Aschkenas
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Aschkenas ist ein in der Bibel (Genesis 10,3 EU)) erwähnter Enkel des Noah, über den jedoch keinerlei nähere Angaben gemacht werden. Seit dem Frühmittelalter galt er den Juden als biblischer Urahn der Deutschen. Das hebräische Wort Aschkenasim (Nachkommen des Aschkenas) bedeutet daher eigentlich „Deutsche“, wird aber meist im Sinne von „zeitweise im deutschen Raum beheimatete Gruppe der Juden“ verwendet.
Das Königreich Aschkenas, das in Jer 51,27 LUT zusammen mit Ararat (Urartu), Minni (Mannäer) zu einem Angriff auf Babylon aufgefordert wird, wird meist als skythisch identifiziert. Der entsprechende Text dürfte nach 594 v. Chr. formuliert worden sein.
„Werfet Panier auf im Lande, blaset die Posaunen unter den Heiden, heiliget die Heiden wider sie; rufet wider sie die Königreiche Ararat, Meni und Askenas; bestellet Hauptleute wider sie; bringet Rosse herauf wie flatternde Käfer!“
– Jeremia 51, 27
Mit dem biblischen Königreich der Aschkenas dürften jedoch weder Deutsche noch Juden, sondern Skythen gemeint sein. Die Form Aschkenas beruht vermutlich auf einer Verwechslung, die auf die Ähnlichkeit der hebräischen Zeichen Waw (für "u") und Nun zurückgeht. Die ursprünglich assyrische Form war (A)sch-ku-zaa bzw. (I)sch-ku-zaa, was dem griechischen Skythai entspricht. Die Skythen waren Nachbarn und Verbündete der Mannäer (später auch der Assyrer) und griffen wiederholt das Reich Urartu an. [1] Allerdings ist für diese These die Annahme eines Schreibfehlers notwendig. Dies veranlasste zu einer anderen Identifikation mit den in griechischen Quellen genannten Askanioi, d. h. Phrygern. Dabei besteht bleibt allerdings der Wortbestandteil -as problematisch, welches als Gentilizium der Lykischen Sprache erklärt wird. [2]
[Bearbeiten] Literatur
- J. Simons: The Geographical and Topographical Texts of the Old Testament. Leiden 1959, § 28.
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Vgl. Jørgen A. Knudtzon (Hg.): Assyrische Gebete an den Sonnengott für Staat und königliches Haus aus der Zeit Asarhaddons und Asurbanipals. Leipzig 1893, S. 131; Hugo Winckler: Altorientalische Forschungen 1. Leipzig 1893ff., S. 484ff.; zuletzt Rüdiger Schmitt: Das Skythische - eine altiranische Trümmersprache. In: Hermann Parzinger (Hrsg.): Im Zeichen des goldenen Greifen - Königsgräber der Skythen, Seite 300. München 2007.
- ↑ Vgl. Gustav Hölscher: Drei Erdkarten. Ein Beitrag zur Erdkenntnis des Hebräischen Altertums. Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse 1944-48/3. Heidelberg 1949, S. 22 Anmerkung 9.

