Aschkali
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| Aschkali | |
|---|---|
| Gesamtbevölkerung | unbekannt |
| Siedlungsgebiete | Kosovo und Zentralserbien, Albanien, Bulgarien, Mazedonien |
| Sprache | mehrheitlich Albanisch |
| Religion | Muslime |
| Ethnische Zuordnung | Roma |
Die Aschkali sind eine ethnische Minderheit im Kosovo und in Zentralserbien, in Albanien, in Bulgarien und in Mazedonien.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Herkunft
Manche Aschkali erklären ihre ethnische Herkunft mythisch. Sie seien - so eine Lesart - Nachkommen von Zuwanderern aus der Türkei während der osmanischen Herrschaft bzw. - so eine zweite - im Gefolge des Feldzugs Alexanders des Großen nach Indien von Ägypten aus auf den Balkan gelangt. So erkläre sich die Bezeichnung Ägypter für einen Teil von ihnen. Dieser Mythos erhebt den ausdrücklichen Anspruch, weit vor den Albanern die ersten Bewohner des Kosovo gewesen zu sein, demnach im Besitz der älteren Rechte zu sein.
Tatsächlich dürften Aschkali albanisierte Roma sein. Darauf weisen jedenfalls kulturelle Gemeinsamkeiten beider Gruppen beispielsweise in den Erwerbstätigkeiten, mündlichen Überlieferungen oder Heiratsregeln hin. Dem steht nicht entgegen, daß das Romanes, die Sprache der Roma, für sie eine Fremdsprache ist, denn die Mehrheit der Aschkali spricht als Primärsprache Albanisch und als Zweitsprache in der Regel Serbisch. Der Sprachverlust kleiner ethnischer Gruppen ist ein allgemeines Phänomen und findet sich auch bei anderen Roma-Gruppen. Entgegen der mythischen Erklärung der Selbstbezeichnung "Ägypter" findet das Wort sich weithin als Bezeichnung der europäischen Roma, so im Serbischen und Türkischen. Ein Teil der Aschkali bzw. Ägypter aber legt Wert darauf, Eigenständigkeit zu betonen und sich von den Romanes sprechenden Roma (Gabelji) im Kosovo abzugrenzen.
Gesichert scheint, dass sich in der Minderheit sehr spät - etwa um die 1990er Jahre, d. h. in der Phase einer allgemeinen Ethnisierung der Politik auf dem Balkan - die Vorstellung einer eigenständigen Ethnizität abseits der Roma ausgebildet hat. In welchem Umfang sie innerhalb der Minderheit tatsächlich vertreten wird, ist eine offene Frage. Selbst offizielle Vertreter der Gruppe in Deutschland erklären, dass viele ihrer Angehörigen im Kosovo sich als albanische Roma bezeichnen. Von den Kosovo-Albanern werden sie zusammen mit den im Kosovo ansässigen Roma als eine Gruppe betrachtet. Die Roma des Kosovo betrachten sie als eine Teilgruppe. Auch die internationalen Organisationen wie OSZE oder internationale Hilfsorganisationen wie das Schweizerische Flüchtlinsgwerk sehen sie als Roma.
[Bearbeiten] Aschkali im Kosovo
Vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Kosovo beteiligten auch Aschkali sich an Streiks und Straßenaktivitäten gegen die jugoslawische bzw. die serbische Regierung. Dabei waren sie nicht anders als die albanischen Gegner der Regierung repressiven Maßnahmen ausgesetzt.
Während des Bürgerkriegs wurde aus der albanischen Mehrheitsbevölkerung heraus der Vorwurf erhoben, die Aschkali hätten mit den Serben gemeinsame Sache gemacht. Es kam zu schweren Pogromen, zu Plünderungen, zum Niederbrennen von Ansiedlungen sowie zur Vertreibung der Bewohner durch albanische Milizen und andere Angehörige der albanischen Mehrheitsbevölkerung. Viele Aschkaligemeinschaften wurden zerstört und oft wurde Aschkali ihr angestammter Grundbesitz genommen.[1]
[Bearbeiten] Aschkali in den Nachbarstaaten
Bei der Volkszählung von 1994 in Mazedonien bezeichneten sich selbst 3.169 Personen als „Ägypter“. Sie wohnen hauptsächlich in den Gemeinden Ohrid, Struga, Kicevo, Resen und Debar. Primärsprache der „Ägypter“ in Ohrid, Struga, Resen und Debar ist Albanisch. In Bitola ist es Türkisch, in Kicevo Mazedonisch.
In Bulgarien sprechen die Angehörigen der Gruppen neben Bulgarisch auch Türkisch, in Serbien vorzugsweise Serbisch, in Griechenland Griechisch.
Eine Minderheit bilden sie auch in Albanien, wo sie die jeweils vorherrschende regionale Variante des Albanischen, also toskisch oder gegisch sprechen. Auch dies erhärtet die These, dass es sich hier um eine Roma-Gruppe handelt, die sich sprachlich der jeweiligen Umgebung angepasst hat.
Während der ethnischen Säuberungen im Kosovo durch die UCK-Milizen und die albanische Mehrheitsbevölkerung kam es zu Massenvertreibungen in deren Folge viele Aschkali und Ägypter nach Serbien und Montenegro flüchteten. Dort leben sie mehrheitlich marginalisiert in Slums abseits der eingesessenen Bevölkerung.
[Bearbeiten] Literatur
- Rajko Djuric/Jörg Becken/A. Bertolt Bensch, Ohne Heim - Ohne Grab. Die Geschichte der Roma und Sinti, Berlin 1996, S. 121-122
- Ger Duijzings, De Egyptenaren in Kosovo en Macedonie, in Amsterdams Sociologisch Tijdschrift, 18 (1992), S. 24-38
- Norbert Mappes-Niediek, Die Ethno-Falle. Der Balkan-Konflikt und was Europa daraus lernen kann, Berlin 2005
- Stephan Müller, Menschenrechte und Europäische Union. Zur Situation der Roma im Kosovo [2]
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ 650 Jahre Roma-Kultur im Kosovo und ihre Vernichtung: Das Pogrom, Köln o. J.; Dominik Baur, Gnadenlose Jagd auf Minderheiten im Kosovo, in: spiegel online, 26.5.2004 [1].

