
  • 1869–1880: Bürgermeister Max Eiselen
  • 1881–1912: Oberbürgermeister Johann Paul Wilhelm Michaelis[26]
  • 1912–1924: Oberbürgermeister Arthur Bunde
  • 1924–1933: Oberbürgermeister Willigmann
  • 1933–1944: Oberbürgermeister Kurt Baller
  • 1950–0000: Bürgermeister Bernhardt Grünert
  • 1972–1989: Bürgermeister Otto Zufelde, SED
  • 1989–1990: Übergangsbürgermeister Achim Schwebe
  • 1990–1994: Bürgermeisterin Siegrid Tabbert, CDU
  • 1994–0000: Oberbürgermeister Andreas Michelmann, WIDAB

Landes- und Bundespolitik[Bearbeiten]

Im Landtag wird Aschersleben durch Detlef Gürth (CDU) und Bernward Rothe (SPD) vertreten. Das Bundestagsmandat für den Wahlkreis 68 (Harz) hat seit 2009 Heike Brehmer (CDU) als Direktmandat inne.

Wappen und Stadtfarben[Bearbeiten]

Wappen von Aschersleben

Blasonierung: „In Rot eine silberne gezinnte Burg mit zwei gezinnten spitzbedachten beknäuften Türmen, das offene rundbogige Tor schrägrechts mit einem schwarzsilbern geschachten Schild belegt. Hinter der Toröffnung eine sich über den Türmen ausbreitende bewurzelte grüne Eiche mit silbernen Eicheln, in den Zweigen drei schwarze Vögel, der vordere links, die beiden anderen rechts gewendet.“

Die Darstellung geht auf ein Siegel des 14. Jahrhunderts zurück, in dem jedoch kein Schachschild im Tor gezeigt wird. Dieses Schild des Schultheißenamtes wurde erst eingesetzt, nachdem die Stadt von ihrem Grundherrn, dem Bischof von Halberstadt, die Burg und die Vogtei erkauft hatten.[27]

Bis zum Jahre 1900 waren die Stadtfarben weiß-schwarz, entlehnt aus dem Grafenschild im Stadtsiegel. Da diese Farben alleine nicht charakteristisch genug waren, da sie mit den preußischen Landesfarben zusammenfielen, wählte man, bezugnehmend zur grünen Eiche im Stadtwappen, die Farbe Grün hinzu. Im Jahre 1900 wurden die Farben in Schwarz-Weiß-Grün geändert.

Flagge[Bearbeiten]

Stadtflagge

Die Flagge der Stadt zeigt die Farben Schwarz-Weiß-Grün mit dem aufgelegten Stadtwappen.

Laut Protokoll der Stadtverordnetensitzung vom 24. August 1900 beschloss die Stadt Aschersleben die Stadtfarben Schwarz-Weiß-Grün zu tragen. Diese Farben wurden in der genannten Reihenfolge auch geführt und besaßen eine geschichtliche Tradition. Der Nachweis einer Beurkundung lag allerdings nicht vor. Gegen die vom Regierungspräsidium Magdeburg verliehenen Farben Weiß-Rot legte die Stadt erfolgreich Widerspruch ein und führte die dreifarbige Flagge 1995 über den Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch ins Genehmigungsverfahren.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Aschersleben unterhält seit 1990 partnerschaftliche Beziehungen zur Stadt Peine in Niedersachsen sowie seit September 2002 zum slowakischen Kurort Trenčianske Teplice. Am 18. September 2010 wurde die finnische Stadt Kerava die dritte Partnerstadt von Aschersleben.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater und Museen[Bearbeiten]

Bestehornhaus in Aschersleben

Bestehornhaus[Bearbeiten]

Das Bestehornhaus in der Hecknerstraße ist ein Veranstaltungsort, in dem Theateraufführungen, Empfänge, Konzerte, Bälle, Faschingssessionen oder Gastauftritte bekannter Künstler stattfinden. Im Jahre 1908 erbaut, ist es der Unternehmerfamilie Bestehorn zu verdanken, die das Haus der Stadt zur Verfügung stellte. Die Familie war mit der Herstellung von Verpackungsmaterialien zu Reichtum gelangt und gab so einen Teil ihres Wohlstandes an die Aschersleber zurück. Im Jahre 1938 wurde das Bühnenhaus mit Ostgiebel durch Stadtbaurat Hans Heckner erweitert. Das Haus besitzt einen großen Saal mit einer Kapazität von 480 Personen, einen kleinen Saal für 120 Personen und andere kleinere Gesellschaftsräume. Seit 2005 ist das Bestehornhaus Heimstatt des jährlich im November stattfindenden Kabarettfestivals der Bundesvereinigung Kabarett, bei dem der Kleinkunstpreis der Stadt Aschersleben verliehen wird. Theateraufführungen werden von Ensembles der Nachbarstädte Bernburg (Saale), Halberstadt und Thale veranstaltet.

Städtisches Museum[Bearbeiten]

Das Städtische Museum am Markt ist der Stadtgeschichte gewidmet. Eine Ausstellung zeigt eine prähistorische Sammlung mit Exponaten der Jungsteinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit. Die paläontologische Sammlung von Professor Dr. Martin Schmidt mit einem etwa 175 Millionen Jahre alten Fischsauriersklett ist zu sehen. Weiter werden die Themen Herrschaft der Askanier, mittelalterliche Funde, Bauernkrieg, Dreißigjähriger Krieg, französische Fremdherrschaft und beide Weltkriege behandelt. Ein gotischer Altar mit geschnitzten Figuren gilt als herausragendes Exponat. Im Museum befindet sich auch ein öffentlich zugänglicher Freimaurertempel sowie eine Ausstellung über die Geschichte der Freimaurer und der Loge in Aschersleben. Zusätzlich veranstaltet das Museum regelmäßig Konzerte, Theater, Vorträge und die Museumsnacht.

Grafikstiftung Neo Rauch

Grafikstiftung Neo Rauch[Bearbeiten]

Am 1. Juni 2012 wurden im Beisein von Neo Rauch die Ausstellungsräume der Stiftung im Riegelbau des Bestehornparks eröffnet.[28] Rauch wurde dabei von Ministerpräsident Reiner Haseloff der Landesverdienstorden verliehen. Die Stiftung, die Anfang Mai 2012 von dem Maler Neo Rauch, Gerd Harry Lybke und Kerstin Wahala von der Galerie EIGEN + ART sowie der Stadt Aschersleben gegründet worden ist, basiert auf einer Schenkung des Künstlers an seine Heimatstadt Aschersleben: der Stadt wird jeweils ein Exemplar der Auflagen seines bisherigen grafisches Werkes überlassen. Zur Eröffnung waren bereits 39 Lithografien und andere grafische Arbeiten ausgestellt, die seit 1993 entstanden. Insgesamt wird Rauchs bisheriges gesamtes grafisches Gesamtwerk in 65 Exponaten verschiedenen Formats der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darüber hinaus soll auch je ein Exemplar künftiger Grafiken in den Räumen der Stiftung in Aschersleben zu sehen sein. Die erste Ausstellung mit dem Titel Neo Rauch. Das grafische Werk – Erster Teil wurde bis zum 3. März 2013 gezeigt.

Kriminalpanoptikum[Bearbeiten]

Kriminalpanoptikum im ehemaligen städtischen Gefängnis

Das Kriminalpanoptikum im 1896 eingerichteten ehemaligen Stadtgefängnis am Gerichtsgebäude zeigt die Geschichte der Kriminalpolizei in Deutschland. Es berichtet von Gaunergeschichten am authentischen Ort, denn das Gebäude war bis 1982 Untersuchungsgefängnis der Stadt. Im Jahre 2003 wurde im sanierten Haus das Museum eröffnet, in dem Tatwerkzeuge, Schlagstöcke, eine Fesselsammlung mit Hand- und Fußfesseln und Folterinstrumente aus dem Mittelalter, aber auch Uniformen und Ausrüstungsgegenstände der nationalen und internationalen Polizei ausgestellt sind. Eine eingerichtete Gefängniszelle, ein Verbrecheralbum sowie Bilder und Requisiten der Kriminalfotografie und der Daktyloskopie werden ebenfalls gezeigt. Kuriose Kriminalfälle und Geschichten rund um das Gefängnismilieu werden anschaulich und verständlich dargestellt.

Baustile[Bearbeiten]

Häuserzeile in der Altstadt

In Aschersleben sind die verschiedensten Baustile der letzten Jahrhunderte vertreten. So bestimmen die historische Altstadt Bauten der Romanik (Grauer Hof) und Gotik (St. Stephanikirche) sowie der Renaissance (Rathaus, Krukmannsches Haus) und des Barocks. Wie ein Ring schließen sich Bauten des Klassizismus und Jugendstils um die historische Altstadt. Diese werden wiederum durchsetzt und ergänzt durch Bauten der frühen Moderne (wie z. B. die von Stadtbaurat Hans Heckner), sowie Gebäude aus der DDR-Zeit. Große Neubaugebiete gibt es vor allem im Norden und Südosten der Stadt. Es gibt wenige Fachwerkbauten in der Altstadt von Aschersleben. Gutes Steinmaterial in der Nähe und geringer Waldbesitz sowie zahlreiche Brände vor dem 16. Jahrhundert sind Gründe dafür. Dennoch gibt es zahlreiche Gebäude, die ein hohes, massives Untergeschoss besitzen, das, meist zweistöckig, ein Fachwerkobergeschoss trägt.

Historische Bauwerke[Bearbeiten]

Die Kulturdenkmale der Stadt Aschersleben sind im Aschersleber Denkmalverzeichnis aufgeführt. Die nachfolgenden Bauten sind in besonderer Weise erwähnenswert:

Kirchen[Bearbeiten]

St.-Stephani-Kirche am Abend in Aschersleben

Die St.-Stephani-Kirche (15./16. Jahrhundert) ist eine gotische Hallenkirche und beherrscht das Stadtbild. Sie ist Hauptsehenswürdigkeit und Wahrzeichen der Stadt. Ursprünglich wurde sie mit zwei Türmen geplant, der zweite nördliche Turm fiel jedoch dem sandigen Bauuntergrund zum Opfer. Tatsächlich steht auch der südliche Turm in einer gewissen Neige. Regelmäßig wird überprüft, ob sich der Turm weiter neigt. Eine weitere kulturhistorisch wertvolle Kirche ist die St.-Margarethen-Kirche, die ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert stammt. Nach völliger Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg ist sie im Zustand des Wiederaufbaus im 16. Jahrhundert. Die Heilig-Kreuz-Kirche am Markt war einst Kirche des hier ansässigen Franziskanerklosters und stellt den einzigen erhaltenen Teil des Klosters dar. 1905 wurde die St.-Johannis-Kirche gebaut, 1952 bis 1954 die Neuapostolische Kirche und 1863 die katholische St.-Michaels-Kirche, die seit 1979 nicht mehr als Kirche genutzt wird, sondern zum katholischen Gemeindezentrum umgebaut wurde (Michaelshaus). Die Stadt hatte auch eine jüdische Gemeinde, deren Synagoge 1852 erbaut und 1938 zerstört wurde. Eine Gedenkplatte in der Altstadt erinnert an das Gotteshaus.

Stadtbefestigungsanlage[Bearbeiten]

Stadtbefestigungsanlage mit Johannisturm und Schmalem Heinrich
Johannisturm
Rondell
Turm am Marsfeld in Aschersleben

Aschersleben ist eine der wenigen Städte Deutschlands, in der die Stadtbefestigungsanlage zum großen Teil erhalten blieb, auch wenn diese ihre praktische Bedeutung am Ende des Mittelalters verloren hatte. Dennoch wurden vor allem im 19. Jahrhundert zahlreiche Stadttore und Türme abgebrochen, um dem zunehmenden Fuhrwerksverkehr Herr zu werden und den Handel zu fördern. Von einst 51 Türmen und Schalen sind noch etwa 15 erhalten. Das Rondell wurde von 1507 bis 1583 erbaut. Das Bauwerk stellt einen mächtigen vierstöckigen Festungsturm dar, der einen 1846 aufgesetzten Fachwerkoberbau trägt. Seine Wandstärke beträgt 3,7 bis 4,0 Meter. Er hat mehrere Schießscharten, die ungewöhnlich groß sind, weil sie für zehn Geschütze bestimmt waren. Der Turm hatte eine dreifache Feuerlinie, wovon die obere für Handfeuerwaffen und Armbrüste gedacht war. Insgesamt ist der Festungsturm 23 Meter hoch. Er war mit der größten Zwingeranlage der Stadt verbunden. Dass der Turm an der Südostecke der Stadt diese Ausmaße hatte, lässt darauf schließen, dass man hier den bedrohtesten Punkt der Stadt sah.

Weitere noch erhaltene Bauwerke der Stadtbefestigung sind:

Der Johannisturm von 1380 ist von den einst fünf Stadttoren der einzig erhaltene Torturm der Stadt. Er ist mit Helm 42 Meter hoch und war im Vergleich zu den bereits abgerissenen Türmen der mächtigste Stadtturm. Stadtauswärts schmücken über der Einfahrt zwei Ratswappen das Mauerwerk, das Stadtwappen befindet sich auf der Stadtseite. Die Wetterfahne trägt den Preußenadler mit den Initialen von Friedrich Wilhelm von Brandenburg.

Der Schmale Heinrich steht unweit des mächtigen Johannisturms, ist 32 Meter hoch und stammt aus dem Jahre 1442. Bemerkenswert ist die Wetterfahne. Sie zeigt einen Kranich, der seit der Antike das Symbol der Wachsamkeit ist. Ursprünglich trug er in den Krallen einen Stein. Die Überlieferung sagt dazu: Mit diesem Stein wollte der Kranich verhindern, dass er einschliefe. Würde er dennoch einschlafen, würde er durch das Herunterfallen des Steines wach werden. Diese Wetterfahne war die weithin sichtbare Mahnung an die Bürger der Stadt, in ihrer Wachsamkeit nicht nachzulassen.

Der Rabenturm wurde im Jahre 1442 erbaut. Seine Höhe beträgt 31 Meter. Er war besonders stark bestückt und hat 21 Schießscharten, die auf die Stärke der Wachmannschaft schließen lassen. Er gilt als der am besten erhaltene Turm der Stadtbefestigung. Der Name bezieht sich auf seine Nähe zur Hinrichtungsstätte, dem Galgen.

Zwischen dem Schmalen Heinrich und dem Rabenturm befindet sich der Schimmelpfennigsche Turm, der keinen Helm mehr besitzt. Er steht auf dem hier gut erhaltenen Zwinger und bedarf noch einer Sanierung. Unweit des Turmes steht mit nur zwei Metern Breite das schmalste Haus der Stadt.

Am Burgplatz befindet sich die beeindruckendste Anlage der Stadtbefestigung – eine große Rundschale. Mit einem Durchmesser von 7,2, einer Mauerstärke von 1,25 und einer Höhe von 12 Metern war sie die mächtigste Befestigung nach Südwesten.

Die Malzmühle liegt direkt an der Eine. Neben ihrer Funktion, Malz für Brauereien zu mahlen, diente sie als Bastion im Verteidigungssystem der Stadt. Zwei Stockwerke der Mühle weisen Schießscharten auf. An der Ostseite befindet sich eine hufeisenförmige, zur Stadt hin offene Schale mit drei Feuerlinien. Das noch immer erhaltene Wehr am Fluss diente zum schnellen Aufstauen des Wassers für den Stadtgraben.

Der Stumpfe Turm an der Malzmühle wurde 1440 erbaut. Er ist 23 Meter hoch und zählte zu den stärksten Pfeilern in der Stadtbefestigung. Im Keller befand sich ein heute unzugängliches Verlies mit Tonnengewölbe. Er ist am Tag des offenen Denkmals für die Öffentlichkeit zugänglich.

An die Nordostseite der Wassertormühle grenzt der Elisabethzwinger. Er hatte die Aufgabe, das bis dahin ungeschützte Terrain zwischen der Eine und der Stadtmauer zu sichern und die Wasservorstadt fester mit der restlichen Stadt zu verbinden.

Den nördlichen Abschluss des Elisabethzwingers bildet der Krappsche Turm. Der schmale Bau ist nur noch 15 Meter hoch und immer noch gut zu erkennen, obwohl er jetzt Teil eines Wohnhauses ist.

Der Liebenwahnsche Turm von 1442 ist 27,5 Meter hoch und stand direkt am 1831 abgebrochenen Liebenwahnschen Torturm. Eine Besonderheit bildet die goldene Kugel auf der Spitze, die, einem alten Brauch folgend, alte Dokumente für die Nachwelt beinhaltet. Der Turm am Marsfelde wurde von 1432 bis 1465 erbaut und ist 26,5 Meter hoch. Er ruht auf einem Tonnengewölbe, das einst als Verlies diente. Vor dem Tor lag im damals freien Gelände das Marsfeld, (heute Herrenbreite).

Die Stadtmauern weisen eine einheitliche Stärke von einem Meter, eine Höhe von acht Metern und eine Länge von 2,3 Kilometern auf. Sie sind nicht mehr vollständig erhalten.

Außerhalb der Stadt befanden sich einst elf Warttürme, von denen noch zwei erhalten sind, die Westdorfer Warte im Süden auf dem Gelände der Alten Burg und im Nordosten die Stassfurter Warte, direkt an der einstigen Grenze zu Anhalt-Bernburg.

Rathaus[Bearbeiten]

Rathaus
Rathausuhr

Das Aschersleber Rathaus zeugt vom einstigen Reichtum und von der Macht der Stadt. Es stammt aus verschiedenen Bauetappen. Im Jahre 1517 wurde damit begonnen, an der gleichen Stelle das alte Rathaus abzubrechen und ein neues zu errichten. 1518 wurde Richtfest gefeiert. 1730 wurde das Gebäude mit gelber Kalkfarbe gestrichen und mit neuen Fenstern ausgestattet. 1885 kaufte die Stadt einige Grundstücke in der Nachbarschaft und errichtete auf dem geräumten Areal einen zweistöckigen Anbau. Den letzten Anbau errichtete man 1935 auf der Marktseite. Der Entwurf stammte vom Stadtbaumeister Hans Heckner. Der Kern der ganzen Anlage ist der aus gotischer Zeit stammende Hauptturm, der nach 1518 erhöht wurde. An der Südseite des Komplexes befindet sich ein Treppenturm, der ehemals der Aufgang zum Stadtverordnetensaal war. Der Turm erstreckt sich über vier Geschosse und hat ein halbes Achteck als Grundriss. Im oberen Stockwerk ist spätgotisches Maßwerk zu sehen. Zwischen dem Treppenturm und dem höheren Uhrenturm an der Westseite besaß das Haus Mauerbögen, ähnlich denen an der Stadtmauer. Beim ersten Umbau wurden diese entfernt. Der weithin sichtbare Uhrenturm ist der älteste Teil des Hauses. Grundmaße und Fenster sind denen der Stadtmauer ähnlich. Dem viereckigen, sechsgeschossigen Steinbau wurde ein Fachwerkaufsatz mit einer barocken, geschweiften Haube als Krönung hinzugefügt.

Das Turmuhrwerk stammt von 1580. Es stellt eine Besonderheit dar. Zwei vergoldete Ziegenböcke, die bei jeder Viertelstunde mit den Hörnern zusammenstoßen, sollen dem Stadtrat symbolisieren, dass man sich bei Ratssitzungen nicht die Hörner abstoßen solle. Am Nordflügel des Hauses befindet sich ein Erker aus Sandstein, der aus der Renaissancezeit stammt. In jede der drei Säulen, auf denen der Erker ruht, wurde ein Löwenkopf eingearbeitet, ein Symbol der Wachsamkeit. Im Stadtverordnetensaal befand sich ein Kamin mit der Darstellung des salomonischen Urteils. Er wurde entfernt und befindet sich heute im Museumshof der Stadt. Im Neubau von 1935 an der Marktseite wurden Dachgiebelfenster mit Fresken und Darstellungen aus der Stadtgeschichte eingearbeitet. Der Ratskeller des Hauses hat ein gratiges Kreuzgewölbe und ist verschiedenen Festlichkeiten der Stadt vorbehalten. Anfang der 1990er Jahre wurde das Rathaus weitgehend saniert und verschiedene Behörden der Stadt wie das Standesamt zogen wieder in die Mitte der Stadt. Der untere linke Flügel beherbergt die Stadtsparkasse.

Grauer Hof[Bearbeiten]

Innenansicht vom Grauen Hof

Der in der Mitte der Stadt gelegene Graue Hof wurde erstmals am 24. August 1309 in einer Übereignungsurkunde an das Kloster Michaelstein von Otto II. von Anhalt erwähnt. Damit ist er der älteste Profanbau der Stadt. Ursprünglich als Gravenhof bekannt, wurde er später als Grauer Hof bezeichnet, da die ansässigen Mönche graue Kleidung trugen. In der Schenkung wurde erwähnt, dass der Hof schoß- aber nicht wachfrei sein sollte. Der Hof wurde lange Zeit vom Kloster verwaltet und als Wirtschaftshof genutzt, später erwarb die Stadt das Anwesen. Es handelt sich um einen unregelmäßigen Gebäudekomplex, dessen Hauptgebäude aus Bruchsteinen erbaut wurde und der nach Westen hin von der Stadtmauer begrenzt wird. Nach innen schließt sich im rechten Winkel ein massives Hofgebäude mit Fachwerkoberbau an.

In das Innere gelangt man durch zwei Bogentore, wovon das äußere Tor einen Rundbogen und das innere durch einen Spitzbogen abgeschlossen wird. Im Gebäude gibt es in der oberen Etage einen kleinen Saal, sowie ein Café. In der ehemaligen Kapelle befindet sich ein Drillingsfenster, im Erdgeschoss eine große schwarze Küche. Zum Hof führen ausschließlich enge Gassen. Der Graue Hof ist das Kulturzentrum der Stadt geworden und wird im Rahmen des städtischen Kulturangebotes regelmäßig für verschiedene Zwecke genutzt. So finden hier Konzerte, Ausstellungen und Lesungen statt. Höhepunkte bilden im Frühjahr zum Gildefest die Trommlernacht und seit 1992 am 2. Oktoberwochenende das internationale Herbstbluesfestival mit abschließender Bluessession. Das Gebäude ist im Wesentlichen seit dem 14. Jahrhundert unverändert geblieben.

Krukmannsches Haus[Bearbeiten]

Krukmannsches Haus

Das Haus ist nach seinem Erbauer, dem Kaufmann Hermann Krukmann benannt. Dieser ließ es im Jahre 1572 errichten, nachdem er von einer beschwerlichen Handelsreise nach Moskau zurückgekommen war. Die Inschrift über dem Portal in lateinischer Schrift erzählt davon. Das Gebäude ist ein typischer Renaissancebau mit massivem Unterbau, der einen Fachwerkoberbau trägt. Es zeichnet sich durch eine malerische Gestalt sowie durch den Reichtum seiner Einzelformen aus. Die Einfahrt zum Innenhof erfolgt durch das Hauptportal mit einem reich profilierten Rundbogen. Eingerahmt wird es durch zwei schlanke Säulen. Die Straßenecke ziert ein runder Erker, der auf einer mächtigen Konsole ruht. Nur vom Innenhof sichtbar ist ein alter Treppenturm. Der Turm gehört zu einer älteren Anlage (Anfang 16. Jahrhundert) als das restliche Haus. Im Dreißigjährigen Krieg diente das Haus im Jahre 1625 dem Kriegsherrn Wallenstein und seinem Generalstab lange Zeit als Quartier.

Lederer Bräustübl[Bearbeiten]

Das Gebäude der Gastwirtschaft Lederer Bräustübl ist eines der ältesten Profanbauten Ascherslebens. 1512 wurde der Grundstein für dieses Haus gelegt. Bemerkenswert sind der Renaissanceerker aus dem gleichen Jahre, einer der ältesten Sachsen-Anhalts, sowie im Inneren der kreuzgratgewölbte Gastraum und das Sitznischenportal. Von 1794 bis 1802 diente es dem Dichter Friedrich de la Motte Fouqué als Wohnsitz, da er dem in Aschersleben ansässigen Kürassierregiment als Leutnant angehörte.

Halken[Bearbeiten]

Der Halken in Aschersleben

Als Großen und Kleinen Halken bezeichnet man zwei kleine, enge Gassen in der Altstadt. Diese treffen sich im rechten Winkel unmittelbar an einem Schling, einem nur für Fußgänger angelegten Durchbruch durch ein Wohnhaus. Als die Stadtbevölkerung zunahm, wurden auch die freien Plätze in der Nähe der St.-Stephani-Kirche bebaut. Dabei wurde auch der Halken für die Gewandschneider gebaut. Der Name stammt von der Bezeichnung Halleken oder Hallechen und bedeutet Verkaufshalle der Schneider. Der Halken ist bisher noch nicht saniert. Ein Verein zur Rettung des Halkens führt verschiedene Spendenaktionen durch, um den Halken vor dem Abriss zu retten.

Wassertormühle[Bearbeiten]

Die Wassertormühle war Teil des umfangreichen Mühlensystems der Stadt. Sie wurde erstmals im Jahre 1357 erwähnt und liegt malerisch an der Eine. Sie war eingebunden in die Stadtbefestigung und lag unmittelbar in der Nähe des Rondells. Sie wurde auch als Alte Walkmühle sowie Ratsmühle bezeichnet und besitzt an der Südostecke einen geschweiften Barockgiebel aus dem 17. Jahrhundert. An der Nordostecke grenzt die Mühle an den 1519 angelegten Elisabethzwinger. An dieser Stelle überbrücken zwei große Bögen in der Stadtmauer die Eine und den Mühlgraben. Solche Flusstore stellen eine Seltenheit im mittelalterlichen Wehranlagenbau dar. Heute wird die Mühle nach gründlicher Sanierung in den Jahren 1992/93 als Jugendclub genutzt.

Brunnen[Bearbeiten]

Markt mit Hennebrunnen

Aschersleben verfügt im Stadtkern über mehrere bemerkenswerte Brunnenanlagen.

Als 1902 der Ratsherr Henne für die Stadt eine Stiftung gründete, war ein Teil des Geldes für einen Brunnen auf dem Markt bestimmt. Dieser Hennebrunnen zeigt eine durch einen Baldachin überdachte gegliederte Säule, auf der acht eigenartige Bronzeputten sitzen. Das Ganze wird von einer becherartigen Brunnenschale umrandet. Der Brunnen wurde von Georg Wrba aus Dresden entworfen und im Mai 1906 feierlich eingeweiht. Ursprünglich stand er fünf Meter weiter nördlich und wurde, als man einige Häuser auf dem Markt abriss, an seine heutige Stelle versetzt.

Der Holzmarktbrunnen steht auf dem Holzmarkt und zeigt einen kleinen Mann mit einer Holzkiepe auf dem Rücken. Am Rande der mittelalterlichen Stadt lag der Holzmarkt. Auf diesem kleinen Platz wurde der gesamte Brennholzverkauf durchgeführt. Daran erinnert der kleine Brunnen, der 1914 vom Berliner Bildhauer Frydag geschaffen wurde.

Als man zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Platz Vor dem Hohen Tor die Häuser abriss, empfand man den Platz als zu leer. So entschloss man sich im Jahre 1904 zum Bau eines Brunnens, den der Seifenfabrikant Kuntze spendete. Er wird seitdem als Kuntzebrunnen bezeichnet. Nach dem Beruf des Stifters und dem stöpselartigen Aussehen wurde der Brunnen im Volksmund Seifenstöpsel genannt.

Noch zwei weitere Brunnen befinden sich im Stadtgebiet. Als Margarethenbrunnen wird der kleine, 2003 aufgestellte Brunnen unweit der St.-Margarethen-Kirche bezeichnet. Er besteht aus einem Bronzeguss und zeigt die Figur der heiligen Margarethe. Der Brunnen auf der Herrenbreite ist in Form eines Dreiecks angelegt und bildet das Zentrum der Herrenbreite. Er wurde in den 1970er Jahren gebaut und hat verschiedene Wasserspiele.

Scharren[Bearbeiten]

Scharren
Am Kiethof

Zwei klassizistische Kolonnadengänge säumen eine kleine Gasse, die zur St.-Stephanikirche führt. Sie werden als Scharren bezeichnet. 1724 wurde hier eine Fleischerbude eingerichtet, in der die Fleischer ihre Produkte bis zum 19. Jahrhundert verkauften. Der Name bedeutet im Mittelhochdeutschen Fleischbank. Der Scharren ist direkt an das sogenannte „Gewandhaus“ angelehnt, ein Gebäude, das im Mittelalter als Gildenhaus der ortsansässigen Tuchmacher diente. Ein Café am Gewandhaus erinnert noch heute daran.

Malerwinkel am Kiethof[Bearbeiten]

Der Bereich des Kiethofs liegt in der sogenannten Wasservorstadt, einer der ältesten Vorstädte der Stadt und direkt an der Eine. Wahrscheinlich schon im 7. Jahrhundert besiedelt, war er der Kietz, die Niederlassung wendischer Fischer. Die heute dort stehenden kleinen sanierten Häuser stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Es handelt sich um eine Gasse, die als Ende der Straße Vor dem Wassertor als Sackgasse endet und einen rechten Winkel bildet, dessen Auslauf zur Promenade führt. Aufgrund dieser romantischen Winkellage, wurde sie des Öfteren von Malern festgehalten und im Volksmund als Malerwinkel bezeichnet.

Postamt von 1891[Bearbeiten]

Postamt

Im Mai 1889 wurde mit dem Bau eines neuen Post- und Telegrafenamtes begonnen, im Jahre 1891 konnte es in Betrieb genommen werden. Anfangs besaß es noch eine Turmkuppel mit Telegraphenmast, die im Laufe des 20. Jahrhunderts entfernt wurde. Der repräsentative Bau in Formen des Historismus hat eine Fassade aus rötlichem Sandstein.

Naturdenkmal Speckseite[Bearbeiten]

Speckseite bei Aschersleben

Am östlichen Eingang Ascherslebens an der Schierstedter Chaussee steht linkerhand auf einer Anhöhe ein großer Stein. (Der Sage nach soll dieser Stein von einem gewaltigen Riesen stammen, der ihn im Stiefel drückte. Da zog der Riese kurzerhand den Stiefel aus und schüttete das Dingelchen von Stein am Wege aus.) Er ist an die zwei Meter hoch, zweieinhalb Meter breit und soll noch einen Meter tief in der Erde stehen. Aufgrund der Ähnlichkeit dieses Menhirs mit einer riesigen Speckseite bekam er seinen Namen. In den Stein sind einige Dutzend Nägel so eingeschlagen, dass nur noch ihre Köpfe zu sehen sind. Sagenhafte Erzählungen berichten, der Stein sei bei jedem Gewitter weich geworden und die Menschen hätten versucht, den zürnenden Thor zu besänftigen, indem sie Nägel in die Poren des Steines getrieben hätten.

Wahrscheinlicher ist, dass im Mittelalter die Speckseite Prüfstätte der Geschicklichkeit für Handwerksburschen und wandernde Gesellen war, die hier die vielen Nägel einschlugen. Da hier seit langem drei alte Handelsstraßen aufeinanderstoßen und archäologische Grabungen Aschen- und Urnenreste zu Tage förderten, könnte auf der Anhöhe eine heidnische Opfer- und Begräbnisstätte gelegen haben.

Parks[Bearbeiten]

Panorama der Herrenbreite in Aschersleben
Hauptartikel: Parkanlagen in Aschersleben

Innerhalb der Stadt gibt es einige reizvolle Parkanlagen, wie die Herrenbreite oder den Stadtpark. Etwas außerhalb liegt das Naherholungsgebiet Alte Burg, mit verschiedenen Sehenswürdigkeiten, wie dem Zoo Aschersleben, dem Planetarium und dem Hexenturm. Der Promenadenring umrahmt entlang der alten Stadtmauer als Grüngürtel die Altstadt.

Landesgartenschau Aschersleben 2010[Bearbeiten]

Kammerphilharmonie Ascania[Bearbeiten]

Seit dem 1. Januar 2006 hat die Stadt mit der Kammerphilharmonie Ascania einen besonderen kulturellen Botschafter. Die Leitung hat Cristian Goldberg, Mitglied der Philharmonie Magdeburg, und Gründer des Cristian Goldberg Ensembles, insgesamt 42 Musiker gehören zum Ensemble. Zunächst wurde ein Dreijahresvertrag unterzeichnet, der u. a. vorsieht, dass pro Jahr mindestens drei Konzerte in Aschersleben stattfinden sollen. Der Vertrag benennt Kammerphilharmonie Ascania als Namen und Aschersleben als Sitz der Philharmonie. Gefördert wird sie u. a. durch die Sparkassenstiftung.

Sport[Bearbeiten]

Die Stadt verfügt über Sportanlagen für verschiedene Sportarten, neben Fußball auch Handball und Basketball, Boxen, Fechten, Kegeln, Schwimmen und Schießen. So existieren mit dem Sportplatz an der Wilslebener Straße, dem Stadion der Eisenbahner, das 2006 umfangreich saniert und mit einer Tartanbahn, einem Kunstrasenplatz und einer Flutlichtanlage ausgestattet wurde, sowie dem Rotationsplatz, drei größere Sportanlagen für Ballsport und Leichtathletik.

Es gibt mit der Sporthalle am Ascaneum, den Sporthallen im ehemaligen WEMA Werk I, der Sporthalle in der Fachhochschule Polizei Sachsen-Anhalt, den verschiedenen Schulsporthallen sowie mit dem Ballhaus eine größere Anzahl Sporthallen. Im Salzkoth befindet sich eine Schießanlage für Wurftaubenschießen. Unter der Alten Burg gibt es ein Freibad.

Ballhaus[Bearbeiten]

2002 wurde in Aschersleben das Sport- und Kulturzentrum Ballhaus eröffnet, in dem neben Unterhaltungsshows und Konzerten auch bereits internationale Boxwettkämpfe des Sport Events Steinforth-Boxstalls veranstaltet wurden. Das Haus verfügt neben einer Schwimmhalle auch über eine Beach-Volleyballhalle, eine Sauna mit Saunalandschaft, sowie über eine Sporthalle, in der Sportveranstaltungen mit bis zu 3000 Zuschauern durchgeführt werden können.

Verein Sportart Gründung Heimspielstätte Spielklasse 2010/2011
SV Lokomotive Aschersleben
SV Lok Aschersleben
Fußball 30.08.1948 Stadion der Eisenbahner Landesliga
SV Rotation 1950 Aschersleben e. V.
SV Rotation 1950 Aschersleben e. V.
Fußball 1950 Stadion Klopstockstraße 1. Kreisklasse
HC Aschersleben
HC Aschersleben
Handball 01.07.2006 Sporthalle Ballhaus 3. Liga (Handball) 2011/12 Nord
Harzschützenkorporation "Salzkoth-Ascania"
1547 e. V. Aschersleben
Schießsport 1547 Schießstand Salzkoth Aschersleben
Deutsche Meisterschaften
SV „Jagdliches Schießen“ Aschersleben
SV „Jagdliches Schießen“ Aschersleben
Schießsport 01.07.1990 Schießstand Aschersleben
Deutsche Meisterschaften
Aschersleben Tigers
Aschersleben Tigers B.C.
Basketball 18.07.1990 Sporthalle Ascaneum 1. Regionalliga Nord
Aschersleben Raven
VfB Aschersleben
Unihockey 2002 Sporthalle Ascaneum Regionalliga SBK Ost

Im Sommer 2011 wurde der traditionsreiche 1. FC Aschersleben aufgrund von Insolvenz vom Spielbetrieb abgemeldet.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Herbstblues im Grauen Hof

Am 1. Januar beginnt mit dem Neujahrskonzert der Kammerphilharmonie Ascania traditionell das kulturelle Jahr in Aschersleben.

Am ersten Januarwochenende zum Tag der offenen Tür werden den Besuchern in organisierten Fahrten die verschiedenen Schwerpunkte der Investitionstätigkeit der Stadt des vergangenen Jahres, wie auch des neuen Jahres vorgestellt. Anschließend gibt es einen Empfang beim Oberbürgermeister im Bestehornhaus.

Zum traditionellen Karnevalsumzug lädt der Aschersleber Carnevals Club (ACC) seit der Wiedervereinigung immer am Sonntag vor Rosenmontag ein. Dabei gestalten mehrere Karnevalclubs aus Aschersleben und den umgrenzenden Gemeinden den Umzug durch die Innenstadt.

Seit Mai 1999 organisiert die Kaufmannsgilde der Stadt am Himmelfahrtswochenende das Gildefest. Das Fest ist entstanden, um die Aschersleber Innenstadt zu stärken. Mittlerweile finden am ersten Maiwochenende mehrere Veranstaltungen, wie Konzerte, Modenschauen, Märkte und Ausstellungen in der Innenstadt statt, wobei die sogenannte Trommlernacht am Grauen Hof einen der Höhepunkte darstellt.

Impression vom Park und Lichterfest

Am ersten Septemberwochenende wird seit 2005 das Park-und Lichterfest mit Jahrmarkt, Flohmärkten, Konzerten und Mittelalterspektakel durchgeführt. Den Veranstaltungsschwerpunkt dieses Festes bildet die Herrenbreite, die vor allem am Abend in verschiedene Lichtsequenzen mit akustischer Untermalung versetzt wird und wo verschiedene Phantasie-Theatergruppen auftreten, die mit Licht, Akrobatik und Akustik spielen. Dabei werden vor allem die angrenzenden Villen in farbiges Lichtspiel gehüllt. Ein großes Feuerwerk, untermalt mit klassischer Musik, bildet den Abschluss des Festes.

Durch den Aschersleber Kunst- und Kulturverein e. V. wird jedes Jahr am 2. Oktoberwochenende im Grauen Hof das traditionelle Herbstbluesfestival organisiert und durchgeführt. Seit 1992 spielen Freitag und Samstag renommierte nationale und internationale Bands und Solisten aus dem Genre Blues und Boogie-Woogie. Die sonntägliche Bluessession mit einem Bluesbrunch beschließt das Festival.

Seit 2004 wird im am ersten Novemberwochenende im Bestehornhaus das Bundeskabarettfestival durchgeführt. Über 2000 Besucher kamen zur Premiere im Jahre 2004. Beim Kabarettfestival treten verschiedene Kabaretts der Bundesrepublik auf. Neben dem Vollprogramm, bei dem namhafte Kabarettisten wie Thomas Freitag oder Dieter Hildebrandt auftraten, werden auch Werkstattprogramme durchgeführt. Die Stadt vergibt jedes Jahr einen Kleinkunstpreis für besonderes Engagement im Kabarett.

Zu Beginn des Weihnachtsmarktes Anfang Dezember führt man in der Stadt den Lichtereinkauf durch. Dabei sollen die Kunden durch die festlich erleuchtete Stadt und Einkaufszeiten bis nach 22 Uhr zum Einkauf in der Innenstadt angezogen werden. Gleichzeitig wird der Weihnachtsmarkt eröffnet, der vom ersten Advent bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag geöffnet bleibt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Stadt Aschersleben hatte schon seit dem Mittelalter über ihre Stadtgrenzen hinweg wirtschaftliche Bedeutung in den Bereichen Handel, Handwerk und vor allem in der Landwirtschaft. Aus einer selbstbewussten Ackerbürgerstadt, die ihre Unabhängigkeit unter anderem im selbst finanzierten Bau der Stadtbefestigung zum Ausdruck brachte, wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine mittlere Industriestadt. Vor allem nach Auffinden der ersten kleineren Braunkohlelager nördlich der Stadt, des Anschlusses an das Eisenbahnnetz 1865, der gleichzeitig beginnenden Zuckerrübenverarbeitung in mehreren Zuckerfabriken, sowie des Abbaus von Kalisalzen in insgesamt sieben Schächten, entwickelte sich die Stadt enorm und erlebte einen großen Strukturwandel im 19. Jahrhundert. So entstanden in dieser Zeit die Werkzeugmaschinenfabrik, die Papierfabrik und das Kaliwerk, sowie ein geologischer Bohrbetrieb, der selbst am Kaspischen Meer Bohrungen durchführte. Der letzte Kalischacht wurde 1958 im Aschersleber Revier geschlossen und somit auch das Kaliwerk. Auf dem Gelände des Kaliwerks entstand das Karosseriewerk Aschersleben.

Hauptartikel: Unternehmensgeschichte der Stadt Aschersleben

Auch nach den beiden Kriegen hat sich die Industriestruktur der Stadt nicht entscheidend verändert. Erst die politische Wende veränderte mit dem Wegbrechen der osteuropäischen Märkte, wie in anderen Städten auch, die gesamte Industriestruktur der Stadt. So mussten die Papierfabrik OPTIMA, der VEB Kindermoden und das Karosseriewerk Anfang der 1990er Jahre geschlossen werden. Allerdings ließen sich seitdem mehrere Unternehmen der Vliesstoffproduktion und der Medizintechnik in der Stadt nieder. Andere Traditionsunternehmen der Stadt, wie die ehemalige WEMA oder der Rohrleitungsbaubetrieb konnten sich in der Marktwirtschaft behaupten.

Gewerbegebiet Güstener Straße in Aschersleben

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Zwei größere Gewerbegebiete, Junkersfeld und Güstener Straße, wurden in den letzten Jahren eingerichtet. Im Industriegebiet Junkersfeld konnte die ehemalige Werkzeugmaschinenfabrik WEMA als Schiess AG erhalten werden. Sie wurde vom chinesischen Werkzeugmaschinenkonzern SMTCL übernommen und beschäftigt über 350 Mitarbeiter. Es werden unter anderem modulare Drehmaschinen und vertikale Portal-Fräszentren gefertigt.

Die Firma RULMECA GERMANY GmBH stellt in den Werken Aschersleben und Leipzig Trommelmotoren, Tragrollen und Gurttrommeln für Förderbandanlagen für den weltweiten Bedarf her, hat 280 Mitarbeiter und produziert in Aschersleben etwas außerhalb der Stadt auf dem Gelände der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt (MUNA).

Die im Bereich Stahlbau fabrizierende Firma ATA konnte 2006 eine neue Werkhalle einweihen.

Anfang der 1990er Jahre wurde auf Initiative der Stadt an der Bundesstraße nach Güsten ein größeres Gewerbegebiet angelegt, das auf 83 Hektar mehreren Betrieben und Handelseinrichtungen Platz bietet. So siedelten sich nach und nach mehrere Firmen der Vliesstoffindustrie aus dem Ausland hier an und schufen über 1250 Arbeitsplätze im produzierenden Bereich. Zu diesen Firmen zählen die amerikanische Clopay Aschersleben GmbH & Co. KG, die sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Verbundstoffen spezialisiert hat, die „ASCANIA nonwoven Germany GmbH“, das Vliesstoff-Composites für die Hygiene-Industrie entwickelt. Die Linotec Development GmbH – inzwischen zur Fiberweb Linotec GmbH umfirmiert – stellt atmungsaktive Folien für den Industrie und Handwerksbedarf her. So wurde Aschersleben in wenigen Jahren zu einem Zentrum der Vliesstoffindustrie. Auch das Logistikunternehmen TAS hat sich hier niedergelassen.

Im Gewerbegebiet hat die Firma Novo-Tech ihren Sitz. Sie ist die erste Holzpolymerwerkstofffabrik Deutschlands. Ende 2007 beschäftigte das Unternehmen 35 Arbeitskräfte. Bekannt ist Aschersleben für den Samen- und Majorananbau. Dieser wird durch die Firmen Gartenland Aschersleben und MAWEA durchgeführt.

Der ehemalige VEB Rohrleitungsbau produziert als MCE Industrietechnik und ist im Kraftwerksanlagenbau tätig.

Insgesamt liegt der Anteil der Beschäftigten der Stadt in der Landwirtschaft bei 0,95 Prozent, in der Industrie bei 21,24 Prozent und im dritten Sektor (Dienstleistungen) bei 77,75 Prozent.[29]

Bildung[Bearbeiten]

Burgschule am Burgplatz

Um seinem Anspruch als Schul- und Behördenstadt gerecht zu werden, hat Aschersleben seit Mitte der 1990er Jahre auf die Entwicklung einer höheren Ansprüchen genügenden Bildungslandschaft Wert gelegt. Im Jahr 2003 wurden zwei private Grundschulen gegründet, die Freie Montessori-Grundschule sowie die Christliche Grundschule – als Evangelische Bekenntnisschule in freier Trägerschaft. Diese wurden in zwei sanierten Villen im Stile hellenistischer Renaissance untergebracht.

Die zwölf Kindertageseinrichtungen der Stadt wurden zum 1. Januar 2004 vollständig privatisiert.

Gymnasium Stephaneum am Külzplatz

Nach der Wiedervereinigung wurden in Aschersleben aufgrund des Rückgangs der Schülerzahl zwei Schulen geschlossen und abgerissen. Heute gibt es noch drei staatliche und zwei Grundschulen in freier Trägerschaft, die Ganztagsschule Albert Schweitzer, die Sekundarschule „Burgschule“ und das Gymnasium Stephaneum. Das Stephaneum ist zugleich eine Europaschule.

In der Stadt gibt es mehrere Berufsbildende Schulen. So das „Berufliche Bildungs- und Rehabilitationszentrum e. V.“ sowie das „Handwerker-Bildungs-Zentrum Aschersleben“. Das Polytechnische Bildungswerk des VHS Bildungswerkes Sachsen-Anhalt wurde im September 2004 gegründet und basiert auf der Idee des Polytechnischen Unterrichts der DDR.

An Einrichtungen der Erwachsenenqualifizierung gibt es in der Stadt das Bildungszentrum „Albert Schweitzer“, das Bildungszentrum des Einzelhandels Sachsen-Anhalt, das „Combi Schulungszentrum-Computer&Bildung GbR“, das Institut für Weiterbildung in der Kranken- und Altenpflege, die Kreisvolkshochschule Aschersleben-Staßfurt und die VHS Bildungswerk in Sachsen-Anhalt GmbH.

In Aschersleben befindet sich des Weiteren die Fachhochschule Polizei Sachsen-Anhalt.

Mit dem Institut für Ökonomiepädagogen bestand eine weitere überregionale Bildungseinrichtung bis zur Wiedervereinigung. Zwei Teilinstitute der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen, die bereits im April 1920 als „Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft“ gegründet wurden, bestehen weiterhin.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Bahnhof Aschersleben

Aschersleben ist ein regionaler Verkehrsknotenpunkt. Bereits im Mittelalter führten in West-Ost-Richtung die Heerstraße von Braunschweig in Richtung Halle und Leipzig durch die Stadt und in Nord-Süd-Richtung die alte Heerstraße von Magdeburg nach Erfurt. Des Weiteren lag sie am Postkurs DessauBallenstedt, der die beiden anhaltischen Landesteile miteinander verband.

Ausgehend von diesen älteren Handelswegen entwickelte sich im 20. Jahrhundert der zunehmende Autoverkehr zu einem Verkehrsproblem mit fast täglichen Staus im Berufsverkehr. So kreuzen sich mittlerweile drei Bundesstraßen (B 6, B 180 und B 185) am Johannisplatz und verlaufen im Bereich der Geschwister–Scholl–Straße deckungsgleich.

Inzwischen gibt es eine partielle nordseitige Umgehungsstraße. Diese ist Teil der als sogenannter Nordharzautobahn bekannten Bundesstraße 6n und ermöglicht eine schnelle, überregionale Anbindung Richtung Hannover. Etwa 20 Kilometer östlich verläuft die A 14.

Der Bahnhof Aschersleben ist ein regionaler Eisenbahnknotenpunkt. Im Jahr 2000 wurde er umfangreichen Umbaumaßnahmen unterzogen. Er liegt an der Bahnstrecke Halle–Vienenburg und verbindet diese mit den Nahverkehrsstrecken über Güsten nach Magdeburg sowie in Richtung Köthen und weiter nach Dessau. Durch einen Regional-Express bestehen alle zwei Stunden eine schnelle Verbindung in Richtung Halle (Saale) mit Halt nur in Sandersleben (Anhalt) und Könnern und eine direkte Verbindung nach Hannover über Halberstadt, Wernigerode, Vienenburg, Bad Harzburg, Goslar, Salzgitter und Hildesheim.

Aschersleben besaß zu DDR-Zeiten eine Direktverbindung nach Berlin-Schöneweide, die dreimal am Tag verkehrte.

Der Betrieb auf der Bahnstrecke Aschersleben–Frose–Quedlinburg wurde inzwischen eingestellt oder Abschnitte der Strecke an die Selketalbahn verkauft. Heute ist Aschersleben mit Quedlinburg durch eine Buslinie der Harzer Verkehrsbetriebe verbunden. Bis zum Jahre 1966 existierte eine weitere, 46 Kilometer lange Strecke in Richtung Schneidlingen und Nienhagen. Diese Bahnstrecke Aschersleben–Nienhagen, erbaut von der Aschersleben-Schneidlingen-Nienhagener Eisenbahn (ASN), wurde im Jahre 1897 eröffnet. Auf der Strecke wurden vorwiegend Güter für die Kohleindustrie befördert, aber auch der Personenverkehr wurde in regelmäßigen Fahrplänen betrieben.

Am Stadtrand befindet sich der Flugplatz Aschersleben, der für Segelflugzeuge und kleine Motorflugzeuge geeignet ist. Etwa acht Kilometer nördlich der Stadt liegt der Flughafen Magdeburg-Cochstedt. Der nächste internationale Verkehrsflughafen ist der etwa 80 Kilometer entfernte Flughafen Leipzig/Halle.

Medien[Bearbeiten]

In Aschersleben erscheint die Ascherslebener Zeitung, eine Lokalausgabe der Mitteldeutschen Zeitung. Des Weiteren werden die kostenlosen Anzeigenblätter Wochenspiegel und Super Sonntag in ihren Lokalausgaben hier erstellt.

Zu Beginn der 1990er-Jahre wurde auch die Ascherslebener Allgemeine publiziert, die jedoch 1992 wieder eingestellt wurde.

Radio HBW, ein nichtkommerzielles Lokalradio, sendet aus seinem Studio in Aschersleben ein Musik- und Informationsprogramm für die Region.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Zu den Persönlichkeiten, die mit Aschersleben in Verbindung gebracht werden, zählt in erster Linie der Gelehrte Adam Olearius. Olearius wurde im September 1599 als Adam Ölschläger in Aschersleben geboren. Die Konstruktion des Gottorfer Riesenglobuses (Durchmesser 3,11 Meter) machte Adam Olearius über die Grenzen Deutschlands hinweg bekannt. Außerdem gilt Olearius als der Begründer der wissenschaftlichen Reisebeschreibung in Deutschland. Seine zahlreichen Reisen nach Russland und Persien während seiner Zeit am Hofe von Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf machten ihn zum größten Russland-Kenner seiner Zeit. Seine „Moscowitische und Persianische Reisebeschreibung“, die im Jahre 1647 erschien, bestimmte noch lange das westeuropäische Bild Russlands.

Rudolf Christian Böttger war ein bedeutender deutscher Chemiker und Physiker und wurde am 28. April 1806 in Aschersleben geboren. Berühmtheit erlangte Boettger durch die Erfindung der Sicherheitszündhölzer. Besonders widmete er sich der angewandten Chemie und war an mehreren Erfindungen und Neuerungen federführend oder beteiligt.

Charles Johann Palmié war ein bedeutender Vertreter der Landschafts- und Stilllebenmalerei und einer der Gründungsmitglieder der Neuen Künstlervereinigung München, aus der er jedoch noch vor der 1. N.K.V.M.-Ausstellung im Winter 1909 wegen künstlerischer Differenzen austrat.

Walter Heise war ein deutscher Politiker und Widerstandskämpfer. Heise wurde am 8. September 1899 in Aschersleben geboren, er wurde am 8. Februar 1945 nach Verurteilung durch den Volksgerichtshof hingerichtet.

Sonstiges[Bearbeiten]

Möhrenköppe[Bearbeiten]

„Möhrenköppe“ ist der alte Spitzname für die Aschersleber Bürger. Mit dieser Bezeichnung wollte man den Einwohnern der Stadt im Mittelalter anhängen, dass ihre Lieblingsspeise Möhren waren, weil man nach altem Volksglauben klug wird, wenn man genug davon isst. Durch massenhaften Genuss wollten die Aschersleber die fehlende Schlauheit erlangen. Der Hintergedanke Anderer dabei war, dass der Erfolg bisher immer ausgeblieben ist.

Die Bürger trugen diesen Spottnamen insgeheim aber auch mit etwas Stolz. Sie kamen sich vielleicht etwas klüger vor als die anderen. Denn die zahlreich in der Stadt vertretenen Ackerbürger bauten nicht nur ihre Möhren so zahlreich und erfolgreich an, dass sie durch deren Weiterverkauf zu Wohlstand kamen, sondern auch andere Pflanzen wie beispielsweise Majoran. Dies stellten sie dann unter anderem in der Bauweise ihrer prächtigen Ackerbürgerhäuser zur Schau.

Lewis Wendell Willkie[Bearbeiten]

Wendell Willkie (1892–1944)[30] war ein deutschstämmiger führender Politiker in den Vereinigten Staaten und der Republikanischen Partei GOP und wurde als Gegenkandidat von Franklin D. Roosevelt für die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1940 bekannt, obwohl er zuvor nie ein politisches Amt bekleidet hatte. Er erhielt 22 Millionen Stimmen und musste somit seinem Kontrahenten den Vortritt lassen. Geboren wurde Lewis Wendell Willkie in Elwood, Indiana. Er war der Sohn von Herman Willkie, einem deutschen Einwanderer aus Aschersleben.

Filmografie[Bearbeiten]

Folgende Filme wurden teilweise in Aschersleben gedreht:

  • Der 1976 ausgestrahlte Polizeiruf 110: Ein ungewöhnlicher Auftrag wurde teilweise in der damaligen Offiziersschule des MDI (heutige Fachhochschule Polizei) gedreht.
  • Spielfilm: Vergiss Amerika, Deutschland 2000, Regie: Vanessa Jopp[31] spielt in Aschersleben (im Film heißt die Stadt Aschleben) und wurde neben den Drehorten Bernburg (Saale) und Aken (Elbe) unter anderem auch in der Innenstadt von Aschersleben gedreht. Im Januar 2001 feierte der Spielfilm in Anwesenheit von Hauptdarsteller Roman Knižka auch seine lokale Premiere im damaligen Ufa-Filmpalast Aschersleben.
  • Spielfilm: Die Erbschaft, Deutschland 2005, Regie: Nico Sentner[32]
  • Spielfilm: Wenn die Welt uns gehört, Deutschland 2008, Regie: Antje Kruska und Judith Keil.[33] Die vorletzte (eine gewalttätige Auseinandersetzung darstellende) Szene des Films wurde auf dem Gelände der ehem. Gustav Ramdohr AG am Bahnhof Aschersleben gedreht. Auch viele weitere Sequenzen entstanden in Aschersleben und Umgebung.[34]
  • 1979: Der Staatsanwalt hat das Wort – Risiko (TV-Reihe), einige Szenen am Zollberg sowie die entscheidende Szene des Einstiegs in den Kofferraum des Fluchtfahrzeugs in den Westen, wurden an einer Scheune an der Güstener Strasse gedreht

Zitat[Bearbeiten]

„der Herzog trat aus preußischen Diensten […] Die Gegend von Aschersleben, der nahe Harz, von dort so leicht zu bereisen, erschien für mich verloren, auch bin ich niemals wieder tief hineingedrungen.“

Johann Wolfgang von Goethe: Belagerung von Mainz

Literatur- und Kartenverzeichnis[Bearbeiten]

  • Adolf Brinkmann: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Aschersleben. Halle/Saale 1904, (Neudruck Halle/Saale 2001) ISBN 3-86156-043-7
  • F. C. Drosihn: Aschersleben im 19. Jahrhundert. Aschersleben 1900, (Neudruck Naumburg 2000) ISBN 3-86156-041-0
  • Elisabeth Ernst: Häusergeschichten aus Alt-Aschersleben. [Frankfurt (Main)] 1974
  • Wolfgang Karpe: Zur Geschichte der geologischen Erforschung und Erkundung im Braunkohlenrevier Aschersleben-Nachterstedt: ein bibliographischer Rückblick. In: Hallesches Jahrbuch für Geowissenschaften, Bd. 26, 2004, S. 105–118.
  • Heinrich Kühne: Die Askanier. Drei Kastanien Verlag 1999. ISBN 3-933028-14-0
  • Herbert Hans Müller: Das alte Aschersleben (Die Reihe Archivbilder). Erfurt 2005, ISBN 3-89702-905-7.
  • Sabine Oszmer, Peter Seyfried: Altkreis Aschersleben (Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt 8.1). Halle/Saale 2000, ISBN 3-910147-68-2
  • Hans Patze: Aschersleben. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 1, Artemis & Winkler, München/Zürich 1980, ISBN 3-7608-8901-8, Sp. 1102–1103.
  • Johannes Schwahn: Gnädig bewahrt; Erinnerungen eines Pastorensohnes und Arztes 1925–1945. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2006, ISBN 3-89812-359-6.
  • Emil Straßburger: Geschichte der Stadt Aschersleben: chronologische Historie der Stadt Aschersleben von 753 bis zum Jahre 1903. Neudruck Neudruck: Naumburger Verlags-Anstalt, Naumburg/Saale 2003, ISBN 3-86156-029-1
  • Otto Ritzau: Chronik der Stadt Aschersleben. Verlag F. W. Willmann, Magdeburg 1927
  • Hans-Peter Nielitz, Jörg Blenke: Aschersleben wie es früher war. Reihe Historische Städtebilder. Wieden 1992, ISBN 3-925277-79-X.
  • Oskar Stephan: Beiträge zur askanischen Volkskunde. Kinzenbach, Aschersleben 1925. Nachdruck: Naumburger Verlag-Anstalt, 2004, ISBN 3-86156-076-3.
  • Emil Straßburger: Zur Geschichte Ascherslebens während des siebenjährigen Krieges. Wedel, Aschersleben 1895 (Digitalisat)
  • Frank Thieß: Das Tor zur Welt. Stuttgart 1926, Roman, beschreibt das Leben von Gymnasiasten in Aschersleben, detaillierte Ortsangaben, Aschersleben heißt im Buch Annenstedt, aber die Straßennamen sind original.
  • K. v. Zittwitz: Chronik der Stadt Aschersleben. Aschersleben 1835 (books.google.de)
  • Lebensgeschichte des Baron Friedrich de La Motte Fouqué. Halle/Saale 1840, S. 96 ff. und S. 237 ff.
  • Topographische Karte L 4334 (1:50.000) „Aschersleben“. Hrsg. v. Landesamt für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt. 4. Aufl., Aktualisierung 2002, Halle (Saale) 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aschersleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Aschersleben – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2013 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gerd Heinrich: Askanier. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 1, Artemis & Winkler, München/Zürich 1980, ISBN 3-7608-8901-8, Sp. 1109–1112.
  3. Bau-und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen, 25. Heft. Verlag von Otto Haendel, Aschersleben 1904, S. 12 ff.
  4. Geologie der Stadt Aschersleben (PDF; 2,1 MB)
  5. Klimageografie Ascherslebens
  6. Deutscher Wetterdienst – Messwerte 1961–1990 Niederschlag: Aschersleben
  7. Chorbischof Madalwin
  8. Emil Straßburger: Geschichte der Stadt Aschersleben. Neudruck Naumburg/Saale 2003, Bd. 2, S. 312ff
  9. Lebensgeschichte von de la Motte
  10. Emil Straßburger: Geschichte der Stadt Aschersleben. Neudruck Naumburg/Saale 2003, Bd. 2, S. 392–393
  11. Rapports des délégués du gouvernement espagnol sur leurs visites dans les camps de prisonniers français en Allemagne 1914–1917. Paris 1918, S. 326f.; Bericht einer unabhängigen spanischen Kommission über ihren Besuch des französischen Außenlagers in Aschersleben
  12. Lebensgeschichte einer Überlebenden des KZ in Aschersleben
  13. Operation Big Week
  14. Chronik der US-Air-Force von 1944
  15. Einsatzbefehl der US-Bombardements von Aschersleben
  16. IBA2010
  17. Stadtumbau in Aschersleben
  18. Sieger im Landschaftsarchitekturwettbewerb
  19. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2005
  20. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2006
  21. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2008
  22. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 1. Liste
  23. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  24. Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Sachsen, Stadt Aschersleben
  25. Homepage Aschersleben: Ergebnis Stadtratswahl 2014
  26. Stadtkreis Aschersleben 1901–1945
  27. Hauptsatzung der Stadt Aschersleben
  28. Meldung auf aschersleben.de
  29. Bertelsmann Stiftung
  30. Ellsworth Barnard: Wendell Wilkie: Fighter for Freedom. Northern Michigan University Press, Marquette, MI 1966, LCCN 66-019668; S. 8
  31. Vergiss Amerika und Vergiss Amerika in der Internet Movie Database (englisch)
  32. Die Erbschaft in der Internet Movie Database (englisch)
  33. ddp Nachrichten
  34. Erwähnung im ARTE TV-Programmhinweis vom 15. Januar 2011
Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel wurde am 15. Februar 2008 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.